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Samstag, 30. März 2024

Was Kohl alles kann

Ich hatte doch im Januar von meinem blühfaulen Palmkohl erzählt, der jetzt seinen zweiten Frühling erlebt, und das ist durchaus wortwörtlich zu nehmen. Letztes Jahr hat er nicht geblüht und ist auch nicht abgestorben, der macht weiter bis zum Umfallen.


 

Nun, ein paar Wochen später war er dem Umfallen allerdings bedenklich nahe gekommen. Ich weiß nicht, was es war, ob Frost oder ein Pilz, jedenfalls senkten sich die hübschen Palmwedel auf dem Stiel plötzlich wehleidig und gelblich herab und irgendwann schimmelte der ganze Kopfschmuck. Und zwar bei beiden Pflanzen, die in getrennten Töpfen wachsen. Man hätte jetzt die Schere ganz weit unten ansetzen können, um das müffelnde Mahnmal ein für alle Mal zu beseitigen. Aber ich bin ja neugierig, also habe ich nur die maroden Blätter und die gammelnde Spitze am Stiel entfernt.

Irgendwie sah das auch so aus als wären da schlafende Knospen vorhanden. Und das war auch so! Zur Sicherheit habe ich den Topf noch mit organischem Flüssigdünger gegossen. Die schlafenden Knospen sind jetzt prächtig ausgetrieben und nun habe ich etwas, das einem Rosenkohl oder eher einem Flower Sprout zur Ehre gereichen würde. 








Flower Sprout ist eine Kreuzung aus Rosenkohl und Grünkohl. Statt der kugeligen Seitensprosse, die ich nicht mag, wachsen dann winzige Grünkohle aus den Seitenknospen. Das klingt schon attraktiver auf dem Teller.

Mein Palmkohl sieht nun genauso aus, nur dass er oben kahl ist.

Der kleinere Palmkohl schafft das auch, der ist nur etwas zögerlich:

Jetzt bleibt nur noch die Frage: Wird er dieses Jahr blühen oder nicht? Wenn, dann wären das wohl ganz viele kleine Blütentriebe über den Stiel verteilt. Ich bin gespannt. Wer sagt eigentlich, Kohl wäre langweilig?


Samstag, 20. Januar 2024

Die Blütenwette

Jeden Winter findet in Bielefeld die Eiswette statt - wird der Obersee zufrieren und Glühweinbuden und Eisläufer aushalten? Meist klappt es nicht, aber manchmal ist es doch kalt genug.

Und während die Eiswette wieder in vollem Gang ist und draußen wirklich Eiseskälte herrscht, fällt mir eine ganze andere, eher frühlingshafte Wette ein - und die hat mit meinem gerade tiefgefrorenen Palmkohl zu tun.

Der steht seit mehreren Jahren im Kübel an der Hauswand und letztes Frühjahr hätte er blühen und absterben sollen, wie es ein braver Palmkohl nun mal üblicherweise so tut. Aber offenbar hatte er vergessen, wie das Blühen geht, und ist einfach weitergewachsen. Die Insekten fanden diese Arbeitsverweigerung blöd, aber ich hatte dadurch immer noch etwas zum Ernten zur Hand. Ich verwende einzelne Blätter gern als Beigabe für den Wok, zum Beispiel in einer scharfen Sauce aus Erdnussbutter mit Chili. Oder mit Champingnons und Zweibel angebraten zu Spaghetti mit Walnusspesto - damit auch ein bisschen Grün an dieses eher fahle, aber leckere Gericht kommt.










Es gibt sogar noch einen kleinen Bruder, der ihn sich zum Vorbild genommen hat, wie kleine Brüder das so tun, und auch nicht geblüht hat.


Und so sieht er nach den paar Jahren, die er nun im Kübel ausharrt, mittlerweile wirklich aus wie eine Miniatur-Palme.


Dieses Jahr wird es also spannend: Wird er blühen oder weiterhin so tun, als wären alle Palmkohle auf der Welt steril und immergrün? Im Beet wachsen längst seine Geschwister, die ich nach seiner Blühfaulheit aus alten Samen heranziehen musste, nämlich denen von der Mutterpflanze, der auch er entstammt.

Vielleicht habe ich eine art ewigen Palmkohl gezüchtet, schließlich gibt es ja Ewigen Kohl, der lange im Beet stehen kann. Ich liebe ja ausdauernde Gemüse, und das wäre schon was Feines, wenn er überleben würde.

Was meint ihr, wird er blühen oder weitermachen wie immer?

Samstag, 29. Juli 2023

Die Duftwolke

Wenn man Kohl pflanzt, hat man gleich ganz viele Freunde. Kleine, weiße, fliegende Freunde: Die Kohlweißlinge legen ganz bald Eier an die Pflanzen.





Dieses Triumvirat, das sich geschickt als Kunstwerk tarnt, sieht immerhin sehr hübsch aus:

 

Den Kohlweißlingen entgeht so schnell nichts. Doch halt - entgeht ihnen wirklich nichts?

Während die Palmkohlpflanzen im Beet schon reichlich perforiert daherkommen, was nicht an den Schnecken liegt, sind die beiden älteren im Kübel noch fast unversehrt. Nur ein paar kleine Raupen waren dran, die sehr schnell parasitiert wurden. Ansonsten legt kein Kohlweißling Eier daran ab. Erst dachte ich, das liegt am Alter der Pflanzen, denn ich berichtete ja, dass sie im Frühjahr das Blühen vergessen haben und deshalb immer noch leben. Doch dann kam mir die Erleuchtung und ich glaub, ich bin da etwas auf der Spur!

Die nicht angenagten Palmkohlpflanzen sind nämlich umzingelt von Minze und Tomaten. Die Falter fliegen oft direkt an ihnen vorbei, doch der Kohl scheint für sie nicht zu existieren, er ist unsichtbar. Diese Tarnkappe könnte tatsächlich der starke Minzgeruch sein! Kohlweißlingweibchen scheinen auch nicht über Teleskopnasen zu verfpgen, oft schleifen sie ihren dicken Hintern über alle möglichen Blätter, ob Erdbeere oder Kohl, und probieren, ob die Pflanze Senföle enthält. Wenn nicht, dann schnell weiter geflogen.







 

Bisher haben nur die Kleinen Kohlweißlinge Eier an den nicht durch Minze geschützten Pflanzen abgelegt. Sie legen zwar nur einzelne Eier, aber wenn das mehrere Weibchen tun, mach das den Kohl auch nicht mehr fett. Ich habe daher schon mehrere auf das Barbarakraut umgesiedelt, wo sie ganz flexibal weiterfutterten.


Da man kaum andere Schmetterlinge fliegen sieht, möchte ich mir die Halbgötter in Weiß ja nicht vergraulen, sie dürfen daher andere Pflanzen futtern.

Hier spielen zwei Raupen Eisenbahn auf der Blattrippe, so hoffen sie nicht aufzufallen. Die hintere hat sich schon gehäutet, die vordere muss es bald tun. Man sieht es an dem im Verhältnis zum Körper viel zu kleinen Kopf.


 

Habt ihr das auch schon beobachtet, dass aromatisch duftende Pflanzen den Kohl vor Kohlweißlingen schützen?

Samstag, 1. Juli 2023

Palmen im Beet

Gemüse im Blumenbeet - das kann so schön aussehen, vor allem mit Grünkohl. Es gibt fantastische rote Sorten oder Palmkohl mit seinen eleganten schmalen Blättern. 


Da gefällt mir auch die Farbe sehr gut, dieses edle Blaugrün zusammen mit der Textur ist immer ein Knaller im Beet. Leider hatten die Schnecken bisher immer etwas dagegen, sie wollten kein Gemüse im Blumenbeet, oder wenn dann nur kurz, bis sie es verspeist haben. Und so waren immer alle Palmkohlsämlinge kurz nach dem Einsetzen gefressen, ob mit oder ohne Schal aus Schafwolle, Kaffeeprütt drum herum oder was auch immer an Wundermitteln noch bekannt ist.

Meine selbst gezogenen Pflanzen gehen alle auf die Samen dieses einen Kohls zurück, den ich vor vier Jahren gerettet habe. Von ihm habe ich Nachwuchs gezogen.

Da ich es leid war, Kohl als Köder für die Schnecken zu pflanzen und nie selbst ernten konnte, außer im Kübel als Hochsicherheitstrakt, habe ich dieses Jahr etwas anderes versucht: Die Kohlpflanzen standen so lange im Topf, bis sie groß genug schienen. Gesät habe ich sie schon im Februar, was irgendwie keinen besonderen Geschwindigkeitsvorteil gebracht hat. Keimen tun Kohlsamen immer rasend schnell und schneller als Tomatensamen, aber nach dem Ausbilden schöner Keimblätter will gut Ding Weile haben. Während Tomaten dann so richtig loslegen, lehnt sich Kohl erst einmal zurück und scheint nachzudenken oder an den Wurzeln zu arbeiten.



So sahen die Pflanzen dann jetzt im Juni aus:


 

Also ab ins Beet damit! Einer ist in den Vorgarten gekommen, wo der Bärlauch gerade gelben, müffelnden Mulch macht. Jetzt, wo er einzieht, kann ich den Kohl dazu pflanzen. Bis zum Frühjahr wird er so groß sein, dass der Bärlauch ihn nicht mehr überwachsen kann. Das ist nämlich das Problem bei Bärlauch: Er ist ein tolles, einfaches Dauergemüse, aber du darfst kein anderes Gemüse neben ihm haben. Ach, was red ich, du darfst die meisten Stauden nicht mal neben ihm haben. Aber das ist eine andere Geschichte, auf die ich später noch einmal zurückkommen werde.


 

Nun steht der Kohl also im Beet und ich wünsche ihm alles Gute. Ein Ei vom Grünaderweißling ist schon dran, aber das ist in Ordnung, besser als Schnecken. Jetzt steht er bereits ein paar Nächte dort, und obwohl es geregnet hat, ist er noch da - das, was man hier an Fraßspuren sieht, ist ihm schon im Topf zugestoßen. Aber auch da war er schon zu groß, um komplett vernichtet zu werden.




Die Kohlkandidaten im Beet müssen jetzt bitte auch unbedingt was werden, denn die letztjährigen Anzuchten haben dieses Jahr einfach das Blühen vergessen und stehen immer noch im Kübel herum... So kommt man natürlich nicht an neue Samen.


Palmkohl soll doch maximal zweijährig sein, aber entweder mir ist eine ausdauernde Züchtung gelungen oder er wird eben dreijährig und muss nachsitzen, bis er das Blühen gelernt hat. Grünkohl im Juni ist doch auch mal was. Mein Garten ist eben speziell.

Samstag, 24. September 2022

Urlaubsfrische - und dann? Alles frisch im Garten?

"Der gewünschte Gärtner ist zur Zeit nicht erreichbar." So oder ähnlich werden meine Gartenbewohner den Urlaub empfunden haben, denn es kam niemand mehr mit der Gießkanne vorbei, um die Dürre bei den Stauden zu lindern, nur die Töpfe hatten alle paar Tage einen Gießdienst. Zum Glück bekommt man von den Hilferufen nichts mit, wenn man nicht zuhause ist. Man muss ihnen auch nicht anworten mit einem herzlichen "Nach meiner Rückkehr am 17.9.2022 werde ich Ihre Nachricht umgehend bearbeiten. In besonders dringenden Fällen können Sie sich auch an die Unwetter-Zentrale wenden."

Es kam dann dankenswerterweise doch anders. Während der ersten Urlaubswoche war es tatsächlich noch viel zu trocken, der Phlox hat einige Triebe notgeschlachtet und stillgelegt, also vertrocknen lassen, um die anderen zu retten. Doch dann regnete es endlich ausgiebig. Die Fette Henne ist trotzdem haltlos in alle Richtungen auseinandergefallen und sieht wieder mal aus wie eine große rosafarbene Krake, aber das tut sie auch, wenn ich dabei bin.

Dafür gab es auch einige positive Überraschungen: Der Kaukasische Rankspinat (Hablitzia tamnoides), eine essbare Staude, die ich im März in den Schatten an der Terrassenwand neu gepflanzt habe (aus einem Ablger, er lässt sich sehr gut teilen!), hat endlich zugegriffen und das Rankgerüst entdeckt. Nach etlichen Monaten hat er gelernt, wie man rankt. Ich muss ihn also doch nicht zur Schulung schicken. Er nimmt dazu die Blattstiele und wickelt sie um den Rankobelisken. Na, geht doch!




Der Palmkohl im Topf hat wie auch die Tomaten den Luxus einer Tropfbewässerung genießen dürfen musste sich also rein gar keine Sorgen machen im Urlaub. Außer über Kohlweißlinge und Schnecken, aber die haben ihn offenbar in Ruhe gelassen. Sogar sein kleiner Bruder (rechts im Bild), der schon mehrfach von Schnecken komplett gefressen wurde, hat sich noch mal an neue Blätter herangewagt.



Der Staudensellerie, arg bedrängt von Purpur-Leinkraut, ist auch so ein Knaller. Gezogen aus einem Gemüserest hat er den Sommer im Kübel verbracht und ist jetzt wieder so groß, dass man noch mal ernten kann!


Die Etagenzwiebel setzt noch einen oben drauf und die Herbstzeitlose hat es dieses Jahr tatsächlich zu drei Blüten gebracht, ohne von den Schnecken gefressen zu werden:

Die Oca im Topf hat sich wie eine grüne Flutwelle über die Terrasse ergossen. Die Blätter schmecken herrlich nach Sauerampfer, aber eigentlich möchte ich ja später die Knollen ernten. Wie viele es wohl werden bei der irren Blattmasse?

 

Der Zierapfel musste den Rasen in meiner Abwesenheit unbedingt mit Äpfelchen zuschmeißen. Ein paar habe ich gleich dazu benutzt, den nicht mehr taufrisch aussehenen Trockenstrauß im Tontopf zu ersetzen und die Äpfel einzufüllen. Dieses Arrangement kommt mit und ohne Strauß ganz ohne Heißkleber und Steckschaum aus. Im Topf sind Abschnitte und Reste von Lavendel- und anderen Stielen, um die hineingesteckten Blumen und jetzt die Äpfel festzuhalten. Ich mag es nämlich nicht, perfekt kompostierbare Dinge mit Heißkleber, der aus Kunststoff besteht, in Restmüll zu verwandeln.

Links Original-Topfschmuck vor dem Gammel, rechts mit Nachfüll-Deko:


Und so ist der Urlaub mal wieder gut gegangen, ich bin erholt und der Garten auch. Ich mache mir da vorher immer große Sorgen, ob die Pflanzen ohne mich auskommen werden, aber es hat ja dann endlich geregnet, uff!

Samstag, 11. Dezember 2021

Klitzekleiner Kohl

Mein Garten ist gar nicht hipp. Auch nicht trendy. Im Gegenteil, der ist total hinterwäldlerisch, obwohl er in der Großstadt liegt, denn ich habe keine Hochbeete. Man braucht auch keine, um Gemüse anbauen zu können, der Gartenboden tut es genauso, oder wie bei mir, große Kübel auf der Terrasse. Denn irgendwie will diese große freie Fläche an der Hauswand ja auch begrünt werden. Die Beete sind ja leider meistens zu voll für Gemüse, weil ich Stauden auch so gern mag.

Dummerweise mache ich mit meinen wirklich großen Kübeln aber genau dasselbe, was ich mit den Beeten mache, nur eine Etage höher: Ich packe sie zu voll. Normalerweise wachsen da nur die Tomaten drin, dann habe ich Minze dazu gepflanzt, schließlich hatte ich die Schnapsidee mit dem Palmkohl. Denn der hat ja Geschichte: Vorletztes Jahr hatte ich ihn vom Kompost gerettet, letztes Jahr hat er geblüht, danach ist er planmäßig abgestorben und ich konnte Samen ernten. 

So schön sah die Pflanze im Frühjahr 2020 aus:

 




Sofort habe ich die Samen ausgesät, aber die sibirische Woche dieses Jahr im Februar hat die Pflanzen erfrieren lassen. Also im Frühjahr noch mal von vorn. Die Jungpflanzen habe ich nach hinten in die großen Kübel gesetzt. Und die Rechnung ohne die Tomaten gemacht - und ohne die Minze. Natürlich.

Die wurden dann vorn so groß, dass der arme Palmkohl kaum Licht bekommen hat, geschweige denn Luft zum Atmen. So sieht er jetzt aus:



Gut, eine ganze Mahlzeit wird das nicht, aber als Zugabe zum Wokgericht kann man sich die unteren Blätter doch vorstellen.



Es geht in der Tat auch noch kleiner und mickriger, der hier steht in einem anderen Topf:


Wie jeder weiß muss das eigentlich so aussehen, aber das ist mir nicht gelungen:


"Probleme" mit Kohlweißlingen hatte ich übrigens nicht. Vielleicht ist die Pflanze einfach zu mickrig gewesen, die haben ja auch ihren Stolz. Die Fraßstellen, die man auf den Bildern sehen kann, sind eher auf Schnecken zurückzuführen. Am Barbarakraut, das dieses Jahr in einem anderen Kübel gut gewachsen ist, hat der Grünaderweißling etliche Eier abgelegt, aber keine Raupe ist groß geworden. Ich möchte mal wissen, was da immer passiert. Aber so eine kleine Wildkamera gibt es wohl nicht...

Zurück zum Kohl und den kulinarischen, oder besser, den Gewissensfragen: Die größte der Kohlpflanzen lieber nicht komplett abernten, damit sie blüht, oder macht mir dann wieder ein ganz fieser Frost einen Strich durch die Rechnung? Wenn man das nur wüsste...