Manchmal glaube ich, das G in Garten kommt von gemeingefährlich. Dieses Gefühl beschleicht mich immer dann, wenn ich die Rosen schneide. Die Rosa multiflora ist besonders schlimm. Ihre Stacheln sind mörderisch. Die beste Investition im Garten sind daher Lederhandschuhe, denn mit bloßen Händen sollte man nicht in ihre Nähe kommen. Hinten im Garten wuchert ein Exemplar so vor sich hin (ja, ihr habt richtig gelesen: ich war so blöd und habe zwei gepflanzt). Wenn man da nicht aufpasst, bekommen die Stauden unten drunter kein Licht mehr - und man hat als Gartenbesitzer ja auch eine Fürsorgepflicht gegenüber den kleinen Pflanzen. Also schneide ich im Frühjahr immer das Gröbste raus, die Rose wächst auch wieder nach. Sehr schnell sogar, zur Freude der Vögel, die die Hagebutten und die Versteckmöglichkeiten schätzen.
Auch den Wilden Wein, die überhängenden Äste der Kletterrose und die Kletterspindel an der Terrasse habe ich mal ein bisschen zurückgenommen, damit die Stauden und das Gemüse auf dem Tisch überhaupt noch die Sonne sehen.
Die Buschmalve musste ich bei der Gelegenheit auch einkürzen. Erstens hat sie in diesem Winter, der keiner war, keinen Frostschaden erlitten, sondern den Malvenrost. Zweitens kommt man hinten nicht mehr durch, da ich beim Pflanzen eigentlich damit gerechnet hatte, dass sie jeden Winter bis auf die Grundfesten zurückfriert und keine zwei Meter hoch und drei Meter breit wird. Bevor es also an die Rose ging, musste erst einmal die Buschmalve verkleinert werden, um überhaupt dorthin zu gelangen.
Auch den Wilden Wein, die überhängenden Äste der Kletterrose und die Kletterspindel an der Terrasse habe ich mal ein bisschen zurückgenommen, damit die Stauden und das Gemüse auf dem Tisch überhaupt noch die Sonne sehen.
Nun verhält sich das aber so, dass der Garten ja ziemlich klein ist. Ein Haufen Äste kann nicht tagelang irgendwo herumliegen, dann wäre der Garten voll. Also wird alles sofort geschreddert. Dazu müssen die Zweige aber von ganz hinten im Garten zum Schredder kommen, denn der kommt nicht zu ihnen.
Beim Schneiden ganz hinten in der Ecke werfe ich alles abgezwackte also hinter mich, bis ich fertig bin mit der Rose. Und das dauert. Nicht umsonst können viele Rosen in andere Sträucher hineinklettern: Ihre peitschförmigen Triebe mit den gebogenen Stacheln machen es möglich. Das macht es aber auch nahezu unmöglich, die abgeschnittenen Äste einfach so aus dem Strauch herauszuziehen. Dazu braucht es Kraft und Augenmaß, damit ich nicht plötzlich einen Ast in den selbigen habe, wenn er nachgibt und mit großer Geschwindigkeit auf meinen Kopf zupeitscht. Da heißt es: Zupacken, ziehen und dabei möglichst in eine andere Richtung schauen.
Danach stehe ich vor dem Haufen wehrhafter Triebe, die hervorragende Fußangeln abgeben, und habe mir damit wieder einmal selbst den Weg versperrt. Also entweder hinten rum durch die Beete laufen oder ganz vorsichtig auf die Äste treten, was unmöglich ist, ohne mindestens einen Stachel in der Jeans zu haben.
Glücklich dem auf dem Boden liegenden Stacheldraht-Dickicht entkommen kann ich endlich möglichst viele Zweige zusammenraffen und sie durch den Garten und durch den Rosenbogen auf die Terrasse schleppen, am besten ohne den Goldlack mittendrin zu enthaupten oder den Rosenbogen dabei umzureißen. Wenn man nicht aufpasst, steht danach kein Stein mehr auf dem anderen.
Das Schreddern ist ebenfalls nicht einfach mit diesen peitschenförmigen Stachelästen. Auch hier gilt: Augen zu und durch, denn schnell hat man sie in den Haaren oder im Gesicht. Am Ende bleiben nur noch das Fegen der Terrasse und ein Muskelkater
übrig. Dann ist das auch wieder erledigt für diesen Frühling...


