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Samstag, 7. März 2020

Rosenbändigen für Fortgeschrittene

Manchmal glaube ich, das G in Garten kommt von gemeingefährlich. Dieses Gefühl beschleicht mich immer dann, wenn ich die Rosen schneide. Die Rosa multiflora ist besonders schlimm. Ihre Stacheln sind mörderisch. Die beste Investition im Garten sind daher Lederhandschuhe, denn mit bloßen Händen sollte man nicht in ihre Nähe kommen. Hinten im Garten wuchert ein Exemplar so vor sich hin (ja, ihr habt richtig gelesen: ich war so blöd und habe zwei gepflanzt). Wenn man da nicht aufpasst, bekommen die Stauden unten drunter kein Licht mehr - und man hat als Gartenbesitzer ja auch eine Fürsorgepflicht gegenüber den kleinen Pflanzen. Also schneide ich im Frühjahr immer das Gröbste raus, die Rose wächst auch wieder nach. Sehr schnell sogar, zur Freude der Vögel, die die Hagebutten und die Versteckmöglichkeiten schätzen.







Auch den Wilden Wein, die überhängenden Äste der Kletterrose und die Kletterspindel an der Terrasse habe ich mal ein bisschen zurückgenommen, damit die Stauden und das Gemüse auf dem Tisch überhaupt noch die Sonne sehen.



Die Buschmalve musste ich bei der Gelegenheit auch einkürzen. Erstens hat sie in diesem Winter, der keiner war, keinen Frostschaden erlitten, sondern den Malvenrost. Zweitens kommt man hinten nicht mehr durch, da ich beim Pflanzen eigentlich damit gerechnet hatte, dass sie jeden Winter bis auf die Grundfesten zurückfriert und keine zwei Meter hoch und drei Meter breit wird. Bevor es also an die Rose ging, musste erst einmal die Buschmalve verkleinert werden, um überhaupt dorthin zu gelangen.




Nun verhält sich das aber so, dass der Garten ja ziemlich klein ist. Ein Haufen Äste kann nicht tagelang irgendwo herumliegen, dann wäre der Garten voll. Also wird alles sofort geschreddert. Dazu müssen die Zweige aber von ganz hinten im Garten zum Schredder kommen, denn der kommt nicht zu ihnen.

Beim Schneiden ganz hinten in der Ecke werfe ich alles abgezwackte also hinter mich, bis ich fertig bin mit der Rose. Und das dauert. Nicht umsonst können viele Rosen in andere Sträucher hineinklettern: Ihre peitschförmigen Triebe mit den gebogenen Stacheln machen es möglich. Das macht es aber auch nahezu unmöglich, die abgeschnittenen Äste einfach so aus dem Strauch herauszuziehen. Dazu braucht es Kraft und Augenmaß, damit ich nicht plötzlich einen Ast in den selbigen habe, wenn er nachgibt und mit großer Geschwindigkeit auf meinen Kopf zupeitscht. Da heißt es: Zupacken, ziehen und dabei möglichst in eine andere Richtung schauen.



Danach stehe ich vor dem Haufen wehrhafter Triebe, die hervorragende Fußangeln abgeben, und habe mir damit wieder einmal selbst den Weg versperrt. Also entweder hinten rum durch die Beete laufen oder ganz vorsichtig auf die Äste treten, was unmöglich ist, ohne mindestens einen Stachel in der Jeans zu haben.


Glücklich dem auf dem Boden liegenden Stacheldraht-Dickicht entkommen kann ich endlich möglichst viele Zweige zusammenraffen und sie durch den Garten und durch den Rosenbogen auf die Terrasse schleppen, am besten ohne den Goldlack mittendrin zu enthaupten oder den Rosenbogen dabei umzureißen. Wenn man nicht aufpasst, steht danach kein Stein mehr auf dem anderen.

Das Schreddern ist ebenfalls nicht einfach mit diesen peitschenförmigen Stachelästen. Auch hier gilt: Augen zu und durch, denn schnell hat man sie in den Haaren oder im Gesicht. Am Ende bleiben nur noch das Fegen der Terrasse und ein Muskelkater übrig. Dann ist das auch wieder erledigt für diesen Frühling...



Samstag, 14. Juli 2018

Das Malvenwunder

Ich bin zwar meistens viel zu zimperlich beim Pflanzenschneiden, aber wenn ich erstmal die Schere in der Hand habe, geht es doch manchmal mit mir durch. Vor allem nach dem Winter, wenn es ans ganz große Aufräumen geht, rutscht mir gelegentlich etwas zwischen die Klingen, was da nicht hingehört. Die Rote Heckenkirsche zum Beispiel, die sich mit einem Kranz aus Staudenstängeln getarnt hatte und mit abgeschnitten wurde. Ich mich auch in Grund und Boden geschämt und mich sehr geärgert. Die arme Pflanze aber sicher noch mehr, denn sie war jetzt bodentief und ratzekahl entfernt. Als Wiedergutmachung hatte ich den Ast sogar noch in die Vase gestellt, aber da war er beleidigt und wollte keine Wurzeln schlagen. Zum Glück hat der Strauch im Beet aber wieder ausgetrieben, nur die Blüte war für dieses Jahr futsch.

Besser erging es der Buschmalve 'Barnsley' (Lavatera x olbia), die hatte zwar auch ein einschneidendes Erlebnis, ist aber noch gut dabei weggekommen. Die Arme hatte nämlich sehr unter dem erst milden, dann doch noch kalten Winter gelitten. Einen Winterschutz hatte sie nicht. Immer wieder wagte sie einen Vorstoß und trieb aus, bis der Frost die Blätter wieder zu Matsche werden ließ. Das sah nicht schön aus, und so dachte ich im März, die kann wohl weg, die hat's hinter sich. Zum Glück habe ich auf halber Strecke bemerkt, dass die Schnittstelle innen ganz grün und frisch war. Ach, du Schreck! Madame Malve kann also den Tod nur vortäuschen, indem sie das Laub opfert, aber innen noch knackig ist.

Nun war allerdings schon ein Meter Malve weg. Ob das bisschen Stängel am Erdboden noch was würde? Zum Glück hat sie es geschafft, das ist ein echtes Wunder, Hut ab!




Stattlich und wunderschön steht sie nun da und überzeugt als zarte Sommererscheinung mit schlüpferrosafarbenen Blüten, die eine dunkle Mitte haben, als wollten sie mich mahnend anschauen und sagen: "Guck mal hier, mich hättest du fast ermordet!".

Und noch mehr wundersame Eigenschaften machen Lavatera-Malven zu guten Geistern im Garten: Ähnlich wie Stockrosen schaffen sie es, von Null an auf mehrere Meter in nur einer Saison zu wachsen, verzweigen sich gut und bilden kleine Sträucher, dabei wird ab Juni oder Juli ununterbrochen geblüht.

Die Blätter sind samtig behaart, die Knospen zahlreich und vielversprechend. Sogar im Verblühen ist die Malve noch adrett.





Vermehren kann man das Wunder übrigens über Stecklinge im August. So eine Sicherheitskopie ist nicht nur günstig, sondern auch bitter nötig, da die Pflanzen nur wenige Jahre alt werden.

Auch die anderen Malven lassen es jetzt im Juli krachen. Die Moschus-Malven blühen schon seit Wochen und werden so schnell nicht müde. Im Gegensatz zur Buschmalve säen sie sich reichlich aus und suchen sich ihre Lieblingsplätze selbst. Pflanzen mit Eigeninitiative kann man nie genug haben, auch wenn sie jetzt ein bisschen im Weg stehen.




Im Null-Euro-Beet haben sie sich mit Großem Odermennig und Staudenwicke durchmischt, was auch schön aussieht.


Die Stockrosen sind wie immer mit dabei - von wegen zweijährig, meine sind schon Jahre alt und werden vermutlich die Buschmalve auch noch überleben.



Was wäre ein Garten ohne Malven? Beim nächsten Mal weiß ich Bescheid und werde 'Barnsley' mehr zutrauen, denn die sieht zarter aus als sie ist und macht den Garten einfach schön.