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Samstag, 18. Dezember 2021

Frustfreier Frost

Kennt ihr diese Gartenbilder, wo die Wintersonne zwar nicht warm aber doch herzerwärmend durch die Bäume scheint und den Gräserhorsten und Staudenstängeln diese gewisse Atmosphäre verpasst, wegen der wir alles Verblühte bis ins Frühjahr stehen lassen? Vielleicht kennt ihr diese Bilder nicht nur, ihr macht sie sogar selbst.

Ich mache diese Bilder nicht, denn so etwas ist den Großgrundbesitzern und Landgärten vorbehalten. Oder Gärten mit Aussicht – jeder Balkon hat hier Heimvorteil. Zwar versuche ich auch ganz angestrengt, diese Winteratmosphäre zu erschaffen mit besonders dekorativen Stauden, Farnen und Gräsern, aber im Großstadtgarten, der von allen Seiten umzingelt ist, ist das schon schwierig.


 

Gut, dass es Zieräpfel gibt, aber selbst die sind mehr schlecht als recht, nämlich meistens schon braun:



Ich hatte auch ganz euphorisch mal ein Gras in den Garten gepflanzt, weil Gräser ja ab Herbst und den ganzen Winter über eine wahnsinnige Atmosphäre vermitteln sollen, Stichwort Tautropfen und Eiskristalle. Namentlich handelt es sich dabei um Calamagrostis x acutiflora 'Overdam'. Stelle sich aber heraus, dass es 'Overdam' zu schattig ist. Das zeigt es mit beleidigt abknickenden Blütenstielen. Der Winteraspekt sieht daher aus, als hätte ich dem guten Gras eins mit der Harke übergezogen. Daher muss ich ihm sagen: Ich habe leider kein Foto für dich, zumindest keins mit Frost.


Dann kommt noch hinzu: Es friert in der Stadt einfach auch weniger stark und weniger oft als auf dem platten Land. Das kann ein Vorteil sein bei empfindlichen Pflanzen, ist aber ein Nachteil bei atemberaubenden Frostfotos. Zum anderen kriegt die Sonne um diese Jahreszeit kaum ihren Hintern hoch, kriecht mühsam gerade über den Horizont und die meisten Strahlen werden von den umliegenden Gehölzen oder Bäumen abgefangen. Da ist selbst die kapitale Konifere im benachbarten Garten kein Hindernis mehr, denn die Dezembersonne geht schon unter, bevor sie diesen immergrünen Lichtschlucker auch nur ansatzweise erreicht hätte.

Richtig schöne Winterbilder entstehen bei Gegenlicht und mit einigem Abstand zu den Pflanzen – Weitsicht ist hier in jeder Hinsicht wichtig. Daher bleibt es bei mir dann bei Makrofotos oder anderen Pflanzendetails und ich muss für jedes bisschen Winterlicht dankbar sein im Reihenhausgarten. 

"Spot on" also für das Herzgespann, das es nicht lassen kann. Es blüht auch im Dezember noch, der Winter war bisher eindeutig zu mild.


 

 Der Fingerhut immerhin hält die Füße still und wartet geduldig auf den Frühling:

 

Das Russel-Brandkraut ist im Winter eine große Show und wird gern von Sumpfmeisen besucht, die die Samen herauspicken:

 

Die Stinkende Nieswurz und der Alant sind gegensätzlich, die eine immergrün, der andere in Winterpause:


Rot ist immer gut - Hagebutten im Frost zur Ehrenrettung der Winterstimmung in meinem Garten:


Die Wilde Karde mit ihren Bürstenköpfen ist durchgefroren besonders adrett:

 

Der Wasserdost ist immer noch schön fluffig: 

Gilb-Weiderich und Mädesüß, letzteres wird auch mal von Gimpeln gefuttert:



Die Weiße Waldaster ist ganz besonders plüschig um diese Zeit:



Zum Glück lassen wir die Samenstände aber nicht nur für uns stehen, sondern hauptsächlich für die Vögel. Und die interessiert es nicht, ob sie beim Futtern die Sonnenstrahlen sehen.

Samstag, 19. September 2020

Der Garten im Hochsommer

Wenn ein Garten eines kann, dann ist es zu überraschen. Immer wieder aufs Neue. Da denkt man, man kennt seine winzige Parzelle in und auswendig, aber Pustekuchen. Jedes Jahr bietet der Garten einige Innovationen, ob man die mag oder nicht.

Dieses Jahr war das Jahr des Malvenrosts. Dieser blöde Pilz lässt Malvenblätter aussehen, als hätten sie die Pest oder die Masern, jedenfalls sieht es erst unschön aus und dann vertrocknen die befallenen Blätter. 

Anfang Juli war noch alles wie immer, alles rosig, dann trat Agent Orange auf den Plan und schnell spielte die Malve Chamäleon und wurde orange und braun. 




Den Rostpilz hatten die Malven jedes Jahr und so dachte ich auch diesmal, wird schon werden. Wurde es aber nicht. Die Stockrose ist eingegangen und auch einige Moschusmalven. Die Buschmalve ist jetzt sehr durchsichtig, treibt zum Glück wenigstens an manchen Stellen wieder aus.


Ich habe aber auch irgendwann versucht, gegen den Malvenrost mit deinem 70er-Jahre-Orange eine Nulltoleranzpolitik zu betreiben. Dazu war ich extra im Gartenfachgeschäft und habe mir alle Fläschchen zeigen lassen, die da waren. Manche Präparate waren gefährlich für Wasserorganismen, andere sollte man nicht einatmen und nach der Behandlung die Kleidung wechseln. Oder war es verbrennen? Die schieden schon mal alle aus. Am Ende ist es ein kleines harmloses Präparat ohne Warnhinweise aber mit Pflanzenstärkungsmitteln und ein bisschen Schwefel geworden, denn Schwefel mögen blattbewohnende Pilze nicht.

Ob es an der unermüdlichen Behandlungsaktion mit dem Stinkenebel lag oder Zufall war? Jedenfalls haben zumindest die Buschmalve und der selbstgesäte Eibisch überlebt.

Die Äpfel vom Säulenapfel 'Arbat' sind dieses Jahr recht viele, aber viel zu viele bekommen ebenfalls einen Pilz (Frucht-Monilia), werden braun und fallen noch nicht mal ab, damit sie noch mehr Äpfel anstecken können:


Andere Überraschungen sind weniger schlimm. Das Herzgespann sät sich plötzlich aus und zwar in einer Weise, die man schon als aggressiv bezeichnen kann. Hat es vorher nie getan, nur ganz leise und zaghaft. Jetzt ist es überall und wächst innerhalb von einer Saison zu einer blühfähigen Pflanze heran.


Dafür fand ich in einer raffinierten Blatttasche eine Raupe an diesem neuen Herzgespann, das sich so einnehmend auf dem Rasen herumräkelt, als wäre es schon immer hier zuhause gewesen.



Sie stellte sich auf Nachfrage im Lepiforum als Brennnessel-Zünsler heraus und ich hatte eine bischer nicht dokumentierte Futterpflanze gefunden.

Die Hängepolster-Glockenblume wächst aus allen Löchern des Durchschlags heraus, das ist ebenfalls eine schöne Überraschung:


Die Kapuzinerkresse wurde im August schon recht mickrig, aber kaum dreht man ihr den Rücken zu und macht Urlaub, dreht sie plötzlich wieder richtig auf:


Gab es bei euch dieses Jahr auch Überraschungen im Garten?



Samstag, 31. März 2018

Schluss mit Tannenzapfen

Erinnert sich noch jemand an die Plackerei mit dem Holzleim letztes Jahr, als ich das Oberstübchen vom Bienenhotel renoviert habe? Dieses Mal sollte das Parterre drankommen, das so hübsch mit Kiefernzapfen bestückt war, aber von den Insekten nur mit Naserümpfen abgestraft wird.

Hier noch einmal das Vorher-Nachher-Bild vom letzten Jahr:


Man sieht, was in dem untersten Fach verzapft wurde. Für Wildbienen ist das nichts, allenfalls für Spinnen, die ihre Persönlichkeit nicht mit großen Netzen entfalten müssen, sondern eher Kellerkinder sind.

Also raus mit den Zapfen. Dazu habe ich die Klammern des Drahtgitters aufbiegen müssen und das Ganze dann hochgeklappt: Völlig überraschend mit nur einer blutenden Schnittverletzung, ich werde langsam besser.

Als erstes, und um Platz zu schinden, habe ich den kleinen Ziegelstein mit den runden Löchern angeleimt. Weil ich vom letzten Jahr gelernt habe, als ich mit dem Holzleim fast wahnsinnig geworden bin, habe ich dieses Mal Expressleim gekauft. Der ist so zähflüssig, dass alles sofort gut klebt, und zwar dort, wo es kleben soll - nicht in den Haaren und nicht an den Fingern.



Man beachte die Öffnung in dem angeblichen Schmetterlingsabteil, die ein Specht oder wer auch immer fachmännisch erweitert hat. Das ist wirklich Kunst am Bau. Jemand hat dann auch noch Sonnenblumenkerne darin deponiert:


Eingeklebt habe ich wieder die hohlen Stängel von Gelber Wiesenraute und Iran-Lauch. Als die zur Neige gingen, habe ich im Park Japanischen Staudenknöterich geschnitten. Der Abtransport auf dem Fahrradgepäckträger war abenteuerlich und bestimmt haben sich Passanten gefragt, was die Irre mit dem Zeug wohl will.


 



Zur Neige ging dann kurz darauf auch der Leim. Das Problem: Der ist so zähflüssig, dass er schon bald nicht mehr aus der Flasche kommen will. Also Packung aufgeschnitten und den Inhalt herausgespachtelt. Man will ja nichts verkommen lassen.





Als der Leim dann endgültig alle war und die leere Flasche wirklich ausgelutscht, habe ich die restlichen Stängel einfach ganz dicht gepackt, sodass sie auch nicht mehr herausgezogen werden können. Zum Schluss dann noch das Drahtgitter wieder in Position gebracht, und fertig ist das renovierte Bienenhotel!






Tada, hier ist es nun, das fertig renovierte Hotel. Nur bei dem vom Vogel kreativ bearbeiteten Mittelabteil muss ich noch mal schauen, was ich damit mache.


Samstag, 4. März 2017

Geleimt!

Alle Welt benutzt Heißkleber, nur ich habe das nie verstanden, denn ich bin mit Holzleim sozialisiert worden. Seit meiner Kindheit begleitet mich das weiße, klebrige Zeug. Es ist ungiftig, umweltfreundlich und wird nach dem Trocknen durchsichtig und unsichtbar, was ein großer Vorteil bei allem Dekorativem ist und wenn mal was daneben geht.

Mit Holzleim habe ich schon Muscheln auf Holz geklebt, Holz auf Papier und Holz auf Holz. Er hat mich nie hängen lassen - dieses Muschelbild hält jetzt schon über 16 Jahre:


Also dachte ich mir, wie schwer kann es schon sein, mein Bienenhotel damit zu renovieren? Da das obere Fach in dem Häuschen sinnloserweise mit Holzhackschnitzeln hinter Kaninchendraht gefüllt war, wollte ich es bienengerecht umbauen. Hohle Stängel sollten dort installiert werden.

Seit dem letzten Frühjahr spare ich schon für das neue Hotelfach und habe Staudenstängel aufgehoben. Besonders gut eignen sich die trockenen Strünke der Gelben Wiesenraute. Zusätzlich habe ich Herzgespann gesammelt, Iran-Lauch und dünne Bambusstäbe. Ganz winzige Löcher haben die Äste vom Wald-Geißblatt.


Dann mussten die Klammern aufgebogen werden, mit denen der Kaninchendraht befestigt war. Die untere Seite habe ich stecken lassen und das Gitter nach unten geklappt.

Jetzt sollte der Holzleim dran glauben. Großzügig habe ich die Rückseite und das Unterteil damit einbalsamiert. Die Stängel habe ich mehr oder weniger auf die richtige Länge geschnitten und sie in den Leim gesteckt.

Schon nach unglaublich kurzer Zeit wusste ich, warum alle Welt so auf Heißkleber schwört: Der ist anhänglicher und zäher. Holzleim dagegen verzeiht Anfängerfehler und bleibt sehr lange flüssig. So flüssig, dass die Stängel immer wieder umgekippt sind, eher aneinander als an der Holzwand hielten und mühsam geklebte Reihen dadurch wieder aus dem Leim gingen. Mit soviel Bindungsängsten ausgestattete Staudenröhren machten alles etwas mühselig.

Meine Finger aber waren bald so voller Klebstoff, dass ich damit schon perfekt geklebte Äste wieder durcheinander brachte, weil mir die Stäbe auf den Leim gingen. Toll. Mehrmals habe ich außerdem die Löcher der Stängel aus Versehen mit Leim verschlossen, so dass ich sie noch mal kürzen musste. Jetzt war auch die Schere ganz verklebt. Ich war wirklich kurz vorm Durchdrehen.

In schön runden Konservendosen leistet der Leim dagegen bessere Dienste - hier kann man Bambusstäbe erstmal in Ruhe bündeln und mit Kabelbinder zusammenzurren. Dann den Boden der Dose oder die Stäbe ordentlich mit Kleber einschmieren und das Bündel hinein drücken. Die Lücken lassen sich dann mit weiteren Stäben komplettieren. Oft hält so ein Packen sogar ganz ohne Klebstoff.


In dem dreieckigen Holzfach aber geriet die Operation "Nisthilfe mit Holzleim" zur Geduldsprobe mit der Gefahr eines Schreikrampfes.


Am Ende war dann alles schief und krumm, aber sicher unter Dach und Fach - der Leim hielt und durch den Überstand bleibt alles schön trocken. Jetzt noch den Hasendraht wieder drüberfummeln, tief durchatmen und nun heißt es auf die Bienen warten. Hoffentlich sind die nicht auf mit Heißkleber fabrizierte Nisthilfen konditioniert... Und nächstes Mal nehme ich Express-Leim, denn das Fach mit den doofen Kiefernzapfen ganz unten muss auch noch renoviert werden..


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Und nun noch eine Buchvorstellung für Gärtner, die sich was trauen. Die den Garten gern in die Hand von Pflanzen geben, die sich manchmal wie die Axt im Walde benehmen, nämlich heimische Arten, die gern verwildern und für überraschende Effekte sorgen. Ich gehöre ja bekanntlich auch zu den Leuten, die sich gern stadtbekannte Wucherer anlachen - die Wildbienen aus der Nisthilfe sollen ja was zu ernten haben. Hier ist also das neue Buch von Norbert Griebl:



Bei jeder Art ist angegeben, wie sie sich verbreitet und wie schnell, welche Ansprüche sie hat und welchen Nutzen wir oder die Tierwelt von ihr haben. Von Akelei bis Zimbelkraut ist alles dabei von Einjährigen bis zur Staude - durch die Angaben zum Ausbreitungsdrang kann man sich leicht aussuchen, an welchen Level man sich heranwagen möchte. Ein Blühkalender ergänzt die Auswahl. Und keine Angst - manche sind gar nicht so schlimm und werden nicht zum immerwährenden Jäte-Opfer, wie Zahnwurz oder Heide-Nelke.

Ich hätte ja gern noch mehr Bilder aus dem Garten des Autors gesehen, aber auch so kann man sich dank der Liste an Pflanzpartnern zu jeder Art vorstellen, wer zusammenpasst. Vielleicht wäre das Buch auch mal ein Denkzettel für Stadtplaner, mal wirklich pflegeleichte Beete anzulegen, in denen sich Wucherer mit Wucherern messen und sich so gegenseitig in Schach halten?

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Pack den Tiger in den Garten!

Wer wie ich als Kind gebannt vor der Zeichentrickserie "Biene Maja" gesessen hat, der erinnert sich sicher noch an den dicken Willi, den Drohn mit der lustigen Stimme, der mit Maja die Schulbank gedrückt hat. Später erst lernte ich, dass das biologisch eventuell nicht ganz korrekt ist, denn was die männlichen Honigbienen so beigebracht bekommen, beschränkt sich eher auf: "Da ist der Ausgang! Schönes Leben noch!".
Dann dürfen sie zwar mit ein bisschen Glück noch die Königin heiraten, aber ins Familienalbum kommen sie damit am Ende auch nicht. Kurz ist ihr Leben - von royalem Pomp, Ruhm und Ehre keine Spur. Noch nicht mal einen Stachel haben sie, um damit zu bestechen oder einfach nur zur Selbstverteidigung.

Ich möchte nicht respektlos erscheinen, aber ich denke, das Leben der Drohnen der Honigbiene ist nur so mittelaufregend. Geradezu glamourös geht es dagegen bei den wilden Wollbienen zu, bei denen die Männchen größer und dominanter sind als die Weibchen und dabei relativ langlebig. Die Drohnen dieser tigerartig gestreiften Wildbiene sind die ganz großen Helden und echte Draufgänger!

Wer also statt des gemütlichen Honigbienenschleckens packende Verfolgungsjagden, Sex and Crime und ganz viel Action in seinem Garten sehen möchte, aber vor der Haltung von Großwild inklusive Tigern zurückschreckt, dem sie das Anlocken der Großen Wollbiene (Anthidium manicatum) ans Herz gelegt. Im Sommer braucht man dann keinen Fernseher mehr, denn spannender als "Biene Maja" ist das Beobachten allemal.

Mit den Waffen eines Mannes (Mitte)



In Wild-West-Manier überfallen sie unschuldige Blütenbesucher und verteidigen gleich einen ganzen Harem aus mehreren Weibchen inklusive deren Futterpflanzen. Kurz: Mit Drohne Willi haben sie in etwa soviel gemein wie ein Kampfhubschrauber mit einem Heißluftballon.

Sogar bewaffnet ist das Männchen bei dieser Art - nicht bis an die Zähne, aber mit gefährlichen Dornen und Spitzen am Hinterleibsende. Damit sollen sie dank einiger Nahkampferfahrung in der Lage sein, andere Insekten flugunfähig zu kratzen, denn bei Konkurrenz an den Futterpflanzen verstehen sie keinen Spaß, schließlich sind sie nicht die Wohlfahrt. Für Menschen allerdings sind diese Piekser keine Gefahr - der Drohn interessiert sich noch nicht mal für so große Wesen wie uns.

Man sollte sich also ruhig einmal mit einer Tüte Popcorn bewaffnet in ein Wollbienen-Revier setzen, es lohnt sich: Bei ihren Aktivitäten zuzuschauen ist in jedem Fall unterhaltsamer als Tatort oder Verbotene Liebe.
Auch das Paarungsverhalten der Wollbiene ist nichts für schwache Nerven: Immer wieder patroulliert der viel größere Drohn um die Blüten herum, schwebt ein bisschen auf der Stelle, wenn er ein Weibchen entdeckt hat, um sich dann pfeilschnell und überfallartig die Auserwählte zu schnappen für ein kleines Techtelmechtel.

Szenen einer Ehe

Bei soviel Aufregung im Bienenrevier ist dann auch schnell die Luft raus und Mister Macho braucht eine Verschnaufpause, vorzugsweise in der Sonne.

Wer die wilden Kerle also in seinem Garten zu Gast haben möchte, der muss nur die passenden Futterpflanzen anbieten. Die Wollbienen erscheinen dann plötzlich aus dem Nichts, obwohl man sie in der näheren Umgebung vorher nie gesehen hat. Da die Weibchen ihre im Boden oder in Spalten liegenden Niströhren mit Pflanzenwolle auskleiden, brauchen sie stark behaarte Pflanzen wie Woll-Ziest (Stachys byzanthina), Strohblume (Helichrysum), Kronen-Lichtnelke (Lychnis coronaria) oder Deutschen Ziest (Stachys germanica).

Wald-Ziest (Stachys sylvatica)


Das allerbeste Lockmittel mit dem Prädikat "Wollbienes Liebling" ist das Herzgespann (Leonurus) - eine große Staude mit brennnesselähnlichen Blättern und kleinen Lippenblüten, die unermüdlich blüht. Ziestarten wie der auch zur Nistmaterialgewinnung benutzte Woll-Ziest, oder auch Heilziest und Wald-Ziest, sind andere passende Pflanzen. Sogar an Purpur-Leinkraut (Linaria purpurea) und Salbei (Salvia officinalis) konnte ich die Tiere schon beobachten.

Wer findet das Weibchen auf dem Bild in der Mitte?
Zum Glück sind diese Pflanzen nicht teuer, lassen sich leicht durch Ausläufer vermehren (Woll-Ziest, Wald-Ziest) oder aus Samen gewinnen (Heil-Ziest, Herzgespann, Kronen-Lichtnelke, Strohblume). Allen ist gemeinsam, dass sie nicht viel vom Leben erwarten, und weder viel Pflege noch viel Wasser brauchen. Nur genug Sonne soll es sein. Das finden die Bienen aber auch. 

Weibchen an Leinkraut




Den haarigen Woll-Ziest kann man sicher von irgendeinem Nachbarn bekommen, denn er wuchert sehr stark. Man muss nur darauf achten, eine wirklich blühfreudige Sorte zu erhaschen und nicht die allgegenwärtige, aber blühfaule "Silver Carpet", denn die ist nur der halbe Spaß, auch für die Bienen.

Für schnelle Erfolge sollte man noch unbedingt das Herzgespann auftreiben, dann lassen sich die Wollbienen schnell blicken und der Garten bekommt das Flair der Serengeti. Wenn auch nur im Kleinen.