Sie ist die schönste aller Hexen. Mal schlank, mal pummelig, kann sie einfach alle Farben tragen. Am liebsten natürlich Grün. Und gerade Männern scheint sie reihenweise den Mund wässrig zu machen, vor allem wegen ihrer inneren Werte: Die scharfe Chili-Schote.
Brandgefährlich zu essen ist scheinbar plötzlich in aller Munde. Wie kommt das, fragt man sich. Gerade die Herren der Schöpfung liefern sich regelrechte Wettkämpfe, wer am längsten gute Miene zum scharfen Spiel machen kann. Auf Parties wird gern Chili-Schnaps oder anderes schmerzhaftes Zeugs zum Verköstigen angeboten, Schadenfreude inklusive - bloß nicht das Gesicht verziehen, und auf gar keinen Fall Schwäche oder gar Tränen zeigen! Dann lieber heimlich kalte Milch trinken, bis die schlimmsten Qualen vorüber sind.
Ist die Scoville-Skala womöglich die letzte Mutprobe der Neuzeit, und noch dazu eine völlig legale? Nebenbei bemerkt muss ich sicher nicht erwähnen, dass der Erfinder der Schärfe-Skala natürlich auch ein Mann war, der gute Herr Scoville eben.
Brandgefährlich zu essen ist scheinbar plötzlich in aller Munde. Wie kommt das, fragt man sich. Gerade die Herren der Schöpfung liefern sich regelrechte Wettkämpfe, wer am längsten gute Miene zum scharfen Spiel machen kann. Auf Parties wird gern Chili-Schnaps oder anderes schmerzhaftes Zeugs zum Verköstigen angeboten, Schadenfreude inklusive - bloß nicht das Gesicht verziehen, und auf gar keinen Fall Schwäche oder gar Tränen zeigen! Dann lieber heimlich kalte Milch trinken, bis die schlimmsten Qualen vorüber sind.
Ist die Scoville-Skala womöglich die letzte Mutprobe der Neuzeit, und noch dazu eine völlig legale? Nebenbei bemerkt muss ich sicher nicht erwähnen, dass der Erfinder der Schärfe-Skala natürlich auch ein Mann war, der gute Herr Scoville eben.
| Jalapeño |
Ich gebe zu, auch ich esse gerne scharf, aber ich schmecke gern noch die restlichen Zutaten im Essen. Dummerweise sind aber gerade Chili-Früchte so unglaublich adrett, farbenfroh und formenreich, dass ich schon ernsthaft überlege, dieses Jahr auch höllische Habaneros anzubauen, denn die haben sogar Eigengeschmack und produzieren nicht nur Schmerzen. Chilipflanzen können die Sammelleidenschaft entfachen wie kein anderes Gemüse. Wo normale Nutzpflanzen an Sortenarmut leiden und viele Varietäten in Vergessenheit geraten oder gar aussterben, kann das den Chilies wohl kaum passieren, denn die sind einfach Kult und werden von Anhängern rund um den Globus verehrt und vermehrt. Der Schärfe wegen. Auch hier scheinen die Züchter wieder hauptsächlich Männer zu sein?
| Jalapeño |
Egal, der Anbau ist jedenfalls richtig einfach und macht Spaß. Jetzt ist der Zeitpunkt genau richtig, um mit der Aussaat zu beginnen. Erfolgserlebnisse stellen sich am ehesten mit Jalapeños und Verwandten (Capsicum annuum) ein, sie keimen zuverlässig und wachsen so rasch, dass sie noch im selben Jahr Früchte tragen. Ab spätestens Mai kann die Pracht auf der Terrasse herumlungern, wo in der vielen Sonne die Früchte auch an Aroma gewinnen und hübsch rot werden. Umbringen kann man die Pflanzen zuverlässig mit zuviel Wasser im Übertopf. Außerdem müssen die Nachtschattengewächse im Herbst zum Überwintern in die gute Stube, denn sie sind echte Frostbeulen und mit allem unter 5°C extrem unzufrieden. Falls sich in der Sommerfrische die leidige Seiltanztruppe namens Spinnmilben eingefunden hat, kann man sich auch gern von den Pflanzen trennen und lieber einen Neuanfang aus Samen wagen. Gesunde Exemplare aber sind durchaus mehrjährig zu kultivieren.
Alles in allem sind Jalapeños robuste und fruchtbare Sträucher - einfacher im Umgang als Tomaten, auch handlicher. Dafür bringen uns die Paradeiser allerdings auch nicht zum Weinen.
Zum Glück ist Jalapeño-Schärfe aber ganz leicht zu dosieren: Es gibt drei Stufen, die je nach Sonneinstrahlung, der die Früchte ausgesetzt waren, variieren können:
1. Stufe: Sehr scharf: Ganze Frucht zerhacken und ins Essen werfen - und bloß nicht heulen, ich hab euch gewarnt!
2. Stufe: Mittelscharf: Frucht feinsäuberlich entkernen, die Samen kann man ja dann weiterverschenken oder aussäen. So wird die Sache schon viel milder.
3. Stufe: Für ganz Vorsichtige: Werden auch noch die weichen Häute entfernt, an denen die Samen wachsen, schmeckt es oft nur noch nach Paprika. Das ist aber langweiliger und beim besten Willen nicht mehr als Mutprobe zu werten.
Nachher auf jeden Fall gut Hände waschen und sich nicht die Augen reiben, denn das brennt in jedem Fall, auch wenn die Suppe nur wenig schmerzhaft ist.
Zu guter Letzt noch ein Tipp, wie man überzählige Früchtchen NICHT konservieren kann: Rohe Schoten im Ganzen durch den Mixer ziehen und unter Speise-Öl einschließen. Funktioniert im Kühlschrank höchstens wenige Wochen ohne grauslige Gärung - und echter Chilischnaps geht anders.
Das in den Chilis enthaltene Capsaicin soll übrigens wie Schokolade die Endorphin-Produktion anregen. Und das kann ja auch Frauen nicht schaden, oder?
