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Samstag, 2. Oktober 2021

Nimm das, Neophyt!

Wenn ich mal eine Dekoidee aus einer Zeitschrift nachbasteln möchte, sieht das am Ende immer eher wie ein Unfall aus als wie eine umwerfend schöne Dekoration. Selbst die Anleitungen, die wirken, als könnte man sie mit auf dem Rücken zusammengebundenen Händen und einer Augenbinde zusammenschustern, sehen bei mir dann eher aus, als hätte das Machwerk eine Fünfjährige produziert (mit auf dem Rücken zusammengebundene Patschehändchen und Augenbinde).

Die Sache mit dem invasiven asiatischen Japanischen Staudenknöterich (Fallopia japonica) als Vase wirkte aber simpel genug, um im Wald mal ein paar grüne Stangen abzusäbeln. Viel hilft viel, dachte ich, und so habe ich gleich die dicksten mit dem Messer abgetrennt. Das geschieht dem Einwanderer ganz recht!


Alsdann habe ich jede Stange unterhalb eines Internodiums durchgesägt (ein normales Küchenmesser war eher ein zahnloser Tiger...). Nun kommt der Teil, wo man nicht nur keine auf dem Rücken zusammengebundenen Hände braucht, sondern am besten vier davon. Zwei sollten die Stangenteile zusammenhalten, die anderen beiden müssen eine Schnur fest genug drum herum schnüren. Ich habe es mit nur zwei Händen versucht und entsprechend wackelig wurde die Konstruktion.


 

Naja, mit genug Hin- und Herruckeln stand das Ding dann wie eine grüne, windschiefe Eins. Nun habe ich Hagebuttenzweige in die Öffnungen oben gesteckt. An mir ist wahrlich keine Floristin verloren gegangen, weshalb ich Blüten und andere dekorative Pflanzenteile meist da lasse, wo sie hingehören: An die Pflanze.


Und jetzt kommt der Moment, wo der Elefant das Wasser lässt: Das hier ist meine Neophyten-Deko mit den grünen Reagenzgläsern:






 

Nur echt mit neophytischem Knöterich und asiatischer Rosa multiflora. Ich weiß schon, warum das hier kein Dekoblog ist....

Ihr könnte das sicher besser, oder?

 

Übrigens sollte man die Stängelteile vor dem Kompostieren gut durchtrocknen lassen, denn bei dem Knöterich weiß man nie, ob er nicht doch aus dem kleinsten Fitzelchen wieder böse Wurzeln treibt...

Samstag, 7. März 2020

Rosenbändigen für Fortgeschrittene

Manchmal glaube ich, das G in Garten kommt von gemeingefährlich. Dieses Gefühl beschleicht mich immer dann, wenn ich die Rosen schneide. Die Rosa multiflora ist besonders schlimm. Ihre Stacheln sind mörderisch. Die beste Investition im Garten sind daher Lederhandschuhe, denn mit bloßen Händen sollte man nicht in ihre Nähe kommen. Hinten im Garten wuchert ein Exemplar so vor sich hin (ja, ihr habt richtig gelesen: ich war so blöd und habe zwei gepflanzt). Wenn man da nicht aufpasst, bekommen die Stauden unten drunter kein Licht mehr - und man hat als Gartenbesitzer ja auch eine Fürsorgepflicht gegenüber den kleinen Pflanzen. Also schneide ich im Frühjahr immer das Gröbste raus, die Rose wächst auch wieder nach. Sehr schnell sogar, zur Freude der Vögel, die die Hagebutten und die Versteckmöglichkeiten schätzen.







Auch den Wilden Wein, die überhängenden Äste der Kletterrose und die Kletterspindel an der Terrasse habe ich mal ein bisschen zurückgenommen, damit die Stauden und das Gemüse auf dem Tisch überhaupt noch die Sonne sehen.



Die Buschmalve musste ich bei der Gelegenheit auch einkürzen. Erstens hat sie in diesem Winter, der keiner war, keinen Frostschaden erlitten, sondern den Malvenrost. Zweitens kommt man hinten nicht mehr durch, da ich beim Pflanzen eigentlich damit gerechnet hatte, dass sie jeden Winter bis auf die Grundfesten zurückfriert und keine zwei Meter hoch und drei Meter breit wird. Bevor es also an die Rose ging, musste erst einmal die Buschmalve verkleinert werden, um überhaupt dorthin zu gelangen.




Nun verhält sich das aber so, dass der Garten ja ziemlich klein ist. Ein Haufen Äste kann nicht tagelang irgendwo herumliegen, dann wäre der Garten voll. Also wird alles sofort geschreddert. Dazu müssen die Zweige aber von ganz hinten im Garten zum Schredder kommen, denn der kommt nicht zu ihnen.

Beim Schneiden ganz hinten in der Ecke werfe ich alles abgezwackte also hinter mich, bis ich fertig bin mit der Rose. Und das dauert. Nicht umsonst können viele Rosen in andere Sträucher hineinklettern: Ihre peitschförmigen Triebe mit den gebogenen Stacheln machen es möglich. Das macht es aber auch nahezu unmöglich, die abgeschnittenen Äste einfach so aus dem Strauch herauszuziehen. Dazu braucht es Kraft und Augenmaß, damit ich nicht plötzlich einen Ast in den selbigen habe, wenn er nachgibt und mit großer Geschwindigkeit auf meinen Kopf zupeitscht. Da heißt es: Zupacken, ziehen und dabei möglichst in eine andere Richtung schauen.



Danach stehe ich vor dem Haufen wehrhafter Triebe, die hervorragende Fußangeln abgeben, und habe mir damit wieder einmal selbst den Weg versperrt. Also entweder hinten rum durch die Beete laufen oder ganz vorsichtig auf die Äste treten, was unmöglich ist, ohne mindestens einen Stachel in der Jeans zu haben.


Glücklich dem auf dem Boden liegenden Stacheldraht-Dickicht entkommen kann ich endlich möglichst viele Zweige zusammenraffen und sie durch den Garten und durch den Rosenbogen auf die Terrasse schleppen, am besten ohne den Goldlack mittendrin zu enthaupten oder den Rosenbogen dabei umzureißen. Wenn man nicht aufpasst, steht danach kein Stein mehr auf dem anderen.

Das Schreddern ist ebenfalls nicht einfach mit diesen peitschenförmigen Stachelästen. Auch hier gilt: Augen zu und durch, denn schnell hat man sie in den Haaren oder im Gesicht. Am Ende bleiben nur noch das Fegen der Terrasse und ein Muskelkater übrig. Dann ist das auch wieder erledigt für diesen Frühling...



Samstag, 14. Dezember 2019

Ein Tag wie Weihnachten

Mein Garten hat im Winter ein Problem, oder besser gesagt: Ich habe eins, denn ihm ist es vermutlich furchtbar egal, ob er Wintersonne abbekommt oder nicht. Möchte man aber Raureif mit Sonnenlicht fotografieren, ist es schade, wenn die Sonne einen großen Bogen um meinen Garten macht und sich wegduckt. Das kann sie gut, weil im Park genug Bäume herumstehen. Darüber kommt sie um diese Jahreszeit nicht hinaus.





Nur ein bisschen schien sie daher auf das frostige Wunder, das am Donnerstag vor einer Woche morgens alles verzauberte. Die Terrasse sah aus, als hätte es geschneit, dabei war es nur eine dicke Ladung Raureif, die dank der feuchten Witterung entstanden war. Das war wie Weihnachten.






Eigentlich soll man ja auch den Rasen bei Frost nicht betreten, aber wer könnte da schon widerstehen, wenn sich einmal im Monat die Gelegenheit zu kristallinen Fotos ergibt und - was noch seltener ist - man zufällig sogar morgens Zeit hat, das zu sehen und mit der Kamera festzuhalten?

Im Dezember kann man unbesorgt direkt in die Sonne fotografieren, das macht nichts, so fahl und kraftlos ist das Licht.


Die Silberblätter, die sich immer noch hartnäckig weigern, all ihre Samenhüllen abzuwerfen und lieber grau wie Beton in der Gegend herumstehen, sehen mit Sonne und Raureif immerhin ein bisschen adretter aus.



Das Pfaffenhütchen leuchtet mit Eiskristallen bedeckt wie Juwelen, wenn auch in einer etwas gewöhnungsbedürftigen Farbkombi. Warum die orangefarbenen Samen noch nicht alle weggefuttert sind, ist ein weiteres Rätsel.


Auch die Rosa multiflora hat sich herausgeputzt. Ihre Hagebutten sind so zahlreich, dass die Vögel da noch lange dran zu knabbern haben.


Das Laub der Kletterrosen ist teilweise noch dran, da halten die Damen immer gern möglichst lange dran fest.


Und gegen Mittag war die ganze Pracht dann auch schon wieder vorbei. Sonne weg, Raureif weg - schön, dass ich es vorher noch sehen durfte!

Samstag, 16. Juni 2018

Aschenputtel oder Cinderella?

Manchmal ist man im Garten ja schon enttäuscht. Und das, obwohl die betreffende Pflanze alles gegeben hat und sogar blüht. Müsste ich der Rose, die ich selbst aus Samen gezogen habe, ein Zeugnis ausstellen, würde darin stehen: Hat sich bemüht, den viel zu hohen Anforderungen gerecht zu werden. Aber wenn Rosenzüchten so einfach wäre, dann könnte es ja jeder. Versucht habe ich es trotzdem und weiß jetzt die Arbeit der Pflanzenzüchter noch mehr zu schätzen. Viele Jahre und noch mehr Geld investieren, bis man eine neue Sorte erschaffen hat? Doch, so läuft's wohl wirklich.

Ungefähr sowas hier wollte ich züchten, nur damit ihr mal eine Vorstellung von meinen überzogenen Vorstellungen habt (der Zierlauch ist optional):



Ist aber nichts geworden, aus der Traum. Dabei waren die Samen meiner Rose nicht von schlechten Eltern. Die Mama war 'Hedi Grimm'. Das ist belegt, weil die Hagebutte von dieser Rose stammte, Vater unbekannt. Die Frucht habe ich vor Ewigkeiten mal von Silke (Wildwuchs unter Aufsicht) bekommen und ausgesät.

Hier sind die Jungpflanzen zu sehen, das war 2015.


Die große blüht dieses Jahr und hatte schon immer so vielversprechend rötliches Laub, wie die edelste der Edelrosen. Und können diese Blätter lügen?



Ja, offenbar schon. Denn was jetzt im Null-Euro-Beet dabei raus kam, ist alles andere als spektakulär, sondern eher ordinär. Die Blüte sieht aus wie noch eine Rosa multiflora - weiß und ungefüllt und auch nicht eben riesigDabei habe ich von der schon mehr als genug Exemplare. Aber jetzt reiße ich sie auch nicht mehr raus. Das hat sie sicher gewusst und auf Zeit gespielt.



Jahrelang hat mich Madame nämlich mit ihren hübschen Blättern hingehalten und mir die Welt versprochen - herausgekommen ist nur eine Otto-Normal-Blüte. Wenn sie wenigstens rosa wäre. Mit ganz viel gutem Willen könnte man sagen, dass die Mitte im Verblühen einen Hauch rötlich wird.



Aber eins kann diese Rose ganz hervorragend: Stacheln produzieren (aua).

Naja, wenigstens haben die Bienen jetzt ein bisschen mehr Pollen und Hagebutten für die Vögel gibt es offenbar auch. Die Nachbarn lassen sich vielleicht auch von der Blattfarbe blenden und glauben, ich hätte eine wahnsinnig teure Edelrose gepflanzt. Vielleicht sollte ich sie 'Aschenputtel' nennen?

Samstag, 3. Juni 2017

Blüten im Null-Euro-Beet? Unbezahlbar!

Nun ist der Wonnemonat Mai schon wieder vorbei, was sich reimt und gar nicht gut ist, denn von ihm kann man nun wirklich nicht genug bekommen. Aber zum Glück gibt es ja noch zweitbesten, den Ersatz-Wonnemonat, und nun ist er angebrochen: Der Juni.


Während der Mai im Null-Euro-Beet schon nicht von schlechten Eltern war, ist sein Nachfolger der Monat des Mohns. Man staunt, wie die Pflanzen es schon wieder geschafft haben, ihre Samen zum Keimen zu bringen, obwohl der Boden nicht umgegraben wurde. Jetzt blühen die ersten borstigen Knospen, dass es eine wahre Pracht ist. Viel mehr werden im Laufe der nächsten Wochen noch aufgehen.



Die Bartnelken haben sich wieder Bart und Blüten wachsen lassen:



Schon im Mai fing das Spanische Gänseblümchen an zu blühen - auch ein kleiner Held, der eigentlich nicht hinreichend winterhart ist, aber das weiß er zum Glück nicht:




In den Juni hinein geht es auch mit der Pentaglottis sempervirens, die sich in mehrfacher Ausfertigung in das Beet geschlichen hat und ihm einiges an Blüten einbläut:

Die Margeriten blühen, hier ganz kontrastreich neben der Purpurschlehe, deren Erröten wohl ansteckend ist, denn auch die selbst aus Hagebuttensamen gezüchtete Rose hat weinrote Triebe, leider ohne Knospen:



Freudig begrüßt wird auch die Seidenpflanze - ein Ableger aus einem schon recht seidenpflanzen-geplagten Garten. Mal sehen, wann ich meine eigene Seidenstraße habe...

Mein großer Liebling ist aber das Taubenkropf-Leimkraut, gerade wegen seiner Aufgeblasenheit: Dieses zarte Nelkengewächs blüht nun das zweite Jahr und ich werde langsam zum Fan dieser heimischen Pflanze, die von Hummeln und Schmetterlingen besucht wird.



Hier schmeigt es sich an Fingerhut an:


Die weiße Taubnessel (Lamium album) spielt hier die Unschuld vom Lande, kann mir aber nicht plausibel erklären, warum sie sich weigert, sich in meinem Garten anzusiedeln, im Null-Euro-Beet aber sofort mit Sack und Pack einzog, ohne dass sie eine Extraeinladung brauchte:


Rosa multiflora blüht dazu in ebenfalls unschuldigem Weiß, das erste Mal, dass diese Krake von Wildrose dem totgepflegten Garten auf der anderen Seite vom Zaun mal zeigt, was Blüten sind:


Ebenfalls weiß: Der unter dem Namen Kornelkirsche von einem Nachbarn ins Beet gesetzte Rote Hartriegel, der seine Identitätskrise überwunden hat und mittlerweile doch recht deutlich mit dem Zaunpfahl winkt, dass er bitteschön keine Kornelkirsche ist und auch weiterhin keine sein möchte. Die Hummeln mögen ihn schon mal.



Brauner Storchschnabel und Rote Spornblume sind in alter Frische wieder beim Blühen dabei:



Wie man hier sehen kann, fühlt sich das Null-Euro-Beet aber an einer Seite neuerdings von einem militärischen Aufmarsch an Thuja-Monstern bedroht, die ihm früher oder später die Sonne und hoffentlich nicht jeglichen Lebensmut nehmen werden:


Da ist mir meine kleine Wildnis doch viel lieber. Und die macht es sich im Juni gerade so richtig gemütlich...