Wer wie ich als Kind gebannt vor der Zeichentrickserie "Biene Maja" gesessen hat, der erinnert sich sicher noch an den dicken Willi, den Drohn mit der lustigen Stimme, der mit Maja die Schulbank gedrückt hat. Später erst lernte ich, dass das biologisch eventuell nicht ganz korrekt ist, denn was die männlichen Honigbienen so beigebracht bekommen, beschränkt sich eher auf: "Da ist der Ausgang! Schönes Leben noch!".
Dann dürfen sie zwar mit ein bisschen Glück noch die Königin heiraten, aber ins Familienalbum kommen sie damit am Ende auch nicht. Kurz ist ihr Leben - von royalem Pomp, Ruhm und Ehre keine Spur. Noch nicht mal einen Stachel haben sie, um damit zu bestechen oder einfach nur zur Selbstverteidigung.
Ich möchte nicht respektlos erscheinen, aber ich denke, das Leben der Drohnen der Honigbiene ist nur so mittelaufregend. Geradezu glamourös geht es dagegen bei den wilden Wollbienen zu, bei denen die Männchen größer und dominanter sind als die Weibchen und dabei relativ langlebig. Die Drohnen dieser tigerartig gestreiften Wildbiene sind die ganz großen Helden und echte Draufgänger!
Wer also statt des gemütlichen Honigbienenschleckens packende Verfolgungsjagden, Sex and Crime und ganz viel Action in seinem Garten sehen möchte, aber vor der Haltung von Großwild inklusive Tigern zurückschreckt, dem sie das Anlocken der Großen Wollbiene (Anthidium manicatum) ans Herz gelegt. Im Sommer braucht man dann keinen Fernseher mehr, denn spannender als "Biene Maja" ist das Beobachten allemal.
| Mit den Waffen eines Mannes (Mitte) |
In Wild-West-Manier überfallen sie unschuldige Blütenbesucher und verteidigen gleich einen ganzen Harem aus mehreren Weibchen inklusive deren Futterpflanzen. Kurz: Mit Drohne Willi haben sie in etwa soviel gemein wie ein Kampfhubschrauber mit einem Heißluftballon.
Sogar bewaffnet ist das Männchen bei dieser Art - nicht bis an die Zähne, aber mit gefährlichen Dornen und Spitzen am Hinterleibsende. Damit sollen sie dank einiger Nahkampferfahrung in der Lage sein, andere Insekten flugunfähig zu kratzen, denn bei Konkurrenz an den Futterpflanzen verstehen sie keinen Spaß, schließlich sind sie nicht die Wohlfahrt. Für Menschen allerdings sind diese Piekser keine Gefahr - der Drohn interessiert sich noch nicht mal für so große Wesen wie uns.
Man sollte sich also ruhig einmal mit einer Tüte Popcorn bewaffnet in ein Wollbienen-Revier setzen, es lohnt sich: Bei ihren Aktivitäten zuzuschauen ist in jedem Fall unterhaltsamer als Tatort oder Verbotene Liebe.
Man sollte sich also ruhig einmal mit einer Tüte Popcorn bewaffnet in ein Wollbienen-Revier setzen, es lohnt sich: Bei ihren Aktivitäten zuzuschauen ist in jedem Fall unterhaltsamer als Tatort oder Verbotene Liebe.
Auch das Paarungsverhalten der Wollbiene ist nichts für schwache Nerven: Immer wieder patroulliert der viel größere Drohn um die Blüten herum, schwebt ein bisschen auf der Stelle, wenn er ein Weibchen entdeckt hat, um sich dann pfeilschnell und überfallartig die Auserwählte zu schnappen für ein kleines Techtelmechtel.
| Szenen einer Ehe |
Bei soviel Aufregung im Bienenrevier ist dann auch schnell die Luft raus und Mister Macho braucht eine Verschnaufpause, vorzugsweise in der Sonne.
Wer die wilden Kerle also in seinem Garten zu Gast haben möchte, der muss nur die passenden Futterpflanzen anbieten. Die Wollbienen erscheinen dann plötzlich aus dem Nichts, obwohl man sie in der näheren Umgebung vorher nie gesehen hat. Da die Weibchen ihre im Boden oder in Spalten liegenden Niströhren mit Pflanzenwolle auskleiden, brauchen sie stark behaarte Pflanzen wie Woll-Ziest (Stachys byzanthina), Strohblume (Helichrysum), Kronen-Lichtnelke (Lychnis coronaria) oder Deutschen
Ziest (Stachys germanica).
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| Wald-Ziest (Stachys sylvatica) |
Das allerbeste Lockmittel mit dem Prädikat "Wollbienes Liebling" ist das Herzgespann (Leonurus) - eine große Staude mit brennnesselähnlichen Blättern und kleinen Lippenblüten, die unermüdlich blüht. Ziestarten wie der auch zur Nistmaterialgewinnung benutzte Woll-Ziest, oder auch Heilziest und Wald-Ziest, sind andere passende Pflanzen. Sogar an Purpur-Leinkraut (Linaria purpurea) und Salbei (Salvia officinalis) konnte ich die Tiere schon beobachten.
| Wer findet das Weibchen auf dem Bild in der Mitte? |
Zum Glück sind diese Pflanzen nicht teuer, lassen sich leicht durch Ausläufer vermehren (Woll-Ziest, Wald-Ziest) oder aus Samen gewinnen (Heil-Ziest, Herzgespann, Kronen-Lichtnelke, Strohblume). Allen ist gemeinsam, dass sie nicht viel vom Leben erwarten, und weder viel Pflege noch viel Wasser brauchen. Nur genug Sonne soll es sein. Das finden die Bienen aber auch.
Den haarigen Woll-Ziest kann man sicher von irgendeinem Nachbarn bekommen, denn er wuchert sehr stark. Man muss nur darauf achten, eine wirklich blühfreudige Sorte zu erhaschen und nicht die allgegenwärtige, aber blühfaule "Silver Carpet", denn die ist nur der halbe Spaß, auch für die Bienen.
Für schnelle Erfolge sollte man noch unbedingt das Herzgespann auftreiben, dann lassen sich die Wollbienen schnell blicken und der Garten bekommt das Flair der Serengeti. Wenn auch nur im Kleinen.





