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Samstag, 18. Juni 2016

Das schlägt dem Fass den Boden aus

Ein Mini-Teich im Weinfass ist hübsch und schont den Rücken, weil man keine Grube ausheben muss wie bei einem ebenerdigen Teich. Einfach hinstellen, darauf achten, dass das Holz keinen direkten Kontakt mit nasser Erde hat, und fertig. Doch so ein Behälter hat eine Achilles-Ferse: Väterchen Frost.

Im Sommer kann Wasser dem Fass nicht viel anhaben, denn ein echtes Weinfass, das etwas auf sicht hält, wird so schnell nicht undicht. Denn es ist schließlich dafür gebaut, Flüssigkeiten unter Verschluss zu halten. Die Holzteile quellen bei Nässe zuverlässig auf und halten dann zusammen wie Pech und Schwefel.

Bei Temperaturen unter Null, vor allem wenn sie am Rande von zweistellig sind, steht das Teichlein aber sehr unter Druck. Mein halbiertes Weinfass, das auf eine schöne Karriere beim Winzer zurückblicken kann, ist mir in zwei sibirischen Wintern leck geschlagen. Es war der Boden, der nachgab, weil er das ganze Gewicht und die Volumenzunahme des Wassers aushalten musste. Die klaffenden Holzelemente werden nie wieder zusammenfinden, daher haben wir sie nach dem Durchtrocknen mit Dach-Dichtstoff verspachtelt. Silikon enthält meist Fungizide, was im Wasser nicht gewünscht ist, und hat eine kleinere Temperaturspanne. Seitdem die Dichtmasse am Boden ist, hat zumindest mäßiger Frost kein neues Loch mehr gerissen, so elastisch ist sie.

Auch das Blaue Hechtkraut (Pontederia cordata) hat im Weinfass schon mehrfach draußen den Winter überlebt:

Die einfache Lösung zur Verhinderung von Frostrissen ist natürlich, das Wasser im Winter auszukippen und die Pflanzen in frostsicheren Gefäßen zu überwintern. Nur überleben das die tierischen Insassen nicht, und von denen gibt es überraschend viele und die meisten sind überraschenderweise keine Stechmücken. Die Gartenvögel wünschen sich außerdem auch im Winter ein bisschen Wasser zum Trinken und Baden.

Mein guter Grund, den Nervenkitzel im Winter zu ertragen, ob der Frost dem Fass den Boden ausschlägt oder nicht, ist feuerwehrrot mit Metallic-Look und macht im Mai die Fliege: Die Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula).

Dass die erwachsenen Hubschrauber sich im Garten aufhalten, hatte ich schon gesehen, sie aber nicht mit meinem Weinfass in Verbindung gebracht. Schließlich sind die Libellenlarven auf jeden Fall mehrfach eingefroren gewesen. Zu meiner Verwunderung haben sie das überlebt.

Entdeckt habe ich die Larven aber erst, als ich sie im Herbst fast alle auf einen Schlag ausgerottet hätte: Im Fass hatte sich eine moosartige Pflanze derart breit gemacht, dass man die Wasserfläche nur noch erahnen konnte. Als ich die erste Handvoll dieses grünen Schlamassels beim Schopfe gepackt hatte, fielen mir zum Glück noch rechtzeitig die Libellenlarven auf. Also alles wieder retour. Es gibt nur eine winzige Zeitspanne zwischen dem Schlüpfen der roten Flitzer und der erneuten Eiablage, in der ich den Teich säubern kann.





Die Li(e)bellen dankten es mir und haben mir ein Herzchen getanzt.


Wer hätte gedacht, dass nach der alkoholischen Abstinenz des Weinfasses irgendwann wieder weinrote Schätze entsteigen werden?

Sonntag, 6. Dezember 2015

Wer nicht fragt...

Wer nicht fragt, bleibt dumm. Stimmt. Und wer nicht fragt, bleibt auch pflanzenlos. Wenn man sich überwinden kann, den Mund aufzumachen, bekommt man das Kompostmaterial anderer Leute ganz schnell in die Hand gedrückt. Nur keine falsche Scham - die meisten Gartenmenschen sind froh, übrige Pflanzen in gute Hände abzugeben.

Die Frage geht natürlich leichter von den Lippen, wenn man den Garten länger kennt und am besten schon ein paar Mal mit den Besitzern geplaudert hat. Ich zum Beispiel liebe es, bei sonnigem Wetter dem Besuchergarten in einer Schrebergartenkolonie einen Besuch abzustatten, entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Das Gartentor ist immer geöffnet.




Hier kann man sich tolle Anregungen holen, die älteste Gartenlaube Bielefelds namens Dora bewundern und sich mit den Fröschen messen: Wer hat die schnellere Reaktionszeit: Frosch oder Fotograf?

Am Gartenzaun steht sogar der einzige stadtbekannte Bienenbaum Bielefelds, zumindest ist es der einzige, den ich noch kenne, nachdem das Exemplar im botanischen Garten dem Erdboden gleichgemacht wurde:


Mittlerweile kennen auch die Schrebergärtner die Kamerafrau schon, die immer den Amphibien und Insekten auflauert.

Im Sommer konnte ich hier ausgiebig das Paarungsverhalten der Wollbienen am Herzgespann (Leonurus cardiaca) und am Heilziest (Bild) ablichten. Die Gelassenheit in diesem Garten färbte auch auf die gestreiften Brummer ab und ich durfte sie in eindeutiger Lage fotografieren.


Im Herbst aber lag das arme Herzgespann zu oberst auf einem Haufen alter Maisstrünke. Das Ende war nah für diese fantastische Staude. Zum Glück waren die Herren des Besuchergartens gerade auch nah und ich konnte sie fragen, ob sie mir das Herzgespann überlassen würden. Bei solchen Gelegenheiten kann ich immer ganz schlecht den Mund halten. Und das hat sich gelohnt: Ich durfte es mitnehmen, vorher haben wir noch über den besten Zeitpunkt zum Dahlienroden geredet.


Nun ist die Pflanze im Null-Euro-Beet zuhause, nachdem ich ihr vorher mit chirurgischer Präzision noch den Springklee aus den Wurzeln operiert hatte. Ihre Nahtoderfahrung und den Transport hat sie gut überstanden und ist sogar schon ein bisschen gewachsen. Die Blütenstände habe ich abgeschnitten und in Erde gesteckt. Es sieht so aus, als würden selbst die noch anwachsen.

Pflanzengeschenke mit Geschichte(n) sind doch in jedem Fall besser als gekaufte!

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Die Gewinnerin der Verlosung des Buches "Mein Herbarium" ist Frauke! Herzlichen Glückwunsch!

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Pack den Tiger in den Garten!

Wer wie ich als Kind gebannt vor der Zeichentrickserie "Biene Maja" gesessen hat, der erinnert sich sicher noch an den dicken Willi, den Drohn mit der lustigen Stimme, der mit Maja die Schulbank gedrückt hat. Später erst lernte ich, dass das biologisch eventuell nicht ganz korrekt ist, denn was die männlichen Honigbienen so beigebracht bekommen, beschränkt sich eher auf: "Da ist der Ausgang! Schönes Leben noch!".
Dann dürfen sie zwar mit ein bisschen Glück noch die Königin heiraten, aber ins Familienalbum kommen sie damit am Ende auch nicht. Kurz ist ihr Leben - von royalem Pomp, Ruhm und Ehre keine Spur. Noch nicht mal einen Stachel haben sie, um damit zu bestechen oder einfach nur zur Selbstverteidigung.

Ich möchte nicht respektlos erscheinen, aber ich denke, das Leben der Drohnen der Honigbiene ist nur so mittelaufregend. Geradezu glamourös geht es dagegen bei den wilden Wollbienen zu, bei denen die Männchen größer und dominanter sind als die Weibchen und dabei relativ langlebig. Die Drohnen dieser tigerartig gestreiften Wildbiene sind die ganz großen Helden und echte Draufgänger!

Wer also statt des gemütlichen Honigbienenschleckens packende Verfolgungsjagden, Sex and Crime und ganz viel Action in seinem Garten sehen möchte, aber vor der Haltung von Großwild inklusive Tigern zurückschreckt, dem sie das Anlocken der Großen Wollbiene (Anthidium manicatum) ans Herz gelegt. Im Sommer braucht man dann keinen Fernseher mehr, denn spannender als "Biene Maja" ist das Beobachten allemal.

Mit den Waffen eines Mannes (Mitte)



In Wild-West-Manier überfallen sie unschuldige Blütenbesucher und verteidigen gleich einen ganzen Harem aus mehreren Weibchen inklusive deren Futterpflanzen. Kurz: Mit Drohne Willi haben sie in etwa soviel gemein wie ein Kampfhubschrauber mit einem Heißluftballon.

Sogar bewaffnet ist das Männchen bei dieser Art - nicht bis an die Zähne, aber mit gefährlichen Dornen und Spitzen am Hinterleibsende. Damit sollen sie dank einiger Nahkampferfahrung in der Lage sein, andere Insekten flugunfähig zu kratzen, denn bei Konkurrenz an den Futterpflanzen verstehen sie keinen Spaß, schließlich sind sie nicht die Wohlfahrt. Für Menschen allerdings sind diese Piekser keine Gefahr - der Drohn interessiert sich noch nicht mal für so große Wesen wie uns.

Man sollte sich also ruhig einmal mit einer Tüte Popcorn bewaffnet in ein Wollbienen-Revier setzen, es lohnt sich: Bei ihren Aktivitäten zuzuschauen ist in jedem Fall unterhaltsamer als Tatort oder Verbotene Liebe.
Auch das Paarungsverhalten der Wollbiene ist nichts für schwache Nerven: Immer wieder patroulliert der viel größere Drohn um die Blüten herum, schwebt ein bisschen auf der Stelle, wenn er ein Weibchen entdeckt hat, um sich dann pfeilschnell und überfallartig die Auserwählte zu schnappen für ein kleines Techtelmechtel.

Szenen einer Ehe

Bei soviel Aufregung im Bienenrevier ist dann auch schnell die Luft raus und Mister Macho braucht eine Verschnaufpause, vorzugsweise in der Sonne.

Wer die wilden Kerle also in seinem Garten zu Gast haben möchte, der muss nur die passenden Futterpflanzen anbieten. Die Wollbienen erscheinen dann plötzlich aus dem Nichts, obwohl man sie in der näheren Umgebung vorher nie gesehen hat. Da die Weibchen ihre im Boden oder in Spalten liegenden Niströhren mit Pflanzenwolle auskleiden, brauchen sie stark behaarte Pflanzen wie Woll-Ziest (Stachys byzanthina), Strohblume (Helichrysum), Kronen-Lichtnelke (Lychnis coronaria) oder Deutschen Ziest (Stachys germanica).

Wald-Ziest (Stachys sylvatica)


Das allerbeste Lockmittel mit dem Prädikat "Wollbienes Liebling" ist das Herzgespann (Leonurus) - eine große Staude mit brennnesselähnlichen Blättern und kleinen Lippenblüten, die unermüdlich blüht. Ziestarten wie der auch zur Nistmaterialgewinnung benutzte Woll-Ziest, oder auch Heilziest und Wald-Ziest, sind andere passende Pflanzen. Sogar an Purpur-Leinkraut (Linaria purpurea) und Salbei (Salvia officinalis) konnte ich die Tiere schon beobachten.

Wer findet das Weibchen auf dem Bild in der Mitte?
Zum Glück sind diese Pflanzen nicht teuer, lassen sich leicht durch Ausläufer vermehren (Woll-Ziest, Wald-Ziest) oder aus Samen gewinnen (Heil-Ziest, Herzgespann, Kronen-Lichtnelke, Strohblume). Allen ist gemeinsam, dass sie nicht viel vom Leben erwarten, und weder viel Pflege noch viel Wasser brauchen. Nur genug Sonne soll es sein. Das finden die Bienen aber auch. 

Weibchen an Leinkraut




Den haarigen Woll-Ziest kann man sicher von irgendeinem Nachbarn bekommen, denn er wuchert sehr stark. Man muss nur darauf achten, eine wirklich blühfreudige Sorte zu erhaschen und nicht die allgegenwärtige, aber blühfaule "Silver Carpet", denn die ist nur der halbe Spaß, auch für die Bienen.

Für schnelle Erfolge sollte man noch unbedingt das Herzgespann auftreiben, dann lassen sich die Wollbienen schnell blicken und der Garten bekommt das Flair der Serengeti. Wenn auch nur im Kleinen.