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Samstag, 3. Januar 2026

Glitzerwelten

Wer könnte besser für das Stehenlassen der Staudenstängel Werbung machen als Sonne und Frost? Jeder schnöde Halm sieht dann frisch und fesch aus. Durch den Regen zusammengepappte Flugsamen bekommen wieder eine Fönfrisur verpasst und glitzern im Gegenlicht.

Wer also noch ein Argument braucht, um Bekannte oder Nachbarn zu mehr Lässigkeit im Garten zu bewegen, sollte die herbstlichen Scherenschwinger einmal zu einem Besuch in einem botanischen Garten einladen. Denn dort kann die Sonne weiter ausholen als in kleinen Gärten und man hat einfach mehr Auswahl im Schaulaufen um den Wettbewerb "Wer hat den schönsten Samenstand".

Es kann nicht jeder botanische Garten Überzeugungsarbeit leisten, es muss schon einer unter fortschrittlicher Leitung sein, in dem die alten Stängel toleriert und zelebriert werden.


Im Winter steht die Sonne schön niedrig und auf Fotos treten die schönsten Lichteffekte auf, die einen ganz plümerant werden lassen.

Auf den vordersten Rängen stehen dabei die Blütenteller der Goldgarbe (Achillea filipendulina), die sich Mühe geben, ein Postkartenmotiv zu kreieren.


Fette Henne sieht ähnlich elegant aus, wirkt aber ein bisschen bodenständiger als die schwankenden Schafgarben.

Während das Lampenputzergras (Pennisetum) für seine Darbietung Silber bekommt, hat sich der Schneefelberich (Lysimachia clethroides) eindeutig Gold verdient.


Gräser gehen ja immer.





Die Agastache lässt sich auch nicht lumpen und steht wacker aufrecht.



Das hier könnte eine Bergminze (Calamintha nepeta) sein:


Und bei dem Samenstand hier bin ich mir gar nicht sicher, was das sein soll, sieht aber gut aus:



Sonnenhut (Rudbeckia fulgida) ist auch als Samenstand noch ein Sonnenschein:

Die Stinkende Nieswurz gibt sich grün wie eh und je:



Die Gehölze glänzen natürlich nicht weniger als die Stauden:






So, das war wieder mal der Botanische Garten Gütersloh. Ich hoffe, er hat auf ganzer Linie überzeugt, die Staudenstängel dran zu lassen und noch nicht wegzuwerfen.

Samstag, 29. November 2025

Frieren für Frostfotos

Botanische Gärten sind ja auch im Winter sehenswert, aber es gibt eine Zeit nach dem Laubfall und vor den Schneeglöckchen, da ist es ein ganz klein wenig, wirklich nur ein klitzekleines Bisschen trostloser als jetzt. Am schönsten ist es, wenn so wie am Wochenende die letzten Blüten vom Frost eiskalt überrascht werden und die Beeren und Zieräpfel an den Gehölzen noch nicht alle abgefressen wurden. Dann kann man auch dem neurotischen November etwas abgewinnen. Fotos und kalte Finger zum Beispiel.

Ich hatte also am Samstag gedacht, dass ich im Botanischen Garten Gütersloh morgens den Frost besuche und in der ersten Sonne des Tages Eiskristalle fotografiere - und diese möglichst nicht an der eigenen Nase vorfinde.

Also warm angezogen, Kamera eingepackt und in den Zug gesetzt. Tja, und kaum fuhr der los, kamen auch schon die Wolken aus Richtung Gütersloh angeflogen und da setzten sie sich auch erstmal fest. Immerhin war die Anlage fast menschenleer, die Fotos also auch. Erst als ich schon richtig durchgefroren war kam kurz die Sonne. Und dann auch mehr Besucher.

Und so sieht der Botanische Garten Gütersloh also im November bei Frost aus.

Der Fächer-Ahorn (Acer palmatum) hatte netterweise noch nicht alle seine roten Blätter ausgezogen. Zusammen mit den überfrorenen Samen sah er sehr adrett aus.


Auch die Beeren am Eingriffeligen Weißdorn wirkten ganz entzückend und die Amseln mussten Eisbomben futtern:



Die riesigen Hainbuchenhecken-Carrés, unter denen sich Laubengänge befinden, und die die Wasserspiele und Beete einrahmen, haben ihr Laub noch nicht abgeworfen, wie es für solche Hecken typisch ist. Das gibt einen warmen Farbton zum Immergrün der Rhododendren und Kiefern.




Mahonia media 'Winter Sun' gibt hier den Streber und blüht immer noch, als wäre noch Sommer oder schon Frühling:


Strahlende Zieräpfel wie Weihnachtsschmuck:




Der kleine Baum vorne links ist ein Zimtahorn:


Für die Rosen war es das jetzt auch mit der Immerblüherei:



Der Garten zeigt auch sehr schön, wie langweilig der Winter ohne abgeblühte Stauden und immergrüne Farne wäre.


Der große Baum hier unten ist ein Geweihbaum (Gymnocladus dioicus). Ihn sieht man selten, auf dem Bild unter diesem sieht man ihn aber noch mal von weiter weg:




Links hinter den quadratisch-praktisch-guten Hecke guckt eine Sägepalme hervor:







Und hier dann der Moment, auf den alle gewartet hatten: Die Sonne verzauberte den Perückenstrauch in leuchtende Zuckerwatte - und wie schön die Hecken plötzlich im Durchlicht erstrahlen! Und schon muss man sich beeilen, damit die schöne Sonne nicht die noch schöneren Eiskristalle zerfließen lässt. Aber da musste ich mir keine Sorgen machen, die Show war sehr schnell wieder vorbei und das Eis gerettet. 






Der Garten kostet übrigens keinen Eintritt und hat sogar eine (beheizte!) Toilette! Sonst hätte ich es auch nicht so lange dort ausgehalten...

Samstag, 29. April 2023

Stauden tauschen wie die Profis

Es war wieder Staudenbörse im Botanischen Garten Gütersloh. Das ist das Günstig-Gärtnern-Highlight des Jahres und darf auf keinen Fall verpasst werden. Denn natürlich bricht es einem das Herz, wenn man überzählige Pflanzen im Komposter schwitzen lässt, bis sie Matsche sind. Sie in guten Händen zu wissen ist doch gleich ein viel besseres Gefühl. Vor allem, wenn man fremde Stauden im Tausch bekommt. Es gibt aber sogar Gehölze in Gütersloh, man könnte sich also die gesamte Erstaustattung eines Gartens ertauschen.


Wenn man keine Tauschwährung dabei hat, kann man spenden. Ist trotzdem günstiger und nachhaltiger als der Baumarkt.


 

Da ich immer mit dem Zug fahre, damit ich es nicht übertreibe mit dem Staudenanschleppen, spende ich natürlich hauptsächlich an diverse Bahnunternehmen und rechne mir anschließend schön, wie kostenlos die Stauden doch waren. Aber da man ja auch immer nette Leute trifft sehe ich es als Eintrittsgeld für ein paar schöne Stunden. Die Stauden sind umsonst, basta!

In diesem Jahr gab es besonders viel zu ertauschen, fand ich. Es spricht sich wohl langsam herum, außerdem war es trocken und sonnig. Bevor die wurzelnackten Stauden also den Trockentod erleide konnten, waren sie auch schon alle verteilt. Die gehen da weg wie warme Semmeln.








 

Hier ist Vorsicht geboten, seht ihr den blinden Passagier im Gilbweiderich? 


Ich habe einen Herzenswunsch erfüllt bekommen und einen Hirschzungenfarn mitgenommen - den letzten! Und weil die Schnecken die Astern immer niedermachen, habe ich diesmal zu einem größeren Batzen mit viel Erde dran gegriffen. Als Tauschangebot hatte ich Bärlauch dabei, ich habe nämlich mittlerweile mehr als ich essen kann und viel mehr als die Nachbarstauden gutheißen. Beim Ausgraben hatte ich das Gefühl, sie geben mit Hinweise, welcher Bärlauch bitte auch noch mit nach Gütersloh muss. Oder gegessen werden soll.

So wohnt der Bärlauch jetzt auf der anderen Seite vom Teutoburger Wald. So schnell sehe ich ihn wohl nicht wieder.