Samstag, 3. Oktober 2026

Trügerische Ruhe

Es wird Herbst, und einige während der Hitze und Dürre vertrocknete Stängel der Akeleibättrigen Wiesenraute habe ich abgeschnitten. Nun wird der Blick frei auf angeblich unendliche Möglichkeiten: Wo der Bärlauch seit Monaten das Wuchern, wie es seiner Natur entspricht, eingestellt hat und unter der Erde verschwunden ist, könnte man glatt denken, dass da noch Platz im Beet wäre.

Das ist immer eine ganz gefährliche Zeit. Schon öfter habe ich an genau der Stelle im Herbst versucht, Astern anzusiedeln. Aber abgesehen von ein paar kläglichen Stängeln und noch weniger Blüten, die dann bald vollends hinüber waren – Bärlauch und Schnecken sei Dank – ist es mir nicht gelungen. Mein Garten stößt Astern ab, als wären sie etwas, das unter seiner Würde wäre. Er wirft mich lieber mit Bärlauch zu.

Diesmal aber hatte ich einen anderen Plan: Die Weiße Wald-Aster (Aster divaricatus) hat meinen Garten bisher gut überlebt, weil die Schnecken sie gar nicht so gern mögen wie andere ihrer Zunft. Außerdem verträgt sie mehr Schatten. Über die Jahre war der Horst schon ziemlich groß geworden, also habe ich mir gedacht, den teile ich mal und setze ihn zur Wiesenraute.



Schnell den Spaten geholt und beherzt drum herum gestochert. Obwohl die Aster anscheinend flach wurzelt, war das nicht einfach. Irgendwann hatte ich anstatt ein Stück abzustechen den ganzen Placken abgehoben. So war das nicht geplant gewesen. Und den konnte ich mit dem Spaten nicht halbieren. Ich habe dann ein altes Brotmesser geholt und den Horst durchgesäbelt. Nun hatte ich zwei. Beide dann getrennt voneinander wieder eingepflanzt und gut gewässert. Sie sehen ganz ok aus, jetzt Daumen drücken, dass das Teilstück bei der Wiesenraute dem Bärlauch davonwachsen kann.

Wo ich gerade schon den Spaten im Anschlag hatte, wollte ich auch noch die Mittelmeer-Wolfsmilch, die zu sehr im Schatten hockte, auf die sonnigere Seite setzen. Sie war mittlerweile so groß, dass der Bärlauch sie in Ruhe lassen muss. Weil sie aber zum Licht wollte und ich nicht gesehen habe, wie schräg der Stamm wirklich war, habe ich erstmal an allen möglichen Stellen herumgehebelt, ohne sie zu fassen zu bekommen, dafür aber kleinere Stauden darunter ziemlich genervt.

Irgendwann hatte ich sie in der Hand, allerdings ziemlich wurzelnackt, sprich: Gänzlich ohne Feinwurzeln. Oh Schreck! Wie konnte das sein? Waren die alle abgerissen? Tja, es musste ja so kommen: Sie welkt nun vor sich hin und ob sie sich jemals wieder erholt, sei mal dahingestellt. Vielleicht habe ich ihr jetzt, anstatt sie von ihrem Schattenplatz zu erlösen, ihr Grab geschaufelt.

Nur dieser kleine, abgebrochene Ast scheint sich als Steckling profilieren zu wollen:

Wenigstens gab es aber noch eine sehr einfache Pflanzaktion: Auf dem Blog Wurzerls Garten habe ich eine Rose von Galarosa gewonnen! Ich durfte mir aussuchen, welche es sein soll, und musste sie nicht mal in irgendeinen Warenkorb legen, sondern der lieben Jeannette nur eine Nachricht schreiben.

Es war gar nicht so einfach, eine Wahl zu treffen, aber ich habe mich dann mal für einen Herrn entschieden, nämlich die historische Bibernellrose 'William III'. Es ist die kleinste der Bibernellrosen-Sorten, soll keine volle Sonne benötigen, kommt mit schlechten Böden klar und blüht leicht gefüllt violett bis rot. Der piekfeine Herr William hat ganz viele rote Stacheln an seinen Zweigen.




Auch wenn also die Wolfsmilch verloren ist, der Herr William wird schon anwachsen - vielen Dank an Wurzerl für die Verlosung und an Jeannette von Galarosa für die schnelle Lieferung!