Posts mit dem Label Mulch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mulch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 24. Februar 2024

Der schnellste Wegbelag aller Zeiten!

Ich mag Regen und bin im Sommer die immer die letzte, die sich über einen Regentag beschweren würde. Sogar eine verregnete Woche schockt mich nicht, die sind ja selten genug. Wenn es im Sommer aber zu lange gar nicht regnet, bin ich ungenießbar und kann keinen Film schauen, ohne bei einer Regenszene anklagend auf den Bildschirm zu zeigen, um mich zu beschweren, dass es woanders regnet und wie ungerecht das doch wäre. Diesen Winter, das muss auch ich zugeben, hat es aber sehr viel geregnet. So viel, dass es dem Rasen schon mehrfach zu den Ohren raus kam. Die Terrasse ist grün wie nie und das Moos wächst prächtig.

Nun heißt ein nasser Rasen auch, dass man ihn kaum Betreten kann, ohne die Grasnarbe zu zerstören. Die Grashalme werden in den Matsch gedrückt und bald ist er mehr braun als grün. Unterm Rosenbogen war der Rasenweg sowieso schon arg verdichtet und da wuchs seit geraumer Zeit schon kein Rasen mehr. Das sah nicht schön aus und auch neu gesäter Rasen hätte nicht lange ausgehalten bei so vielen Fußtritten.

Also habe ich mir gedacht, da kommen jetzt Holzhäcksel drauf. Das federt schön und sieht besser als als nackte, verdichtete Erde. Nun muss man sich bei einem Mulchweg im Klaren darüber sein, dass er für Wildbienen, die im Boden nisten, nichts ist. Käfer sind begeistert, Bienen gar nicht. Nun hatte ich da aber sowieso nie ein Sandbienennest gefunden und habe den Käfern daher einfach mal eine Freude gemacht.

Den Mulch muss man auch nicht kaufen. Man kann ihn aus Astschnitt selbst herstellen, bei Baumpflegebetrieben bekommen oder wenn die Stadt in den Parks die Sträucher schneidet und alles gleich vor Ort häckselt. Man kann ja fragen, ob man was mitnehmen darf.







So ein Weg ist turbomäßig schnell angelegt. Drauf schütten und fertig ist die Laube. Zufällig fand ich beim Spazierengehen auch noch ein Brett, dass den Mulch daran hindert, unter der Terrasse zu verschwinden, und als ich nachsehen wollte, ob die Biotonnen schon geleert wurden, fand ich in einer Tonne einen Holzstamm für das andere Ende zum Rasen hin. Alles fertig in wenigen Minuten, da kommt kein gepflasterter Weg gegen an.



Falls er zusammensackt, kommt neuer Astschnitt drauf, frisch um Garten geschreddert.

Der Krokus, der sich dort selbst gesät hat, wächst jetzt im Mulch.

Diese hier in einem fremden Vorgarten zeigen aber, dass Krokusse damit zurechtkommen und sogar mit ihren Blättern Mulchstücke anheben können, die kleinen Muskelprotze.

Der Weg wird irgendwann nachdunkeln, aber im Moment finde ich ihn auch hell sehr schön.

Samstag, 22. Oktober 2022

Apfelmus als Mulch

Ich mulche ja gern und viel, zumindest mit Dingen, die sowieso im Garten anfallen, wie Laub oder Asthäcksel. Nun hat der Zierapfel das Ganze aber selbst in die Hand genommen und meint, er mulcht mal mit. Mit Zieräpfeln, denn das ist seine Ware, da kennt er sich mit aus.

Da der Säulenapfel ja auch schon ein Rekordjahr hatte, was die Ernte angeht, hat der Zierapfel dieses Jahr möglicherweise auch mehr Früchte als sonst. Und er ist ja auch noch im Wachstum und hat seit letztem Jahr sicher noch mehr Raummeter Äste.

Und so lässt er sie kiloweise fallen. Wenn man sie nicht mindestens alle zwei Tage vom Rasen harkt, läuft man wie auf rohen Eiern und hinterlässt haufenweise Apfelmus. Außerdem wäre der Rasen nach einer Woche Zierapfelbombardement gar nicht mehr zu sehen.






Für die kleinen fleißigen Destruenten, die in aller Ruhe das Laub auf den Beeten abbauen und dabei Humus produzieren wollen, ist die Arbeit unterm Zierapfelbaum natürlich jetzt zur Gefahrenzone geworden. Ein einzelner fallender Zierapfel kann zig Kugelspringer töten, da es einfach keine passenden Schutzhelme für die kleinen Kerle gibt. Aber was soll man machen, ich kann ja schlecht alles einnetzen.





Und wohin überhaupt mit den Äpfelchen, sobald sie vom Rasen gefegt wurden? Im Kompost führen sie zu einer Wolke von Fruchtfliegen, gerade bei den für Oktober viel zu warmen Temperaturen. Auf den Beeten verursachen sie eine zentimeterdicke, gärende, kugelige Mulchschicht, also versuche ich sie gerecht überall hin zu werfen. Bald gibt es aber kaum noch freie Stellen.


Die Ringeltauben, die letztes Jahr noch Schluckspechte gespielt haben, verschmähen die Zieräpfel nun komplett. Auch sonst ist kein Vogel im Baum zu sehen. Vielleicht haben die auch Angst, eine Frucht auf den Kopf zu kriegen, wer weiß.

Bald muss der Zierapfel wohl geschnitten werden, mindestens ein bisschen aufgeastet. Dann ist das Problem mit den abgängigen Fruchtzwergen vielleicht nächstes Jahr etwas gebannt.

Samstag, 7. August 2021

Bittersüß

Ein altbekanntes Gärtnergesetz besagt: Wer Rosenzweige schreddert und sie auf den Beeten in Umlauf bringt, wird mit Schmerzen beim Jäten nicht unter zwei Monaten bestraft. Und ich kann euch sagen, es ist wirklich so! Wie oft habe ich schon arglos in ein Beet gegriffen, um das Pfennigkraut von einer zarten Pflanze wegzujäten, und dabei nicht mit Gegenwehr gerechnet. Das Pfennigkraut ist auch nicht bewehrt, doch es lagen vor ein paar Wochen geschredderte Rosenzweige als Mulch auf dem Beet. Strafe muss sein.

Aber was soll man tun, wenn man hauptsächlich Rosenäste hat, die wuchernd um sich greifen und geschnitten werden müssen? Mulch bleibt Mulch, auch wenn er bis an die Zähne bewaffnet ist. Ich bin ja auch selbst schuld, weil ich so viele raumgreifende Rosen im Garten verteilt habe.

Und so arbeite ich schon an meinem nächsten großen Gartenirrtum, der hoffentlich glimpflich ausgeht. Ich habe nämlich die fixe Idee, den Bittersüßen Nachtschatten (Solanum dulcamara) im Garten anzusiedeln, weil sowohl Blüten als auch Früchte so hinreißend sind.



Diese heimische Pflanze kann man oft an Gewässerrändern ranken sehen, sie kommt aber auch mit trockenen Standorten klar. Am Gehölzrand wäre sie passend, wo sie in andere Sträucher, zum Beispiel wuchernde Rosen, hineinklettern könnte.

Die Blüten sind lila mit gelber Mitte und typisch Nachtschatten.


 

Danach reifen rote, natürlich giftige Beeren, die zunächst, wie Früchte das nun mal so tun, in Grün starten. Da immer neue Blütenknospen aufgehen, reifen die Früchte nacheinander von Grün nach Rot, was ein herrliches Farbspiel erzeugt.



Als ich einmal ein ähnliches Spektakel mit Zier-Peperoni versucht habe, die auch in allen möglichen Farben abreifen, hat es die Pflanze im kurzen mitteleuropäischen Sommer nicht geschafft, überhaupt Früchte zu produzieren, und seien sie noch so farblos. Das kann mit dem Bittersüßen Nachtschatten nicht passieren, der kommt schließlich von hier.

Ein bisschen Sorgen machen mir ja die Nacktschnecken, aber da hat der Bittersüße Nachtschatten ein Trick gelernt: Wird er angeknabbert, produziert er eine Zuckerlösung, die er direkt aus der Wunde abgibt. Das war vorher nur von Nektarien bekannt, diese Pflanze kann es jedoch auch ohne vorher spezielle Organe für diesen Zweck ausgebildet zu haben. Der süße Saft lockt Ameisen an, die fortan auf den Nachtschatten aufpassen und Fraßfeinde wie Flohkäferlarven und Schnecken abwehren. Vor allem die Flohkäferlarven werden von den Ameisen bekämpft - denn so eine gute Nektarbar muss man sich schließlich warmhalten. Dies haben Wissenschaftler der Freien Universitätguenstiggaertnern Berlin in Zusammenarbeit mit niederländischen Wissenschaftlern der Radboud Universität in Nijmegen entdeckt.

Schwarze Wegameisen (Lasius niger) fressen den Wundnektar des Bittersüßen Nachtschattens (Solanum dulcamara)
Quelle: Tobias Lortzing

 
Rote Wegameisen (Myrmica rubra) sammeln den Wundnektar an einem Blatt des Bittersüßen Nachtschattens (Solanum dulcamara)
Quelle: Tobias Lortzing

Auch Nacktschnecken sollen die Ameisen vertreiben. Das klingt doch wie nach einer Pflanze für meinen Garten! Die Samen soll man direkt im Frühjahr aussäen können oder auch schon ab September. Hoffentlich wuchert der Nachtschatten dann aber nicht zu sehr, wenn ich ihm das Gartentor erstmal geöffnet habe... Sonst bin ich eben auch daran wieder selbst schuld. Das kenne ich ja schon. Immerhin hat Solanum dulcamara keine Stacheln., so bittersüß ist er dann doch nicht.


Die Publikation

Lortzing, T., Calf, O.W., Böhlke, M., Schwachtje, J., Kopka, J., Geuss D., Kosanke, S. van Dam, N.M. and Steppuhn*, A. (2016): „Extrafloral nectar secretion from wounds of Solanum dulcamara“, in: Nature Plants. Doi: 10.1038/NPLANTS.2016.56

Samstag, 22. Mai 2021

Ich wollt, ich hätt' ne Kuh

Viele Leute finden das glaube ich entspannend, aber für mich gehört Rasenmähen zu den ungeliebtesten Disziplinen im Garten-Zehnkampf. Der Rasen ist ja weder schön eckig noch quadratisch noch gleicht er einem Golfrasen. Er ist eher filigran geschnitten und was das Gras angeht Marke Stoppelfeld. Da er so kleinteilig ist, bin ich immer zu bequem, das große Besteck herauszuholen und mit dem Rasenmäher kleine Kurven zu drehen. Allzu leicht säbelt man da das Falsche ab, was sich zu weit über die Rasenkante lehnt. Also hole ich den elektrischen Rasenkantenschneider am Stiel, was nur am Anfang nach einer guten Idee klingt.

Ja, er ist leicht und wendig, das ist aber auch das Beste, was man darüber sagen kann. Die ersten Minuten geht es auch flott von der Hand, doch bald schon bekomme ich einen Krampf im Handgelenk, damit ich die beiden Knöpfe gleichzeitig drücken kann. Das ist nötig, damit man sich nicht die Zehen abschneidet oder vorne mit den Fingern in die Schneide greift. Da es anatomisch unmöglich ist, in die Klinge zu packen und dabei beide Schalter gedrückt zu halten (und man muss fest zudrücken, das hat sich bestimmt jemand mit sehr großen Pranken ausgedacht), ist das System todsicher, aber auch todanstrengend.

 


Da der Zierapfel immer noch nicht fertig damit ist, Samenbomben in Form der vorjährigen Früchte auf den Rasen zu werfen, gibt es sowieso alle paar Minuten ein Not-aus, wenn ein mürber Zierapfel zwischen die Zinken gerät und das Gerät immobilisiert. Das ist wie Maulsperre, dann muss ich mich bücken und die Blockade lösen.


Das Gerät ist wie Godzilla, allzu schnell hat man außerdem doch die schöne Aronstabblüte abgesäbelt, auf die man un-be-dingt aufpassen wollte. Mist! Von anderen Kollateralschäden will ich gar nicht reden. Hinten erwische ich garantiert das ohnehin schon arg gebeutelte Cola-Kraut und fortan riecht es vorwurfsvoll nach Kaltgetränk.

Schließlich scheint es, als wäre der Rasen pro forma gemäht. Beschwingt hole ich die Harke und reche alles zusammen, was er an Federn lassen musste. Und wie ich ihn so gegen den Strich bürste, stehen ihm wieder überall die Haare zu Berge und ich kann noch mal mit dem Trimmer drüber. Dieses Spiel wiederholt sich noch ein paar Mal.






Natürlich ist auch mittendrin der Akku leer. Um mein Machwerk zu vollenden, greife ich dann also noch zur rein mechanischen Rasenkantenschere, auch nicht gerade angenehm.


Am Ende wird der Rasen-/Stauden-/Zierapfelschnitt zum Mulchen verwendet. Endlich geschafft. Vielleicht sollte ich einfach den Rasen entfernen und Mulchwege anlegen, aber was würden die Sandbienen und die Krokusse dazu sagen, die ich jetzt mühsam umschifft habe mit den Klingen? Oder wäre eine Kuh eine Alternative? Oder wenigstens ein kleines Schaf? Vermutlich auch nicht.



 

Das Rasenmoped und ich sehen uns also in Bälde wieder, hurra!

Samstag, 23. Juni 2018

My first Häcksler

/*In Zusammenarbeit mit IKRA*/ 
Wildrosen heißen meiner Meinung nach Wildrosen, weil sie im Mai wie wild mit ihren Ästen um sich schlagen und mir in kürzester Zeit den Garten vollwuchern. Eben noch senkrecht gehaltene Zweige lassen sich nach einem Gewitter plötzlich bis auf den Boden hängen und nehmen den Stauden die Sonne. Dieses Kunststück zumindest ist die Spezialität von Rosa x salaevensis. Auch nach dem Trocknen kommen die nicht wieder in die Senkrechte. Also muss ich spätestens im Juni die Schere in die Hand nehmen und die Widerspenstigen zurechtstutzen. Dabei kommt schnell ein riesiger Haufen stachliges Schnittgut zusammen. Dieses Mal war der Garten nach dem dreiwöchigen Kanada-Urlaub ganz besonders verlottert.

Die Kletterrose 'Manita' kommt trotzdem später dran, die muss erst noch zuende blühen:


Der Garten ist leider zu klein für einen großen Asthaufen oder eine Benjeshecke. Bisher habe ich die Äste daher immer mühsam in kleinere Stücke zerschnitten, damit möglichst viel in die Biotonne passt. Wie wild habe ich auf den Haufen eingehackt und konnte am Ende ewig die Stückchen aufsammeln, die noch auf dem Rasen herumlagen. Zum guten Schluss kam dann noch eine artistische Einlage, als ich in die Biotonne geklettert und auf dem Inhalt herumgehüpft bin, damit auch der letzte Rest noch hineinpasst. Knapp wurde es immer.

Damit ist jetzt Schluss. Ab sofort wird die Arbeit nicht nur einfacher, sondern ich kann nun das Schnittgut auch im Garten behalten, anstatt es zu entsorgen.

Ich habe nämlich einen nagelneuen Halbgott in Weiß zuhause - den ILH 3000 A Leisewalzenhäcksler von IKRA. Das Gerät wurde mir freundlicherweise von der Firma IKRA zum Testen zur Verfügung gestellt.


Walzenhäcksler zerschneiden im Gegensatz zu Messerhäckslern die Äste nicht, sondern quetschen sie. So entsteht Material, das man entweder zum Kompostieren oder zum Mulchen benutzen kann. Mikroorganismen haben bei diesem Zweig-Mus mehr Angriffsfläche. Vorher habe ich aber noch die Schnirkelschnecken herausgeschüttelt und das meiste ein paar Tage auf dem Rasen liegen lassen, damit Insekten eine Chance zur Flucht hatten.

Das Schnittgut lässt der Häcksler in eine große Wanne fallen, die man einfach abnehmen und entleeren kann. Aber Vorsicht: Beim Rausziehen des Behälters lässt die Maschine gern das Material, das sie noch zwischen den Zähnen hat, daneben gehen.


Ich war ganz begeistert, dass der Helfer auch dicke Rosenäste klein macht und dass er die Zweige selbstständig einzieht, wenn er sie einmal zu packen gekriegt hat. So kann man gut allein arbeiten: Während das Gerät noch auf dem einen Ast herumkaut, kann man schon mal den nächsten vorsortieren und bereit halten. Sogar Ranken vom Wilden Wein mampft er wie ein Kaninchen.




Nicht so gut funktionieren dicke Astgabeln ohne lange Zweige. Die rollen nur auf den Walzen herum und werden nicht gegriffen. Auch das mitgelieferte paddelähnliche Plastikteil zum Nachstopfen erreichte dieses hartnäckige Ding nicht, also musste ich es mit einer Metallstange (bei natürlich ausgeschaltetem Häcksler) heraus angeln. Dann habe ich es noch mal mit den spitzen Enden voran in den Schlund geworfen und mit einem Ast nachgedrückt - schon war das Teil gegessen. Beim nächsten Mal weiß ich, dass ich Verzweigungen noch weiter vorschneiden muss oder wenigstens einen längeren Hebel dran lasse.

Mit 92 dB ist der Häcksler leiser als die meisten anderen Geräte. Und das hier kommt am Ende dabei heraus:




Das Häckselgut ist schön klein geworden, ich habe es teilweise in den Komposter gegeben, den Großteil aber unter den Stauden und Sträuchern verteilt. Ich bin gespannt, wann es in beiden Fällen nicht mehr zu sehen ist.

Nach der Arbeit kann man das Gerät auf Rollen hinter sich herziehen, das ist auch praktisch.

Ich bin jedenfalls froh und dankbar über meinen Helfer. Wieder ein kleiner Schritt in Richtung Müllvermeidung und Kreislaufwirtschaft.

Dienstag, 6. November 2012

Fallstudien

Wenn ich eines gut kann, dann leugnen. Ich kann leugnen, dass sich die Balken biegen. Zum Beispiel die Tatsache, dass auch ich älter werde. Oder dass manche meiner Gartenpflanzen mittlerweile zu groß sind für den Reihenhausgarten. Leugnen ist der Luxus des kleinen Mannes - und klappt zumindest eine Weile recht gut und nebenwirkungsfrei.

Ganz besonders gerne leugne ich das Heranrücken der dunklen Jahreszeit, die sich stets ganz langsam heranschleicht. Solange nämlich noch Blätter an den Bäumen sind, die Kraniche noch nicht gezogen und vor allem noch nicht auf Winterzeit umgestellt wurde, kann man so tun, als wäre noch Sommer. Doch spätestens dann, wenn in den Blumenläden statt eben diesen nur noch Grabgestecke herumlungern, wird es ernst. Das wissen die Bäume auch und lassen allmählich ihren hübschen Blattschmuck unter sich gehen.

Pfaffenhütchen pfeift noch auf den Winter

Dieses Jahr mit der voreiligen Winterepisode Ende Oktober scheint die heitere Schönfärberei jedoch eine durch und durch ernste Angelegenheit zu sein - in einer konzertierten Aktion verloren die Bäume eines frostigen Sonntagmorgens gleich scharen- und haufenweise ihr Laub. Ich habe mit sogar eingebildet, das Abnabeln der Blätter am Ast hören zu können. Ganz besonders schlimm haben es die immer etwas ernst aussehenden Eschen getroffen, die auch zu den leugnenden Bäumen gehören und mit als letzte ihre Blätter abwerfen - und das haben sie nun davon: viel erfrorenes Grün.


Aber trotzdem gibt es auch dieses Jahr wieder die Partylöwen unter den Bäumen, die ihre Pracht wie jeden Herbst mit viel Pomp verlieren und dick mit Farbe auftragen - die eher introvertierten, wie meine Süßkirsche, haben dagegen meistens tarnfarben-grüne Blätter. Nur wenn der Kirschbaum ausnahmsweise ganz neckisch wird, färbt er sich in Teilen auch mal Fastgelb oder Nahezubraun. Aber alle haben eines gemeinsam: Das Laub liegt am Ende einträchtig auf dem Rasen herum.



Und da muss es schleunigst runter, sonst ist die Grasnarbe auf Dauer beleidigt. Also den Blättern schnell zeigen, was eine Harke ist, und ab damit ins Beet.

Letzten Winter stand folgendes Ensemble in meinem Garten unter kritischer Beobachtung, um herauszufinden, welche Bestandteile im Laubmulch von allein verschwinden, und bei welchen man im Frühjahr handgreiflich werden muss:


Diese Blattarten bekomme ich entweder aus dem nahen Park eingeflogen oder produziere sie im großen Stil vor Ort, wie Kirsche, Apfel und Hasel.

Im Frühling zeigte sich: Problematisch und hartnäckig ist vor allem die Hasel, deren Blätter auch im nächsten Jahr noch weitgehend unversehrt herumlungern, während Apfel- und Kirschlaub wie von Zauberhand verschwindet. Wenn man den Rasenmäher zum Zerkleinern etwaiger Reste dann noch nicht bereit hat und es sind überschaubare Mengen Laub, kann man die Blätter ganz leicht mit der Hand zerbröseln und damit die Schneeglöckchen ins Rampenlicht rücken. Das gilt auch für größere Ahornblätter, die sich schön angerottet gut zu Kleinteilen zerquetschen lassen. Zum Wegwerfen ist das Laub jedenfalls zu schade - im Wald fegt schließlich auch niemand die Blätter weg.

Lässt man die Fragmente jedoch liegen, deckt man den Regenwürmern den Tisch und macht den Vögeln Freude. Außerdem hält ein Boden mit Laubmulch als Oberschicht besser die Feuchtigkeit und schützt vor Frost. Ist es im Frühjahr doch zu viel gewesen mit den Blättern, können sie dann immer noch in die Biotonne oder besser noch: auf den Kompost. Erstmal sollte man es ruhig mit der flächigen Verrottung auf Erdboden versuchen.

Liegt das Laub aber erstmal unten im Beet, kann man den Winter nur noch ganz schlecht leugnen, aber man darf immerhin sicher sein, dass man dem Frühling einen guten Start bereitet hat. Und Vorfreude ist schließlich die schönste Freude.

Sonntag, 11. Juli 2010

Alles wird gut: Beinwell

Dass der Echte Beinwell (Symphytum officinale) Knochenbrüche und Wunden heilen soll, ist nur eine seiner vielen guten Seiten.
Ebenso gut kuriert er leere Mägen von Hummeln und das über viele Wochen von Mai bis Juli.


Man muss schon genau hinschauen, um die Schönheit der eingerollten Blütenstände zu erkennen.

 
Die rhizombildende Staude soll ein hohes Alter von bis zu 20 Jahren erreichen können, auch bei widrigster Behandlung.
Damit der Beinwell auch dem Garten seine positive Wirkung zukommen lassen kann, muss man ihn nämlich schlecht behandeln. Seine großen, rauhen Blätter kann man immer wieder ernten und damit allerhand Nützliches anstellen. Im Ganzen auf eine offene Kompostmiete gelegt wirkt es der Austrocknung entgegen. Im Beet dient so ein Beinwellblatt als Unterschlupf für Schnecken, die man dann nach Art einer Razzia einfach absammeln kann.
Klein geschnitten als Mulch auf die Beete verteilt haben die Blätter düngende Wirkung. Beinwell enthält nämlich unglaublich viel Kalium, das im Garten oft Mangelware ist und sonst durch chemische Dünger wie Kalimagnesium zugeführt werden müsste. Das bekommt der Beinwell billiger hin.

Beinwelljauche ist auch eine gute Idee, stinkt allerdings zum Himmel und sollte im Reihenhausgarten nur angesetzt werden, wenn beide Nachbarn verreist sind. Also nie.

Dabei ist diese Brühe ein echtes Wundermittel. Ein Dünger mit Sofortwirkung dank dem vielen Stickstoff und Kalium.

1 kg frische Beinwellblätter werden dazu mit 10 Litern Wasser versetzt und ungefähr eine Woche gären gelassen (je nach Witterung). Verdünnt im Verhältnis 1:10 mit Wasser kann die Jauche zum Gießen verwendet werden (Rezept aus dem Mulchbuch).

Ich nutze die Beinwellblätter frisch oder lasse sie den Umweg über den Kompost nehmen.
So kann ich die Pflanze auch einigermaßen in Zaum halten. Die werden nämlich groß und neigen dazu, ihre Beetnachbarn unterzubuttern.

Meinem Symphytum scheint sein selbst aufbereiteter Kompost ein wenig zu Kopf gestiegen zu sein, hat er doch sein Idealmaß von einem Meter Wuchshöhe dieses Jahr bei weitem überschritten.
Na, so schlecht scheint ihm sein Dienst als lebender Dünger also auch nicht zu bekommen.


Keine andere Pflanze ist eine so gute Bienenweide bei gleichzeitig so positiver Wirkung auf den ganzen Garten.
Die Rhizome lassen sich gut teilen - man muss nur jemanden finden, der einen Beinwell im Garten hat und schon kann es losgehen.
Wenn es der direkte Nachbar ist, sollte man ihm aber lieber nicht erzählen, dass man Jauche zubereiten möchte - oder ihn schon mal nach seinen Urlaubsplänen fragen.