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Samstag, 7. Dezember 2024

Väterchen Frost hat's immer noch drauf

In manchen Jahren kommt er seltener als der Weihnachtsmann zu Besuch – den milden Wintern sei Dank. Aber wenn Väterchen Frost schließlich doch einmal vorbeischaut, ist es immer wieder ein Fest! Dann wird der Garten, der am Tag zuvor noch mitleiderregend bis matschig aussah, wieder trittfest und wunderschön. Das sollte man als einen Feiertag begehen, denn nie konnte man besser rechtfertigen, warum man die ollen Staudenstängel stehengelassen hat!

Ist dieser Naturgarten, den ich in einer Kleingartenanlage entdeckt habe, nicht ein Traum? Nicht auszudenken, wenn schon alles abgeschnitten wäre, einschließlich der Gräser.






Sogar die Kugelspringer haben sich feingemacht, sind aber weniger zahlreich unterwegs und eher zur Mittagszeit, wenn die Temperaturen etwas gestiegen sind.


So mag ich selbst die Hortensienblüten ganz gern.

Hortensie

Der erste richtige Frost des Winters ist sowieso der beste. Stauden, die bei Eiseskälte zu Brei werden, sind erst einmal schön schockgefroren und stehen da wie eine Eins. Ein zweites Mal schaffen sie das Kunststück meistens nicht, wenn die Temperaturen einmal wieder viel höher waren. Dann sinken sie dunkelgrün und matschig zu Boden, sodass ihre Stängel nicht mal mehr das Fliegengewicht eines Spatzes tragen können. Aber einmal schaffen sie es, beim großen Frost-Festival mitzumachen und gut dazustehen. Ein Beispiel dafür ist der Kerzen-Knöterich, dessen große Blätter nicht allzu viel aushalten.

Die Wilde Karde hält sich auch nach dem Frost wacker senkrecht - Kunststück, ist sie doch längst vorher schon abgestorben.


Auch die Früchte des Pfaffenhütchens sind noch schön rot und bekommen immer noch Besuch von Mönchsgrasmücken, die vermutlich wieder versuchen, hier zu überwintern.

So schmücken die Vögel die Sträucher und Samenstände selbst dann, wenn kein Frost da ist, der sie in Glanz und Gloria versetzen könnte...




Samstag, 6. April 2024

Regenzeit

Normalerweise beschwere ich mich nicht über Regen. Der war in den letzten Jahren auch so ein seltenes Ereignis, dass ich mich ohne zu murren sogar klaglos durch eine ganz Regenwoche geschlagen habe. Aber das kam selten vor. Dieser Dauerregen aber, jeden Tag aufs Neue ohne eine Pause und das schon seit dem Winter, macht aber selbst mich langsam fertig. In den Garten gehe ich nur noch zur Schneckenrazzia. Für die gibt es nämlich kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.

Die Wettervorhersage für Ostern hatte auch gründlich daneben gelegen. Vom sonnigen Wetter blieb am Ende nicht mehr viel übrig. Wir hatten uns wegen der rosigen Aussichten auf einem Campingplatz nahe Appeltern in den Niederlanden eingemietet und dann fiel die angekündigte Sonne nahezu komplett aus. Es kommt mir so vor, als wäre die Wettervorhersage auch schon mal zuverlässiger gewesen oder ist man nur verwöhnt durch die heutigen Möglichkeiten, online ortsgenau nachschauen zu können? Der Rasen wurde jedenfalls immer schlammiger und am Ende musste uns der campingplatzeigene Bagger vom Platz ziehen. Camping-Feeling wie bei Wacken, nur mit besseren Duschen.

Trotzdem stand natürlich ein Osterbesuch in den Gärten von Appeltern an, die hatte ich bisher nur im Spätsommer gesehen. Leider zeigte sich dort kein bisschen Sonne, so dass es nicht den von den letzten Besuchen gewohnten Glanz hatte.

Was mit sonst nicht aufgefallen ist, weil er nicht geblüht hat und ihm im Spätsommer andere Pflanzen die Show stehlen: Überall steht Rauling herum (Trachystemon orientalis). Er wirkte großblättriger als meiner.




An einer feuchten Stelle fand ich eine Kombi aus Pestwurz und Lysimachia ciliata 'Firecracker'. Das macht den Boden dicht und 'Firecracker' wächst später durch die Pestwurz einfach hindurch.



Andere Bodendecker-Kombis bestehen aus Geranium phaeum und Lungenkraut:



Eine weitere reizvolle Zusammenstellung unter Bäumen bestand aus Lenzrosen, Bergenien, Kriechendem Günsel und Mandelblättriger Wolfsmilch.






Ein Garten, der das Thema Recycling zum Thema hatte, zeigte Mauern aus gebrauchten Steinen und Dachziegeln. Das Ganze war mit Kaukasus-Beinwell und Katzenminze bepflanzt. Der Weg wurde aus zerkleinerten Ziegelsteinen angelegt.





Auch andere Gartenteile mit dem Thema Naturgarten zeigten Mauern aus wiederverwendeten Materialien.







In der Mauer sieht sogar Unkraut richtig gut aus.


Wenn man genug Pfirsiche, Aprikosen und sonstige Steinfrüchte isst, kriegt man auch diesen interessanten Wegbelag hin, der ganz nett unter den Füßen geknackt hat, also auch akustisch nicht schlecht.



Wenn man genug Besteck übrig hat, kann man sich Kunstwerke für den Garten basteln, die nicht rosten.


Die aufgespießten Blumenzwiebeln allerdings taten mir leid.


Immer wieder schön ist der Gartenzaun mit den alten Geräten, die hier zum Ausstellungsstück werden:



Als Geophyten waren neben Narzissen die Frühlings-Knotenblumen (Leucojum aestivum) allgegenwärtig. Sie wachsen auf dem schweren, lehmigen Boden sehr gut, es ist immer ausreichend feucht.




Auch Schachbrettblumen wurden oft verwendet.


Besonders gut gefiel mir dieser Obstgarten mit dem alten Birnbaum, der daneben wirkte durch das rotgestrichene Gartenhaus.



Auch wenn die Gärten also ohne Sonne auskommen mussten an dem Tag, war es doch spannend, die vielen Ideen zum günstigen Gärtnern zu sehen.

Samstag, 7. Oktober 2023

Die ewige Gartenschau

Bei Gartenschauen ärgere ich mich oft, dass nicht mehr Mustergärten gezeigt werden. Schließlich sind die Flächen ja meist so klein wie mein Garten, also kann man sich einen ganz anderen erträumen - "was wäre wenn" spielen und sich vorstellen, wie er mit einer alternativen Gestaltung ausgesehen hätte. Aber meist sind die Inspirationen eben zu wenige. Ganz anders dagegen die Gärten von Appeltern in - genau - Appeltern, Niederlande. Dort gibt es wiederum so viele Mustergärten, dass einen eine ganz andere Angst umtreibt: Die Angst, einen verpasst zu haben. Und das hat man garantiert, so weitläufig ist die Anlage.



 


Und wer doch einen parkartigen Garten haben sollte, findet in den größeren Bereichen genug Anregungen. 







 




 

Einen großen Vorteil hat das riesige Areal: Wenn man früh da ist, kann man eigentlich jeden Garten ohne Menschen fotografieren. Ein bisschen warten und er ist wieder leergefegt.







 Nicht jeder gezeigte Garten ist wirklich hausgartentauglich, oft wurde kreativ herumgesponnen, was dem Reiz aber keinen Abbruch tut. So wie dieses Haus, das keins ist, aber so tut. Es ist aus Gittern erbaut, hat aber einen Kamin - eine Anspielung auf den Treibhauseffekt, den man hier nicht erleben wird? Tapeziert wurde mit Wildem Wein.



Diese Hobbit-Höhle mit Dachgebrünung wäre vielleicht etwas für den Schrebergarten?



Es gibt auch einen großen Naturgartenbereich, wo Totholz, recycelte Pflastersteine, alte Container, Dachziegel und andere Dinge kreativ genutzt werden.



 

Artischocken warten hier darauf, von den Vögeln zerpflückt zu werden.



Deko und Bastelideen gibt es auch, wie das Fenster aus Flaschen und der zusammengerollte Staketenzaun als Kürbis-Ständer:



 



Natürlich hat mir die Anlage auch schon wieder einen Floh ins Ohr gesetzt - Flor kann man ihn nicht nennen, denn dazu sieht die Pflanze zu sehr nach Brennnessel aus, und das könnte daran liegen, dass sie mit ihr verwandt ist, aber ohne zu brennen:

 

Die Ramie finde ich als Schattenstaude sehr attraktiv. Aber natürlich wäre das hier nicht günstig gärtnern, wenn ich die einfach so kaufen würde, und so warte ich, bis mir eine zufliegt...