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Samstag, 11. November 2023

Zitronenfalter falten

Neulich wurde mir ein Video aufgedrängt, indem eine Person Schmetterlinge aus gelben Ginkgo-Blättern faltet. Das ging ziemlich fix und in einer fließenden Handbewegung. Man legt zwei Blätter aufeinander, am besten ein kleineres auf ein größeres, drückt sie seitlich zusammen, bildet eine Schlaufe aus den Stielen und fädelt die Stiele sofort durch diese Schlaufe, sodass sich ein Knoten bildet. Das sind dann die Fühler und die beiden Blätter bleiben zusammen. Es sah am Ende sogar ganz hübsch aus. Nun ist es ja Herbst und gelbe Ginkgo-Blätter liegen überall dort herum, wo Ginkgos wachsen, sofern die städtischen Laubbläser sie noch nicht entdeckt haben.




 

Also bin ich dort mal hin und habe ein paar Blätter mitgenommen. Und dann habe ich versucht, diese Schmetterlinge zu falten. Was soll ich sagen? Wenn ich davon ein Video gemacht hätte, wäre das abendfüllend geworden, weil ich das mit dem Einfädeln nicht fließend hinbekommen habe. Ich war nicht geschickt genug dafür. Falls ich es wie ein blindes Huhn mal geschafft hatte, rissen beim Zuziehen der Schlaufe gleich die Stiele ab. Vielleicht braucht man einen speziellen Ginkgo dafür, einen Gummi-Ginkgo?

Das hier ist das einzige Objekt, das von den vielen Versuchen zu etwas halbwegs Schmetterlingsähnlichem geführt hat. Und damit es auf keinen Fall eine Verwechslung gibt, habe ich das Ding auf die letzten Alant-Blüten gesetzt. Jetzt sieht es doch täuschend ähnlich aus, oder? Oder?

Ich habe nur Handybilder von dem Machwerk, um ja nichts zu beschönigen.




 

Origami aus kompostierbaren Materialien im Vorbeigehen hat bei mir nicht funktioniert, ich bin untröstlich.

Das Ganze ist jedenfalls wahrlich kein Grund, sich für das Bastelmaterial einen Ginkgo in den Garten zu pflanzen!

Samstag, 8. Oktober 2022

Die kleine Klette

Ja, der kleine grüne Kaktus, der sticht, aber meine garteneigene kleine grüne Klette, die klettet. Und wie. Es ist natürlich keine richtige Klette, sondern der Große Odermennig, aber der klettet noch viel besser mit seinen grünen oder braunen Früchten. Die sind nämlich viele. Einmal berührt ist die Strickjacke oder der Schal übersät mit stark haftenden Samen, die sich mit Widerhaken festkrallen.
 

Oft finde ich selbst nach dem Waschen noch Klettfrüchte an der Kleidung, die danach wohl nicht mehr keimfähig sind.


 

 

Unverhofft sind die anhänglichen Strubbel sehr lästig, aber gezielt eingesetzt können sie so einige kleine Wunder vollbringen:

  • Der Kragen des Jacketts klappt immer in unvorteilhafte Richtungen? Macht nichts, einfach Odermennig drunter, hält bombenfest.

 

  • Keine Haarspange zur Hand? Einfach einzelne Strähnen mit den Klettfrüchten fixieren (nur das Herausziehen ist fies).

 

  • Es wird eine kompostierbare Brosche als kurzzeitiger Effekt gewünscht? Nichts einfacher als das, der Odermennig hilft und schmückt, am besten mit den noch grünen Samen.

 

  • Die Strickjacke weht immer auf und es wird kalt, sie hat aber keine Knöpfe? Odermennigsamen als Klettverschluss sind der Retter in der Not.

 

  • Ein Schal, der nicht vernünftig am Hals bleiben will, wird mit den Kletten gefügig gemacht.

 

  • Kardengesichter kann man damit anfertigen, die den Eierköpfen Persönlichkeit verleihen.

 






Welchen Verwendungszweck hättet ihr noch in Petto?

Samstag, 13. März 2021

Die historische Nisthilfe

Im Botanischen Garten Bielefeld wird das Fachwerkhaus saniert. Das ist teuer und das dauert. Das gute Stück ist nämlich von 1823 und musste schon einmal umziehen, und zwar im Jahr 1920, als es woanders abgebaut und im botanischen wieder aufgebaut wurde. Jetzt ist es also schon 100 Jahre dort ansässig. In dieser Zeit hat es viel erlebt und viel ist am ihm herum gebaut worden, sodass es nun eine fröhliche Vielzahl von Materialien enthält, die man selbst im gut sortierten Baumarkt in dieser Fülle nicht findet. Daher: Das Haus ist noch gut, nur das Fachwerk muss raus. Und das Dach auch. Viel Arbeit also, das Gebäude ähnelt mittlerweile einem Gerippe in wallenden Gewändern aus diversen Folien.

Die Gefache sind ausgeräumt und werden nun mit weichgebrannten Ziegeln und weichem Mörtel wieder gefüllt.

Hier mal ein Bild, das die Baustellen-Tristesse verdeutlicht - das Wetter passt entsprechend:


Ein Stück hinter dem Haus steht eine zum Ambiente passend grün angestrichene Mulde, randvoll mit historischem Bauschutt. Die Steine dort haben ein schönes Schimmelaroma - man spürt den Zeitgeist der Jahrhunderte in diesem Müllhaufen.

Am Rand lag aber auch Lehm aus den Gefachen auf einem Häufchen, gut getrennt von den Steinen. Da dachte ich doch gleich an die Pelzbienen, die so gern im Lehm ihre Nester bauen, und an die Schornsteinwespen (Odynerus spinipes), die ich letztes Jahr im Botanischen Garten gefunden habe. Wären die nicht hocherfreut, wenn das Zeug nicht auf der Müllkippe landet?


 

Praktischerweise lag auch ein Stück zersplitterter Ton in der Mulde, das ich als improvisierte Schaufel benutzen konnte - und schwupps hatte ich ein Tütchen voll Lehm. Zuhause habe ich die Steine rausgepuhlt und den trockenen Baustoff mit Wasser angerührt in eine Tonschale aus dem Friedhofsmüll gefüllt. Ein Null-Euro-Projekt also!



 

Als der Lehm einigermaßen hart war, habe ich zur Sicherheit noch ein paar hohle Stängel hineingesteckt, falls sich für den Lehm doch keine Interessenten finden. Dann haben andere Bienen vielleicht noch Freude daran.


Da Pelzbienen schon öfter in den Gefachen von Fachwerkhäusern gefunden wurden, wie hier im Freilichtmusem Detmold, müsste der Lehm zum Nisten tauglich sein - und auch Mauerbienen wären Gäste.

Jetzt muss ich mir noch was schlaues einfallen lassen, wie ich die Schale senkrecht aufhängen kann, wenn der Lehm durchgetrocknet ist, aber dann wäre es perfekt.

Und wer hat schon so eine Nisthilfe mit historischer Füllung? Hoffentlich muss ich sie jetzt nicht unter Denkmalschutz stellen...

Samstag, 12. Mai 2018

Friedhofsgewächse

Es ist jedes Jahr dasselbe: Die Vergissmeinnicht haben die Tomatenkübel erobert und blühen sich die Seele aus dem Leib. Die Eisheiligen sind ihnen schnuppe, die Wohnlage an der Hauswand finden sie prima. Da ist guter Rat teuer, wenn die neue Generation Tomaten in die Töpfe einziehen soll. Die hübschen Hausbesetzer einfach kompostieren? Das geht ja nun wirklich nicht. Die Mauerbienen besuchen die Blüten so gern, dass man ihnen diese blaue Nahrungsquelle nicht wegnehmen will.


Wie gut, wenn man noch leere Tonschalen zur Hand hat. Die kann man kostenlos in den Entsorgungsbehältern auf dem Friedhof finden. Oft genug werden sie einfach weggeworfen, anstatt sie neu zu bepflanzen. Vielleicht kommen sie inklusive Grabgesteck daher und werden im Frühling unmodern. Egal, bei mir haben sie ein zweites Leben - ohne Friedhofsgwächse, dafür aber mit fröhlichen Vergissmeinnicht.
Ich habe sie einfach umgezogen, die neuen Tomaten können die alten Domizile wieder besiedeln und alle sind glücklich.


Die übrigen wohnen jetzt im Beet:


Auch dieser Tonblumenkasten stammt vom Friedhof und ließ sich auf dem Fahrradgepäckträger mitnehmen. Er ersetzt den kaputten, der über etliche Winter Risse bekommen hatte und altersschwach zerbröckelte. Die Erdbeeren fühlen sich wohl in ihm, trotz seines morbiden Werdegangs.


Weitere Recyclingstars sind die Kiefernzapfen aus dem Insektenhotel. Obwohl schon lange tot, entwickeln sie dennoch ein Eigenleben: Ziehen sich im nassen Zustand zusammen und öffnen sich bei Trockenheit wieder. Wenn man wissen möchte, ob es während einer Wochenendreise zuhause geregnet hat, stehen die Zapfen als umweltfreundliche Barometer bereit. Allerdings haben sie immer Verspätung und sind der Zeit ständig hinterher.


Im Null-Euro-Beet finden sich Pflanzenstecker aus alten Katzenfutterdosen und Bambusstäben. Die Namen sind mit Schlagbuchstaben gehämmert, die Löcher an den Ecken hat der Locher gestanzt - zwei davon gegenüber sorgen dafür, dass sich das Schild auf den Bambus fädeln lässt. Mit der Zickzackschere ist der Rand am Ende noch etwas adretter geworden.



Reine Deko ist diese Wellhornschnecke von der Nordsee. Daneben eine völlig kostenlose Knoblauchsrauke, die sich von selbst im Garten etabliert hat.


Und bald schließt sich der Kreis wieder: Die Vergissmeinnicht werden Samen produzieren, die sie wieder geschickt in den Tomatentöpfen platzieren werden. Dann ist es gut, im nächsten Jahr wieder eine geräumige Tonschale zur Hand zu haben.

Samstag, 31. März 2018

Schluss mit Tannenzapfen

Erinnert sich noch jemand an die Plackerei mit dem Holzleim letztes Jahr, als ich das Oberstübchen vom Bienenhotel renoviert habe? Dieses Mal sollte das Parterre drankommen, das so hübsch mit Kiefernzapfen bestückt war, aber von den Insekten nur mit Naserümpfen abgestraft wird.

Hier noch einmal das Vorher-Nachher-Bild vom letzten Jahr:


Man sieht, was in dem untersten Fach verzapft wurde. Für Wildbienen ist das nichts, allenfalls für Spinnen, die ihre Persönlichkeit nicht mit großen Netzen entfalten müssen, sondern eher Kellerkinder sind.

Also raus mit den Zapfen. Dazu habe ich die Klammern des Drahtgitters aufbiegen müssen und das Ganze dann hochgeklappt: Völlig überraschend mit nur einer blutenden Schnittverletzung, ich werde langsam besser.

Als erstes, und um Platz zu schinden, habe ich den kleinen Ziegelstein mit den runden Löchern angeleimt. Weil ich vom letzten Jahr gelernt habe, als ich mit dem Holzleim fast wahnsinnig geworden bin, habe ich dieses Mal Expressleim gekauft. Der ist so zähflüssig, dass alles sofort gut klebt, und zwar dort, wo es kleben soll - nicht in den Haaren und nicht an den Fingern.



Man beachte die Öffnung in dem angeblichen Schmetterlingsabteil, die ein Specht oder wer auch immer fachmännisch erweitert hat. Das ist wirklich Kunst am Bau. Jemand hat dann auch noch Sonnenblumenkerne darin deponiert:


Eingeklebt habe ich wieder die hohlen Stängel von Gelber Wiesenraute und Iran-Lauch. Als die zur Neige gingen, habe ich im Park Japanischen Staudenknöterich geschnitten. Der Abtransport auf dem Fahrradgepäckträger war abenteuerlich und bestimmt haben sich Passanten gefragt, was die Irre mit dem Zeug wohl will.


 



Zur Neige ging dann kurz darauf auch der Leim. Das Problem: Der ist so zähflüssig, dass er schon bald nicht mehr aus der Flasche kommen will. Also Packung aufgeschnitten und den Inhalt herausgespachtelt. Man will ja nichts verkommen lassen.





Als der Leim dann endgültig alle war und die leere Flasche wirklich ausgelutscht, habe ich die restlichen Stängel einfach ganz dicht gepackt, sodass sie auch nicht mehr herausgezogen werden können. Zum Schluss dann noch das Drahtgitter wieder in Position gebracht, und fertig ist das renovierte Bienenhotel!






Tada, hier ist es nun, das fertig renovierte Hotel. Nur bei dem vom Vogel kreativ bearbeiteten Mittelabteil muss ich noch mal schauen, was ich damit mache.


Samstag, 22. Juli 2017

Samenbank in der Kiste

Meine Terrassentomaten wuchern so vor sich hin, nehmen mir auf dem Sofa die Aussicht und tragen hauptsächlich noch grüne Früchte. Aber wer, wenn nicht die mit Herzblut im März ausgesäten Pflanzen, dürfte sich die Freiheit herausnehmen, mir die Sonne im Wohnzimmer zu verdunkeln?

Die ersten Johannisbeer-Tomätchen sind schon rot. Ich hätte auch drauf gewettet, dass sie das Rennen gewinnen werden. Die kleinen Dinger sind zum gleich Vor-Ort-Vernaschen.




Und diesmal verspreche ich hoch und heilig, dass ich von allen Sorten Samen ernten und aufbewahren werde! Das habe ich letztes Jahr nämlich verpennt und schon war Herbst. 

Also musste ich im März noch mal auf das Saatgut von 2015 zurückgreifen, das ich seinerzeit auf ein Stück Küchenkrepp geschludert und immerhin noch mit Bleistift beschriftet hatte. Das altehrwürdige Saatgut tat zwar noch, reagierte in seinem Keimverhalten aber schon deutlich beleidigter. Ich gelobe Besserung, ich schwöre! 

Und damit ich auch ausreichend motiviert bin, habe ich mir eine Samenbank gebastelt. Die Idee kam mir beim After-Eight-Vertilgen auf dem Sofa beim Blick auf die Tomaten draußen. Wenn ich schon keinen englischen Garten und noch nicht mal einen englischen Rasen habe, dann kann ich wenigstens was englisches futtern. Die schwarzen Tütchen, mit denen die Schokoblättchen eingepackt sind, sind doch perfekte Briefumschläge für die Samen. 

Und dann war da ja noch die Tomatenbox, die ich im Altpapiercontainer aufgestöbert und gerettet hatte. Die ist zwar von Pappe, aber außen in Holzoptik gehalten und ganz clever zusammengesteckt. 





Jetzt noch ein hübsches Papier eingeklebt, kleine Wäscheklammern zum Umschlaghalten angeleimt und schon warten die Tütchen auf die Samenernte.



In die Samenbank gehört natürlich auch die ganz entzückende birnenförmige Tomate. Die ist so wahnwitzig hübsch, dass sie mir auch nächstes Jahr mit ihren kleinen Glühbirnchen erleuchten soll! Für sie war jetzt nur kein Tütchen mehr frei. Muss ich wohl noch eine Kiste bauen...