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Samstag, 5. Oktober 2019

Wenn der September geht...

Früher konnte ich nicht genug vom Sommer kriegen und habe schon im Juli gedacht: Jetzt kommt noch der August und schon ist der Sommer vorbei, hoffentlich dauert es noch gaaaaanz lange bis September. Mittlerweile geht mir schon im Juli das Lied von Green Day nicht mehr aus dem Kopf: "Wake me up when September ends", obwohl ich das noch nicht mal leiden kann, aber den Sommer zu verschlafen ist mittlerweile durchaus eine Option für mich. Auch der Song von Lana Del Rey passt als Sommermotto ganz gut: "Summertime sadness".

Früher waren die Sommer ja auch noch halbwegs brauchbar und nicht so ohne Regen wie in den letzten beiden. Mittlerweile freue ich mich auf den Oktober, denn da wird alles wieder gut: Die Regentonne ist voll, der Boden nass und ich muss keine Gießkannen mehr schleppen. Auch macht der Garten jetzt wieder Spaß, man sieht nicht mehr wie im Sommer überall nur notleidende Gewächse, die kurz vorm Verdursten sind und bitteschön morgens und abends gern zehn Liter Wasser gereicht bekommen würden.

Der Regen der letzten Septembertage hat auch meinen besonderen Wucher-Lieblingen gut getan, den Gefleckten Taubnesseln (Lamium maculatum). Die sind ja immer beschäftigt. Wenn sie nicht gerade blühen, arbeiten sie an einer bunten Bodendecke, die auch ohne Blüten unglaublich hübsch aussieht.


Die tollen Taubnesseln treiben es nicht nur ziemlich bunt, sie tun dies auch an Plätzen, die andere Stauden nicht geschenkt haben wollen: Am schattigen Gehölzrand sucht man diese Farbenpracht sonst vergeblich oder findet sie dort nur im noch sonnigen Frühjahr, wenn die Strauchschicht im unbeblätterten Zustand noch genug Sonnenlicht bis zum Boden durchsickern lässt.

In meinem Garten habe ich zwei Gefleckte Taubnessel-Sorten.

Das hier ist 'Pink Pewter', die jetzt mit genug Bodenfeuchte so richtig aufdreht. Neue Blüten erscheinen über graugrünem Laub, die wie bei Taubnesseln typisch immer in entgegengesetzte Richtungen gucken. Die Knospen sehen aus wie kleine pinkfarbene Fäuste.






Die Pflanze habe ich aus einer Triebspitze vermehrt und bin ganz stolz auf das kleine Wucherwunder.


Die andere Sorte 'Argenteum' habe ich von der Pflanzenbörse in Gütersloh. Sie hat bezeichnende weiße Streifen auf den Blättern, die wie bei einem Esel der Aalstrich längs verlaufen. Vier Blätter von oben gesehen bilden dank ihrer gegenständigen Anordnung ein weißes Kreuz, damit die Insekten auch wissen, wo sie die Blüten finden.




Auch diese Sorte mag Schatten und blüht jetzt noch einmal in alter Frische.

Die schöne Schillerwanze freut sich schon unbändig auf die Samen.



Und ich freue mich über das kleine Herbst-Highlight, der Sommer war schließlich anstrengend genug...

Samstag, 30. März 2019

Der Garten-Triathlon

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Dass der Garten ein Fitnessstudio ersetzen kann, ist mittlerweile anerkannt. Mehr Workout als beim Spatenschwingen und Gießkannenschleppen geht kaum. Doch man kann das Training noch weiter ausdehnen, indem man auch den Pflanzenkauf sportlich sieht. Diesmal war das Ziel ein Seidelbast (Daphne mezereum). So einen duftenden Giftzwerg wollte ich schon lange mal haben. Ich habe es also ausprobiert und den großen Garten-Triathlon erfunden, der bald sicher olympisch wird, da bin ich ganz zuversichtlich.


Das geht so: Erst mal schnappt man sich das Fahrrad und fährt damit raus aufs Land zur Bio-Baumschule. Ganz schön anstrengend bei Gegenwind und so früh im Jahr, wenn die Kondition genauso gelitten hat wie der Pflegezustand des Fahrrads. Damit hätten wir die erste Disziplin schon mal zu Hälfte geschafft. Die zweite Sportart folgt als Werbepause: Baumschulbesichtigung mit Kampfshoppen. Durch die Wahl des Vehikels konnte zum Glück aber keine Formschnitt-Kornelkirsche mit, das hätte den Windwiderstand auf dem Fahrrad doch etwas erhöht.

Und hier steht auch schon eine Auswahl der Zielobjekte auf dem Verkaufstisch: Welcher Seidelbast soll es denn sein? Ich habe den genommen, der noch knospig war.


Dann der Rückweg mit dem Seidelbast auf dem Gepäckträger. Der Strauch konnte - angeschnallt natürlich - an der frischen Luft die Aussicht genießen und ich musste strampeln. Große Töpfe passen übrigens ganz prima und ohne groß zu wackeln auf den Gepäckträger, der Bügel hält sie gut in Position. Nur bei allzu viel Schlaglochpiste oder Bordstein-Rauf-und-Runter muss man den Passagier immer mal kontrollieren, ob er noch absturzsicher ist. Nichts wäre schlimmer als ein gebrochener Ast bei so einem teuren Mitfahrer.


Zurück im Garten kann die dritte Disziplin an den Start gehen: Spatenschwingen, gern auch als Staffellauf und Mannschaftssportart, falls man zu erschöpft ist nach dem Radfahren.


Das hier ist mein neues Trainingsgerät: Der Damenspaten von Gardena, leicht und gut zu handhaben, mit extra breitem Handgriff und extra großem Fußtritt, damit man auch ganz undamenhaft mit Gummistiefeln ordentlich reintreten kann.



Mit dem Gardena-Spaten muss ich nun die Kriechspindel, die nie geblüht hat und sich damit für Insekten disqualifiziert hat, aus dem Boden hebeln, denn da soll der Seidelbast hin:


Warum diese Disziplin etwas an einen Eiertanz erinnert? Der olle Strauch ist von Bärlauch umzingelt und den will ich noch essen und nicht zertreten. Ganz gegen meine Gewohnheit muss ich elfengleich um die Pflanze herumarbeiten und den Spaten ganz zielgerichtet am Bärlauch vorbeimanövrieren, was durch den ergonomischen Handgriff zwar sehr gut geht, es hat trotz aller Bemühungen aber doch stark nach Knoblauch gerochen - das ist wohl so eine Art Abwehrverhalten des Bärlauchs ganz wie bei einem Stinktier.



Endlich ist die Kriechspindel raus - hier seht ihr meine Trophäe:



Nun heißt es ein Loch zu buddeln für den Seidelbast, dann muss man ihn vorsichtig einsetzen, ohne die Wurzeln zu verletzen, und die Erde wieder darauf verteilen. Alles ein bisschen antreten - und dann Wasser marsch!





Der Bärlauch wird schon gemerkt haben, dass es Neuland zu betreten gibt. Bis er die vakante Stelle okkupiert hat, habe ich noch einige Silberblatt-Sämlinge, Gefleckte Taubnessel und Schneeglöckchen dazu gesetzt, um ihnen etwas Vorsprung zu verschaffen. Auch dabei hatte der Spaten noch lange nicht Feierabend, sondern musste Pflanzen aus dem Rasen heben.





Vielleicht bequemt sich auch irgendwann der Gefingerte Lerchensporn dazu, der farblich so gut passen würde. Sonst muss ich welche aus dem Rasen ausgraben.

So, genug geackert. Ich wünsche dem Seidelbast viel Glück an seinem neuen Platz und mir einen schönen Feierabend, den ich am liebsten neben dem Strauch verbringen würde, so gut duftet der!

Samstag, 24. Februar 2018

Die Nessel-Neurose

Heute soll es mal um Lebensmittelskandale gehen. Der erste Skandal ist der, dass nirgendwo steht, dass Mangold auch zu den Pflanzen gehört, die man nach dem Verwerten der Blätter zu neuem Leben erwecken kann. Dazu einfach den Strunk in Wasser stellen und er treibt neues Laub. Nach einiger Zeit kann er in Erde gepflanzt werden - ich habe dafür eine Tomatendose als Übertopf recycelt.

Sieht das nicht toll aus, wie der Mini-Mangold leuchtet wie ein großer? Vielleicht kann man die kleine Pflanze irgendwann im Garten auswildern und sie bekommt dort ganz große neue Blätter? Wäre das nicht lecker?


So weit, so grün. Der zweite Skandal ist ein Etikettenschwindel, bei der die Brennnessel einfach durch die Taubnessel ersetzt wird.

Und das, obwohl diese auch nicht sonderlich beliebt ist. Taubnessel ist schon mal kein schöner Name für eine so schöne Pflanze. Weder das Adjektiv "taub" noch das Wort "Nessel" wecken irgendwelche positiven Assoziationen. In der Kombination wird es auch nicht wirklich besser. Vielleicht liegt es tatsächlich an diesem wenig schmeichelhaften Namen, dass die Gattung Lamium im Garten nicht sonderlich beliebt ist. Die Blattschmucksorten von Lamium maculatum werden von Kennern im Schattenbeet geschätzt, sind aber den meisten Gartenbesitzern gänzlich unbekannt. Die Weiße Taubnessel, von der es noch nicht mal Sorten zu geben scheint, hat es noch schlechter getroffen. Kommt sie freiwillig in den Garten, wird sie eher nicht herzlich willkommen geheißen.

Wofür sie dann aber doch wieder herhalten muss ist dieser Etikettenschwindel. Was stimmt mit dem Bild nicht? Rechts das Original, links die Fälschung.


Die heilsame Brennnessel ist wohl nicht fein genug, auf der Packung Tee abgebildet zu werden. Da nehmen wir doch lieber das kleinere Übel, die Weiße Taubnessel (Lamium album). Aha, so schön ist sie also dann doch.



Dummerweise könnte der Käufer jetzt denken: "Prima, jetzt habe ich den Tee gekauft und weiß nun sogar, dass Brennnesseln hübsch weiß blühen können. Komisch, ich dachte immer, die wären so unscheinbar." Sollte sich in den Garten dieses Teetrinkers nun dummerweise die Weiße Taubnessel verirren, wird die Unglückliche nun entweder in Heißwasser aufgegossen oder sofort gejätet, schließlich haben wir ja gerade gelernt, dass das die böse Brennnessel ist.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich mag Taubnesseln. Alle bis auf die invasive Goldnessel, die mehr wuchert als blüht.

Die Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum) ist auch nicht von schlechten Eltern, immerhin hat sie neben den roten Blüten auch noch violette Blätter, wenn sie genug Sonne bekommt. Sie ist die einzige, die keine Staude ist. Den Hummeln ist das egal, die nehmen alle Lamium-Blüten immer gern.

Lamium maculatum

Links: Lamium album, rechts: Lamium maculatum


Lamium album und Lamium purpureum sind die unverfrorensten ihrer Gattung. Sie blühen in milden Wintern einfach durch.

Links: Lamium purpureum, rechts: Lamium album

Die Weiße Taubnessel mitsamt ihrer sittsam horstig wachsenden Verwandtschaft kann also gerne bei mir einziehen - sie sind die besten Geschenke, die einem der Garten machen kann. Ich werde sie auch nicht aufkochen, versprochen.

Samstag, 1. Juli 2017

Für schwache Nerven

Manchen Pflanzen möchte man mal einen Tipp auf den weiteren Lebensweg mitgeben: Hättet ihr auch mal mehr angestrengt und in der Baumschule besser aufgepasst, dann wäre aus euch vielleicht noch was geworden. Ein Karrierecoach würde es wohl so ausdrücken: Hättet ihr ein wenig an eurem Outfit gefeilt, dann wärt ihr nun ein Global Player und nicht die Verlierer des Garten-Booms.

Manche heimischen Wildpflanzen haben nämlich durchaus Potential und aus ihnen ließen sich echte Verkaufsschlager machen. Die Blüten und inneren Werte sind ja oft auch ganz hübsch, nur das Blattwerk sollte ein wenig pfiffiger daherkommen. Hier gilt es, aktuelle Modetrends nicht zu verschlafen und mal ein bisschen Panaschiertheit, Silberglanz oder Rüschen aufzutragen.

Die heimische Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum) hat schon erfolgreich gezeigt, wie sowas geht, und auch die Gold-Nessel kann da mithalten. Beim Thema Blattschmuck macht denen so schnell keiner was vor.

Und wenn auch der Baldrian (Valeriana officinalis) hübsch grün-weiß gestreifte Blätter hätte, wäre der Erfolg doch sicher vorprogrammiert?



Er ist immerhin schlank, hochgewachsen und beruhigt die Nerven. Katzen dagegen verhilft er zu einem zünftigen Rausch, der sich gewaschen hat. Seine zart rosafarbenen Blüten schweben erhaben über allem und können sich durchaus sehen lassen.


Doch beruhigt er auch die Nerven des Gartenbesitzers? Nicht unbedingt, manch einer braucht Nerven wie Drahtseile, da die Pflanze gern Ausläufer bildet und mit der Zeit immer mehr Raum einnimmt. Allerdings muss ich sagen, dass er keine unterirdischen Sprünge macht, wie manche Wildrosen oder Lysimachia ciliata, die unvermittelt einen Meter weiter aus dem Boden schießen.

Die heimische Staude hätte daher das Zeug zum Liebling aller Gärtner, die eine Stelle mit nicht allzu trockenem Boden vakant haben und gern auch mal zum Spaten greifen, um wildgewordene Stauden zu zähmen. Trockenheit ist dem Baldrian sehr zuwider. Dafür blüht er aber auch noch im Halbschatten ausgiebig und hat schönes Laub.



Schmetterlinge schaukeln gern auf den Blüten, später werden kleine Flugsamen herumgeweht.


Mein Exemplar bzw. die mittlerweile vorhandene Armada stammt übrigens vom Friedhof, wo er sich im Müll befand. Zu seiner Beruhigung habe ich ihn gerettet. Und es nicht bereut bisher. Das bisschen Auszupfen ist ja auch irgendwie meditativ... 

Samstag, 29. Oktober 2016

Wurzel-Wunder

Bestimmt hat es jeder schon einmal erlebt: In die Vase gestellte Minzezweige für den Tee wurzeln nach einigen Tagen so herzerweichend, dass man es nicht mehr über's Herz bringt, sie mit kochendem Wasser zu übergießen und dadurch zu meucheln. Dazu bräuchte es schon ein Herz aus Stein. Stattdessen pflanzt man die tapferen Vasenwurzler ein und sucht alsbald händeringend Abnehmer für das wuchernde, aber sehr hübsche Pflänzchen.



Der Trick mit dem kalten Wasser klappt nicht nur bei der Wasser-Minze, die in der Vase ja in ihrem Element ist wie keine sonst. Sämtliche Minzen und auch Zitronenmelisse tun uns den Gefallen. Die Disziplin Wasser-Wurzeln ist daher ein probates Mittel, damit Pflanzen aus fremden Gärten rasch im eigenen Garten Wurzeln schlagen. Man braucht kein Bewurzelungshormon oder sonstigen Schnickschnack.


Mit der Melisse verwandt ist auch die Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum). Eine herrliche Bodendeckerstaude für den Schatten unter Gehölzen und prima für Hummeln.  Es gibt diese heimische Staude in ausgefallenen Blattschmucksorten, die uns den Mund wässrig machen. So eine wollte ich auch mal mein Eigen nennen, aber im Gartencenter gibt es sie eher nicht.

Allerdings nahte die Rettung in Form eines unbekannten Guerilla-Gärtners, der bei uns im Park Schneeglöckchen und nun auch eine schöne Taubnessel mit fast weißen Blättern unter eine Eibe gepflanzt hat.



Nun wollte ich da nicht mit dem Spaten drangehen, aber da die Stadtgärtner nicht gerade zimperlich mit dem Rasenmäher und anderen Geräten umgehen, konnte doch ein abgerupftes Zweiglein nicht schaden? Beim nächsten Spaziergang habe ich also eine Triebspitze abgezwackt und in die Vase gestellt. Kurz darauf war tatsächlich ein Mäher-Massaker an der Pflanze angerichtet worden.

Ich hatte eigenlich keine Wunder erwartet, aber die Taubnessel entpuppte sich überraschenderweise wie die Minzenverwandschaft als guter Wasser-Wurzler. Als das Wurzelwerk groß genug war, habe ich sie erst einmal in einen Topf gesetzt. Man sieht, dass die Blätter zunächst etwas ramponiert wirken:


Nun steht der tapfere Ableger schon im Beet, ist ordentlich gewachsen und in alter Frische wieder hübsch geworden. Bestimmt wird er im Frühjahr schon blühen.




Ich glaube, es ist die Sorte "Pink Pewter" mit sensationell gefärbtem Laub und hellrosa Blüten. Ein echtes Highlight unter meiner Zimtrose jedenfalls.

Solltet ihr auch mal im Garten von Freunden eine Minze oder Taubnessel sehen, versucht es doch mal mit dem Vasentrick. Ich bin gespannt, ob es bei euch genauso gut klappt.