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Samstag, 14. September 2024

Kartoffelrosen-Katastrophen

Die Kartoffel-Rose (Rosa rugosa) ist eine kolossale Pflanze, die als einzige Wildrose - vermutlich auf der ganzen Welt - immerblühend ist. Sie bekommt einfach den Hals nicht voll. Erst öffnen sich riesige, meist pinkfarbene, selten weiße, Blüten, dann reifen die unglaublich dicken roten Hagebutten. Bis zum Herbst erscheinen immer noch neue Blüten. Sie wächst auf sandigen, salzigen Böden und treibt Ausläufer, befestigt also duftend Dünen. Wegen ihrer immer neuen Blüten, derer sie einfach nicht müde wird, hat sie Karriere gemacht. Alles an ihr ist einfach schön, das runzlige Laub, das dem der Kartoffel ähnelt, ist gesund, die Blüten angeberisch groß und duftend, die Hagebutten ebensolche Kolosse. Man kann sie essen und es ist weniger mühsam, das Juckpulver loszuwerden, als bei anderen Wildrosen.





Dummerweise ist sie in den Dünen dann auch eine mittlere Katastrophe, denn die befestigt sie ungefragt einfach sehr engagiert, auch gern in Naturschutzgebieten. Ob Ost- oder Nordsee ist ihr dabei wurscht, sie nimmt sich der sandigen Sache an und verdrängt mit ihren Ausläufern so manches heimische Dünengewächs.

Deswegen ist sie im Naturschutz nicht gut gelitten. Sie zu entfernen ist mühsam und man braucht Handschuhe. Grünlinge futtern die Samen aber ganz gern aus den Hagebutten, mancherorts sind die Kartoffelrosendünen daher erfüllt von ihren Rufen - und Grünlinge sind ja selten geworden. Aber vermutlich ist dies kein hinreichendes Argument, sie zu dulden, außerdem wachsen sie auch außerhalb von Schutzgebieten ganz hervorragend, und da nimmt sich der Sache niemand an.


Auch Spatzen versammeln sich gern in den stachligen Ästen.


In Innenstädten ist sie nicht so schlimm, dort habe ich sie zumindest noch nicht verwildert gesehen. Hier stören im Garten eher die Ausläufer, weswegen manche kleine Sorten auch zärtlich 'Roadrunner' genannt werden. Durch die Schösslinge bekommt man eine Kartoffelrose auch kostenlos, man muss nur einen abstechen und wieder einpflanzen.

Auch ich hatte mal eine, eine weißblühende. Vor zwanzig Jahren habe ich sie gepflanzt. Sie ist nur einmal in den ersten Jahren zum Nachbarn rüber gewandert, als sie noch jung und dynamisch war, danach hat sie sich das verkniffen. Sie wirkte auch immer viel zu schmächtig, war staksig und hat kaum geblüht. Vor ein paar Jahren habe ich sie entfernt. Nicht etwa ausgegraben, sondern einfach kurz überm Boden abgeschnitten. Sie kam nur einmal schüchtern fragend wieder und da hat sie mir sehr leid getan. Den neuen Trieb, für den sie ein halbes Jahr gebraucht hatte, habe ich trotzdem wieder abgeschnitten und seitdem ist Ruhe. Den Platz konnte ich gut gebrauchen, aber ihre Hartnäckigkeit und ihren Lebenswillen habe ich dennoch bewundert.

Ich denke, der Boden hat ihr nicht gepasst, es war nicht sonnig genug und da es Containerware war, hatte sie sich nie richtig an den neuen, ungebundenen Standort anpassen können. Wer weiß, wie lange sie überhaupt schon in dem Topf ausharren musste, bevor sie befreit wurde. Mit Ausläufern ist man vermutlich deutlich besser bedient als mit Topfware, die sind noch flexibel und unverdorben.

Irgendwie verbindet man Kartoffelrosen aber auch eher mit Meer und Dünen als mit nordrhein-westfälischen Innenstädten, oder? Auch wenn sie gerade da besser aufgehoben wäre als am Strand...


Samstag, 23. Juni 2018

My first Häcksler

/*In Zusammenarbeit mit IKRA*/ 
Wildrosen heißen meiner Meinung nach Wildrosen, weil sie im Mai wie wild mit ihren Ästen um sich schlagen und mir in kürzester Zeit den Garten vollwuchern. Eben noch senkrecht gehaltene Zweige lassen sich nach einem Gewitter plötzlich bis auf den Boden hängen und nehmen den Stauden die Sonne. Dieses Kunststück zumindest ist die Spezialität von Rosa x salaevensis. Auch nach dem Trocknen kommen die nicht wieder in die Senkrechte. Also muss ich spätestens im Juni die Schere in die Hand nehmen und die Widerspenstigen zurechtstutzen. Dabei kommt schnell ein riesiger Haufen stachliges Schnittgut zusammen. Dieses Mal war der Garten nach dem dreiwöchigen Kanada-Urlaub ganz besonders verlottert.

Die Kletterrose 'Manita' kommt trotzdem später dran, die muss erst noch zuende blühen:


Der Garten ist leider zu klein für einen großen Asthaufen oder eine Benjeshecke. Bisher habe ich die Äste daher immer mühsam in kleinere Stücke zerschnitten, damit möglichst viel in die Biotonne passt. Wie wild habe ich auf den Haufen eingehackt und konnte am Ende ewig die Stückchen aufsammeln, die noch auf dem Rasen herumlagen. Zum guten Schluss kam dann noch eine artistische Einlage, als ich in die Biotonne geklettert und auf dem Inhalt herumgehüpft bin, damit auch der letzte Rest noch hineinpasst. Knapp wurde es immer.

Damit ist jetzt Schluss. Ab sofort wird die Arbeit nicht nur einfacher, sondern ich kann nun das Schnittgut auch im Garten behalten, anstatt es zu entsorgen.

Ich habe nämlich einen nagelneuen Halbgott in Weiß zuhause - den ILH 3000 A Leisewalzenhäcksler von IKRA. Das Gerät wurde mir freundlicherweise von der Firma IKRA zum Testen zur Verfügung gestellt.


Walzenhäcksler zerschneiden im Gegensatz zu Messerhäckslern die Äste nicht, sondern quetschen sie. So entsteht Material, das man entweder zum Kompostieren oder zum Mulchen benutzen kann. Mikroorganismen haben bei diesem Zweig-Mus mehr Angriffsfläche. Vorher habe ich aber noch die Schnirkelschnecken herausgeschüttelt und das meiste ein paar Tage auf dem Rasen liegen lassen, damit Insekten eine Chance zur Flucht hatten.

Das Schnittgut lässt der Häcksler in eine große Wanne fallen, die man einfach abnehmen und entleeren kann. Aber Vorsicht: Beim Rausziehen des Behälters lässt die Maschine gern das Material, das sie noch zwischen den Zähnen hat, daneben gehen.


Ich war ganz begeistert, dass der Helfer auch dicke Rosenäste klein macht und dass er die Zweige selbstständig einzieht, wenn er sie einmal zu packen gekriegt hat. So kann man gut allein arbeiten: Während das Gerät noch auf dem einen Ast herumkaut, kann man schon mal den nächsten vorsortieren und bereit halten. Sogar Ranken vom Wilden Wein mampft er wie ein Kaninchen.




Nicht so gut funktionieren dicke Astgabeln ohne lange Zweige. Die rollen nur auf den Walzen herum und werden nicht gegriffen. Auch das mitgelieferte paddelähnliche Plastikteil zum Nachstopfen erreichte dieses hartnäckige Ding nicht, also musste ich es mit einer Metallstange (bei natürlich ausgeschaltetem Häcksler) heraus angeln. Dann habe ich es noch mal mit den spitzen Enden voran in den Schlund geworfen und mit einem Ast nachgedrückt - schon war das Teil gegessen. Beim nächsten Mal weiß ich, dass ich Verzweigungen noch weiter vorschneiden muss oder wenigstens einen längeren Hebel dran lasse.

Mit 92 dB ist der Häcksler leiser als die meisten anderen Geräte. Und das hier kommt am Ende dabei heraus:




Das Häckselgut ist schön klein geworden, ich habe es teilweise in den Komposter gegeben, den Großteil aber unter den Stauden und Sträuchern verteilt. Ich bin gespannt, wann es in beiden Fällen nicht mehr zu sehen ist.

Nach der Arbeit kann man das Gerät auf Rollen hinter sich herziehen, das ist auch praktisch.

Ich bin jedenfalls froh und dankbar über meinen Helfer. Wieder ein kleiner Schritt in Richtung Müllvermeidung und Kreislaufwirtschaft.

Samstag, 10. März 2018

Der Rest vom Fest

Wie heißt es immer? Man soll bei Rosen alles Verblühte penibel abschneiden, um die Nachblüte zu fördern. Die Pflanze soll sich schließlich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern weiterhin alles geben. Bei Wildrosen kann man sich allerdings entspannt zurücklehnen, die blühen sowieso kein zweites Mal oder bilden auch ohne Rückschnitt fortwährend neue Blüten, wie die Kartoffelrose.

Bei meinen Kletterrosen bin ich am Anfang auch immer ganz eifrig und rücke brav mit der Schere an. Später allerdings fange ich das Schludern an, denn die Stachelmonster sind so hoch, dass ich nur mit einer Teleskopschere an die verblühten Büschel herankommen würde. Die rosafarbene Manita lässt auch gern ihre alten Blütenlappen hängen und man erkennt nicht, dass sich noch Knospen zwischen den gammeligen Dingern befinden. Hier braucht es also Fingerspitzengefühl und eine feine Schere. Ohne mitten ins Beet zu steigen kriege ich die Feinarbeit sowieso nicht bewältigt.


Also läuft es am Ende darauf hinaus, dass die Damen machen können, was sie wollen. Die Nachblüte wird sowieso nie mehr so fulminant wie die erste, mit oder ohne Schnitt. So bilden sie also irgendwann Hagebutten, die im Winter in Orange oder Rot leuchten und wirklich schmückend sind.


Besonders schön sind die Hagebutten der Moonlight-Rose:



Leider interessieren sich die Vögel nicht die Bohne für die Früchte. Ganz anders die Wildrosen, die schnell leergefuttert sind.

Die Hagebutten sind aber auch extrem hart und mit dem Messer schwer zu halbieren. Die Kerne wären bestimmt lohnend für die Grünlinge, die sehr gerne Rosensamen knabbern, aber vielleicht scheuen sie den Aufwand mit der harten Schale.



Hier habe ich mal eine geteilt und das Fruchtfleisch probiert. Schmeckt gar nicht schlecht und man hat lange dran zu kauen. Kostenlose Wintervitamine aus dem eigenen Garten!


Da die Tiere die Hagebutten also nicht mögen, kann man sie guten Gewissens für die Deko abschneiden.

Ich lasse sie lieber, wo sie sind, und erfreue mich an den warmen Farbtupfern im Garten. Diesen Winter halten sie besonders lang. Das hier sind sie bei dem Kahlfrost neulich - und auch danach sind sie jetzt immer noch schön rot:



Nur das Rotkehlchen ist schöner:


So wird Faulheit oder fehlende Körperbeherrschung beim Beet-Turnen mit der Schere also doch noch belohnt. Ein Glück.

Samstag, 17. Juni 2017

Rosenhypochonder

Meine Gartenkarriere begann mit Wildrosen, da kann man wenig falsch machen, außer welche mit Ausläufern zu pflanzen. Oder Arten, die zu groß für einen Minigarten werden. Ich habe alle Varianten gesetzt, damit es bloß nicht langweilig wird.
Rosa multiflora


Später kam der Wunsch nach ungefüllten oder wenigstens nur leichtgefüllten Kletterrosen auf, die für die Bienen ein (gelbes) Herz haben. Also zog die rosafarbene Manita ein, die Moonlight auf der anderen Seite bekam ich zum Einzug geschenkt - gut, dass auch sie nicht vollständig gefüllt ist. Nur im Vorgarten darf es etwas repräsentativer zugehen, dort wächst die Rose de Resht. Sie wird zwar zu den naturnahen Gartenrosen gezählt, man sieht aber selten Insektenbesuch und auch Hagebutten setzt sie so nur wenig an.





Und was habe ich damals für ein Theater mit den beiden Kratzbürsten Manita und Moonlight veranstaltet, als sie ganz neu waren... Sie bekamen hausgemachte Banenenschalenschnitzel zu ihren Füßen gelegt, weil das gesund und nahrhaft sein soll. Warum soll nur ich Obst essen?

Mitte Juni gab es noch mal Rosendünger, damit nach der ersten Blüte bloß nicht schlappgemacht wird. Der Boden wurde immer schön gelockert, jedes kranke Blatt und jede alte Blüte von mir höchstpersönlich von ihrer Majestät entfernt.

Als bei Frau Manita ein kapitaler Ast daneben hing, war ich am Boden zerstört. Ich habe ihn wieder an Ort und Stelle zurückgehoben, mit Schnur umwickelt und so wuchs wieder zusammen, was zusammen gehört. Das Flickwerk hielt immerhin über ein Jahr, dann brach der Ast genau dort wieder ab.


Der Rosentriebbohrer war in meinen Augen eine große Katastrophe, mindestens vom Ausmaß eines Bahnstreiks zur Urlaubszeit. Der Blütenstecher, ein zum Niederknien niedlicher Rüsselkäfer, ruiniert vor allem die Wildrosenblüten, und ich habe die verlorenen Knospen kiloweise abgesammelt. Hier hängen sie traurig nach unten, weil Seine Niedlichkeit, der Blütenstecher, dran war:


Auch andere Schädlinge betrachtete ich mit Argwohn. Gift habe ich trotzdem nicht eingesetzt.

Heute bin ich viel gelassener geworden. Rosen sind auch nur Menschen, keine Zimperlieschen. Wenn man beim Kauf wenigstens auf gute Blattgesundheit achtet, blühen sie sich trotz aller Vernachlässigung die Seele aus dem Leib, wenn sie nicht völlig verschattet stehen.




Jetzt bekommen die Damen im Frühjahr wie alle anderen Pflanzen Kompost vor die Füße geworfen, Extrawürste gibt's keine mehr, auch keine Bananenschalen. Stirbt ein Ast ab, warum auch immer (und es gibt unermesslich viele Gründe), wird er eben entfernt und das Thema ist erledigt.

Kranke Blätter bleiben dran, auch aus Gründen des Selbstschutzes, denn ich komme ohne Kratzer oder Leiter oder beides gar nicht mehr überall hin. Der Blütenstecher kann machen, was er will, denn soviel Zeit habe ich auch nicht, ihn wirklich einzudämmen.

So, damit müssen sie jetzt klarkommen. Wie haltet ihr es mit den Rosen?

Samstag, 10. Oktober 2015

Hagebutten-Verkostung

Eine Weinprobe kann ja jeder, wir machen heute eine Weinrosenprobe! Unter anderem jedenfalls, denn auch alle anderen Hagebutten, die ich in meinem Garten abgreifen kann, nehmen teil! Leider hat die Kartoffelrose abgesagt, sie hat nicht eine einzige Frucht zustande gebracht. Ich werde den Verdacht nicht los, dass sie eine zweite Pflanze als Bestäuber braucht? Aber warum schaffen es die anderen Wildrosen, obwohl auch sie allein auf weiter Flur sind oder höchstens auf Klone von sich selbst ein paar Meter weiter treffen? Man weiß es nicht.



Hier nun die Aufstellung der Testkandidaten. Die Auswahl ist international. Neben heimischen Teilnehmern haben wir einen Athleten aus Nordamerika, die Glanzrose, und einen Wettstreiter aus Asien, die Büschelrose. Welche Hagebutte wird wohl am besten schmecken? Welche lässt sich am leichtesten küchenfertig zubereiten?


  1. Hundsrose (Rosa canina)
  2. Zimtrose (Rosa majalis)
  3. Büschelrose (Rosa multiflora)
  4. Rosa x salaevensis
  5. Weinrose (Rosa rubiginosa)
  6. Glanzrose (Rosa nitida
  7. Bibernellrose (Rosa spinosissima)

 
Mit einem scharfen Messer wurden die Früchte halbiert. Die Innenansichten bringen dies zutage:


Besonders gut Samen angesetzt haben die Weinrose und die Büschelrose. Letztere gibt sich sichtlich Mühe, möglichst viele Kerne unter wirklich optimaler Raumausnutzung unterzubringen.


Kein Wunder, beim Thema Fortpflanzung macht Rose multiflora so schnell keiner was vor. Fruchtfressende Vögel bekommen zwar viele Kerne, sofern sie diese aber im Ganzen schlucken, passieren sie den Vogeldarm unverdaut. Dabei erhalten sie nur wenig Fruchtfleisch. Daher knabbern die Grünlinge also lieber die Samen und lassen das Fruchtfleisch fallen.

Nun geht es an die eigentliche Verkostung. Die Kerne müssen vorher weg, was im Falle von Glanzrose und Rosa x salaevensis aufgrund des matschigen Fruchtfleischs nicht so einfach ist.

Hier das Ergebnis unserer Geschmacksprobe:

  1. Hundsrose: Süß-fruchtiger Geschmack
  2. Zimtrose: Sehr weich, fader Geschmack, wie erwartet nicht nach Zimt
  3. Büschelrose: Die Ausbeute ist gering, die harte Halbkugel aber fantastisch süß
  4. Rosa x salaevensis: Sauer, wenig Fruchtgeschmack, matschig
  5. Weinrose: Sauer und mehlig, aber leicht von Kernen zu befreien
  6. Glanzrose: Die Überraschung aus Amerika: Das wenige Fruchtfleisch, das man aus einer Hagebutte gewinnt, schmeckt herrlich nach Feige
  7. Bibernellrose: Außen schwarz wie die Nacht, innen blutrot: Dekorative Frucht mit rubinroten Kernen in dunklem Fruchtfleisch, das leider bitter schmeckt


Unsere Sieger sind nun ausgerechnet die auswärtigen Kandidaten, nämlich Glanz- und Büschelrose, dicht gefolgt von der heimischen Hundrose, die es immerhin auf Platz drei schafft und so zur Ehrenrettung der Mitteleuropäer beiträgt. Der Feigengeschmack der Glanzrose ist so überraschend wie köstlich. Leider hat der Strauch immer nur wenige Hagebutten. Die Büschelrose ist so süß wie sie aussieht. Bei ausreichend Langeweile könnte man aus den winzigen Dingern herrliche halbe Liebesperlen basteln, die ganz ohne Lebensmittelfarbe auskommen. Da man eher nicht auf die Idee kommt, diese zarten Früchtchen zu probieren, war das eine große Überraschung. Vielleicht bekommen die Amseln doch immerhin genug Zucker, wenn sie die Hagebutten im Ganzen schlucken.

Habt ihr schon probiert? Welche schmeckt euch am besten? Es gibt ja noch so viele Wildrosen, die ich nicht probieren konnte! Wie schmeckt Rosa glauca, wie Rosa woodsii? Schreibt mir! Ich bin auf eure Meinung gespannt.

Freitag, 21. Juni 2013

Wenn es Rosen regnet

"Für mich soll's rote Rosen regnen, mir sollten sämtliche Wunder begegnen." sang Hildegard Knef einst ganz selbstbewusst und unbescheiden daher. Nun, dagegen hätte ich auch ich nichts einzuwenden, vor allem die Geschichte mit den Wundern klingt verlockend.

Rosen, die vom Himmel fallen, sind doch offenbar auch eine wirklich tolle Sache, oder? Bei näherer Betrachtung jedoch ist das gar nicht so erstrebenswert. Mir ist das nämlich gestern bei einem Gewitter passiert, das sich gewaschen hatte. Es regnete tatsächlich Rosen, das hatte allerdings gar nichts Wunderbares an sich. Davon, dass es gleich ganze Rosensträucher regnet, war nie die Rede gewesen. Wie sich blitzschnell herausstellte, sind Sturmböen, Starkregen und blühende Büsche keine gute Kombination.

Während der Donner sich langsam verzog, um woanders Unheil anzurichten, fing ich bei dem ungewohnten Blick aus dem Fenster an zu grummeln. Meine herrlich blühende Büschelrose (Rosa multiflora), die bis dato noch aufrecht auf eigenen Ästen gestanden hatte, war in alle Himmelsrichtungen auseinander gefallen. Nasse Äste gepaart mit peitschendem Sturm hatten ihre Standhaftigkeit arg auf die Probe gestellt. Sie musste den Kampf gegen die Elemente verlieren.

Abgebrochen war zwar nichts Nennenswertes, aber die herab gebogenen Zweige hatten jegliche Spannkraft eingebüßt. Keine Ahnung, wie ich Madame Multiflora jemals wieder in die Senkrechte bekommen sollte, dachte ich. Wenn die sich erstmal mit dem Abhängen abgefunden hat, war sie anscheinend nur schwer wieder zu motivieren.



Nein, auf das Regnen von Rosen, ob rot oder weiß, kann ab sofort verzichtet werden, schönen Dank auch. Das Gewitter muss wohl ein großer Fan von Frau Knef gewesen sein.

Welche Rosen können sich denn in solchen Belastungssituationen halten? Die Kletterrosen sind natürlich aus dem Spiel, die sind bekannt für ihre viel zu langen, haltlosen Äste.

Je kleiner und stämmiger die Rose, umso stabiler wird sie wohl sein, das leuchtet noch irgendwie ein. Und so zeigten sich in meinem Garten die Bibernellrose (Rosa spinosissima), die Glanzrose (Rosa nitida) und die Rose de Resht als sehr haltbar. Auch die Gallica-Rosen halte ich daher für recht standhaft.

Rosa x salaevensis hält sich schon bei leichterem Regen nur mit ausgeklügelter Seiltechnik oder Haltesäulen aus Metall. Die ist wirklich nichts für schwache Nerven und muss in meinem Garten permanent gestützt werden, was mittlerweile in eine teure Materialschlacht ausartet.

Auch die Zimtrose (Rosa majalis) zeigt sich nicht immer von ihrer besten Seite und kann ebenfalls leicht wankelmütig werden.

Der unerwartete Sieger in meinem Garten ist ausgerechnet die meterhohe Hundsrose (Rosa canina), die allergrößte meiner Wildrosen und trotzdem standhafter als manch kleinerer Vertreter. Das ist eine echte Überraschung. Beim Nachbarn hält sich auch die Schottische Zaunrose (Rosa rubiginosa) ganz wacker, man muss aber fairerweise anmerken, dass sie zu einer Seite hin durch einen Sichtschutzzaun gestützt wird.

Einen Tag und ein bisschen Sonne später ist mir dann doch noch ein Wunder begegnet: Die geschundene Rosa multiflora hatte sich wieder ein bisschen aufgerichtet, ihre Blüten neu sortiert und erstrahlte fast in altem Glanz. Zum Glück hatte ich mir den Griff zur Schere doch noch verkniffen. Wildrosen sind eben doch hart im Nehmen!

Freitag, 15. Juni 2012

Der kleine Eisberg

Nun ist es also passiert: Rosa multiflora ist in meinem Garten havariert. Sie ist auf Grund gelaufen. Dabei sieht sie so unschuldig aus, wie sie da jetzt in der Gegend herumhängt und schon fast den Rasen berührt. Wie ein kleiner Eisberg, an dem ich vorbei muss, wenn ich in den hinteren Gartenteil gehen möchte. Da kann die Gärtnerin schon mal Schlagseite bekommen.
Nach einem prächtigen Platzregen neigen sich die Zweige umso mehr gen Boden, bei trockenem Wetter dagegen lässt die lässige Landnahme wieder ein wenig nach. Man könnte Frau Büschelrose also auch prima als Barometer verwenden.


Aber es gibt schlimmere Anblicke und auch eine schlimmere Landplage als die militante Multiflora. Außerdem bin ich ja selbst schuld. Was pflanze ich auch so eine raumgreifende Rosenpersönlichkeit in meinen kleinen Garten. Wer nicht hören will, muss schneiden. Das werde ich aber erst nach der Blüte machen. Nicht jetzt bitte, nicht bei diesem weißen Wunderstrauch, der über und über bedeckt ist mit Bienenverlockungen. Rosa multiflora müsste schon fast unter das Bestäubungsmittelgesetz fallen, so beliebt ist sie bei den Insekten.



Bei meinen Fahrradausflügen habe ich viele Büschelrosen in den Parks und den Feldern gesehen, aber mein natürlich völlig objektiver Eindruck ist, dass keine so sehr auf dicke Rose macht wie mein Exemplar. Keine ist so strahlend weiß und blüht so überschäumend. Das könnte zum einen am guten Kompostfutter liegen, zum anderen aber vielleicht auch am jährlichen Radikalschnitt, mit dem ich sie zu bändigen versuche. So gesehen ist es vielleicht gar nicht so schlimm, sie immer wieder mit der Schere zu malträtieren.

Man kann es daher gar nicht oft genug sagen, was für eine prächtige Wildrose das ist - immer gesund und munter.

Wer das Wagnis mit ihr eingehen möchte, hat mehrere preisgünstige Möglichkeiten:
Zum einen kann man nach Sämlingen Ausschau halten. Diese finden sich oft nicht weit von der Mutterpflanze, sogar im Rasen:


Da es sich hier im einen Neophyten aus Asien handelt, der bei uns gern verwildert, dürfte es legitim sein, so einen winzigen Keimling in freier Wildbahn mitzunehmen und ihm ein schönes Zuhause zu geben. Unter der Mutterpflanze wird der sowieso nichts. Das Gleiche gilt für Parkrosen, die ihren Nachwuchs in eine Rasenfläche gepflanzt haben. Dort kommt bald der Sensemann vorbei, so dass man auch solche Pflänzchen adoptieren kann.

Bis so eine Mini-Multiflora endlich blüht, gehen aber ein paar Jahre ins Land.

Schneller geht es mit Stecklingen. Das funktioniert bei ihr für eine Rose erstaunlich gut. Ich habe selbst schon kahle, hagebuttentragende Zweige im Herbst gesteckt, die im Frühjahr bewurzelt waren. Nur vor starken Frösten muss man solche Experimente schützen. Das kann dann sogar mit Ästen aus der Floristik gelingen.

Es lohnt sich in jedem Fall - auch wenn nun der halbe Garten mit dem kleinen Eisberg voll ist, aber wer könnte diesen Blüten schon widerstehen?


Mit Campanula latifolia Alba