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Samstag, 11. Juli 2020

Klein und blau

Manchmal ist das große Glück sehr klein und schlüpferfarben bläulich wie eine zu heiß gewaschene Jeans. Außerdem hat es sechs Beine und schwarz-weiße Fühler, als hätte es Ringelsocken darüber gezogen. Er ist vielleicht nicht die Prominenz unter den Tagfaltern, schmückt sich nicht mit orangefarbenen Flecken und sucht eher in den Baumwipfeln nach Honigtau, als dass er Blüten besucht, aber er ist hübsch und immer in gern gesehener Gartengast: Der Faulbaum-Bläuling (Celastrina argiolus).



An Faulbaum fressen die Raupen tatsächlich auch, aber das Weibchen kann an so vielen Pflanzen Eier ablegen, dass es kein Wunder ist, dass er der häufigste Bläuling in Parks und Gärten ist. Daher heißt der Winzling neuerdings Garten-Bläuling.

Während andere Bläulinge höchstens auf Kniehöhe unterwegs sind, sieht man den Garten-Bläuling über Sträuchern herumfliegen oder auch mal ganz hoch oben im Geäst.

Wenn er dann mal wagt, zu uns Gärtern hinabzusteigen, ist das ein richtiges Ereignis, man hält den Atem an und hofft darauf, dass er seine strahlend blaue Oberseite zeigt und nicht nur die babyblaue, blässliche Unterseite mit der sparsamen Punktierung. Mit dem Präsentieren der Oberflügel geizt der kleine Kerl etwas, die zeigt er nicht jedem.

Ein Weibchen


Falls man das große Glück hat, kann man dadurch auch Männchen und Weibchen unterscheiden, denn die Bläulingsfrau hat einen breiten schwarzen Rand auf den Vorderflügeln.

Hier sieht man beide beim wilden Paarungstanz auf einem Hopfenblatt, auch eine Futterpflanze der Raupen:



Vor einer Woche sah ich, wie sich so ein kleiner babyblauer Falter dazu herabließ, meinen Garten zu inspizieren - kleiner Garten, kleiner Schmetterling. Und der steuerte so zielstrebig den Oregano an, dass da was im Busch sein musste. Ich bin wie von der Tarantel gestochen ins Haus gestürzt, um die Kamera zu holen. Zur Belohnung hat das Tier sich tatsächlich aufgeklappt!



Das war aber nicht die einzige Sensation samstags nachmittags im Reihenhausgarten: Nun wusste ich, dass es Frau Faulbaum-Bläuling war, und sie inspizierte wieder den Oregano. Ganz konzentriert mit herabhängenden Fühlern wie Schlappohren, um Geruchsproben von der Pflanze zu nehmen.



Ebenso konzentriert wurde ein Ei gelegt zwischen die Blütenknospen. Das ist eine Spezialität dieses Falters, immer zwischen die Knospen, denn Blüten schmecken der Raupe gut.




Das hier sind zwei der Eier, so babyblau wie der Falter:



Nachdem Madame fertig war und wieder in höhere Sphären entschwebt war, habe ich gleich die Stängel markiert, um die Raupen später wiederfinden zu können. natürlich stilecht mit blauem Band. Denn von den Raupen will ich natürlich auch Fotos fürs Familienalbum!


Samstag, 12. Oktober 2019

Flatterhafte Fotos

Wie fotografiert man eigentlich Schmetterlinge? Gaaaaanz langsam. Und selbst das schützt nicht vor dem Abflattern, bevor man mehr als ein Dokumentationsfoto hinbekommen hat.



 

Denn Tagfalter, die sich eben noch so hübsch auf Blüten thronend präsentiert haben, als wären sie schwindelfrei und sowieso vor nichts bange, haben grundsätzlich große Angst davor, als buntes Konfetti in einem Vogelmagen zu enden. Aufgrund dieser Existenzängste muss man sich immer besonders vorsichtig und möglichst in Zeitlupe anschleichen. Am besten bewegt man sich so langsam wie die Sonne. Oder wie ein Baum. Und das dauert, daher mache ich solche Fotoausflüge am besten allein, dann habe ich die nötige Ruhe und kann stundenlang auf derselben Wiese verbringen.

So sieht diese Art Wiese aus, mit Luzerne, Esparsette, Hornklee, Schafgarbe, Wiesenklee und Oregano:






Die Windrichtung muss man zwar nicht bedenken, aber man sollte es vermeiden, einen Schatten auf das Tier zu werfen, denn so etwas macht uns äußerst verdächtig. Ein Teleobjektiv kann helfen, den nötigen Abstand zu wahren, man bekommt kleine Schmetterlinge aber dann auch nicht so formatfüllend aufs Bild wie mit dem Makro .


Manchmal hat man alles richtig gemacht, vom professionellen Anschleichen bis zum richtigen Fokuspunkt (immer auf die Augen!), und dann, wenn man gerade den Auslöser drücken will, kommt eine tölpelige Mistbiene und rempelt den zarten Bläuling ungestüm von der Blüte. Das ist dann Pech, aber vielleicht ist die Fliege ja auch fotogen. Der Falter hat natürlich auch besseres zu tun, als ewig lang nur dazusitzen. Weibchen müssen beeindruckt, Blüten besucht und Rivalen vertrieben werden.

Doch früh morgens kann man Glück haben und Schmetterlinge finden, die noch zu kalt sind, um zu flüchten. Echte Sitzenbleiber also, die oft auch gar nicht verborgen in der Vegetation hocken. Doch wehe, man wechselt noch schnell das Objektiv vom Tele auf das Makro, weil der liebe Kleine ja gerade so schön still hält. Mit großer Wahrscheinlichkeit kommt in der Zwischenzeit der alles entscheidende Sonnenstrahl, der dem Tier genug Energie zur Flucht verschafft.

Dieses Jahr sind mir besonders viele Fotos von Bläulingen gelungen. Da dies sehr kleine Falter sind, die eine Heimatwiese haben und nicht so viel unterwegs sind, halten sie sich oft immer wieder auf denselben Pflanzen auf. Da muss man nur warten, bis sie wieder vorbeikommen. Männchen scheinen auch weniger scheu zu sein als die Weibchen. Die Kerle kennen sich aus mit dem Posieren, während die Frauen eher Panik schieben, gefressen zu werden, und dann wäre ihr ganzer Fortpflanzungserfolg dahin. Dann als Falter lieber ein Foto vermeiden, sicher ist sicher.

Der Hauhechel-Bläuling ist der häufigste der blauen Arten, das Weibchen ist oberseits braun:



In Baden-Württemberg war ich im September an den Luzernen ganz eifrig hinter diesen kleinen Faltern her, als ich plötzlich etwas noch viel kleineres vorbeiflattern sah. Was war denn das für ein Zwerg?



Als ich nah genug dran war, sah ich, dass dieses winzige Weibchen zwei kurze Staubwedel hinten am Flügel hatte. Das war tatsächlich der Kurzschwänzige Bläuling! Wenn man genauer darüber nachdenkt, ist der Name nicht besonders schlau, denn die anderen blauen Bläulinge haben gar keinen Schwanz, er könnte also auch einfach Schwänziger Bläuling genannt werden, aber nun ist es eben so.

Am nächsten Tag, immer noch in Baden-Württemberg und wieder an einer großen Wiese mit viel Luzerne, fand ich dieses kupferfarbene Schmuckstück:



Das ist ein Weibchen vom Rotklee-Bläuling. Die Raupen ernähren sich gern von Wiesenklee.

Diese Fotos sind entstanden, weil ich Zeit zum Herumstreunen hatte. Die meisten Mitspaziergänger würden vor Ungeduld genervt die Flucht ergreifen und im nächsten Cafe auf mich warten, weil ich so lange geduckt um die Blumen schleiche, bis es langweilig wird. Bläulinge machen einsam, aber so viel Freude!

Und wenn ich mal richtig Zeit habe, so ungefähr eine Woche, finde ich vielleicht endlich auch mal eine Bläulingsraupe!