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Samstag, 21. August 2021

Lustiges Gelb

In Zeiten des Klimawandels muss man sich fragen, ob Phlox und Hortensie nicht ausgedient haben. Dieses jahr kommen sie noch glimpflich davon, aber in den Dürrezeiten kann man gleich eine Standleitung zu ihnen legen, um sie ausreichend zu bewässern. 

Dieser kleine Phlox hier ist im Halbschatten bis Zuvielschatten sogar noch hart im Nehmen. Dieses Jahr freut er sich über den Regen und blüht, was er nicht jedes Jahr tut. Die Pflanze habe ich übrigens 2010 an einem Blumenmarkt aufgelesen, wo er verschenkt wurde, weil er verblüht war. Dieser Phlox ist zwar stur und macht nie mehr als einen Blütentrieb, aber dafür überlebt er an einer unwirtlichen Stelle - vielleicht, weil es dort nicht so sonnig ist und er deswegen nicht so sehr unter Dürreperioden leidet. Wäre doch schade, so einen alten Phlox-Freund an den Klimawandel zu verlieren...

 


Sind heimische Pflanzen härter im Nehmen? In den letzten Jahren fiel eine Staude positiv, auf, wie sie völlig ungewässert am Wegesrand vor sich hin blühte, und das sogar in fröhlichem Gelb. Lebensfreude trotz Trockenheit? Das ist der heimische Rainfarn (Tanacetum vulgare). Er treibt seine Wurzeln so tief ins Erdreich, dass er mit Wasser auch bei Dürre noch lange Zeit versorgt ist.






Die Pflanze mit den knöpfchenartigen gelben Blüten wuchert zwar stark, aber vielleicht ist das genau das, was man im Garten gebrauchen kann, wenn es nicht  regnet? Eine Staude mit Zukunft also. Außerdem kann man mit Inselbeeten im Rasen gut gegen das Gewucher angehen.

Und so konkurrenzstark ist er dann auch wieder nicht, jedenfalls scheiterte eine Ansiedlung im Null-Euro-Beet kläglich, da ließ er sich von Nachbarpflanzen unterbuttern. Wuchern tut er, wenn er genug Sonne bekommt und schwächere Nachbarn.

Die Blüten haben zwar keine Zungenblüten und sehen vielleicht nicht so umwerfend fröhlich aus wie die einer Margerite, aber dafür blüht der Rainfarn lang und hat seinen ganz eigenen Charme. Er ist eben der Minimalist der Mittelstreifen und Fahrbahnränder.

Außerdem ist er unterhaltsam, denn viele Insekten besuchen die Blüten, hier ist immer was los.

Seidenbienen, Käfer, Schwebfliegen, andere Fliegen und Maskenbienen kann man finden, unter den Schmetterlingen sind es meist kleinere Arten wie der Kleine Feuerfalter und das Kleine Wiesenvögelchen. Sie mögen es meist nicht, wenn ihnen eine Bienen zu nahe kommt.





Die Seidenbiene grast Knöpfchen für Knöpfchen den Rainfarn ab, bis mal wieder ein aufdringliches Männchen auf sie zustürzt:

Rainfarn ist also eine Hotspotpflanze, was Insekten angeht, kann aber noch viel mehr: Da die ganze Pflanze duftet, viele sprechen auch von Gestank, soll ihre bloße Anwesenheit Kartoffelkäfer vertreiben können. Rainfarn ist eine Färbepflanze und vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäße Heilpflanze, da er schnell giftig wirken kann.

Und wem das ganze Gelb zu langweilig ist, der kann mal schauen, ob er so komische grüne Kelche an den Blüten entdeckt, die aussehen, als wäre der Rainfarn lieber eine Tulpe.

 

Doch die Pflanze macht das nicht freiwillig, die Rainfarngallmuecke (Rhopalomyia tanaceticola) zwingt ihn zu dieser Persönlichkeitsstörung.

Soviel Spaß und so viele Möglichkeiten zu Entdeckungen hat man doch meist nur mit heimischen Pflanzen...


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...und aus der beliebten Rubrik "Bei Verwendung der Autokorrektur Hure bewahren" ein weiterer rätselhafter Fall zum Rätseln für euch: "es gibt kein Unkraut, nur Beiruter" - gelesen in einer Rezension zu "Der Giersch muss weg!".

Samstag, 7. August 2021

Bittersüß

Ein altbekanntes Gärtnergesetz besagt: Wer Rosenzweige schreddert und sie auf den Beeten in Umlauf bringt, wird mit Schmerzen beim Jäten nicht unter zwei Monaten bestraft. Und ich kann euch sagen, es ist wirklich so! Wie oft habe ich schon arglos in ein Beet gegriffen, um das Pfennigkraut von einer zarten Pflanze wegzujäten, und dabei nicht mit Gegenwehr gerechnet. Das Pfennigkraut ist auch nicht bewehrt, doch es lagen vor ein paar Wochen geschredderte Rosenzweige als Mulch auf dem Beet. Strafe muss sein.

Aber was soll man tun, wenn man hauptsächlich Rosenäste hat, die wuchernd um sich greifen und geschnitten werden müssen? Mulch bleibt Mulch, auch wenn er bis an die Zähne bewaffnet ist. Ich bin ja auch selbst schuld, weil ich so viele raumgreifende Rosen im Garten verteilt habe.

Und so arbeite ich schon an meinem nächsten großen Gartenirrtum, der hoffentlich glimpflich ausgeht. Ich habe nämlich die fixe Idee, den Bittersüßen Nachtschatten (Solanum dulcamara) im Garten anzusiedeln, weil sowohl Blüten als auch Früchte so hinreißend sind.



Diese heimische Pflanze kann man oft an Gewässerrändern ranken sehen, sie kommt aber auch mit trockenen Standorten klar. Am Gehölzrand wäre sie passend, wo sie in andere Sträucher, zum Beispiel wuchernde Rosen, hineinklettern könnte.

Die Blüten sind lila mit gelber Mitte und typisch Nachtschatten.


 

Danach reifen rote, natürlich giftige Beeren, die zunächst, wie Früchte das nun mal so tun, in Grün starten. Da immer neue Blütenknospen aufgehen, reifen die Früchte nacheinander von Grün nach Rot, was ein herrliches Farbspiel erzeugt.



Als ich einmal ein ähnliches Spektakel mit Zier-Peperoni versucht habe, die auch in allen möglichen Farben abreifen, hat es die Pflanze im kurzen mitteleuropäischen Sommer nicht geschafft, überhaupt Früchte zu produzieren, und seien sie noch so farblos. Das kann mit dem Bittersüßen Nachtschatten nicht passieren, der kommt schließlich von hier.

Ein bisschen Sorgen machen mir ja die Nacktschnecken, aber da hat der Bittersüße Nachtschatten ein Trick gelernt: Wird er angeknabbert, produziert er eine Zuckerlösung, die er direkt aus der Wunde abgibt. Das war vorher nur von Nektarien bekannt, diese Pflanze kann es jedoch auch ohne vorher spezielle Organe für diesen Zweck ausgebildet zu haben. Der süße Saft lockt Ameisen an, die fortan auf den Nachtschatten aufpassen und Fraßfeinde wie Flohkäferlarven und Schnecken abwehren. Vor allem die Flohkäferlarven werden von den Ameisen bekämpft - denn so eine gute Nektarbar muss man sich schließlich warmhalten. Dies haben Wissenschaftler der Freien Universitätguenstiggaertnern Berlin in Zusammenarbeit mit niederländischen Wissenschaftlern der Radboud Universität in Nijmegen entdeckt.

Schwarze Wegameisen (Lasius niger) fressen den Wundnektar des Bittersüßen Nachtschattens (Solanum dulcamara)
Quelle: Tobias Lortzing

 
Rote Wegameisen (Myrmica rubra) sammeln den Wundnektar an einem Blatt des Bittersüßen Nachtschattens (Solanum dulcamara)
Quelle: Tobias Lortzing

Auch Nacktschnecken sollen die Ameisen vertreiben. Das klingt doch wie nach einer Pflanze für meinen Garten! Die Samen soll man direkt im Frühjahr aussäen können oder auch schon ab September. Hoffentlich wuchert der Nachtschatten dann aber nicht zu sehr, wenn ich ihm das Gartentor erstmal geöffnet habe... Sonst bin ich eben auch daran wieder selbst schuld. Das kenne ich ja schon. Immerhin hat Solanum dulcamara keine Stacheln., so bittersüß ist er dann doch nicht.


Die Publikation

Lortzing, T., Calf, O.W., Böhlke, M., Schwachtje, J., Kopka, J., Geuss D., Kosanke, S. van Dam, N.M. and Steppuhn*, A. (2016): „Extrafloral nectar secretion from wounds of Solanum dulcamara“, in: Nature Plants. Doi: 10.1038/NPLANTS.2016.56

Samstag, 28. März 2020

Zuhause bleiben und über heimische Stauden nachdenken

In Zeiten von Home-Office und Ausgangssperren gibt es sicher bald eine ganze Reihe neuer Buchtitel. Hier ein paar Ideen, die die durchaus ernste Lage vielleicht ein bisschen erheitern oder erleichtern würden:

  • Pflanzen für's stille Örtchen: Klopapier aus dem Garten (Von Frauenmantel bis Königskerze)
  • Das Mehl muss her: Getreideanbau auf dem Balkon
  • Happy Home-Office: Pflanzen mit Unterhaltungswert (Von Brutblatt, Gelenkblume bis Nachtkerze)
  • One-Pot-Plants: Möglichst viel Essbares aus einem Kübel
  • Rezepte mit Knoblauch für jeden Wochentag

Wo man jetzt gezwungen ist, viel Zeit im eigenen Garten zu verbringen, lernt man vielleicht auch mehr heimische Tiere kennen oder beschäftigt sich ausgiebiger als sonst mit spontan erscheinenden Pflanzen, die sogar essbar sein können. Ein neues Buch, das uns die Pflanzen der Umgebung wieder ein bisschen näher bringt und das Gartencenter mit seinen oft exotischen Gewächsen und Viren vermeiden hilft, ist gerade im Ulmer-Verlag erschienen: Heimische Stauden im Garten - Attraktiv und naturnah gestalten von Peter Steiger.


Das Buch hat einen griffigen festen Einband und besticht durch ein schönes Titelbild. Der Autor schreibt oft in der Gartenpraxis und ist Garten- und Landschaftsarchitekt.

Zunächst beschreibt Peter Steiger, was Wildstauden überhaupt sind, mit welchen heimischen Gehölzen man sie kombinieren kann und welche Unterschiede es in der Verbreitung gibt: Manche kommen nur im Alpenraum oder an der Küste vor, andere sind überall in Deutschland verbreitet, haben aber dennoch spezielle Standortansprüche, die mal mehr und mal weniger flexibel sind. Er zeigt auch die Grenzen der heimischen Stauden auf: Was sie nicht gut können, sind Geophyten der offenen, sonnigen Steppe, wohingegen sie sich mit schattigen Waldsituationen bestens auskennen. Die hübschen Wildtulpen und andere Spezies kommen daher aus Asien, Südeuropa oder Südafrika, sie sind aber trotz ihres nicht-heimisches Status eine empfehlenswerte Ergänzung.

Anschließend werden die Lebensraumtypen besprochen mit Beispielen und oft auch einem Pflanzplan.


Den größten Teil des Buches nehmen die bebilderten Pflanzenportraits ein, die ebenfalls nach den vorgestellten Lebensräumen geordnet sind.



Das kann ein bisschen verwirrend sein, wenn man nicht den kompletten Text dazu liest, denn der Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum) im Kapitel "Tiefgründig humoser Schatten" kommt auch auf sonnigen Wiesen, wie etwa in der Rhön, vor, wenn sie selten gemäht werden.

 

Man sollte die Einteilung also nicht zu streng nehmen, manche Stauden sind durchaus variabel. Schon schwieriger ist der Standort "Trockener Schatten", der in Zeiten der Dürresommer eigentlich "Staubtrockener Schatten" heißen müsste, wenn er unter Bäumen stattfindet, denn dort wächst fast nichts mehr ohne künstliche Bewässerung. Im Kapitel zu Ruderalpflanzen werden auch zweijährige Arten vorgestellt, nicht nur Stauden.






Die Fotos im Buch sind schön, zeigen aber leider wenig Insektenbesuch, und auch die Texte weisen selten auf welchen hin. Ich hätte mir noch mehr Pflanzkombinationen im Bild gewünscht, immerhin kann ein Landschaftsarchitekt hier doch sicher aus dem Vollen schöpfen. Es ist eher ein Buch für fortgeschrittene Gartenbesitzer als für Anfänger, was ich auch sehr gut finde, eben ein Niveau wie in der Zeitschrift "Gartenpraxis".

Alles in allem ein wertvolles Buch, das den Blick auf die Pflanzen vor unserer Haustür lenkt und hoffentlich mehr heimische Stauden in die Gärten bringt.


* Alle hier gezeigten Fotos sind nicht aus dem Buch!

Donnerstag, 19. April 2018

Ein Storchschnabel mit Lampenfieber

Kneif mich mal einer, war ich wirklich am Dienstag Mittag im Fernsehen, live und in Farbe? Ich durfte bei ARD Buffet etwas über heimische Stauden erzählen, Lungenkraut, Frühlings-Platterbse, Gefleckte Taubnessel und Braunen Storchschnabel.




Ich bin ja nicht gerade als Rampensau bekannt, also war ich schon ziemlich aufgeregt vorher, immerhin ist das eine Live-Sendung! Aber wer hatte am Ende noch mehr Lampenfieber als ich? Der Braune Storchschnabel, den ich von zuhause mitgebracht hatte. In meinem Garten hatte er nämlich noch braune Flecken auf sämtlichen Blättern, doch plötzlich konnte er sich daran nicht mehr erinnern und hat sie sich einfach nicht mehr aufgemalt. Der wollte mich blamieren, soviel steht mal fest.

Gedreht wurde im Schaugarten vom SWR, der war sehr schön gemacht mit Trockenmauer und vielen Blumen.

Nach dem Auftritt im Garten mit den Stauden - und vielen Gehörnten Mauerbienen - war ich im Studio, wo live gekocht wurde.



Hier ist er nun, der Beitrag vom SWR in Baden-Baden:
 

Samstag, 1. Juli 2017

Für schwache Nerven

Manchen Pflanzen möchte man mal einen Tipp auf den weiteren Lebensweg mitgeben: Hättet ihr auch mal mehr angestrengt und in der Baumschule besser aufgepasst, dann wäre aus euch vielleicht noch was geworden. Ein Karrierecoach würde es wohl so ausdrücken: Hättet ihr ein wenig an eurem Outfit gefeilt, dann wärt ihr nun ein Global Player und nicht die Verlierer des Garten-Booms.

Manche heimischen Wildpflanzen haben nämlich durchaus Potential und aus ihnen ließen sich echte Verkaufsschlager machen. Die Blüten und inneren Werte sind ja oft auch ganz hübsch, nur das Blattwerk sollte ein wenig pfiffiger daherkommen. Hier gilt es, aktuelle Modetrends nicht zu verschlafen und mal ein bisschen Panaschiertheit, Silberglanz oder Rüschen aufzutragen.

Die heimische Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum) hat schon erfolgreich gezeigt, wie sowas geht, und auch die Gold-Nessel kann da mithalten. Beim Thema Blattschmuck macht denen so schnell keiner was vor.

Und wenn auch der Baldrian (Valeriana officinalis) hübsch grün-weiß gestreifte Blätter hätte, wäre der Erfolg doch sicher vorprogrammiert?



Er ist immerhin schlank, hochgewachsen und beruhigt die Nerven. Katzen dagegen verhilft er zu einem zünftigen Rausch, der sich gewaschen hat. Seine zart rosafarbenen Blüten schweben erhaben über allem und können sich durchaus sehen lassen.


Doch beruhigt er auch die Nerven des Gartenbesitzers? Nicht unbedingt, manch einer braucht Nerven wie Drahtseile, da die Pflanze gern Ausläufer bildet und mit der Zeit immer mehr Raum einnimmt. Allerdings muss ich sagen, dass er keine unterirdischen Sprünge macht, wie manche Wildrosen oder Lysimachia ciliata, die unvermittelt einen Meter weiter aus dem Boden schießen.

Die heimische Staude hätte daher das Zeug zum Liebling aller Gärtner, die eine Stelle mit nicht allzu trockenem Boden vakant haben und gern auch mal zum Spaten greifen, um wildgewordene Stauden zu zähmen. Trockenheit ist dem Baldrian sehr zuwider. Dafür blüht er aber auch noch im Halbschatten ausgiebig und hat schönes Laub.



Schmetterlinge schaukeln gern auf den Blüten, später werden kleine Flugsamen herumgeweht.


Mein Exemplar bzw. die mittlerweile vorhandene Armada stammt übrigens vom Friedhof, wo er sich im Müll befand. Zu seiner Beruhigung habe ich ihn gerettet. Und es nicht bereut bisher. Das bisschen Auszupfen ist ja auch irgendwie meditativ... 

Samstag, 10. Juni 2017

Hängematte für Bücher und eine Buchvorstellung

Irgendwo hatte ich eine Anleitung für eine Katzenhängematte gefunden, die Katzen toll zum Schlummern finden und die man unter einem Stuhl anbringen kann, damit Katz ein Dach über dem Kopf hat. Die Nähmaschine hat mitgemacht und schon war die Hängematte fertig (einfach zwei Lagen Stoff auf links zusammennähen und an jeder Ecke eine Schlaufe aus Gummiband mit einfassen, dann wenden und die Wendeöffnung zunähen). Was ich nicht bedacht hatte: Unsere schwarze Schlummerrolle namens Quietschie hat ja nur noch ein Hinterbein und traut sich daher nicht auf wacklige Untergründe. Ich kann es verstehen, da kann man auch bös abstürzen und sich den Katzenhintern prellen.

Aber das wäre doch gelacht, wenn man keine Nutzungsänderung für das immerhin floral bedruckte Machwerk finden könnte. Das muss in den Garten, ganz klar! Und zwar unter den Gartenstuhl, für den Fall, dass ich ihn mal wieder weit abseits des nächsten Tisches hingestellt habe, um Mauerbienen, der Sonne oder sonstwas zu folgen.




Wenn ich dann etwas schnell weglegen muss, zum Beispiel, weil das Telefon klingelt: Ab damit in die gemütliche Hängematte für Zeitschriften oder Bücher - mit Netz und doppeltem Boden!

Und was ich da gerade lese und nur selten weglege, ist Folgendes: "Schön wild" von Brigitte Kleinod und Friedhelm Strickler, erschienen im pala-Verlag.


Das Buch bietet Beetvorschläge für Kombinationen heimischer Pflanzen für jeden Standort mit Pflegeanleitung. Die Autoren sind kompetent, Herr Strickler ist schließlich bekannt als Gärtnereibesitzer für heimische Pflanzen und hat einen großen Schaugarten. Selbst war ich leider noch nicht dort.

Stinkender Storchschnabel mit Angelica


Wiesenknopf mit Blutzikade

Wald-Storchschnabel mit Schlangen-Knöterich (Rhön), Gänse-Fingerkraut, Ginster mit Roter Lichtnelke



Bevor es an die einzelnen Beetvorschläge geht, werden die Grundlagen erläutert. Es wird betont, dass es keinen Sinn macht, den Boden an die Pflanzen anzupassen. Besser, einfacher und ökologischer ist es, die Stauden für die herrschenden Bedingungen auszuwählen. Als Zugabe gibt es eine Liste mit heimischen Zwergsträuchern sowie eine Aufzählung von Stauden, die Unkraut unterdrücken können. Viele davon kann ich bestätigen: Echtes Seifenkraut, Wald-Erdbeere, Bärlauch, Wald-Ziest und Waldmeister funktionieren bei mir bestens als Bollwerk.

Rot-Klee, Zaun-Wicke mit Langhornbiene (Weibchen), Spitzwegerich mit Pusteblume


Wiesenraute mit Rosenkäfer

Der Hauptteil ist den Bepflanzungsbeispielen gewidmet. Wie meistens beim pala-Verlag enthält das Buch keine Fotos, sondern farbige Zeichnungen. Das tut dem Ganzen keinen Abbruch, denn es wäre unglaublich schwierig, alle diese Beete zu jedem Zeitpunkt zu fotografieren. So kann die Skizze eine Idealvorstellung wiedergeben.

Knöllchen-Steinbrech, Zaunwicke mit Langhornbiene (Männchen, Bamberg)

Ein Manko ist das Register, das ist für Fortgeschrittene, da es keine Trivialnamen verschlagwortet. Aber womöglich ist das auch so gewollt und das Buch richtet sich an Gartenbesitzer mit einem großen Pflanzenwissen, denen nur die Ideen für gelungenen Kombinationen fehlen. Lustig ist, dass immer wieder Tiere versteckt sind, die man finden muss.

Wiesen-Salbei, Bläuling, Witwenblume


Es ist unter den 22 Vorschlägen wirklich für jede Lebenslage etwas dabei - sogar an trittfeste Stauden zum Unterpflanzen von Obstgehölzen wurde gedacht - wo gibt es sowas schon? Die kann man dann bei der Ernte ruhig mal mit Füßen treten. Auch schön ist das Beet mit essbaren Blüten oder das für Sandbienen.

Insgesamt enthält das Buch ein Füllhorn an Pflanzen, die normalerweise bei der Gartengestaltung übergangen werden und endlich mal aus der Versenkung geholt werden müssen - den Insekten und den Pflanzen selbst zuliebe. Mit dabei ist auch das Scharbockskraut, das meiner Meinung nach besser ist als sein Ruf.

Ich jedenfalls habe Anregungen für trockene, schattige Plätze bekommen, auf die ich so nicht gekommen wäre - zum Beispiel die Schwarzwerdende Platterbse! Die könnte man doch ausprobieren - wenn ich mich denn mal von meinem Hängemattenstuhl losreißen kann...

Samstag, 6. Februar 2016

Die Wahrheit ist irgendwo da draußen

Grün beruhigt? So einfach ist das nun auch wieder nicht. Das stimmt zwar in den meisten Fällen, aber es gibt doch Ausnahmen. Zum Beispiel, wenn ich irgendwo am Wegesrand eine unbekannte Pflanze entdecke. Das lässt mir dann keine Ruhe mehr, bis ich am Ende unter Aufbietung sämtlicher kriminologischer Techniken die Identität des Blümchens zweifelsfrei gelüftet hab, zur Not im Kreuzverhör, wobei sich die meisten Pflanzen da taub stellen.

Manchmal stehe ich nämlich vor der heimischen Flora wie ein Idiot. Es sind einfach zu viele Arten, man kann sie nicht alle kennen. Und so bin ich immer ganz froh, wenn ich jedes Jahr wenigstens eine Handvoll neue Pflanzen lerne. Meist sind es die eher auffälligen, aber sei's drum, gelernt ist gelernt.

Letztes Jahr waren es immerhin drei Arten: Der Dürrwurz-Alant (Inula conyzae), eine unscheinbar gelb blühende, recht hohe Staude, das Scharfe Berufkraut (Erigeron acre), das hübsch blau blüht, aber sich äußerst rar macht, weil es magere Standorte bevorzugt. Auch die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea), die unbekannte heimische Verwandtschaft der invasiven Kanadischen Goldrute, war dabei. Das sind nicht alles Prachtstauden, aber ich habe mich trotzdem gefreut sie kennengelernt zu haben.



Noch schlimmer ist der Wiedererkennungswert im Winter. Bei wildlebenden Stauden, die  man vielleicht zur Blütezeit mit Ach und Krach noch mit Vornamen anreden kann, ist man in der kalten Jahreszeit schon froh, wenn man weiß, dass es eine Staude ist. Im Garten läuft das besser, da kennt man seine Pappenheimer schließlich jahrein, jahraus.

Und so war ich bass erstaunt, bei uns im Teutoburger Wald an einer trockenen und im Sommer warmen Stelle auf merkwürdige, vogelschnabelähnliche Samenkapseln zu stoßen. Die meisten Schnäbel waren schon leer, einige wenige hatten patschnasse Flugsamen in den Hüllen, bereit zum Abflug. Gut, dass mich keiner gefragt hat, was das nun wieder für ein Kraut wäre, ich hätte es sowieso nicht gewusst.


Irgendwie erinnerte mich dieser Flugapparat an die Gewöhnliche Seidenpflanze (Asclepias syriaca), aber die kommt ja nun mal aus Nordamerika und ist größer. Zuhause habe ich dann das Blumenbuch blindlings durchgeblättert, bis ich bei der Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) stutzte: Dort stand tatsächlich was von Seidenpflanzengewächs! Sie ist der einzige heimische Vertreter und eigentlich erkenne ich sie zur Blütezeit ganz gut, hatte mir aber nie Gedanken über ihre Verwandtschaftverhältnisse und ihre Samen gemacht.


Das wäre nun also geklärt. Ist zwar keine neue Art, aber immerhin. Man kann sie sogar im Garten ansiedeln, zum Beispiel an trockenen, steinigen Stellen.

Dieser erkennungsdienstliche Erfolg ist aber kein Grund, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen - das nächste unbekannte Wesen lauert sicher schon irgendwo, vielleicht sogar im eigenen Garten. 

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Flugsamen sind mir auch heute in den Briefkasten geweht worden - Stockrosensaat aus der Manufaktur von Sigrun.



Dann kann im Null-Euro-Beet bald ganz vortrefflich die Welt gerettet werden! Danke, Sigrun, für das wunderschöne Geschenk!