Samstag, 27. Juni 2026

Ein neuer Storchschnabelfreund

Storchschnäbel (Geranium) sind so unfassbar praktisch! Schnecken finden sie grundsätzlich widerlich, sie sind frosthart und vermehren sich über Samen - wenn man nicht gerade eine dieser sterilen und teuren Sorten hat, wie die berühmte 'Rozanne', die aufgrund ihrer Samenlosigkeit einfach immer weiter blüht.

Sie gilt zwar nicht als Bienenweide für Spezialisten, aber die Schenkelbienen holen sich auch an dieser unfruchtbaren Sorte gern Nektar und schlafen in den blauen Blüten, genauso wie die Männchen der Glockenblumen-Sägehornbiene, wenn die keine geeigneten Glockenblumenblüten finden. Mit 'Rozanne' haben sie eine passende Partnerin gefunden, die immer geöffnet hat, nur leider kein richtiges Dach überm Kopf bietet.

Glockenblumen-Sägehornbiene

Schenkelbiene

Aber es gibt noch viel schönere und günstigere Storchschnäbel!

Für Trockenheit und Hitze eignet sich der Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum) sehr gut. Er ist heimisch und kommt in der Natur an trockenen, nährstoffarmen Plätzen vor. Bei ausreichend Platz und Sonne bildet er riesige Kuppeln aus mit pinkfarbenen Blüten. Es gibt auch dezentere Arten, die nicht nach Storchschnabel mit Warnweste aussehen, zum Beispiel 'Apfelblüte'. Pink, aber mit einer helleren Mitte ist - sic! - 'Elke'.

Grüne Scheinbockkäfer (Oedemera nobilis) lieben den Blut-Storchschnabel ganz besonders und bilden einen tollen Kontrast.


Die Storchschnabel-Blattwespe (Tenthredo koehleri) schläft gern im Wald-Storchschnabel. Ihre Larven fressen an den Blättern. Großen Schaden richtet sie nicht an.


Auch der Pyrenäen-Storchschnabel dient ihr als Schlafstätte. Geranium pyrenaicum ist überhaupt eine fanstastische Wildart. Ihre Blüten sind nicht groß, aber viele. Sie kommt wild vor und schleicht sich auch schon mal in den Garten. Ich hätte sie so gerne, aber zu mir kommt sie nicht.


Auch diese kuschelige Wollschweber-Schlafgemeinschaft konnte ich schon am Pyrenäen-Storchschnabel finden:



In den letzten Wochen sind mir in mehreren Gärten aber ziemlich durchlöcherte Storchschnabelblüten aufgefallen, vor allem am Blutroten, aber auch an anderen. In einem Garten waren sogar ziemlich viele Blüten zerkaut. Sollten Schnecken doch langsam Geschmack daran finden? Nach diesem Massaker hätten die Blütenschläfer jedenfalls nicht nur kein Dach überm Kopf, es würde auch noch ziehen wie Hechtsuppe.

Auch am Wiesen-Storchschnabel ist gefressen worden - die Grünen Schmuckwanzen sollten unschuldig sein, denn sie haben nur saugende Mundwerkzeuge, wirken hier aber sehr verdächtig:


Doch was ist das denn hier? Wer sitzt denn da in der Blüte?


In vielen Blüten fand ich schließlich einen dubios aussehenden Rüsselkäfer, der sich strategisch in die Blütenmitte gesetzt hatte, damit nur bloß kein Verdacht aufkommt, dass er diese Löcher fabriziert hätte!


Eine Recherche später stellte sich heraus, dass der niedliche kleine Kerl der Große Storchschnabelrüssler (Zacladus geranii) ist.



Da stellen sich mehrere Fragen: Gibt es auch einen Kleinen Storchschnabelrüssler? Woher kommt der Große so plötzlich? Er ist mir vorher nie aufgefallen, auch keine gestanzten Blüten. Ob er sich jetzt den Unmut der Storschschnabelfreunde zuziehen wird?

Angeblich wird der Käfer nach Norden hin seltener. Vielleicht ist er neu bei uns, Klimawandel sei Dank. Da der Storschnabel-Hype ja schon mal größer war und viel mehr Leute Geranium-Arten und -Sorten gesammelt haben, kann ich mir nicht vorstellen, dass er übersehen worden wäre.

Habt ihr den winzigen schwarz-weißen Käfer schon mal gesehen?


...ach ja: es gibt einen Kleinen Storchschnabelrüssler (Zacladus exiguus), der eher an kleinblütigen Arten gefunden wird. Der Große fühlt sich offenbar zu Höherem berufen und nimmt die großblütigen Arten, auch den Wiesen-Storchschnabel.

6 Kommentare:

  1. Ute Scholl-Dupre27. Juni 2026 um 10:08

    Guten Morgen, ich habe mehrere Geranium "Max Frei" in meinem Garten, denn die Pflanze versamt sich großzügig. Mir gefällt der dichte Teppich von kleinen lila Blüten. Insekten habe ich darauf noch nie beobachtet. Vielleicht mögen sie keinen Blutstorchschnabel?
    Grüße von Ute

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    1. Hallo Ute, das ist ja komisch, eigentlich ist Blut-Storchschnabel sehr beliebt bei Insekten, da sollte sich auch auf 'Max Frei' was finden lassen.
      VG
      Elke

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  2. Ich liebe Storchschnäbel und habe sieben verschiedene, aber alle Blüten sind heil. 🤔
    Ich werde sie mal im Auge behalten.
    Viele Grüße
    Susanna

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  3. Liebe Elke,
    dass Insekten in Blüten schlafen, habe ich auch schon beobachtet, ich dachte erst, sie seien tot, bis sie aufgrund der Störung davon brummten. Dieser Bockkäfer passt farblich ja wirklich super zur Geraniumblüte. Storchschnäbel kann man gar nicht genug haben, man wird schnell zum Sammler. Neu in unserem Garten ist die Sorte " Orkney Cherry ", sie hat unzählige kleine Blüten, und die Insekten lieben sie. Der Blutstorchschnabel kommt tatsächlich bestens mit Trockenheit und Hitze zurecht, ganz im Gegensatz zu " Rozanne ". Er bildet bei uns inzwischen, wie du es formulierst, richtige Kuppeln mit vielen Blüten.
    Fraßschäden habe ich an den Storchschnabelblüten noch nicht entdeckt, auf diesen Käfer kann ich gern verzichten.
    Jetzt muss ich mal meine Glockenblumen inspizieren, ob ich diese Glockenblumenbiene entdecke, ich hätte die nesselblättrige Glockenblume und die Persicifolia im Angebot. Ist die Biene da wählerisch ?
    Viele Grüße
    Inge

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    1. Liebe Inge,
      Nessel- und Pfirsichblättrige Glockenblume sind perfekt für die Glockenblumen-Spezialisten, die in den Blüten schlafen und dort Pollen sammeln.
      Viele Grüße
      Elke

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  4. Liebe Elke,
    du findest doch immer noch etwas zum Zeigen, das selbst bei dieser Hitze noch das Auge erfreut und zudem dekorativ ist. Mit Storchschnäbeln muss ich mich auch mal wieder beschäftigen. Ich habe zwar einige im Garten, aber gerade das neue Beet kann bestimmt noch welche vertragen.
    Herzliche Grüße und einen angenehmes Wochenende
    Elke

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