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Samstag, 5. September 2026

Platz da!

Neuerdings holt man sich gern alle Annehmlichkeiten, die man im Haus findet, in den Garten. Ob Outdoor-Dusche, Küche, Sofa oder Teppich: Das Drinnen wird nach Draußen gekehrt. Und die Badewanne wird als Pool gleich eine Nummer größer eingebaut. Nur die Toilette bleibt verblüffenderweise allein und hübsch da, wo sie ist. Sie wird nicht im Garten nachgebaut. Am Platz kann es also nicht liegen.


Und doch fehlen die wichtigsten Gartenelemente in vielen Gärten: Regentonne und Komposter. Vielleicht, weil sie groß sind und oft nicht gut aussehen. Und man kann sie nicht als Sitzmöbel verwenden. Dabei sparen sie im Gegensatz zu den anderen nach draußen verschleppten Dingen sogar Geld.

Sie können sogar ganz schön aussehen:


Dieses Jahr hat sich mal wieder gezeigt, wie nützlich eine Regentonne ist. Denn ein Pool schluckt zwar auch Wasser, aber das fällt im Gegensatz zur Tonne nicht vom Himmel. Für mich war daher immer klar, dass ich eine Regentonne brauche. Leider habe ich nur ein Fallrohr im Vorgarten. Aber egal, steht sie eben dort.

Dummerweise muss ich jede Gießkanne vorne schöpfen, einmal durch's Wohnzimmer (das Indoor-Wohnzimmer, versteht sich) schleppen und im Garten entleeren. Dann alles wieder von vorn.

Eine Wasserschale für kleine Tiere gibt es dort auch.

Das ist so umständlich, dass der Vorgarten immer eine Vorzugsbehandlung bekommt. Sobald sich ein stärkerer Regen ankündigt, schaffe ich Platz in der Tonne, wenn sie schon voll ist. So haben die Herbstanemonen, die Stachelbeere, die Farne und die Bach-Nelkenwurz einen Puffer für schlechte Zeiten. Und wenn sie es nicht brauchen, füttert die Extraportion eben das Grundwasser.

Der Vorgarten bekommt also eine Extrawurst, der Garten hinterm Haus wird dagegen etwas vernachlässigt. Ihm gönne ich aber alles, was in der Küche so an Brauchwasser anfällt, vom Obst- und Gemüsewaschen, Kaffeemaschinentresterbehälter sauber machen, Eier abschrecken, Pellkartoffeln Kochen oder Vor-dem-Duschen aufs-warme-Wasser-Warten.

Gut, dass man Sommer sowieso mehr Obst wäscht, da können die Beete das Wasser gut gebrauchen. Auch als es letztens mal endlich zwei Tage geregnet hatte, habe ich nicht aufgehört, das Brauchwasser in den Garten zu bringen. Die Dürre ist ja nach zwei Tagen nicht vorbei.

Mit Brauch- und Regenwasser darf man auch dann noch gießen, wenn die Gemeinde das Gartenbewässern längst verboten hat, denn da geht es nur ums Trinkwasser.

Deswegen würde ich die Regentonne immer einer Außenküche in der Größe eines Kleinwagens vorziehen.

Samstag, 25. September 2021

Larven, die schnorcheln

Fliegen sind nicht jedermanns Sache. Da können sie noch so elegant grünmetallisch daherkommen wie die Schmeißfliege, meistens haftet ihnen doch eher ein fragwürdiger Ruf an. Nicht den Duft der weiten Welt verbinden wir mit den kleinen Flugkünstlern, sondern eher den nach Misthaufen und Kläranlage.

 


Jeder mag aber doch Schwebfliegen, oder? Die sind schließlich nicht nur hübsch, sondern auch nützlich, weil sie Blattläuse verputzen und auf hübschen Blumen herumsitzen. Das tut die Schmeißfliege zwar auch gern, doch weiß man bei der nie, ob sie sich die Füße gewaschen hat, bevor sie sich auf die Ringelblume gsetzt hat. Schwebfliegen aber sind die Saubermänner.

 

Das hier ist eine diese vorbildlichen Tierchen, eine Hainschwebfliege, deren Larven mit Vergnügen Blattläuse vertilgen, sogar die am Kohl:

 


Allerdings sind nicht alle Schwebfliegen als Larven Blattlausvertilger. Es gibt auch Arten mit Larven, die unter Wasser leben, so zum Beispiel die der Mistbiene - eine eher bräunliche dicke Schwebfliege, die einer Honigbiene täuschend ähnlich sieht.





Und um diese Arten zu fördern, ist ein Trend aus England zu uns herübergeschwappt: Die Hoverfly-Lagoon. Was soll das denn bitte sein? Das ist einfach nur ein Behälter mit möglichst modrigem Wasser, in das die Schwebfliegenweibchen Eier legen. Alsbald schlüpfen dann ihre Rattenschwanzlarven, die Bakterien aus der Brühe verputzen.

Eine Rattenschwanzlarve sieht aus wie eine Made mit Schnorchel im Hinterende. Dieser Rattenschwanz kann bei Bedarf an die Wasseroberfläche gehalten werden. So atmet die Larve. Hat auch nicht jeder, so ein Atmungsorgan am Hintern.


 

Ich wollte diese bleichen Tierchen auch gern einmal sehen und habe mir daher schon diverse Lagunen aus Tontöpfen gebaut. Man füllt sie mit allem, was modrig werden kann: Grasschnitt oder Laub zum Beispiel. Laub auf der Oberfläche erleichert die Eiablage und hält Mücken fern. So sahen meine Lagunen im Frühling aus:




 

Bisher hatte ich aber schlechten Geruch und nur andere Tiere in diesem Wasser gehabt. Da waren zum Beispiel Bärtierchen und Springschwänze.

Dieses Jahr habe ich endlich eine funktionierende Hoverfly-Lagoon gebaut - und zwar ganz aus Versehen.

Als ich im Urlaub war, ist in einen Übertopf, in dem eine Tomatenpflanze stand, Regenwasser gelaufen. Man kann sich vorstellen, wie diese Brühe gestunken hat. Ich wollte den Topf schon leeren, als ich zwei Rattenschwanzlarven gesehen habe. Die konnte ich natürlich nicht mit dem Bade auskippen, also blieb die Brühe stehen. Wenn man das Wasser in Ruhe lässt, stinkt es zum Glück nicht mehr.

Und so hat mein Garten dann doch noch ein paar Mistbienen hervorgebracht!

Samstag, 8. August 2020

Gegen den Durst

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Tomatenpflanzen in Töpfen müssen schon sehr leidensfähig sein. Sie gehören zwar zu den Nachtschattengewächsen, doch natürlich entpuppt sich das als Etikettenschwindel, denn am besten klappt die Anzucht eigener Früchte doch in der prallen Sonne. Nachts darf es dagegen ruhig schattig sein. Und so heizt sich der Topf in der heißen sommerlichen Mittagssonne ordentlich auf. Das Erdvolumen allerdings ist begrenzt, sodass die Pflanzen keine Möglichkeit haben, mit ihren Wurzeln seitwärts oder nach unten auszuweichen, um Wasserreserven zu finden, auch wenn sie noch so viel Forscherdrang haben.




Und so bot sich bei meinen Tomatenpflanzen früher oder später jedes Jahr das gleiche Bild: Die beim Wohnzimmerfenster auf der Terrasse aufgereihten Töpfe sahen schon mittags aus wie Elendsquartiere. Zweimal Wässern war Pflicht, aber wenn man mittags nicht zuhause war, entfiel auch das. Schon welkten die Blätter und hingen schlaff herunter. Letztes Jahr, als es wochenlang heiß und trocken war, haben wir  versucht, es mit einem über die Terrasse gespannten Sonnensegel zu retten, was zwar den Wasserbedarf reduziert hat, aber auch paradiesische Zustände für Spinnmilben schuf, die trockene Luft sehr zu schätzen wissen. Außerdem fanden die Pflanzen das dann auch wieder zu schattig. Denen kann man es auch nicht recht machen...



Oder etwa doch? Dieses Jahr habe ich gleich beim Einpflanzen vorgesorgt und eine neue Lösung versucht: Die "LITE-STRIPS" der Firma Lite Soil aus Österreich. Diese Streifen gibt es in braun und in weiß. Die braunen sehen  aus wie Schokoriegel, sind aber nicht zum Essen. Es sind Wasserspeichervliese in Streifenform zum Einmischen in die Erde und zu 100 % biologisch abbaubar, denn sie bestehen aus Zellulose. 10 l LITE-STRIPS speichern bis zu 9 l Wasser. Im Gegensatz zu Speicherfliesen oder Wasserreservoirs am Topfboden werden diese Streifen gut unter die Erde gemischt und versorgen die Wurzeln so im gesamten Topfbereich mit Wasser. Nach einer Saison oder spätestens im zweiten Jahr sollen die Streifen abgebaut sein.





Die weißen Streifen "Bio5" bestehen aus 70% PLA (Polylactiden) und 30% Zellulosefasern und sind biologisch abbaubar bzw. kompostierbar nach ca. 5-10 Jahren, daher also mehrfach verwendbar. Sie eignen sich besser für Dauerbepflanzungen in Töpfen.




Unauffälliger ist natürlich die schokobraune Variante "Bio1", sollte so ein Streifen einmal an die Erdoberfläche kommen.


Ich durfte die kuschligen braunen Zellulosefaser-Streifen dieses Jahr testen. Gleich beim Einpflanzen von Tomate und Paprika habe ich sie unter die torffreie Blumenerde gemischt.

Nun ist es schon August und ich kann ein erstes Fazit ziehen. Zwar war es nicht so heiß wie in den Jahren zuvor, doch gab es auch dieses Jahr ein paar Hitzetage. Ein Sonnensegel gab es aber nicht, sodass die Pflanzen die Lite-Strips wirklich auf Herz und Nieren, äh, auf Wurzel und Spaltöffnung, testen konnten.



Die Glasflaschen im Tonkegel haben die Töpfe aber noch zusätzlich bekommen, wie jedes Jahr, sicher ist sicher.






Ich muss sagen, dass sich der Gießaufwand doch deutlich reduziert hat. Bis zum Feierabend halten die Pflanzen locker durch, sogar zwei komplette Tage ohne Aufsicht sind drin. Wochenendurlaube arten nicht mehr in Stress aus und ich brauche für so eine kurze Zeit weder Tropfbewässerung noch Urlaubsvertretung.

Bei 30 Grad im Schatten reicht es ohne Gießkanne dann aber nicht mehr, doch ich kann mir wenigstens das Wässern in der Mittagszeit sparen. Selbst nach 24 Stunden Wasserentzug bei 32 Grad sahen die Pflanzen gestern noch einigermaßen fit aus. Vielleicht funktioniert ein unbeaufsichtigtes Hitzewochenende, wenn die Erde und die Zellulosestreifen durch vorherigen Regen schön gesättigt wurden, aber Regen ist ja wieder mal aus.

Das Produkt mag auf den ersten Blick teuer erscheinen, doch wenn man bedenkt, dass man Freunden und Bekannten als Dankeschön fürs Gießen auch etwas schenken muss, lohnt die Investition. Vor allem kann man die weißen Streifen ja auch mehrere Jahre verwenden, die braunen mit Glück auch im Folgejahr noch einmal.


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Samstag, 30. November 2019

Die Tonne ist leer

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Letzten Winter habe ich zweimal die Regentonne geleert, einmal vor Weihnachten und einmal nach Weihnachten. Beide Male sollte es kurz danach Frost geben. Nach dem ersten Mal haben wir vergessen, den Zulauf zu verschließen. Leichten Frost hält die Regentonne, die nah an der Hauswand steht, noch aus. Aber ab -3 ° werde ich ein bisschen nervös, erst recht, wenn sich schon eine dünne Eisschicht auf der Wasseroberfläche gebildet hat. Die allein ist noch kein Grund zur Sorge, denn es dauert, bis sich eine so große Wassermasse vollständig in Eis verwandelt hat. Soll es aber dauerhaft frostig werden, ist es besser, die Regentonne abzulassen. Da das Fass aus Plastik ist und einen großen Haufen Müll ergeben würde, wenn es reißt, passe ich gut darauf auf. Die Tonne würde auch nicht in die Wertstofftonne passen, das ist Makroplastik.


Da ich auch im Winter immer gern Gießwasser für die Zimmerpflanzen und etwaige Umpflanzaktionen im Garten habe, warte ich mit dem Leeren der Regentonne immer bis zur letzten Minute, man weiß ja nie, ob sich die Wettervorhersage nicht doch wieder geirrt hat und es statt einer frostigen nur eine lauschige Winternacht wird. Das heißt dann allerdings, dass ich den Behälter oft im Dunklen nach Feierabend und bei Eiseskälte in großer Eile ausschöpfen muss.

Bis jetzt sah das so aus: Gießkanne oben rein und volllaufen lassen (die Gießkanne, nicht ich), dann rausheben, ausgießen und wieder eintauchen. Das dauert, man wird nass dabei, bekommt schmerzhaft kalte Hände, ob mit oder ohne wasserdichte Handschuhe, und dem Rücken tut es auch nicht gut. Je näher der Wasserspiegel dem Boden der Tonne kommt, umso anstrengender ist es, die volle Tonne über den Rand zu wuchten. Da ich nicht besonders groß bin, laufe ich außerdem irgendwann Gefahr, kopfüber in die Tonne zu fallen.



Dieses Jahr habe ich daher einen neuen Helfer: Eine Regentonnenpumpe von Gardena, die das alles von alleine macht.


Das Gerät hat einen Akku, was zum Beispiel im stromlosen Schrebergarten praktisch ist. Er darf aber nicht nass werden, denn das vertragen Akkus nicht gut. Wenn man sich die Pumpe so anschaut, glaubt man erst nicht, wie man schaffen soll, dass der Akku nicht mit auf Tauchstation geht, denn er sitzt huckepack auf der Pumpe. Das tut er aber nur aus Gründen der Platzersparnis. Man kann ihn abnehmen, er hat einen ausklappbaren Haken, mit dem man ihn am Tonnenrand trocken aufhängen kann. Der Akku passt auch zu anderen Gardena-Geräten, die mit dem HeartBeat-System ausgestattet sind.




Die Pumpe hat einen Teleskopstiel, mit dem wird sie in die Tonne eingehängt. Das Stromkabel von Akku zu Pumpe ist wasserdicht. Das Gerät hat einen Schutz vor Trockenlaufen (Auto-Stop).

Nun kann es losgehen: Die Pumpstärke kann man über einen Knopf am Akku regeln, so kann man steuern, wie lange der Akku reicht, da er bei der höchsten Fördermenge auch mehr Strom verbraucht. Gleich daneben ist der An- und Ausschalter.


Nun schießt auch schon das Wasser aus der Tonne, 2000 l/h sind möglich. Der Strahl ist auch auf niedrigster Stufe zu stark, um ihn direkt auf den Boden zu richten, man kann aber auch einen Schlauch mit einer Brause anschließen oder das Wasser einfach in die Gießkanne laufen lassen. Dann dauert es aber länger, bis die Tonne leer ist.


Jedenfalls war das die rückenschonende Variante ganz ohne kalte Hände. Jetzt kann der Frost kommen!

Samstag, 29. Oktober 2016

Wurzel-Wunder

Bestimmt hat es jeder schon einmal erlebt: In die Vase gestellte Minzezweige für den Tee wurzeln nach einigen Tagen so herzerweichend, dass man es nicht mehr über's Herz bringt, sie mit kochendem Wasser zu übergießen und dadurch zu meucheln. Dazu bräuchte es schon ein Herz aus Stein. Stattdessen pflanzt man die tapferen Vasenwurzler ein und sucht alsbald händeringend Abnehmer für das wuchernde, aber sehr hübsche Pflänzchen.



Der Trick mit dem kalten Wasser klappt nicht nur bei der Wasser-Minze, die in der Vase ja in ihrem Element ist wie keine sonst. Sämtliche Minzen und auch Zitronenmelisse tun uns den Gefallen. Die Disziplin Wasser-Wurzeln ist daher ein probates Mittel, damit Pflanzen aus fremden Gärten rasch im eigenen Garten Wurzeln schlagen. Man braucht kein Bewurzelungshormon oder sonstigen Schnickschnack.


Mit der Melisse verwandt ist auch die Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum). Eine herrliche Bodendeckerstaude für den Schatten unter Gehölzen und prima für Hummeln.  Es gibt diese heimische Staude in ausgefallenen Blattschmucksorten, die uns den Mund wässrig machen. So eine wollte ich auch mal mein Eigen nennen, aber im Gartencenter gibt es sie eher nicht.

Allerdings nahte die Rettung in Form eines unbekannten Guerilla-Gärtners, der bei uns im Park Schneeglöckchen und nun auch eine schöne Taubnessel mit fast weißen Blättern unter eine Eibe gepflanzt hat.



Nun wollte ich da nicht mit dem Spaten drangehen, aber da die Stadtgärtner nicht gerade zimperlich mit dem Rasenmäher und anderen Geräten umgehen, konnte doch ein abgerupftes Zweiglein nicht schaden? Beim nächsten Spaziergang habe ich also eine Triebspitze abgezwackt und in die Vase gestellt. Kurz darauf war tatsächlich ein Mäher-Massaker an der Pflanze angerichtet worden.

Ich hatte eigenlich keine Wunder erwartet, aber die Taubnessel entpuppte sich überraschenderweise wie die Minzenverwandschaft als guter Wasser-Wurzler. Als das Wurzelwerk groß genug war, habe ich sie erst einmal in einen Topf gesetzt. Man sieht, dass die Blätter zunächst etwas ramponiert wirken:


Nun steht der tapfere Ableger schon im Beet, ist ordentlich gewachsen und in alter Frische wieder hübsch geworden. Bestimmt wird er im Frühjahr schon blühen.




Ich glaube, es ist die Sorte "Pink Pewter" mit sensationell gefärbtem Laub und hellrosa Blüten. Ein echtes Highlight unter meiner Zimtrose jedenfalls.

Solltet ihr auch mal im Garten von Freunden eine Minze oder Taubnessel sehen, versucht es doch mal mit dem Vasentrick. Ich bin gespannt, ob es bei euch genauso gut klappt.

Samstag, 18. Juni 2016

Das schlägt dem Fass den Boden aus

Ein Mini-Teich im Weinfass ist hübsch und schont den Rücken, weil man keine Grube ausheben muss wie bei einem ebenerdigen Teich. Einfach hinstellen, darauf achten, dass das Holz keinen direkten Kontakt mit nasser Erde hat, und fertig. Doch so ein Behälter hat eine Achilles-Ferse: Väterchen Frost.

Im Sommer kann Wasser dem Fass nicht viel anhaben, denn ein echtes Weinfass, das etwas auf sicht hält, wird so schnell nicht undicht. Denn es ist schließlich dafür gebaut, Flüssigkeiten unter Verschluss zu halten. Die Holzteile quellen bei Nässe zuverlässig auf und halten dann zusammen wie Pech und Schwefel.

Bei Temperaturen unter Null, vor allem wenn sie am Rande von zweistellig sind, steht das Teichlein aber sehr unter Druck. Mein halbiertes Weinfass, das auf eine schöne Karriere beim Winzer zurückblicken kann, ist mir in zwei sibirischen Wintern leck geschlagen. Es war der Boden, der nachgab, weil er das ganze Gewicht und die Volumenzunahme des Wassers aushalten musste. Die klaffenden Holzelemente werden nie wieder zusammenfinden, daher haben wir sie nach dem Durchtrocknen mit Dach-Dichtstoff verspachtelt. Silikon enthält meist Fungizide, was im Wasser nicht gewünscht ist, und hat eine kleinere Temperaturspanne. Seitdem die Dichtmasse am Boden ist, hat zumindest mäßiger Frost kein neues Loch mehr gerissen, so elastisch ist sie.

Auch das Blaue Hechtkraut (Pontederia cordata) hat im Weinfass schon mehrfach draußen den Winter überlebt:

Die einfache Lösung zur Verhinderung von Frostrissen ist natürlich, das Wasser im Winter auszukippen und die Pflanzen in frostsicheren Gefäßen zu überwintern. Nur überleben das die tierischen Insassen nicht, und von denen gibt es überraschend viele und die meisten sind überraschenderweise keine Stechmücken. Die Gartenvögel wünschen sich außerdem auch im Winter ein bisschen Wasser zum Trinken und Baden.

Mein guter Grund, den Nervenkitzel im Winter zu ertragen, ob der Frost dem Fass den Boden ausschlägt oder nicht, ist feuerwehrrot mit Metallic-Look und macht im Mai die Fliege: Die Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula).

Dass die erwachsenen Hubschrauber sich im Garten aufhalten, hatte ich schon gesehen, sie aber nicht mit meinem Weinfass in Verbindung gebracht. Schließlich sind die Libellenlarven auf jeden Fall mehrfach eingefroren gewesen. Zu meiner Verwunderung haben sie das überlebt.

Entdeckt habe ich die Larven aber erst, als ich sie im Herbst fast alle auf einen Schlag ausgerottet hätte: Im Fass hatte sich eine moosartige Pflanze derart breit gemacht, dass man die Wasserfläche nur noch erahnen konnte. Als ich die erste Handvoll dieses grünen Schlamassels beim Schopfe gepackt hatte, fielen mir zum Glück noch rechtzeitig die Libellenlarven auf. Also alles wieder retour. Es gibt nur eine winzige Zeitspanne zwischen dem Schlüpfen der roten Flitzer und der erneuten Eiablage, in der ich den Teich säubern kann.





Die Li(e)bellen dankten es mir und haben mir ein Herzchen getanzt.


Wer hätte gedacht, dass nach der alkoholischen Abstinenz des Weinfasses irgendwann wieder weinrote Schätze entsteigen werden?