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Samstag, 7. Dezember 2024

Väterchen Frost hat's immer noch drauf

In manchen Jahren kommt er seltener als der Weihnachtsmann zu Besuch – den milden Wintern sei Dank. Aber wenn Väterchen Frost schließlich doch einmal vorbeischaut, ist es immer wieder ein Fest! Dann wird der Garten, der am Tag zuvor noch mitleiderregend bis matschig aussah, wieder trittfest und wunderschön. Das sollte man als einen Feiertag begehen, denn nie konnte man besser rechtfertigen, warum man die ollen Staudenstängel stehengelassen hat!

Ist dieser Naturgarten, den ich in einer Kleingartenanlage entdeckt habe, nicht ein Traum? Nicht auszudenken, wenn schon alles abgeschnitten wäre, einschließlich der Gräser.






Sogar die Kugelspringer haben sich feingemacht, sind aber weniger zahlreich unterwegs und eher zur Mittagszeit, wenn die Temperaturen etwas gestiegen sind.


So mag ich selbst die Hortensienblüten ganz gern.

Hortensie

Der erste richtige Frost des Winters ist sowieso der beste. Stauden, die bei Eiseskälte zu Brei werden, sind erst einmal schön schockgefroren und stehen da wie eine Eins. Ein zweites Mal schaffen sie das Kunststück meistens nicht, wenn die Temperaturen einmal wieder viel höher waren. Dann sinken sie dunkelgrün und matschig zu Boden, sodass ihre Stängel nicht mal mehr das Fliegengewicht eines Spatzes tragen können. Aber einmal schaffen sie es, beim großen Frost-Festival mitzumachen und gut dazustehen. Ein Beispiel dafür ist der Kerzen-Knöterich, dessen große Blätter nicht allzu viel aushalten.

Die Wilde Karde hält sich auch nach dem Frost wacker senkrecht - Kunststück, ist sie doch längst vorher schon abgestorben.


Auch die Früchte des Pfaffenhütchens sind noch schön rot und bekommen immer noch Besuch von Mönchsgrasmücken, die vermutlich wieder versuchen, hier zu überwintern.

So schmücken die Vögel die Sträucher und Samenstände selbst dann, wenn kein Frost da ist, der sie in Glanz und Gloria versetzen könnte...




Samstag, 23. November 2024

Alt und grau

Der Winter gilt als graue Jahreszeit und das kann auf die Wolkendecke auch durchaus zutreffen, wie wir diesen Monat eindrucksvoll gesehen haben. Da hat man schon des Öfteren das Gefühl, dass einem der Himmel auf den Kopf fällt. Auf den Garten trifft die Farbe Grau aber bei genauerem Hinsehen dann doch selten zu - es ist eher ein Brün - eine erlesene Mischung aus Braun und Grün. Die Wilden Karden zeigen als graue Eminenzen die jahreszeitlich passende Farbe aber doch in Ansätzen ganz eindrücklich - und bei ihnen habe ich eher das Gefühl, dass mir die Karden auf den Kopf fallen, was bei den Samen durchaus stimmt, aber die verblühten Stängel halten doch Wind und Wetter ganz gut Stand.


Mittlerweile keimen die Samen sogar direkt in den Kapseln - man sieht also: selbst die abgestorbenen Pflanzen geben sich redliche Mühe, den Garten auch jetzt noch ergrünen zu lassen. Die mit den meisten Keimlingen habe ich aber sicherheitshalber in Erde gesetzt. Die benachbarten Stängel am Einjährigen Silberblatt, die ihre Glamour-Phase noch nicht erreicht haben und auch eher grau daherkommen, lassen ihre Samen hoffentlich bald von alleine fallen.

Die alten Gestalten wirken immer noch dekorativ, auf eine bizarre und durchaus manchmal schmerzhafte Weise.

So richtig hübsch sind Karden aber erst, wenn die Stieglitze vorbeischauen und sich auf die Samenstände stürzen. Das tun sie oft nur, wenn die Spatzen sie nicht ans Vogelfutter lassen, denn am Vogelfutterspender sitzt man wahrlich bequemer als auf den stachligen Karden, wo man Fakir spielen muss. Aber wenn's sein muss, tun die Stieglitze auch im Garten das, was sie in freier Natur so tun und futtern die Samen:


Es lohnt sich also, die abgeblühten Diven stehen zu lassen. 


Schwerer als bei den Karden und beim Silberblatt fällt mir das Stehenlassen aber beim Echten Alant. Die alten Blätter trägt er gern offen, faltet sie in der Mitte lediglich zusammen. Abfallen tun sie nur unter Zwang und genau den wollte ich schon ausüben, um die braunen Putzlappen zu entfernen und als Mulch im Beet liegen zu lassen, aber beim Auseinanderfalten fand ich eine überwinternde Florfliege auf dem braunen Teppichboden der ollen Blätter, gut erkennbar an der brauen Farbe, die sie von einer nicht-überwinternden grünen Florfliege unterscheidet.


Nun ist der Plan kahler, ordentlicher Alant gescheitert und ich muss ihn gegen Ordnungsfanatiker verteidigen. Immerhin habe ich ihn zusammengebunden, sodass ich trotzdem noch an ihm vorbeikomme. Die Stängel müssen sowieso stehenbleiben, denn auch seine Samen fressen die Stieglitze gern.

So sieht das jetzt aus - immerhin das Pfaffenhütchen im Hintergrund spendet Farbe.


Mit einer Schneehaube sieht doch sowieso alles gleich viel netter aus...


Samstag, 27. Juli 2024

Der größenwahnsinnige Garten

Am Wochenende wurde ich gefragt, ob sich mein Garten auch über die Zeit gewandelt hätte. Gemeint war eigentlich, ob sich mein Gartenstil geändert hätte mit den Jahren. Ich habe geantwortet, dass bei meinem Garten der Wandel "Sukzession" heißt. Denn bei jedem Gehölz, vermutlich auch bei jeder Staude, gibt es diesen einen Moment, wo es nicht zu klein und nicht zu groß ist. Während man am Anfang noch sehnsüchtig jedes Blatt zählt und insgeheim den Hausbaum in spe anfeuert, doch gefälligst mal einen Zahn, sprich einen Ast, zuzulegen und schneller zu wachsen, kann es wenige Jahre später schon aus dem Ruder laufen und man schreit nach den Zähnen der Säge. Besonders in sehr kleinen Gärten ist die optimale Größe schnell hoffnungslos überschritten und alles versinkt im Schatten und die ersten heißgeliebten Sonnenstauden verziehen sich im Winter auf Nimmerwiedersehen in den Erdboden.

Selbst die größenwahnsinnigsten Stauden haben immerhin den Vorteil, dass sie jedes Frühjahr wieder bei Null anfangen. Doch im Hochsommer können auch sie ausufern und ihre ideale Größe erreichen sie dann - nichtblühend - an einem einzigen Tag im Juni. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch was Kleineres findet. Immerhin entwachsen die Riesenstauden ganz fix dem drohenden Baumschatten.

Der viele Regen dieses Jahr hat die ohnehin schon großen Stauden zu Höchstleistungen angespornt. Mein Garten schwankt also permanent zwischen Gigantismus und Minimalismus (das sind die Beete, wo seit dem Bärlauch-Intermezzo nichts mehr wachsen will, man nennt es auch Sommerloch- falls es jemand sucht, es ist bei mir!) - und die gigantomanischen Stauden schwanken bei jedem Gewitter bedrohlich gen Boden. Meinen Echten Alant, der schon wieder echt groß ist, habe ich zusammengebunden. Daneben benimmt sich nämlich ein Rudel Wilder Karden daneben und macht ihrem Namen alle Ehre. Beide sind ungefähr gleich groß, will heißen über zwei Meter.

Für die Fotos vom Pinselkäfer, der auf der Blüte übernachtet hat, musste ich die stachligen Stängel zu mir herunter biegen.

Ist natürlich blöd, wenn man die Blütenbesucher fotografieren möchte.


Von oben aus dem ersten Stock sehe ich manchmal interessante Insekten und muss die Stängel dann auf mein Niveau herablassen, um sie zu fotografieren. Da muss man ganz doll aufpassen, denn je länger man an so einer Pflanze herumbiegt, umso eher bleibt sie in der Position für immer stehen. Also gut wieder zurückbiegen und hinter anderen Stängeln einklinken...


Der Echte Alant hatte die Tage die Kleine Gartenblattschneiderbiene (Megachile centuncularis) zu Gast, die sehr gerne Korbblütler besucht. Nach einem Regenguss pudelnass geworden hielt sie auch still, zeigte dadurch aber natürlich nicht ihre normale Körperhaltung beim Blütenbesuch mit dem angehobenen Hinterleib. Und wenn sie das tut, kann ich den Alant nicht herunterbiegen, ohne dass sie flüchtet. Irgendwas ist immer. In der luftigen Höhe fühlen sich die Insekten also in der Regel vor mir sicher.



Der dritte im größenwahnsinnigen Bunde ist der Gewöhnliche Wasserdost, hier mit Bienenwolf. 



Der wird unten herum immer ausladender und sät sich aus, aber auch jedes Jahr noch ein bisschen höher - und nach jedem Starkregen noch einen Tacken breiter. Immerhin gehört er zu den ganze wenigen Stauden, die durch eine dicke Schicht Bärlauch einfach ganz ungeniert hindurchwachsen. Das wäre dann irgendwann das Ende vom Sommerloch, aber vermutlich auch das Ende kleinerer Stauden. Irgendwas ist immer...

Samstag, 25. Mai 2024

Karde: Tränke oder Todesfalle?

Die Wilde Karde (Dipsacus fullonum) ist immer noch eine viel diskutierte Pflanze, die Rätsel aufgibt und sich geheimnisumwittert gibt, aber auch wehrhaft und trotzig im Garten steht, wenn man sie lässt. 







Und eines kann sie auf jeden Fall: Sie ist eine kostenlose Insektentränke! Denn in den Blattachseln bleibt dank der stängelumfassenden Laubblätter Regen hängen. Und das Tolle ist: Man kann sie unbesorgt im Regen stehen lassen, weil die Schnecken sie in Ruhe lassen. Und dann bilden sich kleine Planschbecken bis tiefe Pools. Hier können Insekten trinken, aber auch er-trinken, wenn sie nicht aufpassen und es viel geregnet hat - denn dann ist es vorbei mit dem Nichtschwimmerbecken!

Immer noch wird kontrovers diskutiert, ob die Karde eine karnivore Pflanze ist, die aus den ertrinkenden Insekten Stickstoff resorbiert. Diese Kammschnake hatte Glück, sie konnte trinken, ohne zur Stickstoffquelle zu werden:


Der endgültige Beweis wurde noch nicht erbracht, experimentell konnte in einem Versuch aber ein erhöhter Samenansatz beobachtet werden, wenn die Pfützen mit Insekten beimpft wurden. Auch finden sich seltsame Filamente in den Blattachseln, die womöglich eine Interaktion mit Bakterien eingehen, die den Stickstoff aus den Insekten an die Pflanze liefern. Da die Karde aber nicht auf besonders mageren Standorten wächst, sollte sie die Stickstoffzufuhr über die Pools eigentlich nicht benötigen.

Unbestritten ist aber, dass die Pools, die Phytotelmata genannt werden, eine Barriere gegen fliegende Insekten sind. Blattläuse kommen laufend nicht in die nächste Etage und Ameisen genauso wenig, weshalb sie sich auch schlechter eine Blattlausfarm zulegen können, ohne in den Bootsbau einzusteigen.

Und das klappt - es finden sich zwar Blattläuse, aber sie müssen ohne ihre Ameisen-Bodyguards auskommen, und so tobt sich dort auch unbehelligt ein Blattlauslöwe aus:


Außerdem ist die Karde überall bestachelt, auch an den Mittelrippen der Blattunterseite, und vermindert damit, dass Weidetiere sie abfressen oder die Pfützen leertrinken.


Es bleiben viele Fragen offen:

  • Ist die Karde karnivor?
  • Wie resorbiert sie den Stickstoff, falls es so ist?
  • Warum verfaulen die Blattachseln nicht, wenn sie ununterbrochen im Wasser stehen?

 

Im Garten samt sich die Karde gut aus, solange sie offene Bodenstellen vorfindet. Besonders Pflasterfugen besiedelt sie mit Freuden, wobei sie dabei deutlich kleiner bleibt und auch ihre Pools doch im Format Nichtschwimmerbecken bleiben...

Samstag, 16. Dezember 2023

Das Matsch-Herbarium

Hattet ihr auch früher ein Herbarium? Ich hatte zumindest eine Pflanzenpresse, wobei die meisten Blätter doch irgendwie in den dicksten Schinken aus dem Bücherregal geplättet wurden. Im Garten geht das aber auch ganz gut, denn durch den nassen Schnee der letzten Wochen haben sich viele Pflanzen vor Angst platt auf den Boden gelegt. 

Mein Beinwell macht gerade einen auf Instant-Mulch. Das kann er gut, die letzten Fetzen, die beim Verrotten übrig bleiben, stören im Frühjahr auch nicht mehr.




Der Rhizinus im Botanischen Garten Bielefeld ist erfroren, aber seine riesigen Blätter liegen jetzt flach und das sieht sogar sehr hübsch aus.

Der Apothekergarten als Hochbeet-Herbarium - hier zeige ich ihn doch schnell mal im Überblick und mit Burg im Hintergrund, denn der Teil ist ja nagelneu und dieses Jahre erst eingeweiht worden.

Die Echte Engelwurz, die ebenfalls in den Mauerbeeten im Apothekergarten wächst, sieht immer noch hübsch bunt aus, obwohl ihre Triebe auch eher zweidimensional geworden sind.

Der Kerzen-Knöterich in meinem Garten ist Matsche, da kann man nichts mehr beschönigen, und beweist, dass nicht alle Stauden als frostdekoriertes Kunstwerk im Garten taugen - es sei denn, man möchte Stängelmikado spielen.

Da müssen es schon stabilere Kollegen wie Sonnenhut sein, der seine Samenstände wacker aufrecht präsentiert.


Hübsch sieht noch die Wilde Karde mit ihrer Rosette aus.

Die ist sowieso bis zum Frühjahr eine pflanzliche Flunder und der Schnee kann sie nicht weiter platt bügeln als sie ohnehin schon ist.

Die wächst jetzt auch schon wieder dort, wo eigentlich Rasen wachen sollte, aber auch der ist dieses Jahr ziemlich Matsche, denn nach dem vielen Regen bekommt es ihm gar nicht, wenn er betreten wird.

Schauen wir mal, was sich im Frühjahr aus der Matsche wieder hochschwingt. Der Beinwell ganz sicher.

Samstag, 8. Oktober 2022

Die kleine Klette

Ja, der kleine grüne Kaktus, der sticht, aber meine garteneigene kleine grüne Klette, die klettet. Und wie. Es ist natürlich keine richtige Klette, sondern der Große Odermennig, aber der klettet noch viel besser mit seinen grünen oder braunen Früchten. Die sind nämlich viele. Einmal berührt ist die Strickjacke oder der Schal übersät mit stark haftenden Samen, die sich mit Widerhaken festkrallen.
 

Oft finde ich selbst nach dem Waschen noch Klettfrüchte an der Kleidung, die danach wohl nicht mehr keimfähig sind.


 

 

Unverhofft sind die anhänglichen Strubbel sehr lästig, aber gezielt eingesetzt können sie so einige kleine Wunder vollbringen:

  • Der Kragen des Jacketts klappt immer in unvorteilhafte Richtungen? Macht nichts, einfach Odermennig drunter, hält bombenfest.

 

  • Keine Haarspange zur Hand? Einfach einzelne Strähnen mit den Klettfrüchten fixieren (nur das Herausziehen ist fies).

 

  • Es wird eine kompostierbare Brosche als kurzzeitiger Effekt gewünscht? Nichts einfacher als das, der Odermennig hilft und schmückt, am besten mit den noch grünen Samen.

 

  • Die Strickjacke weht immer auf und es wird kalt, sie hat aber keine Knöpfe? Odermennigsamen als Klettverschluss sind der Retter in der Not.

 

  • Ein Schal, der nicht vernünftig am Hals bleiben will, wird mit den Kletten gefügig gemacht.

 

  • Kardengesichter kann man damit anfertigen, die den Eierköpfen Persönlichkeit verleihen.

 






Welchen Verwendungszweck hättet ihr noch in Petto?