Samstag, 31. Oktober 2026

Ausdauerndes Gemüse mit Sommerpause

Wer hat Angst vorm Hitzesommer? Mein Gemüse-Ampfer (Rumex patientia) anscheinend. Jedes Jahr zieht er sich irgendwann im Juni in den Boden zurück und erscheint erst im September wieder auf der Bildfläche, dann aber mit Macht und ganz besonders großen Blättern. Dieses Jahr konnte ich ihn auch sehr gut verstehen, ich hätte es gern genauso gemacht.

Ich habe die gigantomanische Grünpflanze aus Samen selbst gesät und großgezogen. Nun ist er schon drei Jahre alt und mächtig ins Kraut geschossen, außer im Hochsommer. Die ersten Jahre, als ich wir uns noch kennen lernen mussten, hat mich das etwas in Panik versetzt, dass er einfach mitten in der Saison in den Untergrund verschwindet, als hätte er etwas zu verbergen. Ich hatte erst Angst gehabt, dass er unter den Attacken von Nacktschnecken oder der Minierfliege Pegomya solennis einfach die Segel gestrichen hat.



Wer kennt es nicht: Pflanzen, die man selbst heran gezogen hat, wachsen einem besonders an Herz, und man möchte, dass es ihnen immer gut geht. Das gilt in besonderem Maße für Kandidaten, die man nur sehr schlecht käuflich erwerben kann oder die extrem teuer wären. Dieser Ampfer ist beileibe keine Prachtstaude, aber da ich ihn eigenhändig ausgesät habe, liebe ich ihn so, wie ihn nur eine Mutter lieben kann. Und ich habe sogar zwei davon.

Hier im Frühjahr mit Wiesen-Schaumkraut schaut er doch ganz prächtig aus, oder?


So sieht er jetzt aus:


Stauden, die man aus Samen zieht und die nur kurz im beengten Anzuchttopf bleiben, um dann ins Beet schnell freigelassen zu werden, sind auch viel robuster und trockenheitsverträglicher als große Pflanzen, die zu lange im Topf bleiben mussten. Sie haben es deutlich schwerer, im Gartenboden Fuß zu fassen. Sämlinge aber gewöhnen sich von klein an an das Substrat und ihre Nachbarn und können ihr Wurzelwerk sofort frei entfalten. Trotzdem zieht der Ampfer aber im Sommer ein und ich hoffe einfach, dass das alle seiner Art so machen und es nicht doch an meinem Garten liegt. Oder habe ich eine besonders wehleidige Sorte abbekommen? Liegt es am Ende an dem zugegebenermaßen wirklich entzückenden Veilchenblauen Sauerampfer-Spitzmausrüssler (Perapion violaceum), der als Larve in den Stängeln lebt? Wobei der kleine Käfer die Blätter nicht zum Absterben bringen sollte. Die Hitzetheorie ist wahrscheinlicher, finde ich.

Hier hat sich noch ein Kugelspringer versteckt

Als ausdauerndes Gemüse eignet sich dieser Ampfer aber wirklich gut, denn er ist langlebig und robust, man darf eben nur im Hochsommer keine frischen Blätter erwarten. Und so langsam ist seine Schonfrist auch um und ich sollte mich endlich trauen, auch mal ein paar Blätter zu ernten. Die Minierfliege ist nur immer schneller als ich und oft erscheint dann auch noch ein Ampfer-Blattkäfer an der Pflanze.

Ob er auch mal blühen wird? Vielleicht nächstes Jahr vor der großen Sommerpause?

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1 Kommentar:

  1. "... als hätte er etwas zu verbergen." :D Tja, wer weiß...? Dieses Jahr würde ich ohne Bedenken Hitze und Trockenheit verantwortlich machen. Wenn ich so große, saftige Blätter hätte, würde ich die auch einziehen!
    LG
    Centi

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