Samstag, 15. August 2026

Der Garten der Apokalypse

Bis Anfang Juni hatte ich noch gedacht, dass es endlich mal ein ausgewogener Sommer wird, mit sonnigen Tagen und immer mal ergiebigem Regen. Der Garten stand gut da, viele Stauden waren höher geworden als in den Jahren davor, als der April und der Mai viel zu trocken waren.

Dann kam die Höllenwoche im Juni mit Temperaturen bis zu 36 Grad. Immerhin war es schwül (schlecht für uns, aber zumindest etwas feuchter für die Pflanzen) und jede Nacht gab es richtig viel Morgentau, sodass der Garten tropfnass war. Und er stand immer noch gut da, ich musste nichts gießen.

Dann fing es aber an, bedenklich zu werden. Die paar Regenschauer, die kamen, trafen uns nicht mehr richtig. Die Gewitter lenkte der Teutoburger Wald immer passend um, sodass ich schon froh war, wenn die Regentonne wieder voll wurde. Um den Garten gut zu tränken reichten die schlappen Schauer aber vorne und hinten nicht. Die Temperaturen stiegen ja auch immer weiter, das bisschen Niederschlag, den man schon als homöopathisch bezeichnen konnte, verdunstete bald wieder.

Jetzt ist es Mitte August und das Albtraum-Wetter nimmt kein Ende. Lange war keine Wolke mehr am Himmel, die nächste Hitzewelle ist da - ob es wenigstens mal gewittert? Es ist zum Verzweifeln. Ich will einfach nicht mit Trinkwasser gießen und werde es auch bald nicht mehr dürfen. Und die Natur gießt überhaupt niemand. Die Pflanzen und Tiere da draußen tun mir so unendlich leid.

Die Akeleiblättrige Wiesenraute braucht mehr Feuchtigkeit:


Das Mädesüß sowieso:



Die Süßdolde macht langsam schlapp, obwohl ich sie immer mal gieße:




Allein die Mittelmeer-Wolfsmilch sieht zufrieden aus, aber sie steht viel zu schattig und müsste umgepflanzt werden:

Und obwohl das ganze Elend gut zu sehen ist, freuen sich viele Leute immer noch über diese Apokalypse, trotz Waldbränden, schmelzenden Autobahnen, ausgefallener Züge, trotz Dürre, trotz Niedrigwasser, trotz zigtausend Toten. Da kommen Aussagen wie: "Das nennt sich Sommer!". Oder: "Hört doch auf über die Hitze zu jammern, freut euch einfach, der Winter kommt noch früh genug." Auch oft dabei: "Früher hatten wir auch schon über 30 Grad." Und: "Es ist doch gar nicht so trocken, ich habe erst letztens eine grüne Wiese gesehen. Ich muss auch im Garten nichts gießen."

Nein, das ist kein normaler Sommer. Ich wäre auch gern so euphorisch ob des wochenlangen Sonnenscheins, aber ich bin nicht der Glas-halb-voll-Typ. Das Glas ist schon fast leer. Ich zähle die Minuten bis zum Herbst. Spoiler: Es sind noch viel zu viele.

Und was macht die Politik? Nichts. Schließlich darf man die strauchelnde Wirtschaft doch nicht auch noch mit Maßnahmen für mehr Klimaschutz belasten. Wohlgemerkt, dieselbe Wirtschaft, die Milliardenverluste wegen der Juni-Hitzewelle hatte. Die auf nicht mehr schiffbare Flüsse trifft. Die kein Wasser mehr für die Kühlung hat. Die auf ihren Firmengeländen Unsummen für die Bekämpfung von Eichenprozessionsspinnern und für die Installation von Klimaanlagen ausgeben muss. Die bald mit der Lohn-Preis-Spirale konfrontiert wird, wenn wegen Ernteausfällen alles teurer wird. 

Nein, die größte Gefahr für die deutsche Wirtschaft scheint von der telefonischen Krankschreibung auszugehen.

Und selbst der Hitzeschutz, also die Bekämpfung der Symptome, klappt ja schon nicht. Bäume in der Stadt weichen Gebäuden oder sterben in viel zu engen Pflanzlöchern ab. Nachgepflanzt wird dann auch nicht mehr. Es wird lieber betoniert, was das Zeug hält, als wären sich in Backöfen verwandelnde Innenstädte etwas Erstrebenswertes.

Das alles macht mich nur noch traurig. Ich versuche schon selbst viel zu erreichen. Fahre mit dem Zug zur Arbeit, habe eine PV-Anlage auf dem Dach, gehe viel zu Fuß oder fahre mit dem Rad, esse wenig Fleisch. Im Garten habe ich gemulcht und Bäume gepflanzt. Regentänze führe ich regelmäßig unter Ausschluss der Öffentlichkeit durch. Sie wirken nicht.

Das, was wir gerade erleben, nennt sich nicht einfach nur Sommer. Das nennt sich Apokalypse.

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