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Samstag, 31. März 2018

Schluss mit Tannenzapfen

Erinnert sich noch jemand an die Plackerei mit dem Holzleim letztes Jahr, als ich das Oberstübchen vom Bienenhotel renoviert habe? Dieses Mal sollte das Parterre drankommen, das so hübsch mit Kiefernzapfen bestückt war, aber von den Insekten nur mit Naserümpfen abgestraft wird.

Hier noch einmal das Vorher-Nachher-Bild vom letzten Jahr:


Man sieht, was in dem untersten Fach verzapft wurde. Für Wildbienen ist das nichts, allenfalls für Spinnen, die ihre Persönlichkeit nicht mit großen Netzen entfalten müssen, sondern eher Kellerkinder sind.

Also raus mit den Zapfen. Dazu habe ich die Klammern des Drahtgitters aufbiegen müssen und das Ganze dann hochgeklappt: Völlig überraschend mit nur einer blutenden Schnittverletzung, ich werde langsam besser.

Als erstes, und um Platz zu schinden, habe ich den kleinen Ziegelstein mit den runden Löchern angeleimt. Weil ich vom letzten Jahr gelernt habe, als ich mit dem Holzleim fast wahnsinnig geworden bin, habe ich dieses Mal Expressleim gekauft. Der ist so zähflüssig, dass alles sofort gut klebt, und zwar dort, wo es kleben soll - nicht in den Haaren und nicht an den Fingern.



Man beachte die Öffnung in dem angeblichen Schmetterlingsabteil, die ein Specht oder wer auch immer fachmännisch erweitert hat. Das ist wirklich Kunst am Bau. Jemand hat dann auch noch Sonnenblumenkerne darin deponiert:


Eingeklebt habe ich wieder die hohlen Stängel von Gelber Wiesenraute und Iran-Lauch. Als die zur Neige gingen, habe ich im Park Japanischen Staudenknöterich geschnitten. Der Abtransport auf dem Fahrradgepäckträger war abenteuerlich und bestimmt haben sich Passanten gefragt, was die Irre mit dem Zeug wohl will.


 



Zur Neige ging dann kurz darauf auch der Leim. Das Problem: Der ist so zähflüssig, dass er schon bald nicht mehr aus der Flasche kommen will. Also Packung aufgeschnitten und den Inhalt herausgespachtelt. Man will ja nichts verkommen lassen.





Als der Leim dann endgültig alle war und die leere Flasche wirklich ausgelutscht, habe ich die restlichen Stängel einfach ganz dicht gepackt, sodass sie auch nicht mehr herausgezogen werden können. Zum Schluss dann noch das Drahtgitter wieder in Position gebracht, und fertig ist das renovierte Bienenhotel!






Tada, hier ist es nun, das fertig renovierte Hotel. Nur bei dem vom Vogel kreativ bearbeiteten Mittelabteil muss ich noch mal schauen, was ich damit mache.


Samstag, 4. März 2017

Geleimt!

Alle Welt benutzt Heißkleber, nur ich habe das nie verstanden, denn ich bin mit Holzleim sozialisiert worden. Seit meiner Kindheit begleitet mich das weiße, klebrige Zeug. Es ist ungiftig, umweltfreundlich und wird nach dem Trocknen durchsichtig und unsichtbar, was ein großer Vorteil bei allem Dekorativem ist und wenn mal was daneben geht.

Mit Holzleim habe ich schon Muscheln auf Holz geklebt, Holz auf Papier und Holz auf Holz. Er hat mich nie hängen lassen - dieses Muschelbild hält jetzt schon über 16 Jahre:


Also dachte ich mir, wie schwer kann es schon sein, mein Bienenhotel damit zu renovieren? Da das obere Fach in dem Häuschen sinnloserweise mit Holzhackschnitzeln hinter Kaninchendraht gefüllt war, wollte ich es bienengerecht umbauen. Hohle Stängel sollten dort installiert werden.

Seit dem letzten Frühjahr spare ich schon für das neue Hotelfach und habe Staudenstängel aufgehoben. Besonders gut eignen sich die trockenen Strünke der Gelben Wiesenraute. Zusätzlich habe ich Herzgespann gesammelt, Iran-Lauch und dünne Bambusstäbe. Ganz winzige Löcher haben die Äste vom Wald-Geißblatt.


Dann mussten die Klammern aufgebogen werden, mit denen der Kaninchendraht befestigt war. Die untere Seite habe ich stecken lassen und das Gitter nach unten geklappt.

Jetzt sollte der Holzleim dran glauben. Großzügig habe ich die Rückseite und das Unterteil damit einbalsamiert. Die Stängel habe ich mehr oder weniger auf die richtige Länge geschnitten und sie in den Leim gesteckt.

Schon nach unglaublich kurzer Zeit wusste ich, warum alle Welt so auf Heißkleber schwört: Der ist anhänglicher und zäher. Holzleim dagegen verzeiht Anfängerfehler und bleibt sehr lange flüssig. So flüssig, dass die Stängel immer wieder umgekippt sind, eher aneinander als an der Holzwand hielten und mühsam geklebte Reihen dadurch wieder aus dem Leim gingen. Mit soviel Bindungsängsten ausgestattete Staudenröhren machten alles etwas mühselig.

Meine Finger aber waren bald so voller Klebstoff, dass ich damit schon perfekt geklebte Äste wieder durcheinander brachte, weil mir die Stäbe auf den Leim gingen. Toll. Mehrmals habe ich außerdem die Löcher der Stängel aus Versehen mit Leim verschlossen, so dass ich sie noch mal kürzen musste. Jetzt war auch die Schere ganz verklebt. Ich war wirklich kurz vorm Durchdrehen.

In schön runden Konservendosen leistet der Leim dagegen bessere Dienste - hier kann man Bambusstäbe erstmal in Ruhe bündeln und mit Kabelbinder zusammenzurren. Dann den Boden der Dose oder die Stäbe ordentlich mit Kleber einschmieren und das Bündel hinein drücken. Die Lücken lassen sich dann mit weiteren Stäben komplettieren. Oft hält so ein Packen sogar ganz ohne Klebstoff.


In dem dreieckigen Holzfach aber geriet die Operation "Nisthilfe mit Holzleim" zur Geduldsprobe mit der Gefahr eines Schreikrampfes.


Am Ende war dann alles schief und krumm, aber sicher unter Dach und Fach - der Leim hielt und durch den Überstand bleibt alles schön trocken. Jetzt noch den Hasendraht wieder drüberfummeln, tief durchatmen und nun heißt es auf die Bienen warten. Hoffentlich sind die nicht auf mit Heißkleber fabrizierte Nisthilfen konditioniert... Und nächstes Mal nehme ich Express-Leim, denn das Fach mit den doofen Kiefernzapfen ganz unten muss auch noch renoviert werden..


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Und nun noch eine Buchvorstellung für Gärtner, die sich was trauen. Die den Garten gern in die Hand von Pflanzen geben, die sich manchmal wie die Axt im Walde benehmen, nämlich heimische Arten, die gern verwildern und für überraschende Effekte sorgen. Ich gehöre ja bekanntlich auch zu den Leuten, die sich gern stadtbekannte Wucherer anlachen - die Wildbienen aus der Nisthilfe sollen ja was zu ernten haben. Hier ist also das neue Buch von Norbert Griebl:



Bei jeder Art ist angegeben, wie sie sich verbreitet und wie schnell, welche Ansprüche sie hat und welchen Nutzen wir oder die Tierwelt von ihr haben. Von Akelei bis Zimbelkraut ist alles dabei von Einjährigen bis zur Staude - durch die Angaben zum Ausbreitungsdrang kann man sich leicht aussuchen, an welchen Level man sich heranwagen möchte. Ein Blühkalender ergänzt die Auswahl. Und keine Angst - manche sind gar nicht so schlimm und werden nicht zum immerwährenden Jäte-Opfer, wie Zahnwurz oder Heide-Nelke.

Ich hätte ja gern noch mehr Bilder aus dem Garten des Autors gesehen, aber auch so kann man sich dank der Liste an Pflanzpartnern zu jeder Art vorstellen, wer zusammenpasst. Vielleicht wäre das Buch auch mal ein Denkzettel für Stadtplaner, mal wirklich pflegeleichte Beete anzulegen, in denen sich Wucherer mit Wucherern messen und sich so gegenseitig in Schach halten?

Samstag, 11. April 2015

Talentsuche

Stauden sind schön. Stauden locken Insekten an. Stauden sind im Garten einfach unersetzlich. Soweit, so gut. Trotz dieser Vorzüge bin ich aber immer auf der Suche nach Kandidaten, die nicht nur im Beet gut sind, sondern auch im Haushalt oder in einer anderen Disziplin. Eine Staude mit Zweitnutzen zu finden ist eine immerwährende Talentsuche mit manchmal überraschendem Ausgang.

Kulinarische Entdeckungen sind natürlich immer besonders gern gesehen. Kräuter wären hier zuerst zu nennen, aber die sind zu offensichtlich und werden oft gar nicht zur Zierde gepflanzt - Geheimtipps unter den Zierpflanzen gilt es stattdessen aufzudecken. 

Da wäre zum Beispiel die Taglilie, deren Blüten man essen kann, sogar noch im Verwelken, nachdem die Schwebfliegen einen vergnügten Tag lang darin herumfuhrwerken durften. So teilen sich Mensch und Insekt einvernehmlich dieselbe Blüte.


Der im April sagenhaft aussehende Rauling (Trachystemon orientalis) ist aus der Schwarzmeerküche nicht wegzudenken. Eine Verkostung meinerseits steht immer noch aus. Er soll erst einmal Fuß fassen und größer werden. Bis dahin macht er sich als Gierschverdränger nützlich - den man ja auch essen kann. Hummeln und Pelzbienen (Bild unten) haben jedenfalls schon fleißig die Blüten getestet und für tauglich befunden.




Stauden, die neben schönen Blüten auf irgendeine Art Dünger zaubern können, sind für den Garten ebenfalls eine große Hilfe. Der Beinwell ist so einer. Man kann seine Blätter als Mulch verwenden oder zu übelriechender, aber sehr nahrhafter Jauche vergären.

Manchmal dauert es durchaus ein bisschen länger, bis dem Talentscout eine bisher verborgene Eigenschaft ins Auge fällt, aber in der Kaderschmiede Garten ist alles möglich. So eine Multifunktionsstaude auf den zweiten Blick ist die Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum ssp. glaucum), die man für gewöhnlich eher für den erfrischenden Anblick ihrer gelben Wuschelköppe pflanzt, die in dezenter Pastellfarbe daherkommen und mit dem zart bläulichen, feingliedrigen Laub kontrastieren.


Obwohl sie für feuchte Standorte empfohlen wird, habe ich diese Staudenriesin an einem eher trockenen Platz trotz Wurzelkonkurrenz noch nie gießen müssen. Manchmal wird angegeben, dass sie Ausläufer bildet, doch so etwas tut mein Exemplar jedenfalls nicht - es weiß sich zu benehmen.

Erst im Winter fällt auf, wie schön ihre Stängel sind - in einem warmen Farbton gehalten, rank, schlank und so lang, dass man sie in Flechtzäune integrieren kann, wo ihr sonniger Teint positiv auffällt.


Ein weiterer Pluspunkt: Die Stängel sind hohl und weisen Internodien auf - diese stabilisierenden Verdickungen machen bei der stattlichen Größe dieser Pflanze auch durchaus Sinn, da sie ein Umknicken verhindern. 

So große Hohlkammern im Inneren machen das Wiesenrautengestrüpp im Frühjahr zu einer perfekten Einlage für Insektennisthilfen. Waagerecht und wettergeschützt in ein Bienenhotel integriert dienen die Abschnitte kleineren Arten als Brutkammer. Die Wiesenraute ist eben ein Naturtalent.



Blüten, Bastelmaterial und Bienenhotel-Zimmer - das sind ja gleich drei Dinge auf einmal! So eine mit allen Wassern gewaschene Allround-Staude muss man erstmal finden. Aber die Talentsuche geht weiter - es bleibt spannend.