Posts mit dem Label Jalapeño werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jalapeño werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 3. April 2015

Katzensicherung

Katzen sind Raubtiere und stolz drauf, das ist ja nichts Neues. Sie benehmen sich aber beileibe nicht immer so. Meine Katze Quietschie könnte sich durchaus auch einmal einen ganzen Tag nur von Kartoffelchips, Weißbrot, Salzstangen, Käse und Kuchen ernähren, wenn es nach ihr ginge. In der Beziehung ist sie ganz menschlich. Mit gesunder Ernährung muss man Madame da auch nicht kommen, die will immer das, was wir ihr gerade voressen, und zwar ein bisschen plötzlich. Das aus dem Hinterhalt zielsicher ausgeführte Grabschen kleiner Katzenpfoten kann den unbehelligten Verzehr von Junkfood mitunter empfindlich treffen. Ziel ist es dabei stets, dem Menschen im entscheidenden Moment die Leckerei oder noch besser gleich den ganzen Kuchenteller aus der Hand zu schlagen. Denn was erst einmal auf dem Boden liegt, mag der zweibeinige Mitbewohner komischerweise nicht mehr selber essen - Menschen stellen sich oft ziemlich mädchenhaft an.



Da aber auch Nahrungsmittel in spe nicht vor den Reißzähnen einer ernstzunehmenden Katze sicher sind, muss ich meine Peperoni-Sämlinge wie immer besonders gut schützen, zumal sie auf der Heizung am Sofa stehen, wo der Minitiger sich bevorzugt aufhält. Dieses Jahr habe ich mir eine geräumige Katzensicherung ausgedacht, die auch halbstarke Pflänzchen in fressbarer Größe noch gut vor dem Zugriff einer grünzeugversessenen Mieze schützt.

Ich habe einfach zwei transparente Feldsalat-Plastikschalen übereinander gesetzt und mit einem Band gegen Verschieben mit der Katzenschnauze gesichert. So haben die Chilis ein Gefängnis mit Aussicht ohne Kuscheltierbesuch, wo sie in ihrem eigenen Saft vor sich hinschmoren können und kaum gegossen werden müssen.



Bei starker Sonneneinstrahlung wird es im Inneren mollig warm, die Wände aber auch schnell undurchschaubar. Möchte ich also wissen, wie groß die Pflänzchen schon sind, muss ich erst die Schleife lösen. Das ist jedes Mal so, als würde ich ein Geschenk auspacken. Beim Heben der Oberschale regnet es dann einen Monsun, der sich gewaschen hat, auf die Sämlinge herab.


Größere Scharfmacher kommen unter die Haube, nämlich den Behälter eines 5-Minuten-Kartoffel-Fertiggerichtes. Ohne Pappmanschette und gut gespült ist das ein perfekter Abstandhalter für Katzen:


So wird es dieses Jahr hoffentlich nicht wieder zu einem Verlust der kräftigsten Jalapeños und Habaneros kommen. Nur die Sache mit den Kartoffelchips und dem Kuchen, die lässt sich nicht so einfach lösen...

Freitag, 15. Februar 2013

Scharfe Sachen

Sie ist die schönste aller Hexen. Mal schlank, mal pummelig, kann sie einfach alle Farben tragen. Am liebsten natürlich Grün. Und gerade Männern scheint sie reihenweise den Mund wässrig zu machen, vor allem wegen ihrer inneren Werte: Die scharfe Chili-Schote.



Brandgefährlich zu essen ist scheinbar plötzlich in aller Munde. Wie kommt das, fragt man sich. Gerade die Herren der Schöpfung liefern sich regelrechte Wettkämpfe, wer am längsten gute Miene zum scharfen Spiel machen kann. Auf Parties wird gern Chili-Schnaps oder anderes schmerzhaftes Zeugs zum Verköstigen angeboten, Schadenfreude inklusive - bloß nicht das Gesicht verziehen, und auf gar keinen Fall Schwäche oder gar Tränen zeigen! Dann lieber heimlich kalte Milch trinken, bis die schlimmsten Qualen vorüber sind.

Ist die Scoville-Skala womöglich die letzte Mutprobe der Neuzeit, und noch dazu eine völlig legale? Nebenbei bemerkt muss ich sicher nicht erwähnen, dass der Erfinder der Schärfe-Skala natürlich auch ein Mann war, der gute Herr Scoville eben.

Jalapeño

Ich gebe zu, auch ich esse gerne scharf, aber ich schmecke gern noch die restlichen Zutaten im Essen. Dummerweise sind aber gerade Chili-Früchte so unglaublich adrett, farbenfroh und formenreich, dass ich schon ernsthaft überlege, dieses Jahr auch höllische Habaneros anzubauen, denn die haben sogar Eigengeschmack und produzieren nicht nur Schmerzen. Chilipflanzen können die Sammelleidenschaft entfachen wie kein anderes Gemüse. Wo normale Nutzpflanzen an Sortenarmut leiden und viele Varietäten in Vergessenheit geraten oder gar aussterben, kann das den Chilies wohl kaum passieren, denn die sind einfach Kult und werden von Anhängern rund um den Globus verehrt und vermehrt. Der Schärfe wegen. Auch hier scheinen die Züchter wieder hauptsächlich Männer zu sein?

Jalapeño


Egal, der Anbau ist jedenfalls richtig einfach und macht Spaß. Jetzt ist der Zeitpunkt genau richtig, um mit der Aussaat zu beginnen. Erfolgserlebnisse stellen sich am ehesten mit Jalapeños und Verwandten (Capsicum annuum) ein, sie keimen zuverlässig und wachsen so rasch, dass sie noch im selben Jahr Früchte tragen. Ab spätestens Mai kann die Pracht auf der Terrasse herumlungern, wo in der vielen Sonne die Früchte auch an Aroma gewinnen und hübsch rot werden. Umbringen kann man die Pflanzen zuverlässig mit zuviel Wasser im Übertopf. Außerdem müssen die Nachtschattengewächse im Herbst zum Überwintern in die gute Stube, denn sie sind echte Frostbeulen und mit allem unter 5°C extrem unzufrieden. Falls sich in der Sommerfrische die leidige Seiltanztruppe namens Spinnmilben eingefunden hat, kann man sich auch gern von den Pflanzen trennen und lieber einen Neuanfang aus Samen wagen. Gesunde Exemplare aber sind durchaus mehrjährig zu kultivieren.

Alles in allem sind Jalapeños robuste und fruchtbare Sträucher - einfacher im Umgang als Tomaten, auch handlicher. Dafür bringen uns die Paradeiser allerdings auch nicht zum Weinen.






Zum Glück ist  Jalapeño-Schärfe aber ganz leicht zu dosieren: Es gibt drei Stufen, die je nach Sonneinstrahlung, der die Früchte ausgesetzt waren, variieren können:

1. Stufe: Sehr scharf: Ganze Frucht zerhacken und ins Essen werfen - und bloß nicht heulen, ich hab euch gewarnt!
2. Stufe: Mittelscharf: Frucht feinsäuberlich entkernen, die Samen kann man ja dann weiterverschenken oder aussäen. So wird die Sache schon viel milder.
3. Stufe: Für ganz Vorsichtige: Werden auch noch die weichen Häute entfernt, an denen die Samen wachsen, schmeckt es oft nur noch nach Paprika. Das ist aber langweiliger und beim besten Willen nicht mehr als Mutprobe zu werten.

Nachher auf jeden Fall gut Hände waschen und sich nicht die Augen reiben, denn das brennt in jedem Fall, auch wenn die Suppe nur wenig schmerzhaft ist.

Zu guter Letzt noch ein Tipp, wie man überzählige Früchtchen NICHT konservieren kann: Rohe Schoten im Ganzen durch den Mixer ziehen und unter Speise-Öl einschließen. Funktioniert im Kühlschrank höchstens wenige Wochen ohne grauslige Gärung - und echter Chilischnaps geht anders.



Das in den Chilis enthaltene Capsaicin soll übrigens wie Schokolade die Endorphin-Produktion anregen. Und das kann ja auch Frauen nicht schaden, oder?

Donnerstag, 22. März 2012

Die Gemeine Woll-Laus

Einer der größten Haus- und Vorratsschädlinge hat wieder zugeschlagen: Die Gemeine Woll-Laus. Ihr Lebensraum sind angenehm temperierte Häuser und Wohnungen, wobei sie zur Not auch winterhart wäre. Aber nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Denn eigentlich liebt die Woll-Laus Behausungen mit Zentralheizung, Vollpension und guter Sofa-Anbindung. Dort ist sie häufig schlafend anzutreffen, was nicht darüber hinwegtäuschen darf, welches Zerstörungspotential von ihr ausgeht: Am Tag zuvor noch prächtig aussehende Jungpflanzen können über Nacht ins Elend gestürzt werden, wenn sich der gefräßige Schädling einen Salat daraus zubereitet hat:


Eine Spur der Verwüstung trifft der schlaftrunkene Gärtner am Morgen an, während die Woll-Laus Unschuld heuchelt und jetzt gerne ein richtiges Frühstück serviert bekommen würde. Und zwar ein bisschen plötzlich. Denn dieses Tier ist von Hause aus ein Karnivor und gönnt sich nur ab und an einen kleinen, grünen Imbiss zur Entschlackung.


Archivbilder. Da war die Laus zarte 4 Jahre jung.

Wie man sieht, liebt meine schwarze Woll-Laus Grünlilien (Chlorophytum), neigt aber offenbar zu suizidalen Tendenzen, wenn sie sich in der Nachtschattenabteilung bedient. Zum Glück passiert aber meistens nichts Schlimmes - das durchgekaute Blattwerk tritt postwendend den Rückweg an. Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl, weswegen der Korallenstrauch lieber außer Reichweite bleibt. Das ist besser für alle Beteiligten.

Dass sie sich aber neuerdings auch an meinem jungen Gemüse vergreift, geht entschieden zu weit. Das bedauernswerte Arrangement oben auf dem ersten Bild war mal ein Topf voll von vielversprechenden Jalapeño-Pflänzchen. Gut, dass ich schon einige der Chili-Geschwister außer Katzenreichweite vereinzelt hatte. So soll eine Jungpflanze nämlich eigentlich aussehen:


Wer also die Woll-Laus zuhause beherbergt (man schleppt sie oft als winzige Jungtiere ein) und nicht ständig seine wertvollen Zimmerpflanzen austauschen möchte, weil sie bis zur Unkenntlichkeit zerkaut wurden, sollte möglichst dickblättrige Exemplare auswählen. Sukkulenten werden meistens verschmäht, so auch der genügsame Geldbaum (Crassula). Aloe und Sansevierien stehen ebenfalls nicht hoch im Kurs, ebenso wie Spathiphyllum, Kaffeestrauch (wird scheinbar nur mal aus Versehen angebissen), Schefflera, Efeutute (Epipremnum), Ficus oder Ceropegia

Wahre Katzenmagneten dagegen sind die erwähnte Grünlilie und Dracaena-Blätter, am liebsten solche von D. marginata. Aber auch D. reflexa wurde völlig überraschend in die Mangel genommen, obwohl diese Art schon bemerkenswert derbes Laub hat und damit nicht ins Beuteschema passen sollte. Allein D. fragrans scheint verschont zu werden. Das Usambara-Veilchen hingegen wird sehr gern zum Snack zwischendurch erklärt. Völlig untypisch dann wieder das Verspeisen vom dickblättrigen Brutblatt (Kalanchoe tubiflora).

Zu meinem ganz großen Glück hat Madame Woll-Laus bisher noch immer die Zähne von meinen Tomatensämlingen gelassen, und das jedes Jahr zuverlässig. Ich könnte mir vorstellen, dass das an dem strengen Geruch des Laubes liegen könnte. 

Wer aber ganz auf Nummer sicher gehen möchte, der zieht jetzt schon mal Opferpflanzen heran, auch Katzengras genannt. Besonders einfach und günstig ist Hafer! Dann findet man die Woll-Laus vielleicht auch nicht an den Chilis!