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Samstag, 14. November 2020

Der Name der Knöteriche

In der letzten Gartenpraxis ging es um den Namen Knöterich, der doch so wenig schmeichelhaft klingt. Ob man ihn nicht lieber Bistortie nennen könnte, damit er attraktiver wird und dadurch eine weitere Verbreitung erfährt. In der Tat klingt der Name Knöterich eher nach einer Pflanzenkrankheit, die sich durch Kümmerwuchs und verknotete Triebe auszeichnet.

Auch die schönen, zahmen Sorten des Scharbockskrauts gingen auf Pflanzenmärkten erst weg wie geschnitten Brot, als sie kurzerhand in Zwergranunkeln umgetauft wurden.

Doch auch andere Pflanzen leiden unter doofen Namen, die dafür sorgen, dass niemand sie so recht im Garten haben will. Während andere sich überbieten mit königlichen und rühmlichen Namen, wie Ruhmeskrone, Wunderblume, Prachtkerze oder Goldlack, sind bescheidenere Pflanzen dem Namen nach die botanischen Aschenputtel geblieben. Hier meine Nominierungen für eine baldige Umbenennung:


  • Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum): Taubnessel klingt ja schon nicht nett. Das hört sich an, als wäre die Pflanze sensorisch etwas minderbemittelt, während alle anderen Pflanzen hören können, was der Gärtner ihnen sagt. Gefleckte Taubnessel klingt dann vollends unpoetisch, als hätte sie noch einen weiteren Makel, zum Beispiel die Masern. Auf Englisch wird es auch nicht besser, da heißt sie Spottet Dead-Nettle. Allerdings nennen die Engländer inoffiziell auch purple dragon. Ja, damit kann man doch arbeiten! Wie wäre es also mit Purpur-Drache?

 

  • Brauner Storchschnabel (Geranium phaeum): Braun ist im deutschen weder ein positiv belegter Begriff noch eine besonders schöne Farbe für eine Pflanze. Nichts, was einem ins Auge fallen würde, ist braun bei diesem Geranium! Auch hier kommen einem die Briten wieder zu Hilfe, dort heißt die Art dusky crane's-bill, mourning widow oder black widow - yesss, viel besser! Wie wäre es also mit Schwarzer Witwe?


 

  • Russel-Brandkraut (Phlomis russeliana): Klingt eher nach Brennnessel-Erfahrungen beim Berühren der Blätter oder nach akuter Waldbrandgefahr. Da die Art aus der Türkei stammt und dort in Haselnussgebüschen wächst, könnte man die Staude stattdessen Türkischen Salbei oder Haselnuss-Salbei nennen oder wegen der Anordnung der Blüten im Kreis rund um den Stängel auch Hummel-Karussel.


 

  • Kartoffelrose (Rosa rugosa): Sie bildet Hagebutten, keine Kartoffeln. Die sind zwar knollengroß, aber trotzdem wird der Name ihr nicht gerecht. Er kommt von der Form der Blätter, die an Kartoffellaub erinnern. Immerblühende Rose wäre eine bessere Bezeichnung, denn sie ist die einzige Wildrose, die immer weiter blüht.

 


  • Kriechender Günsel (Ajuga reptans): Der vordere Namensteil deutet darauf hin, dass die Staude Ausläufer bildet, und der hintere ist auch nicht besser. Dabei ist der Günsel überaus attraktiv für Schmetterlinge und es gibt ihn mit wunderschönem violettem Laub. Warum also nicht als Vorschlag zur Güte wenigstens Kriechende Blaukerze als Namen?


 

  • Gilbweideriche (Lysimachia vulgaris und punctata): Ist der Gilb nicht der Schrecken einer jeden Gardine? Niemand möchte doch ernsthaft irgendwas etwas Vergilbtes in Haus oder Garten haben. Wenn schon, dann doch wenigstens Goldweiderich, denn das sind die Blüten: Goldgilb, äh: -gelb.


  • Chinesische Bleiwurz (Ceratostigma plumbaginoides): Bleibt die mit dem Namen nicht wie Blei im Regal liegen? Warum heißt die überhaupt so? Das soll einerseits daher kommen, dass man früher dachte, die Pflanze würde gegen Bleivergiftungen helfen, laut anderen Quellen färbt der Wurzelsaft die Haut bleigrau, was eher ungesund aussieht. Kann man die Pflanze nicht einfach Blauwurz nennen wegen der blauen Blüten?

  • Witwenblume (Knautia): Was wie wir oben gesehen haben eher ein passender Name für den Braunen Storchschnabel wäre, trifft hier eine besonders lebensfrohe Blume nicht besonders gut. Wenn schon, dann doch bitte Lustige Witwe oder Schmetterlings-Rüsche.
 
  • Miesmäulchen (Chelone obliqua): Der Name kommt vom immerwährend schlechtgelaunten Gesicht der einzelnen Blüten. Zum Glück gibt es schon einen besseren Namen und ich muss mir keinen ausdenken: Schlangenkopf!
 

  • Bartnelke (Dianthus barbatus): Der Name hat doch wohl langsam einen Bart... Damit die schöne, einfach zu ziehende Nelke endlich mal von ihrem verstaubten Image runterkommt, braucht sie dringend einen neuen Rufnamen. Auf Englisch heißt sie Sweet William, was nicht so richtig weiterhilft. Nach europäischerm Votum, denn so befinden es einhellig die Italiener, Franzosen und Spanier, müsste sie Poetennelke heißen.

 
 
Fallen euch noch weitere Pflanzen ein, die mit einem schöneren Namen besser bedient wären?

Samstag, 16. Mai 2020

Fünf Blütenblätter sollt ihr sein

Das ist ihr Markenzeichen: Fünf blaue Blütenblätter rund um eine weiße Blütenmitte. Das ist auch schon das Flauschigste an der Pflanze, der Rest ist borstig und nicht gerade kuschlig. Keine Staude also, die man zum Muttertag verschenkt, auch wenn sie dann gerade so schön blüht: Die Immergrüne Ochsenzunge (Pentaglottis sempervirens) zählt vielleicht nicht zu den Prachtstauden, ist aber unglaublich zäh, verträgt lichten Schatten, versamt sich in Eigenregie und man muss sie nie gießen.





Nur das Ausputzen der braun gewordenen Blütenstände ist etwas lästig, weil die borstigen Stiele die Haut ein bisschen irritieren können. Aber wozu gibt es Handschuhe? 

Ich habe einige Exemplare hinten im Garten. Alles hat mit einem einzigen angefangen, das auch immer noch lebt - nach 10 Jahren! Da diese Pflanze also dieses Jahr Jubiläum feiert, darf sie sich mal wieder einen eigenen Blogartikel wünschen.


Obwohl das alte Raublattgewächs das gar nicht nötig hätte, denn anscheinend finden die Suchanfragen meinen Blog zuverlässig, denn die Staude ist eine Rarität, im Handel kaum zu finden. Und so bekomme ich öfter Anfragen, hauptsächlich von Imkern, die eine zuverlässige Bienenweide suchen. Manche schicken netterweise gleich das Porto vorab mit, damit ich ihnen Samen schicke. Keimen tut das Saatgut kinderleicht.

Bei Insekten ist die Pentaglottis wirklich rasend beliebt. Hummeln, Honigbienen und Mauerbienen findet man jeden Tag an den blauen Blüten, die in der Handhabung auch ganz einfach sind: Einfach den Bienenrüssel in den weißen Punkt stecken. Zum Pollensammeln scheint sie daher weniger geeignet, aber irgendwie muss sie ja auch bestäubt werden, denn mit der Potenz hat sie zumindest keine Probleme.




Also nach 10 Jahren immer noch ein Rätsel.

Auch diese Wanze mit Herz, eine Wiesenwanze, schätzt die Pflanze, hat aber vermutlich eher Zerstörerisches im Sinne.

Dieses unbekannte, wunderschön goldene Osmia-Männchen habe ich bisher nur auf der Pentaglottis gefunden, leider immer ohne Weibchen:




Da die Samen ein Eleiosom haben, das Ameisen gern verspeisen, tragen sie die Saat im ganzen Garten herum und wohl auch in den Kompost, von wo man sie noch weiter im Garten verteilt.

Komischerweise habe ich die Pentaglottis noch nie außerhalb meines Garten gesehen, ob sie immer gejätet wird?

Eigentlich schade, denn gerade jetzt im Mai zaubert sie einen wiesenartigen Effekt in den Garten, tatkräftig unterstützt von Geranium phaeum.




Ich mag ihre fünf Blütenblätter jedenfalls!

Donnerstag, 19. April 2018

Ein Storchschnabel mit Lampenfieber

Kneif mich mal einer, war ich wirklich am Dienstag Mittag im Fernsehen, live und in Farbe? Ich durfte bei ARD Buffet etwas über heimische Stauden erzählen, Lungenkraut, Frühlings-Platterbse, Gefleckte Taubnessel und Braunen Storchschnabel.




Ich bin ja nicht gerade als Rampensau bekannt, also war ich schon ziemlich aufgeregt vorher, immerhin ist das eine Live-Sendung! Aber wer hatte am Ende noch mehr Lampenfieber als ich? Der Braune Storchschnabel, den ich von zuhause mitgebracht hatte. In meinem Garten hatte er nämlich noch braune Flecken auf sämtlichen Blättern, doch plötzlich konnte er sich daran nicht mehr erinnern und hat sie sich einfach nicht mehr aufgemalt. Der wollte mich blamieren, soviel steht mal fest.

Gedreht wurde im Schaugarten vom SWR, der war sehr schön gemacht mit Trockenmauer und vielen Blumen.

Nach dem Auftritt im Garten mit den Stauden - und vielen Gehörnten Mauerbienen - war ich im Studio, wo live gekocht wurde.



Hier ist er nun, der Beitrag vom SWR in Baden-Baden:
 

Samstag, 13. Mai 2017

Kein fließend Wasser

Puh, Glück gehabt! Wenn man sich Sämlinge aus dem Mulchweg anderer Gartenbesitzer klauben darf, ist das immer ein Glücksspiel. Nur weil direkt daneben eine prächtige Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) hockt, muss das ja noch lange nicht heißen, dass der Emporkömmling auch davon abstammt. Der Apfel fällt zwar nicht weit vom Stamm, aber man weiß ja nie.

Und so war ich auch einigermaßen skeptisch, als das kleine Pflänzchen ein Wachstumstempo an den Tag legte, dass man schon wieder an die Echte Nelkenwurz (Geum urbanum) denken musste. Deren lateinischer Name sagt ja schon aus, dass diese als Unkraut gefürchtete Art in Städten eher vorkommt als die viel seltenere Bach-Nelkenwurz, die zudem am liebsten fließend Wasser hätte. Heimisch sind sie beide.

Die Blätter sehen sich bei beiden auch noch recht ähnlich. Und meiner Pflanze, die ich als winzigen Sämling erst letzten Sommer gepflanzt hatte, wuchs schwindelerregend schnell eine riesige Blattrosette von Bodendeckerausmaßen. Und das, obwohl es nicht viel geregnet hat, und ich ihr keinen Wasseranschluss habe legen lassen.




Die Blattrosette ist wintergrün und schneckensicher - wie nett! Dieses Jahr blüht sie auch schon und es wird sonnenklar, dass es doch die begehrte Bach-Nelkenwurz ist, erkennbar an den wie eine altmodische Wohnzimmerlampe wirkenden Blüten, die nach unten gucken und innen einen gelben Puschel haben. Es sind Hummelblüten.

Übrigens erlebt Geum rivale gerade ihren zweiten Frühling. Nachdem sie früher einen festen Platz im Bauerngarten bekleiden durfte, geriet sie erst einmal gründlich in Vergessenheit. Dann fing man an, herum zu experimentieren und hat sie mit dem knalligen Geum coccineum gekreuzt, das keine nickenden Blüten hat. Die Kreuzungen gucken aber immer noch nach unten - das lässt sich kaum austreiben, haben jetzt aber ganz zarte oder ganz auffällige Farben.




So, da hätten meine sich wie wild versamenden Braunen Storchschnäbel (Geranium phaeum) ja offenbar endlich einen Sparringspartner gefunden. Wenn Geum rivale sich nur annähernd so gut aussamt wie sie (und das ist zu erwarten), dann können sie versuchen, sich gegenseitig in die Schranken zu weisen. Beide haben ähnlich kuppelförmige bis horstige Erscheinungsformen, was durchaus nett aussehen könnte zusammen.


Aber jetzt blüht die schöne Nelkenwurz ja erstmal. Ganz ohne fließend Wasser und ohne Betüddeln. Mal schauen, wo das noch hinführt...

Mittwoch, 25. Mai 2016

Gejätet und gerettet

Wie jeder weiß, schleppe ich von überall pflanzliche Souvenirs herbei. Das ist so eine Art Sport. Wo andere sich mit ortsüblichen Bierkrügen, Postkarten oder T-Shirts mit "I Berlin" eindecken, finde ich fast überall irgendein Grünzeug, dem das Schicksal gerade äußerst übel mitspielt. So ein Pflänzchen liegt dann beispielsweise halb vertrocknet auf dem Gehweg herum (ein lilafarbenes Sedum in Potsdam), unter einer Parkbank (Zwiebeln vom Wunder-Lauch, auch Potsdam) oder gejätet im botanischen Garten (Geranium phaeum 'Samobor' in Hamburg).


Hier der Fund aus Potsdam (der Topf ist aus Bielefeld und gehörte nicht dazu):


Wie auch jeder weiß, liege ich oft nicht immer richtig mit meiner Einschätzung, was ich da gerade so rette. Bestes Beispiel ist die Pentaglottis sempervirens, die als vermeintlicher Fingerhut in meinen Garten kam, sich seitdem bester Gesundheit erfreut und sich erfolgreicher vermehrt als jeder Fingerhut das je könnte.

Das war nur ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer für die Pentaglottis, die damit Neuland betreten hat und nun auch im Null-Euro-Beet vor sich hin wuchern darf.

Peinlich wird das Ganze erst, wenn man vorher großspurig herumtönt, was für eine Pflanze einem da gerade vor die Füße gefallen ist. Da kann die Glaubwürdigkeit doch arg leiden.

Daher war ich neulich sehr überrascht, dass ich bei einer Pflanze nicht nur immerhin die Gattung völlig richtig geraten hatte, sondern - ob ihr's glaubt oder nicht - sogar die Blütenfarbe! Das grenzt jetzt auf den ersten Blick an hellseherische Fähigkeiten, war aber nur ein Abwägen von Wahrscheinlichkeiten, denn genau diese Blütenfarbe gab es am Fundort in Massen, aber doch auch immerhin eine weitere Farbe.

Wo das nun wieder war? Berlin, Frankfurt, New York? Nein, viel besser, in der westfälischen Weltstadt Rietberg. Dort fand vor Jahren einmal eine Landesgartenschau statt und das Gelände ist noch immer zu besichtigen. Machen wir auch einmal im Jahr. Es begab sich letztes Jahr also zu einer Zeit, als gerade ein Jätedurchgang in den Staudenbeeten stattgefunden hatte. Neben der Pflanzung mit weißen Storchschnäbeln lag nun ein kleiner Kandidat kurz vorm Verwelken auf dem Weg im Dreck herum. Der musste natürlich mit, auch in Ermangelung eines T-Shirts mit dem Aufdruck "I ♥ Rietberg".

Aber ob er wirklich weiß blühen würde? Die Zeit bis zur Blüte war kaum auszuhalten, aber jetzt ist es endlich soweit. Und voila: Blüten in wirklich ganz unschuldigem Weiß gucken mich an, dass es eine wahre Pracht ist.




Jetzt muss ich aber noch die Art herausfinden, irgendwas ist ja immer.... Ich tippe einfach mal auf Geranium maculatum 'Album'  - was meint ihr?

Montag, 20. Mai 2013

Verdammt schöner Storchschnabel

Manche Stauden haben einen selten blöden Namen. Da wäre zum Beispiel der Braune Storchschnabel (Geranium phaeum). Poetisch klingt das ja nun nicht gerade, und schon gar nicht so, als müsste man die Pflanze unbedingt im Garten haben. Schlimmer hat es wohl nur noch sein Verwandter, der Stinkende Storchschnabel (Geranium robertianum), getroffen. Nun gilt der wiederum als Unkraut, so dass viele Gärtner sagen werden, dass er den Namen ganz zu Recht hat, schließlich sei mit dem kein Staat zu machen. Dabei ist der eigentlich auch ganz hübsch.

Der Braune Storchschnabel ist wiederum so schön, dass er nun wirklich was Besseres verdient hätte. Fast möchte man glauben, er wäre benannt worden, als alle anderen Geranium schon klangvolle Bezeichnungen hatten. Es war vielleicht schon spät geworden und im Zwielicht des Mai-Abends sahen seine Blüten mit zusammengekniffenen Augen irgendwie braun aus. Schon hatte er seinen Namen weg. Nun sind seine Blüten wirklich sehr dunkel, das muss man ja sagen. Trotzdem sind sie eher lila. Ich schlage daher andere Namen vor. Wie wäre es zum Beispiel mit "Verdammt schöner Storchschnabel" oder "Unverzichtbarer Storchschnabel"?

Zu seinem Glück haben wenigstens die Sorten etwas nettere Namen abbekommen: Da wäre zum einen die starkwüchsige Variante "Lily Lovell". Dann hätten wir da noch "Joan Baker", "Margret Wilson", und "Rose Madder". Alles hübsche Frauennamen also. Die eher männlichen Vertreter hören auf Bezeichnungen wie "Stillingfleet Ghost", "Saturn" oder "Samobor".

Die beiden letzteren, "Saturn" und "Samobor", zeichnen sich durch eine attraktive dunkle Zeichnung auf den Blättern aus, wie frisch aus dem Tattoo-Studio. Und die ist jetzt tatsächlich und wahrhaftig braun!



Auch die einfache grünlaubige Naturform ist schön. An einem halbschattigen Standort machen alle Varietäten immer eine gute Figur, sind auch nach einem Platzregen standfest und eine exzellente Bienen-, aber keine Schneckenweide. Egal, welche Farbe das Blatt hat, die wilden Kerle säen sich mit Begeisterung überall aus. Von Geranium phaeum muss man also nur eine einzige Starterpflanze kaufen oder sich schenken lassen, und schon kann der Spaß losgehen. Fortpflanzung scheint sogar so ein wichtiger Punkt auf ihrer Agenda zu sein, dass die Sämlinge oft bereits im nächsten oder übernächsten Jahr blühen.


Das eigentlich Erstaunliche aber ist, dass die Sämlinge der braunlaubigen Vertreter wieder eine mehr oder weniger ähnliche Blattzeichnung aufweisen können wie ihre Eltern. Mal sind es nur dunkle Punkte, mal das ganze Programm. Selbst an einer einzigen Pflanze kann die Zeichnung variieren. Mein Garten hat das jetzt mehrere Jahre lang geübt und zeigt mittlerweile an allen möglichen und unmöglichen Stellen grün-braune Blätter. Selbst im Rasen wird gekeimt, was das Zeug hält.


Jetzt warte ich noch sehnsüchtig darauf, dass vielleicht mal einer der Sämlinge seinen Namen vergisst und in Weiß blüht. Zu kaufen gibt es so eine Sorte nämlich schon, allerdings mit rein grünen Blättern - sie heißt nicht ganz überraschend Geranium phaeum 'Album'. Braun ist an der nun gar nichts mehr.

Wäre das nicht was Feines - ein braungefleckter Nachkomme von Samobor mit reinweißer Blüte in meinem Garten? Ich würde der neuen Kreation auch einen ganz wunderbaren Namen geben, versprochen!

Samstag, 28. Januar 2012

Auf gute Nachbarschaft

Als Gärtner hat man meistens auch Nachbarn. Da kann man sich kaum gegen wehren. Besonders in Kleinstgärten begegnet man aber nicht nur den Leuten nebenan sehr oft, sondern auch dem pflanzlichen Inventar in ihrem Garten. Stauden erkennen Gartengrenzen nämlich ganz schlecht, und wenn, sind sie ihnen egal. Und so kommt es, dass ein paar ausbreitungswillige Examplare die Seiten wechseln und auch uns ihre Präsenz aufzwingen. Diese Begegnung kann eine wundervolle Bereicherung für unser Fleckchen Erde sein, aber auch eine feindliche Übernahme darstellen, je nachdem wie wohlgesonnen wir den Invasoren gegenüberstehen und wie sie sich zu benehmen wissen.

Im Zweifel freuen wir uns natürlich erst einmal über den Zuwachs, schließlich hat auch der Nachbar seinerzeit Geld ausgegeben oder Beziehungen spielen lassen, um an genau diese Pflanze zu kommen. Darüberhinaus sind die Gewächse von nebenan schon standorterprobt und ertragen den ortsüblichen Boden.

Breitblättrige Glockenblume (rechts) - Sämling von Nachbars Inventar

Dummerweise weigern sich gerade die schönsten und begehrenswertesten Stauden auf der anderen Seite des Zaunes stets ganz beharrlich, zu uns herüberzuwachsen. Und wer nicht wuchert, gehört nicht zur billigsten Sorte. Oder zur häufigsten. Da unser Spaten selbstredend auf der anderen Seite des Zaunes nicht unangemeldet zu erscheinen hat, im Folgenden einige (nicht immer ganz ernst gemeinte) Strategien zur friedlichen Aneignung von Nachbars Grünzeug:

  • Das Wunschgewächs mit gutem Service überzeugen, in unsere Richtung zu treiben. Geeignete Maßnahmen sind hier die Anwendung von Hornspänen oder einer Leitspur Kompost als Lockmittel. Leider extrem langwierig und nicht immer von Erfolg gekrönt.  Eher wird Nachbars Giersch dadurch in unser Territorium gelockt als der hübsche Herbst-Eisenhut.
  • Eine Schneise in unseren Bewuchs schneiden, um den Kandidaten mit guter Besonnung in die richtigen Bahnen zu lenken. Kann bei schon arg durch Beschattung gebeutelten Stauden durchaus funktionieren. Schattengewächse allerdings werden sich angewidert zurückziehen.
  • Den Samenständen der gewünschten Staude unauffällig und vorsichtig einen mit der Harke überbraten, damit ein paar Früchte eventuell bei uns landen. Nicht anwendbar bei sterilen Hybriden oder sonstigen Keimmuffeln.
  • Darauf hoffen, dass die Amseln bei ihren täglichen Laubstreu-Wendemanövern auch mal ein Stück Rhizom freilegen und zu uns hinüberwerfen. Auch das heimlich Abrichten dieser Vögel sollte in Erwägung gezogen werden. 
  • Sogar Ameisen sind geeignete Vehikel für so manche Samen, wie die einiger Borretschgewächse, Leberblümchen oder Lerchensporn. Sie zu dulden kann also helfen.
  • In der Nähe der Gartengrenze stets ein Argusauge auf Keimlinge haben. Zäune dienen Vögeln gern als Sitzplatz, so dass darunter immer besonders viele Sämlinge auflaufen. In diesem Niemandsland kann man sich getrost bedienen. Sowieso sollte man Keimlingen unvoreingenommen gegenübertreten. Vielleicht ist es ja doch das gute Zeug von nebenan.
  • Die nächste Strategie ist etwas unkonventionell und extravagant, es sollen damit aber schon gute Erfolge erzielt worden sein: Den Nachbarn fragen, ob er bereit wäre, seine wundervollen Prachtstauden bei Platzmangel in äußerst gute, fachmännische Hände abzugeben. Unsere natürlich. Einen Tauschhandel vorzuschlagen ist ebenfalls nicht verkehrt. Hierbei nicht unbedingt gleich die Wucherkönige unseres Grundstückes anbieten, das könnte die günstige Pflanzenquelle bereits im Keim ersticken. Je wertvoller unser Angebot, desto großzügiger wird auch das des Nachbarn sein.

Geranium phaeum - von der Nachbarin bekommen, im Tausch gegen Wald-Erdbeeren

Herbst-Eisenhut, vom Nachbarn

An schöne, kostenlose Stauden kommt man natürlich nur heran, wenn die Nachbarn in etwa den gleichen Pflanzengeschmack haben und ihren Garten in ähnlicher Weise bewirtschaften wie wir. Wer nur von Thuja und Rasen umgeben ist, hat es schwer, an Gratis-Gewächse zu kommen. Bis jetzt hatte ich in dieser Beziehung ganz großes Glück. Das kann sich schon bald ändern, denn im Frühjahr bekommen wir neue Nachbarn. Und sollten diese den schönen Garten nebenan einebnen wollen, stehe ich selbstverständlich bereit, die heimatlosen Pflanzen zu adoptieren. Lieber wäre es mir aber, sie könnten bleiben, wo sie sind, der Bienen zuliebe.

    Samstag, 18. Juni 2011

    Mein Überraschungsgast

    Diese Staude sieht aus, als hätte sie sich nicht entscheiden können, ob sie lieber ein Vergissmeinnicht oder ein Borretsch wäre. Ein eindeutiger Fall von gespaltener Persönlichkeit: Die Blüten sehen aus wie ein Myosotis auf Testosteron, die Blätter sind reibeisenähnlich wie von Borago.


    Meiner naiven Meinung nach sollte das sowieso etwas ganz anderes werden, nämlich ein Fingerhut. Für diesen hielt ich den winzigen Sämling nämlich zunächst, als ich ihn gejätet und weggeworfen im botanischen Garten fand.
    Ihn vor dem sicheren Tod durch Vertrocknen oder Zertrampeln zu retten, war natürlich Ehrensache. Für einen Fingerhut tu ich fast alles.

    Im nächsten Frühjahr bekam ich dann doch erste, ganz leise Zweifel. Die Blätter wuchsen und wuchsen zu einer stattlichen Blattrosette heran, wurden aber immer spitzer und vor allem immer rauher!
    Ab sofort schied Fingerhut aus. Die Borretschverwandtschaft war nicht mehr zu leugnen, allerdings ist der bekanntermaßen nicht über den Winter zu bringen, während diese Pflanze hier ganz frech mit immergrünen Blättern angab.

    Dann erschienen die ersten Blüten und ich hatte endlich einen Anhaltspunkt, die Identität dieser Staude zu lüften. Ich betrieb also Ahnenforschung im Internet (was haben wir früher bloß ohne gemacht?) und konnte den Namen von Mr. X am Ende doch noch herausfinden:
    Mein Überraschungsei war eine Pentaglottis sempervirens, eine Immergrüne Ochsenzunge.
    Auf Englisch heißt sie Green Alkanet, was auf ihre frühere Bedeutung als Färberpflanze hindeutet - hennafarben soll das werden.

    Heute findet man Pentaglottis nicht mehr in Gärten, höchstens aus Versehen, wenn sie irgendwo keck aus einer Hecke spitzt. Seit ich ihren Namen kenne, sehe ich sie plötzlich sowieso überall. Sie verfolgt mich regelrecht.
    Aber nie darf sie einen Platz in der Staudenrabatte bekleiden - nur der botanische Garten hat sie mit voller Absicht ausgestellt.

    Dabei ist sie durchaus wertvoll. Sie bringt Farbe in schattige Gartenbereiche und blüht gute zwei Monate durch. Die Hummeln und Bienen lieben sie.

    Mittagssonne ist ihr verhasst, sie quittiert so eine Frechheit mit wehleidig welken Blättern. Das kann man aber ruhig erstmal ignorieren. Sieht sie am Abend im Schatten immer noch nicht besser aus, kann man sie gießen, aber meistens beruhigt sie sich von allein wieder.

    Als Beetschwestern kann ich Akelei und Geranium phaeum empfehlen, sowie die bezaubernde Baptisia australis - Färberpflanzen unter sich:


    Baptisia ist eigentlich ein Sonnenfreund. Da kann man mal sehen, wie tolerant Pentaglottis in ihrer Standortwahl doch ist - hier haben sich beide auf Halbschatten geeinigt.

    Mit Akelei und Braunem Storchschnabel:






    Die Samenstände ähneln sehr dem Borretsch:


    Pentaglottis sät sich bereitwillig selbst aus. Das hat sie vom Vergissmeinnicht.
    Was sie wiederum vom Borretsch hat, ist das fettreiche weiße Samenanhängsel, das Elaiosom, das Ameisen gnädig stimmen und zum Verschleppen der Samen animieren soll:


    Scheint zu helfen. In meinem Garten finde ich immer neue Sämlinge.

    Die Samen dort oben habe ich für euch gesammelt. Dabei lief mir eine riesige Zecke auf die Hand (was ich nicht alles für euch tue). Was nicht heißen soll, dass Pentaglottis ein stadtbekannter Zeckenmagnet ist. Sie wächst nur dummerweise am Rötelmausbunker.

    Wer also diese mit großer Wahrscheinlichkeit nicht im Handel befindliche Wildstaude für schattige Bereiche in seinem Garten ziehen möchte, der schreibe mir das als Kommentar und bekommt die Samen zugeschickt.
    Sollte wider Erwarten mehr als eine Beifallsbekundung eingehen, entscheidet das Los.
    Bei ganz großen Sympathieäußerungen für Pentaglottis wäre ich auch noch einmal bereit, mich zwischen die Zecken zu werfen.

    Also, wer will noch mal, wer hat noch nicht?