Hach, ist der schön. So richtig zum Knutschen, ob über das Gartentor oder anders. Er ist groß, schlank, gut gebaut und hoffnungslos romantisch. Wenn man ihn nicht hat, bekommt man vor Kummer ein tränendes Herz. Kennengelernt habe ich ihn im Hortus Botanicus Leiden, Niederlande. "Kiss me over the garden gate" ist nämlich der englische Name für Persicaria orientalis, dem anscheinend niemand eine ähnlich hübsche deutsche Bezeichnung gegeben hat. Hierzulande heißt er ganz schnöde Orient-Knöterich. Unpoetischer geht's fast nicht.
Die englischsprachigen Gärtner können sich sogar ein ganzes Beet thematisch bepflanzen: "Kiss me over the garden gate" zusammen mit "Love in a Puff" (Ballonrebe, Cardiospermum halicacabum) und "Hot Lips" (Brechstrauch, Psychotria elata).
Die englischsprachigen Gärtner können sich sogar ein ganzes Beet thematisch bepflanzen: "Kiss me over the garden gate" zusammen mit "Love in a Puff" (Ballonrebe, Cardiospermum halicacabum) und "Hot Lips" (Brechstrauch, Psychotria elata).
Persicaria orientalis ist ein einjähriger Herzensbrecher, äh: Knöterich. Die Aussaat ist einfach. Man sät ihn im Herbst, weil er ein bisschen Kälte braucht zum Keimen. Dann geht's aber steil nach oben und schon im Sommer hat man einen meterhohen Kerl, der sich gefällig ans Gartentor lehnt und wochenlang blüht. Die rosa Blüten hängen lässig herum und sind überaus zahlreich.
Hierzulande ist die Art kaum einmal anzutreffen, was schade ist.
Den Knöterich kann man sogar schon ohne Eintritt (7,50 Euro) zu zahlen am Hortus Botanicus Leiden bewundern. Hat man sich endlich von ihm losgerissen und das Gartentor durchschritten, betritt man einen vielfältigen, mitten in der Stadt, aber dennoch ruhig gelegenen Garten ganz ohne Autolärm und Hektik.


Natürlich gibt es im botanischen Garten von Leiden, der einer der ältesten überhaupt ist, auch andere Herzensbrecher, zum Teil von kuschliger Natur. Hier ein paar der Highlights:
Halsbandsittiche quietschen in den Bäumen herum, wenn sie nicht gerade den Schnabel voller grüner Federn haben:
Bananenfalter fliegen im Victoriahaus wilde Verfolgungsjagden. Eine Puppe hing sogar an der Treppenstufe.

Im Garten dreht sich momentan alles um essbare Pflanzen, daher baumeln schon mal Zeichnungen im Gewächshaus und anderswo herum.
Sogar den Straußfarn soll man diesem Schild nach essen können:
Altehrwürdiges im Clusius-Garten, daneben das moderne Glasgewächshaus:


Sich zugeneigte Agaven am Clusius-Garten:

An der Orangerie gibt es ein herrliches Blumenbeet mit Astern, Tagetes, Hummelschaukel und Crocosmia zu bewundern:
Im Küchengarten fühlt man sich wie im Schlaraffenland - links Kulturnachtschatten (Solanum melanocerasum), dessen Beeren gekocht essbar sind, daneben am Rosenbogen verführerische Weintrauben:
Der Garten für Kinder mit verschiedenen essbaren Pflanzen, und drehbaren Tafeln:
Das Beet von hinten:
Keilschrift? Runen? Was ist diese abstrakte Kunst am Gewächshausglas? Das ist einfach nur das Werk von Schnecken, die ein bisschen Fensterputzen wollten:
Souvenirs gibt es auch - Schnäppchenpflanzen vor dem Eingang:

Wenn der botanische Garten also gefallen hat - und das tut er ganz bestimmt - dann kann man sich ein Andenken an ihn mitnehmen. Den niedlichen Kater oder den Orient-Knöterich leider nicht, die möchten gern in Leiden wohnen bleiben.






































