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Samstag, 9. Mai 2026

Nisthilfen aus Deutschland

Neulich wurde mir diese wahnwitzige Werbeanzeige präsentiert. Es war nicht der 1. April, der Inhalt ist aber sehr zum Veräppeln geeignet:

Man kann mit dieser Anzeige ein Spiel spielen: Finde die acht Fehler... Schaut man sich die zugehörige Webseite an (ich verlinke sie absichtlich nicht, um keine Werbung für so einen Unsinn zu machen), wird es noch schlimmer: Alle Fotos KI-generiert (wie das Bild in der Anzeige ganz offensichtlich auch) und das Ganze mit einer rührseligen Geschichte präsentiert: (KI-generierter) Rentner aus Thüringen, der als einziger und als erster das perfekte Bienenhotel entwickelt hat, will nun aus Altersgründen seine Werkstatt schließen, also heißt es schnell sein und die letzten Nisthilfen zu ergattern! Ein uralter Trick, der schon einen Bart hat so lang wie der von Mauerbienenmännchen... Im Impressum: Ein chinesischer Händler. Kombiniere: Sicher nicht Made in Germany, das Bienensterben wird ganz sicher nicht auf fast 0% reduziert und die Bewertungen der zufriedenen Kunden sind auch durch die Bank ausgedacht.

Da kann man sich die Nisthilfe doch lieber selber bauen. Oder die Profis ranlassen und wirklich Made in Germany kaufen, in meinem Fall sogar ganz lokal Made in Bielefeld. Letzte Woche durfte ich mir die Produktion in der Holzwerkstatt Bethel anschauen, deren Produkte unter dem Label Manufaktur Bethel vertrieben werden. Sie werden von Menschen mit Einschränkungen handgefertigt.

Die Nisthilfen gibt es vom kleinen Bienenblock bis hin zur großen Nistwand, mit Bambusstäben, Lehmfach oder als Holzblock - bei Bedarf auch kombiniert. In der Werkstatt wurde lange getüftelt, bis der richtige Rahmen für die Nistblöcke in der Wand gefunden war. Die Elemente sind hinterlüftet und jedes einzelne soll dem Auge schmeicheln - und natürlich den Insekten. Ausgefranste Bohrlöcher oder gesplitterte Bambusstäbe gibt es hier nicht.






Der Bambus wird übrigens in Deutschland angebaut, denn bei der Ware aus Fernost weiß man nie, ob Pestizide mit eingekauft wurden.

Die Stäbe werden zunächst mit der Kreissäge auf die richtige Länge gesägt. Dann werden sie poliert und die Reste der Laubblätter an den Internodien weggefeilt, damit sie alle in einer Ebene liegen. Zum Schluss werden sie in einen Holzkasten geleimt, der später in die Nistwand integriert wird oder als einzelne Nisthilfe dient. Sollte es trotz allem zu einem Versatz kommen, werden einzelne Bambusstücke keilförmig zurechtgefeilt, um die Reihe wieder waagerecht zu bekommen. So präzise würde ich das nicht nachbauen können, das ganze Werkzeug hätte ich auch gar nicht.





Es werden auch Nistkästen für Vögel, Igelhäuser und Fledermauskästen gebaut, die alle auf mich einen guten Eindruck gemacht haben. Sie hängen in der Werkstatt an einer Schauwand, umgeben von einer  Szenerie, die eine Mitarbeiterin gemalt hat.

Als ich in der Werkstatt zu Gast war, wurden gerade riesige Bienenskulpturen für das Außengelände geliefert. Der Holzkörper stammt aus Bielefeld, eine Werkstatt in Gevelsberg hat die Metallteile gefertigt und die fertigen Skulpturen im Rahmen eines Festes wieder nach Hause gebracht. Dort stehen sie nun umringt von Bienenhotels, die gut besucht sind. Das Gelände wird außerdem immer weiter insektenfreundlich bepflanzt. Ein Kleiner Feuerfalter schaute sich schon mal die Wiese an.




Die Feldwespen bauen die Nistwände jetzt ganz langsam wieder ab:

Am Zaun darf Clematis montana ranken und macht ihn zur Straße hin blickdicht.

Ich habe einen Bienenblock mitgenommen. Das Dach aus rot lackiertem Metall musste noch angeschraubt werden, und nun wartet er auf die ersten Bewohner.

Die Glockenblumen-Scherenbienen hätten es jetzt nicht weit zur Campanula poscharskyana:

Und nein - mit Honig aus dem Hotel wie die Werbung oben behauptet, rechne ich nun wirklich nicht....

Samstag, 31. März 2018

Schluss mit Tannenzapfen

Erinnert sich noch jemand an die Plackerei mit dem Holzleim letztes Jahr, als ich das Oberstübchen vom Bienenhotel renoviert habe? Dieses Mal sollte das Parterre drankommen, das so hübsch mit Kiefernzapfen bestückt war, aber von den Insekten nur mit Naserümpfen abgestraft wird.

Hier noch einmal das Vorher-Nachher-Bild vom letzten Jahr:


Man sieht, was in dem untersten Fach verzapft wurde. Für Wildbienen ist das nichts, allenfalls für Spinnen, die ihre Persönlichkeit nicht mit großen Netzen entfalten müssen, sondern eher Kellerkinder sind.

Also raus mit den Zapfen. Dazu habe ich die Klammern des Drahtgitters aufbiegen müssen und das Ganze dann hochgeklappt: Völlig überraschend mit nur einer blutenden Schnittverletzung, ich werde langsam besser.

Als erstes, und um Platz zu schinden, habe ich den kleinen Ziegelstein mit den runden Löchern angeleimt. Weil ich vom letzten Jahr gelernt habe, als ich mit dem Holzleim fast wahnsinnig geworden bin, habe ich dieses Mal Expressleim gekauft. Der ist so zähflüssig, dass alles sofort gut klebt, und zwar dort, wo es kleben soll - nicht in den Haaren und nicht an den Fingern.



Man beachte die Öffnung in dem angeblichen Schmetterlingsabteil, die ein Specht oder wer auch immer fachmännisch erweitert hat. Das ist wirklich Kunst am Bau. Jemand hat dann auch noch Sonnenblumenkerne darin deponiert:


Eingeklebt habe ich wieder die hohlen Stängel von Gelber Wiesenraute und Iran-Lauch. Als die zur Neige gingen, habe ich im Park Japanischen Staudenknöterich geschnitten. Der Abtransport auf dem Fahrradgepäckträger war abenteuerlich und bestimmt haben sich Passanten gefragt, was die Irre mit dem Zeug wohl will.


 



Zur Neige ging dann kurz darauf auch der Leim. Das Problem: Der ist so zähflüssig, dass er schon bald nicht mehr aus der Flasche kommen will. Also Packung aufgeschnitten und den Inhalt herausgespachtelt. Man will ja nichts verkommen lassen.





Als der Leim dann endgültig alle war und die leere Flasche wirklich ausgelutscht, habe ich die restlichen Stängel einfach ganz dicht gepackt, sodass sie auch nicht mehr herausgezogen werden können. Zum Schluss dann noch das Drahtgitter wieder in Position gebracht, und fertig ist das renovierte Bienenhotel!






Tada, hier ist es nun, das fertig renovierte Hotel. Nur bei dem vom Vogel kreativ bearbeiteten Mittelabteil muss ich noch mal schauen, was ich damit mache.


Samstag, 29. April 2017

Tauschrausch statt Kaufrausch

Stellt euch vor, ihr seid an einem Ort, wo ihr von Pflanzen umgeben seid, die nur darauf warten, von euch mitgenommen zu werden, und ihr könnt euch nicht entscheiden, welche besser zu euch und eurem Garten passt. Es muss ja auch nicht bei einer Pflanze bleiben, denn sie sind alle viel zu schön und besonders.

Nein, dieser himmlische Ort ist nicht das Gartencenter, und für die Stauden muss man sich teilweise sogar die Finger schmutzig machen, denn sie sind untenrum unbekleidet, also ohne Topf. Noch nicht mal einen Einkaufswagen gibt es. Dafür ist aber alles kostenlos, denn man kann mit grüner Währung bezahlen, nämlich mit anderen Pflanzen, die man selbst übrig hat.

Und ich war letzten Samstag in so einem paradiesischen Tauschrausch. Im botanischen Garten Gütersloh war Staudentauschbörse und dort konnte man sich zwei Stunden lang die Taschen füllen, bis Tüten oder Garten voll sind, was auch immer zuerst eintritt.




Die Gärtner des Stadtparks haben vorher kräftig ausgemistet und so gab es quadratmeterweise Stauden in Form von mehr oder minder handlichen Wurzelballen. Wenn einem Interessenten die Stücke zu groß waren, wurde ihm mit einem Spaten zur Wunschgröße verholfen (dem Wurzelballen, nicht dem Interessenten).

Die Auswahl war sensationell und hat alle meine geheimsten Wünsche erfüllt. Vor lauter Angeboten wusste ich gar nicht mehr, wohin ich zuerst schauen sollte - da konnte einem schon schwindelig werden. Viele Angebote waren natürlich äußerst unmoralisch meinen vorhandenen Stauden gegenüber, aber manchmal muss man tun, was man tun muss, und so richtig die Contenance verlieren.

Mit dabei waren Kerzen-Knöterich (Bistorta amplexicaulis), Kandelaber-Ehrenpreis (Veronicastrum virginicum) (von dem ich nur ein winziges Stück mitgenommen habe, weil mein Boden bestimmt zu trocken für ihn ist), Ruten-Hirse (Panicum virgatum), Dreimasterblume und Kaukasus-Beinwell. Als Zugabe war auch ein Kilo Traubenhyazinthe im Angebot. Das alles gab es ohne Plastikverpackung.

Wer nichts eigenes dabei hatte, konnte gegen eine Geldspende Pflanzen mitnehmen.



Zum Tauschen hatte ich Töpfe mit Braunem Storchschnabel und Pentaglottis mitgebracht, beschriftet mit Eisstilen - auf die Idee waren auch andere Anbieter gekommen.




Der Kerzen-Knöterich musste natürlich mit, da wurde nicht lange gefackelt. Ich habe mir ein Stück der weißblühenden Variante ausgesucht, das inklusive blinden Passagieren in Form von Winterlingen daherkam. Im Gartencenter hätte es stattdessen höchstens Moos als Dreingabe gegeben.

Dazu ist mir noch ein Würzelchen von Crambe cordifolia ins Netz gegangen und eine ganz kleine Kugeldistel, wirklich noch ein Baby. Beide sind im Null-Euro-Beet gelandet. Den Wald-Geißbart habe ich in meinen Garten gepflanzt. Auch er war ein lang gehegter Wunsch.

Die Tauschbörse lohnt aber nicht nur zum Pflanzenergattern. Es gab auch einen Stand vom GNU (Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis Gütersloh e.V.), an dem man wirklich gut verarbeitete und garantiert bienenfreundliche Insektenhotels kaufen konnte. Die Nisthilfen sind dekorativ und mit Sachverstand aus Eichenholz hergestellt - in der Qualität findet man das nicht im Baumarkt.

Dazu wurden Samentütchen mit bienen- und schmetterlingsfreundlichen Wildblumen verteilt, damit man den Insekten neben einem Nistplatz auch was im Beet anbieten kann.

Gegenüber konnte man lernen, wie man ein Bienenhotel aus Bambusstäben und einer Blechdose herstellt: Die Stäbe ganz dicht stecken und am Ende mit der Holzhammermethode draufhauen. Das fertige Wohnhaus durfte kostenlos mit nach Haus kommen. Jetzt hängt es bei meinen anderen Nisthilfen.


Tauschbörsen sind also in jedem Fall zu empfehlen, auch wenn der Garten am Ende unter Völlegefühl leidet. Die in Gütersloh hat ein Angebot, das einen wirklich umhaut - und das alles im blütenreichen botanischen Garten, den man bei der Gelegenheit auch gleich mal besuchen kann. So, Bielefeld, wo ist dein Angebot zum Tauschrausch? Ich warte!