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Samstag, 1. Februar 2025

Zieräpfel - Zierde oder Zankapfel?

Neulich  - Weihnachten war längst vorbei - habe ich auf dem Friedhof einen hübschen, noch voll und dicht mit knallroten Früchten behangenen Ast einer Korallenhülse (Ilex verticillata) gefunden. Dass er trotzdem im Müll gelandet ist, dürfte wohl daran liegen, dass er als Weihnachtsschmuck gekauft worden war und im neuen Jahr etwas anderem weichen musste. Mir doch egal, ich fand ihn hübsch und habe ihn in den großen Kübel vor der Haustür gesteckt, wo er großartig aussah, auch ohne Weihnachtsfest vor der Tür. Leider gibt es kein Bildmaterial davon, was auch dem Umstand geschuldet ist, dass die Beeren in atemberaubender Geschwindigkeit verschwanden. Erst war der halbe Ast kahlgefressen, dann hing nur noch eine mickrige Anstandsbeere daran. Die verblieb ein wenig länger am Zweig, lag dann aber irgendwann auch unten, ohne dass sie gefressen wurde. Wer die Früchte verputzt hat, ist nicht überliefert. Im Schnee waren verräterische Amselspuren zu sehen, aber es kann auch eine Maus gewesen sein.

Wenn die Vögel (oder Mäuse) doch bei meinem Zierapfel 'Golden Hornet' auch mal so gründlich wären. Nach anfänglicher Amseleuphorie mit 6 Vögeln gleichzeitig im Baum und einmal einer Wacholderdrossel ließ der Andrang bald nach, kaum dass die Äpfel schwarz geworden waren. Gelb und braun ist noch in Ordnung, schwarz und hart aber ganz und gar nicht mehr.

Nur der Kernbeißer genehmigt sich ab und zu die ganz harten Mumien.

In vielen Ratgebern und Gartenzeitschriften ist immer wieder der Satz zu lesen, dass die Äpfel durch Frost mürbe gemacht werden müssen, damit Vögel sie überhaupt anrühren. Zumindest bei 'Golden Hornet' stimmt diese Aussage nicht. Die Äpfel ähneln sehr ganz normalen Speiseäpfeln und werden im Herbst matschig, ganz egal, ob sie Frost erfahren haben oder nicht.


Hier konnte Ende Oktober sogar noch ein Admiral von den Früchten profitieren, da einige schon geplatzt waren und das Fruchtfleisch freilag:



Ab November fallen sie auch schon in Massen zu Boden und bedecken die Staudenbeete und den Rasen quadratmeterweise mit matschigen Früchten, die tief in den Rasen getreten werden, wenn man sie nicht rechtzeitig entfernt, getreu dem beliebten Motto "Lass liegen, tritt sich fest!", das man nicht zuhause im Wohnzimmer beherzigen sollte. Der ansonsten allesfressende Waschbär scheint sich offensichtlich auch nicht für sie zu interessieren.

Ganz anders viele rotfrüchtige Zieräpfel wie 'Red Sentinel'. Seine Früchte bleiben lange attraktiv und werden ab Januar nach Frost dann auch endlich mal von den Amseln gefressen.



Weitere Sorten mit Zierwirkung bis in den Januar hinein sind:

  • 'Butterball' - der ist auch sehr, sehr lecker
  • 'Cardinal'
  • 'Evereste'
  • 'Professor Sprenger'
  • 'Pom Zai'
  • 'Wintergold'

 Diese Sorten sollen auch wenig krankheitsanfällig gegen Schorf sein.



Eigentlich bräuchte man also mehrere Sorten für die Vögel, damit immer Äpfel zum Verputzen da sind. 'Golden Hornet' für den Herbst und länger knackig bleibende Sorten für den Spätwinter. Aber wer hat schon so viel Platz? Zum Bestäuben von Speiseäpfeln würde jedenfalls einer schon genügen.


Samstag, 18. November 2023

Lasst Laub leben!

So, der Zierapfel ist fast kahl, der Säulenapfel mag noch nicht loslassen. Die Zieräpfel sind jetzt gut zu sehen und der Großteil gelb, aber auf dem Wege in den Aggregatzustand matschig. Die Drosseln freut's, die futtern die mürben Dinger mit großem Appetit auf. Die streitbaren Amseln scheuchen die Ringeltauben kilometerweit, wenn sie zu lange im Baum sitzen, nur die Wacholderdrossel hat manchmal die Erlaubnis, mitzufuttern. Wenn die Amselbande die Spendierhosen anhat, dauert es schon mal eine Viertelstunde, bis die Wacholderdrossel verscheucht wird.


 

Nun liegt das ganze Laub also unten. Ich habe es mit Harke und Händen auf die Beete befördert, möglichst gerecht verteilt, und staune nun, wie viel das schon wieder ist. Aus dem Park flattern reichlich Blätter von Ahorn, Eiche und Buche heran.


 

Jedes Jahr im Herbst denke ich, die Stauden werden die nächsten drei Jahre unter dem Laub ersticken. Tun sie dann am Ende doch nicht, bis zum Frühjahr ist erstaunlich wenig davon zu sehen. So wenig, dass ich mit Freude den baumlosen Vorgarten mit allem Laub bewerfe, das der Wind von fremden Bäumen vor's Haus treibt. Im Moment ist die Modefarbe lila, weil unweit eine Blutpflaume steht. 

Und weil die Laubschicht der beste Lebensraum für kleine Vielbeiner ist, bin ich Influencer geworden. Ich habe es zu meiner Mission gemacht, den Leuten die kleinen Tiere nahezubringen. Diesen Herbst hatte ich schon zwei Vorträge zum Theme Bodenleben und zwei Zeitschriften durfte ich mit Kugelspringern zutexten.

Denn wer könnte ein besserer Botschafter gegen Laubsauger und pro Laubschicht sein als die korpulenten Knutschkugeln? Sind sie nicht putzig?




 

In der aktuellen Ausgabe der Gartenflora konnte ich gleich einen ganzen Haufen Kugelspringer unterbringen:


 

Ich hoffe, meine Mission gelingt, denn Kugelspringer haben keine Lobby, Laubsauger schon.

Also, geht auf Laubsafari, lasst es im Garten anstatt in der Biotonne und freut euch an ihm - besseren Mulch mit mehr Leben darin gibt es nicht! Lasst Laub leben!

Samstag, 22. Oktober 2022

Apfelmus als Mulch

Ich mulche ja gern und viel, zumindest mit Dingen, die sowieso im Garten anfallen, wie Laub oder Asthäcksel. Nun hat der Zierapfel das Ganze aber selbst in die Hand genommen und meint, er mulcht mal mit. Mit Zieräpfeln, denn das ist seine Ware, da kennt er sich mit aus.

Da der Säulenapfel ja auch schon ein Rekordjahr hatte, was die Ernte angeht, hat der Zierapfel dieses Jahr möglicherweise auch mehr Früchte als sonst. Und er ist ja auch noch im Wachstum und hat seit letztem Jahr sicher noch mehr Raummeter Äste.

Und so lässt er sie kiloweise fallen. Wenn man sie nicht mindestens alle zwei Tage vom Rasen harkt, läuft man wie auf rohen Eiern und hinterlässt haufenweise Apfelmus. Außerdem wäre der Rasen nach einer Woche Zierapfelbombardement gar nicht mehr zu sehen.






Für die kleinen fleißigen Destruenten, die in aller Ruhe das Laub auf den Beeten abbauen und dabei Humus produzieren wollen, ist die Arbeit unterm Zierapfelbaum natürlich jetzt zur Gefahrenzone geworden. Ein einzelner fallender Zierapfel kann zig Kugelspringer töten, da es einfach keine passenden Schutzhelme für die kleinen Kerle gibt. Aber was soll man machen, ich kann ja schlecht alles einnetzen.





Und wohin überhaupt mit den Äpfelchen, sobald sie vom Rasen gefegt wurden? Im Kompost führen sie zu einer Wolke von Fruchtfliegen, gerade bei den für Oktober viel zu warmen Temperaturen. Auf den Beeten verursachen sie eine zentimeterdicke, gärende, kugelige Mulchschicht, also versuche ich sie gerecht überall hin zu werfen. Bald gibt es aber kaum noch freie Stellen.


Die Ringeltauben, die letztes Jahr noch Schluckspechte gespielt haben, verschmähen die Zieräpfel nun komplett. Auch sonst ist kein Vogel im Baum zu sehen. Vielleicht haben die auch Angst, eine Frucht auf den Kopf zu kriegen, wer weiß.

Bald muss der Zierapfel wohl geschnitten werden, mindestens ein bisschen aufgeastet. Dann ist das Problem mit den abgängigen Fruchtzwergen vielleicht nächstes Jahr etwas gebannt.

Samstag, 24. September 2022

Urlaubsfrische - und dann? Alles frisch im Garten?

"Der gewünschte Gärtner ist zur Zeit nicht erreichbar." So oder ähnlich werden meine Gartenbewohner den Urlaub empfunden haben, denn es kam niemand mehr mit der Gießkanne vorbei, um die Dürre bei den Stauden zu lindern, nur die Töpfe hatten alle paar Tage einen Gießdienst. Zum Glück bekommt man von den Hilferufen nichts mit, wenn man nicht zuhause ist. Man muss ihnen auch nicht anworten mit einem herzlichen "Nach meiner Rückkehr am 17.9.2022 werde ich Ihre Nachricht umgehend bearbeiten. In besonders dringenden Fällen können Sie sich auch an die Unwetter-Zentrale wenden."

Es kam dann dankenswerterweise doch anders. Während der ersten Urlaubswoche war es tatsächlich noch viel zu trocken, der Phlox hat einige Triebe notgeschlachtet und stillgelegt, also vertrocknen lassen, um die anderen zu retten. Doch dann regnete es endlich ausgiebig. Die Fette Henne ist trotzdem haltlos in alle Richtungen auseinandergefallen und sieht wieder mal aus wie eine große rosafarbene Krake, aber das tut sie auch, wenn ich dabei bin.

Dafür gab es auch einige positive Überraschungen: Der Kaukasische Rankspinat (Hablitzia tamnoides), eine essbare Staude, die ich im März in den Schatten an der Terrassenwand neu gepflanzt habe (aus einem Ablger, er lässt sich sehr gut teilen!), hat endlich zugegriffen und das Rankgerüst entdeckt. Nach etlichen Monaten hat er gelernt, wie man rankt. Ich muss ihn also doch nicht zur Schulung schicken. Er nimmt dazu die Blattstiele und wickelt sie um den Rankobelisken. Na, geht doch!




Der Palmkohl im Topf hat wie auch die Tomaten den Luxus einer Tropfbewässerung genießen dürfen musste sich also rein gar keine Sorgen machen im Urlaub. Außer über Kohlweißlinge und Schnecken, aber die haben ihn offenbar in Ruhe gelassen. Sogar sein kleiner Bruder (rechts im Bild), der schon mehrfach von Schnecken komplett gefressen wurde, hat sich noch mal an neue Blätter herangewagt.



Der Staudensellerie, arg bedrängt von Purpur-Leinkraut, ist auch so ein Knaller. Gezogen aus einem Gemüserest hat er den Sommer im Kübel verbracht und ist jetzt wieder so groß, dass man noch mal ernten kann!


Die Etagenzwiebel setzt noch einen oben drauf und die Herbstzeitlose hat es dieses Jahr tatsächlich zu drei Blüten gebracht, ohne von den Schnecken gefressen zu werden:

Die Oca im Topf hat sich wie eine grüne Flutwelle über die Terrasse ergossen. Die Blätter schmecken herrlich nach Sauerampfer, aber eigentlich möchte ich ja später die Knollen ernten. Wie viele es wohl werden bei der irren Blattmasse?

 

Der Zierapfel musste den Rasen in meiner Abwesenheit unbedingt mit Äpfelchen zuschmeißen. Ein paar habe ich gleich dazu benutzt, den nicht mehr taufrisch aussehenen Trockenstrauß im Tontopf zu ersetzen und die Äpfel einzufüllen. Dieses Arrangement kommt mit und ohne Strauß ganz ohne Heißkleber und Steckschaum aus. Im Topf sind Abschnitte und Reste von Lavendel- und anderen Stielen, um die hineingesteckten Blumen und jetzt die Äpfel festzuhalten. Ich mag es nämlich nicht, perfekt kompostierbare Dinge mit Heißkleber, der aus Kunststoff besteht, in Restmüll zu verwandeln.

Links Original-Topfschmuck vor dem Gammel, rechts mit Nachfüll-Deko:


Und so ist der Urlaub mal wieder gut gegangen, ich bin erholt und der Garten auch. Ich mache mir da vorher immer große Sorgen, ob die Pflanzen ohne mich auskommen werden, aber es hat ja dann endlich geregnet, uff!

Samstag, 27. November 2021

Die heimliche Mistel

Heute gibt's mal was ganz weihnachtliches Wer sich noch dunkel an mein Mistelexperiment am armen Zierapfel aus dem Jahre 2019 erinnert, das ich also schon vor zweieinhalb Jahren eifrig anging, wird sicher glauben, das wäre wieder mal nichts geworden mit der Mistel. Das ging mir genauso. Auch ich hatte gedacht, nach dem fulminanten Erscheinen der Andockwurzel, das unter großem Applaus stattfand, wäre Schluss gewesen.




Tatsächlich sind die Keimlinge, den ich fotografiert habe, nach und nach vertrocknet und waren irgendwann nur mehr als traurige Mumie zu erkennen. Misteln sind doch auch Mimosen! Der Zierapfel hat offenbar alles daran gesetzt, den lästigen Parasiten im Keim zu ersticken. Das gelingt den Ästen auch ziemlich gut, wenn der Baum vital ist. Und das ist mein 'Golden Hornet' definitiv.

Einen Samen muss ich aber wohl übersehen haben, vielleicht hat er sich auch nur gut versteckt gehabt. Nun aber konnte die Babymistel es wohl nicht mehr aushalten und brauchte Blätter für die Photosynthese. Und damit hat sie sich verraten! Ein Mistelchen mit vier Blättern wächst in Superzeitlupe an einem Ast heran. Weil bald Weihnachten ist, zeige ich den jetzt hier auch mal zur Feier des Tages. Die Pflanze hängt allerdings zu niedrig, sodass man sich nicht wie bei Misteln zu Weihnachten üblich darunterstellen kann.

Nun sieh sich einer das an: Diese dünnen Ärmchen hier, die aus dem Knubbel am Ast unten herauswachsen, gehören meiner ersten selbstgezogenen Mistel! 


Dabei habe ich mich in meinem Artikel zu parasitischen Pflanzen in der Gartenpraxis vor einem Jahr sogar noch beklagt, dass Ansiedlungsversuche so selten von Erfolg gekrönt sind und ich es noch nie geschafft habe. Habe ich wohl! Es ist nur so, dass die Blätter erst wachsen, wenn die Leitungsbahnen des Baumes erreicht sind. Und jetzt heißt es: O'zapft is!

Der Zierapfel ist mir hoffentlich nicht böse. Da mir letztens aber ein Apfel auf den Kopf gefallen ist, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Bisher habe ich bei solchen Anschlägen an Zufall und die Schwerkraft geglaubt. Jetzt nicht mehr!

Wir sehen uns dann alle in 30 Jahren hier wieder, wenn die Mistel Früchte trägt... Und wenn ihr gute, keimfähige Misteln haben wollt, sucht sie in München, die funktionieren!

Samstag, 6. November 2021

Die Schluckspechte

Jedes Jahr habe ich rumgemault, dass die Vögel es wieder nicht schaffen, meinen Zierapfel 'Golden Hornet' leer zu futtern, was dazu führt, dass im Frühjahr neben bezaubernden Blüten scheußlich braun verschrumpelte Fruchtmumien hängen, die nicht loslassen können und ewig der Schwerkraft trotzen.

 


 

Dieses Jahr aber scheint es, als hätte der Baum seinen Endgegner gefunden: Plötzlich hat eine graue Naturgewalt, die Ringeltaube, Gefallen an den Früchten gefunden. Das Gute an Ringeltauben - im Gegensatz zu Amseln, die selbst den Spatzen keinen Sitzplatz im Baum gönnen - ist, dass sie überhaupt nicht futterneidisch sind. Stoisch ertragen sie die Nähe ihrer Artgenossen, sitzen manchmal dicht nebeneinander und schlucken einen Zierapfel nach dem anderen.

 






 

Genau, wirklich wahr, sie schlucken sie einfach so mit Stumpf und Stiel. Das klappt nicht immer, manche Frucht fällt der Taube aus dem Schnabel, aber meistens geht es nach viel Hängen und Würgen doch gut. Der Vogel zupft erst einmal unter Aufbietung seiner ganzen Kraft einen Zierapfel ab, anschließend wird er so im Schnabel gedreht, dass der Stiel von der Taube weg zeigt. Ganz schön clever, oder? Man könnte meinen, die Tiere haben jahrelange Erfahrung mit dem Verzehr grätenreicher Fischmahlzeiten.

 

 


 

 

Doch so richtig gesund sieht das oft nicht aus, eher nach Tierquälerei. Aber das müssen die Tauben ja selber wissen...

Liegt der Apfel endlich passend im Schnabel, beginnt die nächste Herausforderung, wie sie nur eine Ringeltaube annehmen kann: Das Ding will durch den Hals, Maulsperre inklusive. Und so würgt und keucht die Taube lautlos, bis die Frucht endlich in ihren Magen plumpst. Zum Glück musste ich noch keine erstickende Taube aus dem Baum retten, es scheint immer gut zu gehen.

 


 

Und schon wendet man sich der nächsten Beute zu. Zu fünft sitzen die grauen Riesen also wie die Geier im Baum und verschlingen einen gelben oder schon braunen Zierapfel nach dem anderen. Ein Magen wie eine Schrottpresse.


Macht das bloß nicht zuhause nach und versucht, einen ausgewachsenen 'Golden Delicious' im Ganzen zu schlucken, das können nur Ringeltauben mit 'Golden Hornet'!

Wir werden sehen, ob im Frühjahr der Baum endlich mal so kahl dasteht, wie es sein soll: Ohne Fruchtmumien.

Samstag, 9. Januar 2021

Augen auf beim Zierapfelkauf

Zieräpfel sind immer noch im Trend, es gibt unüberschaubar viele Sorten in allen nur erdenklichen Größen, vom gestandenen Baum bis zum kleinen Strauch. Doch halten nicht alle Früchte gleich lang. Immer wieder wird geschrieben, die Früchte mancher Sorte würden nur bis zum ersten Frost ihre fröhliche Farbe behalten. Doch ich kenne einen Zierapfel persönlich, der braucht noch nicht mal Frost dafür, um seine ehemals gelben Äpfelchen, die eben noch aussahen wie frisch aus dem Supermarktregal, in etwas unappetitlich Braunes, Matschiges zu verwandeln.

Dieser Zierapfel nennt sich 'Golden Hornet' und steht in meinem Garten. Nun möchte ich diesem Baum wirklich nichts Böses, ich liebe ihn so heiß und innig wie seine Früchte ab November matschig sind. Nein, ich will eigentlich gar nicht über diesen im Frühjahr so blütenreichen Baum lästern, noch dazu öffentlich. Zum Glück hat mein Goldie keinen Internetanschluss und wird wohl nie erfahren, dass ich hier über ihn herziehe. Doch falls jemand von euch plant, sich einen 'Golden Hornet' zuzulegen, sollte er das wissen, denn nichts ist schlimmer, als einen mühsam gepflanzten Baum wieder herauszureißen. Man kann ihn ja nicht nach einem halben Jahr umtauschen, bloß weil einem die Fruchtfarbe nicht mehr gefällt.

Das hier ist 'Golden Hornet' Mitte Oktober: Ein Traum in Gelb! Noch..


Vier Wochen später, im November sind die gelben Äpfel immer noch in der Mehrheit (hier mit Mönchsgrasmücke), werden aber schon weniger:

 

Und noch später leuchten seine Äpfelchen den ganzen Winter über in putzmunterem Braun mit Stich ins Modrige, später sieht er aus wie eine Packung Trockenpflaumen. Vielleicht möchte er sich damit tarnen, damit seine Äste nicht Anfang Dezember als Versuch eines Barbarazweigs mit integrierter Fruchteinlage für die Vase abgeschnitten werden? Zumindest sehen ihn die Vögel so natürlich deutlich schlechter, als wenn er sich kilometerweit sichtbar mit makellosem Futter behangen anpreisen würde.

Macht aber nichts, sie finden ihn trotzdem, wenn auch als Geheimtipp, denn immerhin sind seine Früchte so schnell mürbe, dass jeder Schnabel sie bewältigen kann: Amseln, Meisen, Mönchsgrasmücken und auch das mit guten Zähnen ausgestattete Eichhörnchen langen hier gern zu. Und dafür liebe ich den Baum.

Denn die Mönchsgrasmücken versuchen gerade wieder, im Garten zu überwintern anstatt in den Süden zu ziehen. Und wovon sollten sich diese mit einem sehr feinen Insektenfresserschnabel ausgestatteten Vögel sonst ernähren, wenn nicht von weichen Zieräpfeln und den mundgerecht kleinen Hagebutten der Rosa multiflora? Da freue ich mich, dass mein Garten zu ihrem Überleben beiträgt.

Kein zahnloser Tiger ist dagegen der kapitale Kernbeißer mit dem ernsten Blick. Er schnappt sich einfach die ältesten Zieräpfel, die schon sehr nach Rosine aussehen, und kaut sie durch.


 


 

Dieses Bild hier ist übrigens dieselbe Stelle wie oben mit der Mönchsgrasmücke, aber aus dem Januar - man sieht, das Wort Zier in Zierapfel passt hier nicht mehr so recht:

 



Die Eichelhäher sind Besseresser und pflücken sich eher die letzten noch frischen gelben Früchte. Die sitzen auch schon mal zu fünft im Zierapfel herum und legen einen Obsttag ein.


Trotzdem gibt es bessere Sorten, was die Haltbarkeit der Äpfel angeht. Das hier ist 'Red Sentinel'. Der sieht immer noch blendend aus, und das im Januar. Auch hier beißen die Amseln gern Stücke ab, obwohl er so knackig aussieht.




 

Sehr lecker sind die Früchte von 'Butter Ball', sie sehen aus wie die vom 'Golden Hornet', schmecken aber besser, nämlich frisch vom Baum köstlich. Auch sie halten sehr lange am Baum.



Welche Zierapfelsorten könnt ihr empfehlen mit lang haltenden Früchten? Und wie ist dann der Vogelbesuch, wenn die Äpfelchen so lange frisch bleiben?

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Und jetzt gibt es noch eine Buchvorstellung! Ich wollte mal genauer wissen, was in meinem Gartenboden so los ist und ob ich alles richtig mit ihm mache. Daher habe ich das Buch "Der Boden - das verborgene Universum zu unseren Füßen" von Ina Sperl, erscheinen im Gräfe&Unzer-Verlag gelesen.

 


Man erfährt hier nicht nur etwas über Garten- und Ackerboden, sondern vor allem darüber, wie wichtig der Boden wirklich ist und in welchen Gefahren er schwebt. Von der Versiegelung für Verkehr, Gewerbe- und Baugebiete bis hin zu Fracking muten wir ihm ziemlich viel zu. So kann er seine eigentlichen Aufgaben, wie Schutz vor Hochwasser durch Aufnahme von Regenwasser und Klimaschutz durch Speicherung von CO2 über den Humus nicht mehr erfüllen. Ökosystemdienstleistungen nennt man diese Wundertaten, die ein gesunder Boden vollbringen kann. Diese können gar nicht hoch genug bewertet werden, werden aber oft ignoriert. Auch die konventionelle Landwirtschaft trägt wenig dazu bei, dem Boden Humus zuzuführen, stattdessen werden Pestizide und zuviel Dünger verwendet, die das Bodenleben schädigen. Zuletzt zerschneidet der Pflug noch viele Regenwürmer. Dabei könnte man mit biologisch bewirtschaftetem Boden viel gegen den Klimawandel und für das Bodenleben tun.

An diesem Buch gefällt mir, dass immer wieder Experten zu Wort kommen, wie zum Beispiel  Charles Dowding, der schon seit Jahrzehnten seinen Garten nicht mehr umgräbt und trotzdem oder gerade deswegen eine gute Gemüseernte erreicht.

Im letzten Kapitel lernt man, was man im Garten alles tun kann, um das Bodenleben zu fördern. Da mache ich zum Glück schon sehr viel richtig.

Gefehlt hat mir, dass die einzelnen Bodenlebewesen nicht nur am Rande vorgestellt werden. Hier hatte ich mir ein ausführlicheres Kennenlernen erhofft.

Aber ansonsten weckt das Buch das Verständnis für den Boden und für die Gefahr, in der er jeden Tag schwebt. Jeder bekommt Anregungen, was er für das Wohlbefinden der Welt unter unseren Füßen tun kann - und wenn es nur darin besteht, Biolebensmittel zu kaufen.