Samstag, 9. Januar 2021

Augen auf beim Zierapfelkauf

Zieräpfel sind immer noch im Trend, es gibt unüberschaubar viele Sorten in allen nur erdenklichen Größen, vom gestandenen Baum bis zum kleinen Strauch. Doch halten nicht alle Früchte gleich lang. Immer wieder wird geschrieben, die Früchte mancher Sorte würden nur bis zum ersten Frost ihre fröhliche Farbe behalten. Doch ich kenne einen Zierapfel persönlich, der braucht noch nicht mal Frost dafür, um seine ehemals gelben Äpfelchen, die eben noch aussahen wie frisch aus dem Supermarktregal, in etwas unappetitlich Braunes, Matschiges zu verwandeln.

Dieser Zierapfel nennt sich 'Golden Hornet' und steht in meinem Garten. Nun möchte ich diesem Baum wirklich nichts Böses, ich liebe ihn so heiß und innig wie seine Früchte ab November matschig sind. Nein, ich will eigentlich gar nicht über diesen im Frühjahr so blütenreichen Baum lästern, noch dazu öffentlich. Zum Glück hat mein Goldie keinen Internetanschluss und wird wohl nie erfahren, dass ich hier über ihn herziehe. Doch falls jemand von euch plant, sich einen 'Golden Hornet' zuzulegen, sollte er das wissen, denn nichts ist schlimmer, als einen mühsam gepflanzten Baum wieder herauszureißen. Man kann ihn ja nicht nach einem halben Jahr umtauschen, bloß weil einem die Fruchtfarbe nicht mehr gefällt.

Das hier ist 'Golden Hornet' Mitte Oktober: Ein Traum in Gelb! Noch..


Vier Wochen später, im November sind die gelben Äpfel immer noch in der Mehrheit (hier mit Mönchsgrasmücke), werden aber schon weniger:

 

Und noch später leuchten seine Äpfelchen den ganzen Winter über in putzmunterem Braun mit Stich ins Modrige, später sieht er aus wie eine Packung Trockenpflaumen. Vielleicht möchte er sich damit tarnen, damit seine Äste nicht Anfang Dezember als Versuch eines Barbarazweigs mit integrierter Fruchteinlage für die Vase abgeschnitten werden? Zumindest sehen ihn die Vögel so natürlich deutlich schlechter, als wenn er sich kilometerweit sichtbar mit makellosem Futter behangen anpreisen würde.

Macht aber nichts, sie finden ihn trotzdem, wenn auch als Geheimtipp, denn immerhin sind seine Früchte so schnell mürbe, dass jeder Schnabel sie bewältigen kann: Amseln, Meisen, Mönchsgrasmücken und auch das mit guten Zähnen ausgestattete Eichhörnchen langen hier gern zu. Und dafür liebe ich den Baum.

Denn die Mönchsgrasmücken versuchen gerade wieder, im Garten zu überwintern anstatt in den Süden zu ziehen. Und wovon sollten sich diese mit einem sehr feinen Insektenfresserschnabel ausgestatteten Vögel sonst ernähren, wenn nicht von weichen Zieräpfeln und den mundgerecht kleinen Hagebutten der Rosa multiflora? Da freue ich mich, dass mein Garten zu ihrem Überleben beiträgt.

Kein zahnloser Tiger ist dagegen der kapitale Kernbeißer mit dem ernsten Blick. Er schnappt sich einfach die ältesten Zieräpfel, die schon sehr nach Rosine aussehen, und kaut sie durch.


 


 

Dieses Bild hier ist übrigens dieselbe Stelle wie oben mit der Mönchsgrasmücke, aber aus dem Januar - man sieht, das Wort Zier in Zierapfel passt hier nicht mehr so recht:

 



Die Eichelhäher sind Besseresser und pflücken sich eher die letzten noch frischen gelben Früchte. Die sitzen auch schon mal zu fünft im Zierapfel herum und legen einen Obsttag ein.


Trotzdem gibt es bessere Sorten, was die Haltbarkeit der Äpfel angeht. Das hier ist 'Red Sentinel'. Der sieht immer noch blendend aus, und das im Januar. Auch hier beißen die Amseln gern Stücke ab, obwohl er so knackig aussieht.




 

Sehr lecker sind die Früchte von 'Butter Ball', sie sehen aus wie die vom 'Golden Hornet', schmecken aber besser, nämlich frisch vom Baum köstlich. Auch sie halten sehr lange am Baum.



Welche Zierapfelsorten könnt ihr empfehlen mit lang haltenden Früchten? Und wie ist dann der Vogelbesuch, wenn die Äpfelchen so lange frisch bleiben?

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Und jetzt gibt es noch eine Buchvorstellung! Ich wollte mal genauer wissen, was in meinem Gartenboden so los ist und ob ich alles richtig mit ihm mache. Daher habe ich das Buch "Der Boden - das verborgene Universum zu unseren Füßen" von Ina Sperl, erscheinen im Gräfe&Unzer-Verlag gelesen.

 


Man erfährt hier nicht nur etwas über Garten- und Ackerboden, sondern vor allem darüber, wie wichtig der Boden wirklich ist und in welchen Gefahren er schwebt. Von der Versiegelung für Verkehr, Gewerbe- und Baugebiete bis hin zu Fracking muten wir ihm ziemlich viel zu. So kann er seine eigentlichen Aufgaben, wie Schutz vor Hochwasser durch Aufnahme von Regenwasser und Klimaschutz durch Speicherung von CO2 über den Humus nicht mehr erfüllen. Ökosystemdienstleistungen nennt man diese Wundertaten, die ein gesunder Boden vollbringen kann. Diese können gar nicht hoch genug bewertet werden, werden aber oft ignoriert. Auch die konventionelle Landwirtschaft trägt wenig dazu bei, dem Boden Humus zuzuführen, stattdessen werden Pestizide und zuviel Dünger verwendet, die das Bodenleben schädigen. Zuletzt zerschneidet der Pflug noch viele Regenwürmer. Dabei könnte man mit biologisch bewirtschaftetem Boden viel gegen den Klimawandel und für das Bodenleben tun.

An diesem Buch gefällt mir, dass immer wieder Experten zu Wort kommen, wie zum Beispiel  Charles Dowding, der schon seit Jahrzehnten seinen Garten nicht mehr umgräbt und trotzdem oder gerade deswegen eine gute Gemüseernte erreicht.

Im letzten Kapitel lernt man, was man im Garten alles tun kann, um das Bodenleben zu fördern. Da mache ich zum Glück schon sehr viel richtig.

Gefehlt hat mir, dass die einzelnen Bodenlebewesen nicht nur am Rande vorgestellt werden. Hier hatte ich mir ein ausführlicheres Kennenlernen erhofft.

Aber ansonsten weckt das Buch das Verständnis für den Boden und für die Gefahr, in der er jeden Tag schwebt. Jeder bekommt Anregungen, was er für das Wohlbefinden der Welt unter unseren Füßen tun kann - und wenn es nur darin besteht, Biolebensmittel zu kaufen.

Kommentare:

  1. Oje, da bin ich keine Hilfe. Mir war gar nicht so richtig bewusst, dass es verschiedene Zierapfelsorten *gibt*. Stimmt schon, es sieht nicht sooo attraktiv aus - aber wenn ich dafür so tolle Vögel wie Kernbeißer im Garten hätte, würde ich auch absichtlich einen Trockenpflaumenbaum pflanzen! :D
    Deine Fotos sind übrigens toll. Vögel sind ja berüchtigt für ihr hektisches Wesen, aber bei dir sehen sie aus, als würden sie für die Kamera posieren.
    LG
    Centi

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  2. Moin Elke!
    Ich musste jetzt erstmal in meinem Gartentagebuch nachschauen... letzten September habe ich Malus toringo "Scarlett" gekauft. Die roten Früchte sahen lange gut aus.
    Dann habe ich schon einen Zierapfel im Garten gehabt, aber 2 -3 Jahre nicht gewusst, dass es einer ist! Er musste erst umgepflanzt werden um zu zeigen, dass er blühen und fruchten kann. Nur durch Zufall habe ich ihn in einer englischen Gartensendung gesehen, aber der Name ist schon wieder weg. 😂 Jedenfalls hat der auch nur kleine, erbsengroße gelbe Früchte, die auch lange gut aussehen.
    Ich freue mich auch immer, wenn die Vögel an den Früchten rumzupfen. Bei mir sind es meistens Amseln. Auf deinen Kernbeißer bin ich schon neidisch!
    Liebe Grüße
    Daniela

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  3. Hallo Elke,
    meinen großen Red Sentinel hatte ich wg. der lange am Baum haltenden roten Äpfelchen ins Beet gesetzt, doch schmeißt er recht früh alle Früchte ab. Aber nun habe ich ja eine leckere Verwendung dafür gefunden. ;-) Der Bonsai "Red Sentinel" im Topf hält heute noch seine wunderschönen Früchte fest, keine Ahnung warum der das besser kann als der große. Mein erster Malus "Rudolph" besticht durch eine spektakuläre Blüte, aber die kleine Äpfel hängen ebenfalls braun und verschrumpelt am Baum, doch die Vögel freut es. Beim "Coccinella" finde ich die Laub- und Blütenfarbe klasse, die kleinen Früchte ebenfalls, aber die sind mittlerweile alle abgefallen.
    Ich suche auch noch einen schönen Zierapfel, den ich im Frühjahr verschenken will. Vielleicht finde ich hier meinen Favoriten. ;-)
    Lieben Gruß und ein feines Wochenende, Marita

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  4. Hallo Elke , danke für die Sortennamen, denn ich überlegte auch mir den gelben zu kaufen. Leider weiß ich nicht wie mein Zierapfel heißt, er hat immer noch orangerote Früchte die an den Zweigen hängen und nun langsam abfallen. Die Amseln verzehren sehr gern die Früchte.
    Einen Baum kaufte ich wegen der tollen rosa Blüte im Frühling, aber die Früchte sind zu klein und daher nicht zu empfehlen. Liebe Grüße von Frauke

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  5. Hallo Elke,
    Zieräpfel sind einfach genial, auch wenn manche optisch unseren Ansprüchen nicht zu 100% gerecht werden. Wichtig ist das die Insekten und Vögel eine Nahrungsquelle haben!
    In meinem Garten steht auch so ein Bäumchen, dessen Sortennamen ich nicht weiß. Dieser Kerl hat eine Wuchsform die nervt! Da wurde nämlich ein Säulenapfelbaum veredelt auf ein Stämmchen das eh schonfast 2m aufweisen kann. Mehrmals im Jahr muss ich zur Astscheere greifen damit er nicht endlos in den Himmel wächst. Bestellt hatte ich einen Baum der rosa blühen solte und rote Früchte trägt. Mit der Blüte hat es geklappt, doch die Früchte zeigen mehr braun als rot, er sieht Deinem ähnlich, lediglich schrumpeln die Früchte nicht.
    Ansonsten wohnt noch der Red Sentinel und Evereste in meinem Garten. Letzterer ist ein Schatz, reiche Blüte und tolle Früchte, die ihre Farbe von gelb/orange in Apfelbäckchen verwandeln. Er sieht aktuell noch prima aus, doch demnächst wird er wohl als Gaumenschmaus herhalten müssen.
    LG...Stephanie

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  6. Hallo Elke,
    also so gelbe, leuchtende Äpfelchen sehen wirklich ganz reizend aus. Im Herbst. Jetzt finde ich gerade deine maroden, farblich angepassten Äpfel schön. Stell dir vor im Schnee leuchten gelbe Früchte,das sähe doch aus, als hättest du deinen Apfelbaum mit kleinen Kristbaumkugeln verziert. Irgendwie unnätürlich. Und gefressen werden sie ja auch in schickem Moorleichenbraun. Was will man mehr....

    Liebe Grüße, der Achim

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  7. Wir haben einen Butter Ball im Garten. Leider ist er noch sehr klein und hat keine Früchte - so sind matschige Früchte besser als keine. Wir haben noch eine Scarlett im Garten - ein bezaubernder Name und im Frühling bildet er knallpinke Blüten, die wunderbar zum dunklen Laub aussehen. Im Herbst sind die Zeirapfel allerdings lila und heben sich vom Blatt nicht ab. Die Vögel essen die Beeren sehr gern - und das ist doch die Hauptsache.

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  8. Hallo Elke,
    ich hatte immer den 'Golden Hornet' im Topf auf dem Balkon. Was die Amseln nicht geholt hatten , leerten wir Anfang März ab. Sie waren sehr oft auch im Februar noch gelb. War nun leider eingegangen. Ich konnte ja im März nicht zum Gärtner, also bestellt, falsch geliefert, nun habe ich 'Red Sentinel'
    Liebe Grüße, Helga S.



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  9. Ich habe erst meine Zieräpfel beschriftet, weil ich nicht mehr wusste, dass ich bereits einen "Red Sentinel" mein Eigen nennen kann. Peinlich!
    "Evereste" kann ich auf empfehlen. Meine beiden Minis "Tina" und "Pomzai" halten nicht so lange, sind aber auch ein Hingucker. Vögel habe ich mal wieder so gut wie keine im Garten. Also bleiben die Früchte erhalten.
    Ich bin ein großer Zierapfel-Fan!
    Viele Grüße von
    Margit

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  10. Meinen Red Sentinel musste ich leider in Freiberg zurück lassen und dort hat ihn meine Mieterin entfernt. Aber die roten Äpfel haben mir sehr gefallen. Nun ist der große Apfelbaum hier gut fürs Vogelkino. Inzwischen sind alle Äpfel am Baum angeknabbert. Besonders nach dem ersten Frost werden sie interessant. Mein Sohn hat heute berichtet, was sich da alles abspielt...wenn der Unterricht online zu langweilig ist, schaut er eben dort rauf....;-))
    LG Sigrun

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  11. Liebe Elke,
    wir haben bisher gar keinen Zierapfel im Garten, aber diesen 'Golden Hornet' hätte ich gerne, denn eine Frucht, die so gut ist für die Vögel, kann auch selbst nur gut sein. Da interessiert mich dann das Aussehen überhaupt nicht.
    Ich wünsche Dir noch eine schöne Restwoche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  12. Liebe Elke,
    wir haben hier Red Sentinel und Golden Hornet, für den ich jetzt mal eben eine Lanze brechen muss. Bei uns sind die Äpfelchen immer noch prall und schön gelb, dieses Jahr sind sie sogar besonders groß. Eine Nachbarin hat schon gefragt, ob das eine Quitte wäre ;-)
    Liebe Grüße
    Karen

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