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Samstag, 1. Februar 2025

Zieräpfel - Zierde oder Zankapfel?

Neulich  - Weihnachten war längst vorbei - habe ich auf dem Friedhof einen hübschen, noch voll und dicht mit knallroten Früchten behangenen Ast einer Korallenhülse (Ilex verticillata) gefunden. Dass er trotzdem im Müll gelandet ist, dürfte wohl daran liegen, dass er als Weihnachtsschmuck gekauft worden war und im neuen Jahr etwas anderem weichen musste. Mir doch egal, ich fand ihn hübsch und habe ihn in den großen Kübel vor der Haustür gesteckt, wo er großartig aussah, auch ohne Weihnachtsfest vor der Tür. Leider gibt es kein Bildmaterial davon, was auch dem Umstand geschuldet ist, dass die Beeren in atemberaubender Geschwindigkeit verschwanden. Erst war der halbe Ast kahlgefressen, dann hing nur noch eine mickrige Anstandsbeere daran. Die verblieb ein wenig länger am Zweig, lag dann aber irgendwann auch unten, ohne dass sie gefressen wurde. Wer die Früchte verputzt hat, ist nicht überliefert. Im Schnee waren verräterische Amselspuren zu sehen, aber es kann auch eine Maus gewesen sein.

Wenn die Vögel (oder Mäuse) doch bei meinem Zierapfel 'Golden Hornet' auch mal so gründlich wären. Nach anfänglicher Amseleuphorie mit 6 Vögeln gleichzeitig im Baum und einmal einer Wacholderdrossel ließ der Andrang bald nach, kaum dass die Äpfel schwarz geworden waren. Gelb und braun ist noch in Ordnung, schwarz und hart aber ganz und gar nicht mehr.

Nur der Kernbeißer genehmigt sich ab und zu die ganz harten Mumien.

In vielen Ratgebern und Gartenzeitschriften ist immer wieder der Satz zu lesen, dass die Äpfel durch Frost mürbe gemacht werden müssen, damit Vögel sie überhaupt anrühren. Zumindest bei 'Golden Hornet' stimmt diese Aussage nicht. Die Äpfel ähneln sehr ganz normalen Speiseäpfeln und werden im Herbst matschig, ganz egal, ob sie Frost erfahren haben oder nicht.


Hier konnte Ende Oktober sogar noch ein Admiral von den Früchten profitieren, da einige schon geplatzt waren und das Fruchtfleisch freilag:



Ab November fallen sie auch schon in Massen zu Boden und bedecken die Staudenbeete und den Rasen quadratmeterweise mit matschigen Früchten, die tief in den Rasen getreten werden, wenn man sie nicht rechtzeitig entfernt, getreu dem beliebten Motto "Lass liegen, tritt sich fest!", das man nicht zuhause im Wohnzimmer beherzigen sollte. Der ansonsten allesfressende Waschbär scheint sich offensichtlich auch nicht für sie zu interessieren.

Ganz anders viele rotfrüchtige Zieräpfel wie 'Red Sentinel'. Seine Früchte bleiben lange attraktiv und werden ab Januar nach Frost dann auch endlich mal von den Amseln gefressen.



Weitere Sorten mit Zierwirkung bis in den Januar hinein sind:

  • 'Butterball' - der ist auch sehr, sehr lecker
  • 'Cardinal'
  • 'Evereste'
  • 'Professor Sprenger'
  • 'Pom Zai'
  • 'Wintergold'

 Diese Sorten sollen auch wenig krankheitsanfällig gegen Schorf sein.



Eigentlich bräuchte man also mehrere Sorten für die Vögel, damit immer Äpfel zum Verputzen da sind. 'Golden Hornet' für den Herbst und länger knackig bleibende Sorten für den Spätwinter. Aber wer hat schon so viel Platz? Zum Bestäuben von Speiseäpfeln würde jedenfalls einer schon genügen.


Samstag, 2. Dezember 2023

Winter auf Stippvisite

Schnee im Garten. Einerseits immer wieder lästig, weil man ihn von den Wegen schrubben muss, andererseits natürlich für die Pflanzen ein ganz natürlicher Frostschutz, wenn man ihnen nicht den Schnee auf die Mütze wirft, den man von den Wegen gekratzt hat, denn der ist oft zu schwer und pappig. Klingt erstmal komisch, dass Schnee vor Kälte schützen soll, aber er ist immer noch eine wärmere Decke als Kahlfrost.



Nun liegt der Schnee also auf den Beeten und man freut sich, dass die Pflanzen wohl nicht erfrieren werden, außer es sind wirklich extrem zartbesaitete Kandidaten darunter, die am liebsten immer mindestens 5 Grad und Fußbodenheizung hätten. Wenn der Schnee sehr nass ist, ist er allerdings auch sehr gewichtig. Die dicken, zusammengepappten Flocken legen sich in großen Brocken auf die Äste und sind schwer wie Blei. Gefährlich neigen sich Zweige zu Boden und man weiß aus Erfahrung, dass die sich nie wieder aufrichten werden, höchstens mit einer Zwangsjacke.

Die Samenstände vom Alant sind egal, die dürfen Schnee und Stieglitz gern belasten.


Die Amseln immerhin räumen schon aus Eigeninteresse gewissenhaft den Schnee von den Zieräpfeln, da kann man sich drauf verlassen.




 

Für die Amseln sind auch die kleinen, zuckersüßen Hagebutten der Rosa multiflora interessant, die sie gar nicht so athletisch von den Zweigen klauben.  


Die Nächte sind kalt und die Verkehrsmeldungen überschlagen sich wie so manches Auto. In den Kommentarspalten der Zeitungen im Online-Medium liest man wie jedes Jahr dieselben Texte: "Jaja, wegen drei Flocken bricht wieder das Chaos aus, als hätte es früher keinen Winter gegeben", während der Artikel, unter dem dies kommentiert wurde, Bilder von einem in den nächstbesten Graben gerutschten Bus zeigt. Also alles wie immer. Neu ist nur, dass Kommentatoren denjenigen, die wegen der Witterung lieber im Home-Office bleiben, vorwerfen, das Wetter nur als Ausrede zu benutzen und gleichzeitig auf den fehlenden Räumdienst in den Nebenstraßen zu schimpfen.

Derweil versinken die Amseln bis zum Bauch im Schnee. Das Eichhörnchen findet seine Vorräte nicht wieder, denn es ist nicht im Home-Office geblieben, obwohl es ein paar Tage vorher noch in weiser Voraussicht seinen Kobel mit Moos ausgebaut hat.

 


Also isst es den Nachtisch zuerst und schnappt sich einen Zierapfel.


 

Ein anderes Eichhörnchen hat sich in dem Halbhöhlennistkasten über der Haustür einen Nest gebaut und schreit Zeter und Mordio, wenn es zuhause ist, man selber auch und man sich dann zu lange vor der Tür mit irgendwas beschäftigt. Briefkastengucken muss bitte schleunigst erledigt werden.

Bei der ebenfalls im Vorgarten angesiedelten Regentonne klappt das zum Leidwesen des Untermieters aber nicht so schnell. Und die pumpt man noch hektisch leer, weil es am Wochenende -12 Grad werden sollen. Ach nee, doch nur -8. Ach nee, doch nur 0. War die leere Tonne also völlig für die Katz?

Und weiter beginnt man zu zweifeln: Hätte die Oca unter dem Schnee doch überlebt und noch viel mehr Knollen geliefert, wenn man sie nicht schon am letzten Sonntag wegen Frostalarm ausgegraben und gegessen hätte? Immerhin haben die Pflanzen sogar an den Stängeln Knollen produziert, die wollten also wachsen, aber jetzt sind bis auf ein paar für das nächste Jahr alle geerntet.

Die Kapuzinerkresse jedenfalls hängt matschig in den Seilen, vielleicht wäre die Oca jetzt also doch hinüber.


 

Jedes Jahr also das Gleiche. Ob an Weihnachten wieder 20 Grad plus angesagt sind?

Samstag, 18. November 2023

Lasst Laub leben!

So, der Zierapfel ist fast kahl, der Säulenapfel mag noch nicht loslassen. Die Zieräpfel sind jetzt gut zu sehen und der Großteil gelb, aber auf dem Wege in den Aggregatzustand matschig. Die Drosseln freut's, die futtern die mürben Dinger mit großem Appetit auf. Die streitbaren Amseln scheuchen die Ringeltauben kilometerweit, wenn sie zu lange im Baum sitzen, nur die Wacholderdrossel hat manchmal die Erlaubnis, mitzufuttern. Wenn die Amselbande die Spendierhosen anhat, dauert es schon mal eine Viertelstunde, bis die Wacholderdrossel verscheucht wird.


 

Nun liegt das ganze Laub also unten. Ich habe es mit Harke und Händen auf die Beete befördert, möglichst gerecht verteilt, und staune nun, wie viel das schon wieder ist. Aus dem Park flattern reichlich Blätter von Ahorn, Eiche und Buche heran.


 

Jedes Jahr im Herbst denke ich, die Stauden werden die nächsten drei Jahre unter dem Laub ersticken. Tun sie dann am Ende doch nicht, bis zum Frühjahr ist erstaunlich wenig davon zu sehen. So wenig, dass ich mit Freude den baumlosen Vorgarten mit allem Laub bewerfe, das der Wind von fremden Bäumen vor's Haus treibt. Im Moment ist die Modefarbe lila, weil unweit eine Blutpflaume steht. 

Und weil die Laubschicht der beste Lebensraum für kleine Vielbeiner ist, bin ich Influencer geworden. Ich habe es zu meiner Mission gemacht, den Leuten die kleinen Tiere nahezubringen. Diesen Herbst hatte ich schon zwei Vorträge zum Theme Bodenleben und zwei Zeitschriften durfte ich mit Kugelspringern zutexten.

Denn wer könnte ein besserer Botschafter gegen Laubsauger und pro Laubschicht sein als die korpulenten Knutschkugeln? Sind sie nicht putzig?




 

In der aktuellen Ausgabe der Gartenflora konnte ich gleich einen ganzen Haufen Kugelspringer unterbringen:


 

Ich hoffe, meine Mission gelingt, denn Kugelspringer haben keine Lobby, Laubsauger schon.

Also, geht auf Laubsafari, lasst es im Garten anstatt in der Biotonne und freut euch an ihm - besseren Mulch mit mehr Leben darin gibt es nicht! Lasst Laub leben!

Samstag, 24. September 2022

Urlaubsfrische - und dann? Alles frisch im Garten?

"Der gewünschte Gärtner ist zur Zeit nicht erreichbar." So oder ähnlich werden meine Gartenbewohner den Urlaub empfunden haben, denn es kam niemand mehr mit der Gießkanne vorbei, um die Dürre bei den Stauden zu lindern, nur die Töpfe hatten alle paar Tage einen Gießdienst. Zum Glück bekommt man von den Hilferufen nichts mit, wenn man nicht zuhause ist. Man muss ihnen auch nicht anworten mit einem herzlichen "Nach meiner Rückkehr am 17.9.2022 werde ich Ihre Nachricht umgehend bearbeiten. In besonders dringenden Fällen können Sie sich auch an die Unwetter-Zentrale wenden."

Es kam dann dankenswerterweise doch anders. Während der ersten Urlaubswoche war es tatsächlich noch viel zu trocken, der Phlox hat einige Triebe notgeschlachtet und stillgelegt, also vertrocknen lassen, um die anderen zu retten. Doch dann regnete es endlich ausgiebig. Die Fette Henne ist trotzdem haltlos in alle Richtungen auseinandergefallen und sieht wieder mal aus wie eine große rosafarbene Krake, aber das tut sie auch, wenn ich dabei bin.

Dafür gab es auch einige positive Überraschungen: Der Kaukasische Rankspinat (Hablitzia tamnoides), eine essbare Staude, die ich im März in den Schatten an der Terrassenwand neu gepflanzt habe (aus einem Ablger, er lässt sich sehr gut teilen!), hat endlich zugegriffen und das Rankgerüst entdeckt. Nach etlichen Monaten hat er gelernt, wie man rankt. Ich muss ihn also doch nicht zur Schulung schicken. Er nimmt dazu die Blattstiele und wickelt sie um den Rankobelisken. Na, geht doch!




Der Palmkohl im Topf hat wie auch die Tomaten den Luxus einer Tropfbewässerung genießen dürfen musste sich also rein gar keine Sorgen machen im Urlaub. Außer über Kohlweißlinge und Schnecken, aber die haben ihn offenbar in Ruhe gelassen. Sogar sein kleiner Bruder (rechts im Bild), der schon mehrfach von Schnecken komplett gefressen wurde, hat sich noch mal an neue Blätter herangewagt.



Der Staudensellerie, arg bedrängt von Purpur-Leinkraut, ist auch so ein Knaller. Gezogen aus einem Gemüserest hat er den Sommer im Kübel verbracht und ist jetzt wieder so groß, dass man noch mal ernten kann!


Die Etagenzwiebel setzt noch einen oben drauf und die Herbstzeitlose hat es dieses Jahr tatsächlich zu drei Blüten gebracht, ohne von den Schnecken gefressen zu werden:

Die Oca im Topf hat sich wie eine grüne Flutwelle über die Terrasse ergossen. Die Blätter schmecken herrlich nach Sauerampfer, aber eigentlich möchte ich ja später die Knollen ernten. Wie viele es wohl werden bei der irren Blattmasse?

 

Der Zierapfel musste den Rasen in meiner Abwesenheit unbedingt mit Äpfelchen zuschmeißen. Ein paar habe ich gleich dazu benutzt, den nicht mehr taufrisch aussehenen Trockenstrauß im Tontopf zu ersetzen und die Äpfel einzufüllen. Dieses Arrangement kommt mit und ohne Strauß ganz ohne Heißkleber und Steckschaum aus. Im Topf sind Abschnitte und Reste von Lavendel- und anderen Stielen, um die hineingesteckten Blumen und jetzt die Äpfel festzuhalten. Ich mag es nämlich nicht, perfekt kompostierbare Dinge mit Heißkleber, der aus Kunststoff besteht, in Restmüll zu verwandeln.

Links Original-Topfschmuck vor dem Gammel, rechts mit Nachfüll-Deko:


Und so ist der Urlaub mal wieder gut gegangen, ich bin erholt und der Garten auch. Ich mache mir da vorher immer große Sorgen, ob die Pflanzen ohne mich auskommen werden, aber es hat ja dann endlich geregnet, uff!

Samstag, 9. Januar 2021

Augen auf beim Zierapfelkauf

Zieräpfel sind immer noch im Trend, es gibt unüberschaubar viele Sorten in allen nur erdenklichen Größen, vom gestandenen Baum bis zum kleinen Strauch. Doch halten nicht alle Früchte gleich lang. Immer wieder wird geschrieben, die Früchte mancher Sorte würden nur bis zum ersten Frost ihre fröhliche Farbe behalten. Doch ich kenne einen Zierapfel persönlich, der braucht noch nicht mal Frost dafür, um seine ehemals gelben Äpfelchen, die eben noch aussahen wie frisch aus dem Supermarktregal, in etwas unappetitlich Braunes, Matschiges zu verwandeln.

Dieser Zierapfel nennt sich 'Golden Hornet' und steht in meinem Garten. Nun möchte ich diesem Baum wirklich nichts Böses, ich liebe ihn so heiß und innig wie seine Früchte ab November matschig sind. Nein, ich will eigentlich gar nicht über diesen im Frühjahr so blütenreichen Baum lästern, noch dazu öffentlich. Zum Glück hat mein Goldie keinen Internetanschluss und wird wohl nie erfahren, dass ich hier über ihn herziehe. Doch falls jemand von euch plant, sich einen 'Golden Hornet' zuzulegen, sollte er das wissen, denn nichts ist schlimmer, als einen mühsam gepflanzten Baum wieder herauszureißen. Man kann ihn ja nicht nach einem halben Jahr umtauschen, bloß weil einem die Fruchtfarbe nicht mehr gefällt.

Das hier ist 'Golden Hornet' Mitte Oktober: Ein Traum in Gelb! Noch..


Vier Wochen später, im November sind die gelben Äpfel immer noch in der Mehrheit (hier mit Mönchsgrasmücke), werden aber schon weniger:

 

Und noch später leuchten seine Äpfelchen den ganzen Winter über in putzmunterem Braun mit Stich ins Modrige, später sieht er aus wie eine Packung Trockenpflaumen. Vielleicht möchte er sich damit tarnen, damit seine Äste nicht Anfang Dezember als Versuch eines Barbarazweigs mit integrierter Fruchteinlage für die Vase abgeschnitten werden? Zumindest sehen ihn die Vögel so natürlich deutlich schlechter, als wenn er sich kilometerweit sichtbar mit makellosem Futter behangen anpreisen würde.

Macht aber nichts, sie finden ihn trotzdem, wenn auch als Geheimtipp, denn immerhin sind seine Früchte so schnell mürbe, dass jeder Schnabel sie bewältigen kann: Amseln, Meisen, Mönchsgrasmücken und auch das mit guten Zähnen ausgestattete Eichhörnchen langen hier gern zu. Und dafür liebe ich den Baum.

Denn die Mönchsgrasmücken versuchen gerade wieder, im Garten zu überwintern anstatt in den Süden zu ziehen. Und wovon sollten sich diese mit einem sehr feinen Insektenfresserschnabel ausgestatteten Vögel sonst ernähren, wenn nicht von weichen Zieräpfeln und den mundgerecht kleinen Hagebutten der Rosa multiflora? Da freue ich mich, dass mein Garten zu ihrem Überleben beiträgt.

Kein zahnloser Tiger ist dagegen der kapitale Kernbeißer mit dem ernsten Blick. Er schnappt sich einfach die ältesten Zieräpfel, die schon sehr nach Rosine aussehen, und kaut sie durch.


 


 

Dieses Bild hier ist übrigens dieselbe Stelle wie oben mit der Mönchsgrasmücke, aber aus dem Januar - man sieht, das Wort Zier in Zierapfel passt hier nicht mehr so recht:

 



Die Eichelhäher sind Besseresser und pflücken sich eher die letzten noch frischen gelben Früchte. Die sitzen auch schon mal zu fünft im Zierapfel herum und legen einen Obsttag ein.


Trotzdem gibt es bessere Sorten, was die Haltbarkeit der Äpfel angeht. Das hier ist 'Red Sentinel'. Der sieht immer noch blendend aus, und das im Januar. Auch hier beißen die Amseln gern Stücke ab, obwohl er so knackig aussieht.




 

Sehr lecker sind die Früchte von 'Butter Ball', sie sehen aus wie die vom 'Golden Hornet', schmecken aber besser, nämlich frisch vom Baum köstlich. Auch sie halten sehr lange am Baum.



Welche Zierapfelsorten könnt ihr empfehlen mit lang haltenden Früchten? Und wie ist dann der Vogelbesuch, wenn die Äpfelchen so lange frisch bleiben?

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Und jetzt gibt es noch eine Buchvorstellung! Ich wollte mal genauer wissen, was in meinem Gartenboden so los ist und ob ich alles richtig mit ihm mache. Daher habe ich das Buch "Der Boden - das verborgene Universum zu unseren Füßen" von Ina Sperl, erscheinen im Gräfe&Unzer-Verlag gelesen.

 


Man erfährt hier nicht nur etwas über Garten- und Ackerboden, sondern vor allem darüber, wie wichtig der Boden wirklich ist und in welchen Gefahren er schwebt. Von der Versiegelung für Verkehr, Gewerbe- und Baugebiete bis hin zu Fracking muten wir ihm ziemlich viel zu. So kann er seine eigentlichen Aufgaben, wie Schutz vor Hochwasser durch Aufnahme von Regenwasser und Klimaschutz durch Speicherung von CO2 über den Humus nicht mehr erfüllen. Ökosystemdienstleistungen nennt man diese Wundertaten, die ein gesunder Boden vollbringen kann. Diese können gar nicht hoch genug bewertet werden, werden aber oft ignoriert. Auch die konventionelle Landwirtschaft trägt wenig dazu bei, dem Boden Humus zuzuführen, stattdessen werden Pestizide und zuviel Dünger verwendet, die das Bodenleben schädigen. Zuletzt zerschneidet der Pflug noch viele Regenwürmer. Dabei könnte man mit biologisch bewirtschaftetem Boden viel gegen den Klimawandel und für das Bodenleben tun.

An diesem Buch gefällt mir, dass immer wieder Experten zu Wort kommen, wie zum Beispiel  Charles Dowding, der schon seit Jahrzehnten seinen Garten nicht mehr umgräbt und trotzdem oder gerade deswegen eine gute Gemüseernte erreicht.

Im letzten Kapitel lernt man, was man im Garten alles tun kann, um das Bodenleben zu fördern. Da mache ich zum Glück schon sehr viel richtig.

Gefehlt hat mir, dass die einzelnen Bodenlebewesen nicht nur am Rande vorgestellt werden. Hier hatte ich mir ein ausführlicheres Kennenlernen erhofft.

Aber ansonsten weckt das Buch das Verständnis für den Boden und für die Gefahr, in der er jeden Tag schwebt. Jeder bekommt Anregungen, was er für das Wohlbefinden der Welt unter unseren Füßen tun kann - und wenn es nur darin besteht, Biolebensmittel zu kaufen.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Nicht jugendfrei

Diesen Dezember muss man sich weitestgehend schön trinken, denn er ist nicht nur ein ganz stürmischer, sondern auch reichlich nassforsch. Also hoch die Tassen, mit selbstgemachtem Zierapfellikör. Obwohl ich doch ein schlechtes Gewissen habe, dass ich den Amseln so viele Früchte wegalkoholisiert habe, denn dieses Jahr gibt es eine Welturaufführung: Mein Baum mit der Sortenbezeichnung "Golden Hornet" steht ratzeputz kahlgefressen im fahlen Dezemberlicht. Und die Amseln gucken sparsam.


Nun, da die in Wodka eingelegten Zieräpfel (hier ist das Rezept für den Likör) also draußen ihresgleichen suchen, sind sie um so wertvoller und gehören nach 8 Wochen Schwimmübungen unbedingt in ein Backwerk eingebettet. Aber Obacht: Das folgende Rezept ist nicht für Zuschauer unter 18 Jahren geeignet, da der Alkohol mitnichten vollständig im Backofen verduftet. Alle anderen sollten nach drei Stücken besser nicht mehr aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Treten Fragen seitens der Polizei auf, ob man etwas getrunken hätte, wird die gelallte Antwort "Nee, Herr Wachmeisser, nur Kuchen gegessn, hicks!" auch nicht mehr viel helfen. Aber köstlich ist er schon, der beschwipste Kuchen. Außerdem gibt es den bei uns nur einmal im Jahr, und zwar traditionell (soll heißen: seit letztem Jahr) kurz vor Weihnachten.

Da die Früchtchen ungefähr Kirschgröße haben, habe ich messerscharf gefolgert, dass sich als Basis jedes Kirschli-Kuchen-Rezept eignen sollte, man muss nur die Schokolade weglassen. Dieses hier fand in unserer Versuchsküche großen Anklang:

175 g Butter
100 g Zucker
Eier
200 g Mehl
1 Pkt. Backpulver
50 ml Milch
10 gBourbon-Vanille-Aroma
500-800 g Zieräpfel (einfach alle aus dem Glas, es passt irgendwie immer)

Die Butter schaumig schlagen, dann den Zucker zugeben und alles verrühren. Die Eier untermischen. Mehl, Backpulver und Milch einrühren. Die Zieräpfel unterheben und den Teig in eine gefettete 26er Springform streichen. Je nach Ofen bei 160°C ca. 50-60 Minuten backen (die bestechende Stäbchenprobe hilft).
Wer möchte garniert den Kuchen am Ende noch mit Puderzucker.


Damit das Backen nicht in Stress ausartet, arbeitet man am besten zu zweit: Einer rührt den Teig an, der andere entkernt die Zieräpfel. Das ist eine mühsame Kleinarbeit, aber die Kerngehäuse haben im Kuchen nichts zu suchen. Meist entgeht einem doch immer irgendein spelziges Teil aus dem Inneren der Äpfel, weshalb man allzu pingelige Zeitgenossen lieber nicht einladen sollte (oder ihnen vorab ordentlich Likör einflößen). Bleibt in der leeren Zierapfel-Schüssel noch ein Schluck Wodka übrig, dann immer rein damit in den Teig.

Na dann: Prost und guten Appetit!

Der Kuchen wurde Ihnen präsentiert von meinem antiken Lieblings-Service von Seltmann Weiden: Liane Heidi. Es stammt wohl aus den 50er Jahren und hat leider nicht mehr alle Tassen im Schrank, von den Untertassen ganz zu schweigen, aber ich halte es trotzdem in Ehren.

Montag, 18. November 2013

Zappenduster

Die Gemeine Hauskatze, vor allem wenn sie hauptsächlich Dosenfutter serviert bekommt, lässt sich bedeutend besser auf Sommer- als auf Winterzeit umstellen. Der Grund ist, dass ihre Mahlzeiten nach der Zeitumstellung im Oktober eine geschlagene Stunde später eintrudeln, was eine Unverschämtheit ist. Aber auch der berufstätige Gartenbesitzer mag die leidige Winterzeit gar nicht gern, das liegt aber weniger am Futter als an der ständigen Dunkelheit.

Durch die Uhrumstellerei schafft man es von einem Tag auf den anderen, den Garten unter der Woche gar nicht mehr bei Tageslicht zu Gesicht zu bekommen. Man tappt bis zum nächsten Wochenende völlig im Dunkeln: Erstickt der Rasen schon unter Laub oder geht's noch? Blühen ungesehen bereits die ersten Christrosen? Brauchen die Vögel schon wieder neue Sonnenblumenkerne? Man weiß es nicht so genau, denn es herrscht das Reich der Finsternis.

Wenn ich mein Revier nach einer elend langen Woche schließlich mal wieder erblicke, bin ich höchst erstaunt, wie sehr sich das alles verändert hat: Die Bäume und Sträucher sind durchsichtig geworden, viele Stauden haben sich noch mehr in Richtung Erdreich zurückgezogen, und die Zahl der Zieräpfel, die sich in etwas Marzipankartoffel-Ähnliches verwandelt haben, ist schon wieder gestiegen. Es gibt selten Positives zu entdecken nach fünf Tagen Abstinenz - niemand hat die Blätter wieder an die Bäume geklebt, zum Beispiel. Trotzdem gibt man die Hoffnung nicht auf am Freitag Nachmittag.



Schlechte Zeiten für Feierabendgärtner also. Möchte man keine Flutlichtanlage im Garten installieren, muss das Gärtnern wohl oder übel auf das Wochenende verlegt werden. Das erfordert ein bisschen Voraussicht, vor allem im November:

  • Die Langzeitwetterprognose spätestens am Sonntag Nachmittag bei Einsetzen der Dämmerung prüfen: Droht unter der Woche Frost, schnell noch alle Dahlien und Gladiolen aus der Erde ziehen, bevor man es mit der Taschenlampe zwischen den Zähnen tun muss (ich weiß, wovon ich rede...).
  • Vogelfutterspender ebenfalls kurz vor knapp auffüllen. Das reicht zwar sowieso keine Woche lang, aber ein paar Tage halten die Grünlinge, Gimpel und Meisen auch so durch.
  • Beim Aufstellen eines Komposters an die Lage denken: Nur, wenn man ihn trockenen Fußes sowie mit verbundenen Augen finden kann, benutzt man ihn auch im Winter freiwillig für die Küchenabfälle. Das spart auf Dauer Müllgebühren
  • Im Winter Saatgut zu bestellen ist zwar eine schöne Ersatzdroge, aber man sollte Sämereien stets bei Tageslicht ordern und nicht abends bei Kerzenschein - das ist zwar sehr romantisch, aber erstens kann man dann die Preise schlechter lesen, zweitens neigt man sonst unweigerlich dazu, die Dimensionen des Grundstücks in der immerwährenden Dunkelheit hoffnungslos zu überschätzen - bei Nacht sind nicht nur alle Katzen grau, sondern auch alle Gärten groß. So ein Irrtum wird schnell teuer.
  • Vor den ersten Minusgraden die letzten frostempfindlichen Gemüsereste ernten. Am Wochenende hat man sowieso mehr Zeit zum Kochen, daher ist der Zeitpunkt nicht allzu schlecht gewählt. 
  • Falls die Regentonne noch nicht geleert ist, kann man im Hellen noch alle Fensterbank-Gießkannen füllen, um die Zimmerpflanzen unter der Woche bei Laune zu halten. Das spart viel Leitungswasser und bekommt ihnen auch besser. 
  • Nicht eilig ist es mit der Ernte des Topinambur, der wartet den ganzen Winter auf unsere Kochkünste.
  • Immerhin teures Geld für die winterliche Gartendeko im Außenbereich kann man sich sparen, man sieht sie ja sowieso nie. Wer seine Nachbarn wirklich sehr, sehr gerne hat und ihnen etwas bieten möchte, kann natürlich trotzdem dekorieren, was das Zeug hält. Zierendes aus Naturmaterialien ist in jedem Fall günstiger und oft auch schöner - und vor allem immer wieder neu.




Ja, es ist wahrlich eine Zeit der Entbehrungen für Berufstätige. Immerhin gefällt der Wohnungskatze der nun häuslich gewordene Mitbewohner besser, hat er doch nach Feierabend viel mehr Zeit, mit dem Tiger auf dem Sofa herum zu lungern. Also sollte man dieser Empfehlung der Katze folgen - nachdem man ihr das Abendessen serviert hat natürlich.