Obwohl der Hauhechel-Bläuling immer als der häufigste Bläuling genannt wird, ist ein schlüpferfarbener Verwandter von ihm sicher noch viel öfter anzutreffen, wird aber häufig übersehen. Er ist bescheiden, sitzt weniger oft auf Blüten herum und fällt nicht durch eine bunt getupfte Unterseite auf. Außerdem gibt er sich verschlossen, will heißen, man muss schon ganz großes Glück haben, wenn man den kleinen Kerl mit aufgeklappten Flügeln kann, denn da ziert er sich gern. Sein Name suggeriert außerdem, dass er sehr spezialisiert wäre: Der Faulbaum-Bläuling (Celastrina argiolus) legt aber Eier an einer wahnwitzig großen Zahl von Pflanzen ab, sodass er mittlerweile auch unter dem Namen Garten-Bläuling firmiert.
Er ist außerdem immer der erste Bläuling im Frühjahr und fliegt schon im April, wenn der Hauhechel-Kollege noch schläft.
Hier einmal die Unterseiten der beiden häufigsten Bläulinge im Vergleich, links Hauhechel-, rechts Faulbaum-Bläuling:
Der Hauhechel-Bläuling wirkt geradezu bunt, während Fauli eher dezent gepunktet ist, nach dem Motto: Punkt, Punkt, Komma, Strich... Wer weiß, was dabei herauskommt, wenn man die schwarzen Tupfen wie beim Spiel "Punkte verbinden" mit Linien versieht?
Was die Fotos auch demonstrieren sind typische Szenen aus dem Bläulings-Alltag: Hauhechel beim Nektarnaschen, Fauli wie immer bei der Arbeit, nämlich bei der Eiablage.
Celastrina argiolus, der Faulbaum-Bläuling, fällt wirklich kaum auf. Hier mal ein Suchbild:
Ein ganz seltener Moment: Ein Weibchen zeigt seine wunderschöne Oberseite. Beim Männchen ist der schwarze Saum nur ganz schmal.
Wenn so eine Bläulings-Dame mal auf Blüten sitzt, legt sie dort auch oft gleich ein Ei. Die Falter saugen nämlich viel lieber an Honigtau oben in den Baumkronen als an Nektar.
Der Faulbaum-Bläuling fliegt in zwei Generationen, die beide ganz andere Raupenfutterpflanzen haben, aber immer Eier an die Knospen oder Blüten legen.
Die Frühlings-Falter legen Eier an Johannisbeere, Roten Hartriegel, Faulbaum, Kreuzdorn, Stechpalme, also eher an Gehölze. Die Sommer-Generation geht sehr gern an Stauden und andere krautige Pflanzen, aber auch an Efeu. Besonders beliebt sind Steinklee, Heidekraut und Blutweiderich.
Hier legt ein Weibchen ein Ei an den Steinklee, wie üblich an die noch jungen Knospen:
Besonders oft sieht man die Falter der Sommergeneration an den Blüten vom Blutweiderich. Der ist eine sehr beliebte Eiablagepflanze.
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| Links das weiße Ei |
Die Falter sind aber oft wagemutig bis wahnwitzig und kleben ihre Eier einfach mal an irgendeine dahergelaufene Futterpflanze, die zufällig gerade Knospen hat. Ob sie damit ein Risiko eingehen oder ob die Raupe nach dem Motto "es wird gegessen, was auf den Tisch kommt" mit allem einverstanden ist, was ihre Mutter ihr eingebrockt hat?
Ich habe jedenfalls noch nie eine Eiablage am namensgebenden Faulbaum gesehen, aber dafür an so extravagante Pflanzen wie Oregano oder Hopfen.
Nie hatte ich überhaupt nur eine einzige Raupe gefunden. Die können sich nämlich farblich sehr an die Blüten ihrer Futterpflanzen anpassen, sind also rosa am Blutweiderich und somit sehr gut getarnt.
Nun saß ich aber neulich auf der Terrasse herum, als ein Weibchen heran flog und sich auf die noch knospige Minze im Topf setzte. Ich erstarrte erst und schlich mich dann an. Tatsächlich, sie krümmte ihren Hinterleib und legte ein Ei, einen winzigen, weißen halben Golfball.
Genauer gesagt könnte es sich bei der Minze um Mentha x rotundifolia handeln, eine Kreuzung aus M. longifolia und suavolens. Ich weiß es leider nicht, ich habe sie als Ausläufer geschenkt bekommen.
Ich schaute immer wieder nach der Minze, sah aber erst gar nichts. Das Eiräupchen ist winzig und hat in einer rosa Blütenknospe locker Platz. Da hockte sie dann auch bald drin und fraß die Blüte von innen auf, bis ihr das zu groß geworden war.
Frisch geschlüpfte Raupe mit Eihülle 1:1 am 5. August.
Vergrößert:
Am 16. August konnte ich sie schon mit bloßem Auge sehen - klein, asselförmig, haarig, grün mit weißen Streifen! Kurzum: Ganz entzückend! Meine erste Bläulingsraupe überhaupt und dann auch noch auf der eigenen Terrasse.
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| Schmeißfliege als Größenvergleich |
Und noch ein Bild für's Familienalbum vom 20.8. Hier ist die Raupe zart errötet:
Die Futterpflanze Minze scheint in der Literatur völlig unbekannt zu sein. Aber wer weiß, welche Überraschung dieser so häufige wie übersehene kleine Falter noch in petto hat! Fauli ist auf jeden Fall ein ideales Studienobjekt für Citizen Science.














Guten Morgen liebe Elke,
AntwortenLöschendu musst ja wahre Argusaugen haben, um all die Winzigkeiten zu entdecken. Das ist ja toll, dass du das auf der eigenen Terrasse beobachten konntest. Dein Artikel ist mal wieder hoch interessant, ich dachte immer, der Bläuling sei nur auf den Faulbaum spezialisiert. Jetzt bin ich beruhigt, dass er auch andere Futterpflanzen hat. Auch dass es zwei Generationen gibt, war mir nicht bekannt. Heuer habe ich im Frühling nur einen einzigen Bläuling im Garten gesehen, obwohl wir ja reichlich Futterpflanzen hätten, allein in unserem Hang gibt es vier Faulbäume und jede Menge anderer Futterpflanzen dürften auch da sein.
Jetzt bewach mal deine Raupe gut, nicht dass ein Spatz sie noch verspeist !
Viele Grüße
Inge
Guten Morgen Elke,
AntwortenLöschenwenn du mal kommst, um die Bienen in unserem Garten zu bestimmen, können wir dann auch auf Raupensuche gehen? Ich staune immer, welche winzigen Wesen du entdeckst!
Ich halte dann mal Ausschau nach dem unscheinbareren Bläuling. Den anderen habe ich bei uns schon öfter gesehen.
Viele Grüße
Susanna
Guten Morgen Susanna,
Löschendas können wir gerne machen, meist findet man die Raupen am einfachsten, wenn man vorher die Eiablage gesehen hat. Aber wenn eine Pflanze nicht allzu viele Blütenstängel hat, kann man sie durchaus auch mal so absuchen.
Viele Grüße
Elke