Samstag, 13. Juni 2026

Eine Frau sieht Rot

Anfang Juni, Fronleichnams-Feiertag in NRW und dadurch ein auf das Doppelte ausgedehntes langes Wochenende - mein Forscherdrang war geweckt! Nachdem ich es letztes Jahr nicht geschafft hatte, die Mohnbiene (Hoplitis papaveris) in Brandenburg noch einmal zu finden, wollte ich es jetzt wissen!

Schon auf der Hinfahrt gab es viele Mohnfelder und ich wurde schon ganz hibbelig. Endlich angekommen habe ich als erstes die Stelle durchsucht, wo ich 2024 Glück hatte und die überaus seltene Wildbiene gefunden habe. Aber nichts zu sehen. Die vielen Getreidelaubkäfer entschädigten etwas für die Schmach. Die sind ja die Clowns unter den Laubkäfern, finde ich. Während Maikäfer oder auch Gartenlaubkäfer eher behäbig wirken und gern irgendwo dekorativ herumsitzen, ist Chaetopteroplia segetum immer für akrobatische Turnereien an Grashalmen und Getreide zu haben. Er frisst nämlich auch die Blüten und die Samen von diesen Pflanzen sehr gern.






Aber wir wollen uns ja nicht ablenken lassen von diesen dicken braunen Knabbertieren. Also am nächsten Tag wieder nach Klatschmohn gesucht. Tatsächlich gab es eine Stelle, wo neben und in einer Kurzumtriebsplantage mit Pappeln, die zur Gewinnung von Holzhäckseln gepflanzt und dann nach ein paar Jahren wieder abrasiert werden, unfassbar viele rote Blüten zu sehen waren.

Und - jetzt wurde es aufregend - einige wirkten sehr angeknabbert und entstellt! Wenn da mal nicht die Mohnbiene ihr Markenzeichen hinterlassen hatte! Auf dem Sandboden kann man doch ausnahmsweise mal nicht gleich an Nacktschnecken glauben - oder?


Mohn braucht sie nämlich nicht nur als Pollenquelle, sondern er bietet ihr auch ihre liebste Tapete, mit der sie ihre Brutkammern im Boden formvollendet auskleidet. So erkennt man selbst die Gänge auf Anhieb. Mit ihren Mandibeln und Beinchen hängt sie sich oben an den Rand eines Blütenblatts und beißt ein Stück ab, das sie im Flug zu ihrem Nest bringt.

Der sandige Boden war so schütter bewachsen, dass man locker bis unten gucken konnte - und jetzt sah ich auch dort Rot! Ich fand einige Gänge, aber keine blauäugigen Bienen, die aus ihnen heraus schauten. Aber wer hockte denn hier ganz blauäugig am Blütengrund?

Die meisten Mohnbienen saßen nämlich in den Blüten, weil es ein bedeckter, nicht ganz so warmer Tag war.


Hier sieht es aus, als hätte sie vor lauter Langeweile schon Mikado mit den Staubblättern gespielt:


Auch auf Kornblumenblüten, mit denen sie manchmal in einem Anflug von kreativer Schaffenskraft den Mohn im Nest ergänzen, fand ich schlafende Bienchen.

Jetzt wusste ich ja, was ich am nächsten Tag zu tun hatte. Also Stelle merken und bei Sonne wiederkommen. So konnte ich einem Weibchen beim Zuschaufeln einer fertigen Brutkammer zuschauen - und sie währenddessen einem vorbeilaufenden Marienkäfer, der misstrauisch beobachtet wurde. Die Königsdisziplin aber, das Abnagen der Blütenblätter, blieb mir verborgen.



Das konnte ich dann abends völlig überraschend an einer ganz anderen Stelle fotografieren, wo mehr Kornblumen als Mohn waren, sodass ich die roten Kleckse besser nach Bienenweibchen absuchen konnte, ohne von zu vielen Möglichkeiten überfordert zu sein. Und tatsächlich hatten die Tiere hier auch nicht die Qual der Wahl, sondern nagten die verbliebenen Blüten in Grund und Boden.


Ich konnte sie bei der Beschaffung von Nistmaterial sogar fotografieren - Weltpremiere für mich!

Was für ein erfolgreiches langes Wochenende! Und man weiß wieder, warum man Bioprodukte kauft: Damit die extensive Landwirtschaft gefördert wird, die Mohnblüten zum Blühen bringt!

1 Kommentar:

  1. Guten Morgen Elke,
    da sind dir tolle Bilder gelungen. Deine Insektensuchen sind ja reinste Detektivarbeit. Und ich habe noch etwas gelernt, "Kurzumtriebsplantage" musste ich erst mal googeln. Ein wunderbares deutsches Wort. Kurzumtriebsplantage ... Kurzumtriebsplantagenbetreiber ... Kurzumtriebsplantagenbetreibergeehmigung ..
    Viele Grüße
    Susanna

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