In der letzten Gartenpraxis ging es um den Namen Knöterich, der doch so wenig schmeichelhaft klingt. Ob man ihn nicht lieber Bistortie nennen könnte, damit er attraktiver wird und dadurch eine weitere Verbreitung erfährt. In der Tat klingt der Name Knöterich eher nach einer Pflanzenkrankheit, die sich durch Kümmerwuchs und verknotete Triebe auszeichnet.
Auch die schönen, zahmen Sorten des Scharbockskrauts gingen auf Pflanzenmärkten erst weg wie geschnitten Brot, als sie kurzerhand in Zwergranunkeln umgetauft wurden.
Doch auch andere Pflanzen leiden unter doofen Namen, die dafür sorgen, dass niemand sie so recht im Garten haben will. Während andere sich überbieten mit königlichen und rühmlichen Namen, wie Ruhmeskrone, Wunderblume, Prachtkerze oder Goldlack, sind bescheidenere Pflanzen dem Namen nach die botanischen Aschenputtel geblieben. Hier meine Nominierungen für eine baldige Umbenennung:
- Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum): Taubnessel klingt ja schon nicht nett. Das hört sich an, als wäre die Pflanze sensorisch etwas minderbemittelt, während alle anderen Pflanzen hören können, was der Gärtner ihnen sagt. Gefleckte Taubnessel klingt dann vollends unpoetisch, als hätte sie noch einen weiteren Makel, zum Beispiel die Masern. Auf Englisch wird es auch nicht besser, da heißt sie Spottet Dead-Nettle. Allerdings nennen die Engländer inoffiziell auch purple dragon. Ja, damit kann man doch arbeiten! Wie wäre es also mit Purpur-Drache?
- Brauner Storchschnabel (Geranium phaeum): Braun ist im deutschen weder ein positiv belegter Begriff noch eine besonders schöne Farbe für eine Pflanze. Nichts, was einem ins Auge fallen würde, ist braun bei diesem Geranium! Auch hier kommen einem die Briten wieder zu Hilfe, dort heißt die Art dusky crane's-bill, mourning widow oder black widow - yesss, viel besser! Wie wäre es also mit Schwarzer Witwe?
- Russel-Brandkraut (Phlomis russeliana): Klingt eher nach Brennnessel-Erfahrungen beim Berühren der Blätter oder nach akuter Waldbrandgefahr. Da die Art aus der Türkei stammt und dort in Haselnussgebüschen wächst, könnte man die Staude stattdessen Türkischen Salbei oder Haselnuss-Salbei nennen oder wegen der Anordnung der Blüten im Kreis rund um den Stängel auch Hummel-Karussel.
- Kartoffelrose (Rosa rugosa): Sie bildet Hagebutten, keine Kartoffeln. Die sind zwar knollengroß, aber trotzdem wird der Name ihr nicht gerecht. Er kommt von der Form der Blätter, die an Kartoffellaub erinnern. Immerblühende Rose wäre eine bessere Bezeichnung, denn sie ist die einzige Wildrose, die immer weiter blüht.
- Kriechender Günsel (Ajuga reptans): Der vordere Namensteil deutet darauf hin, dass die Staude Ausläufer bildet, und der hintere ist auch nicht besser. Dabei ist der Günsel überaus attraktiv für Schmetterlinge und es gibt ihn mit wunderschönem violettem Laub. Warum also nicht als Vorschlag zur Güte wenigstens Kriechende Blaukerze als Namen?
- Gilbweideriche (Lysimachia vulgaris und punctata): Ist der Gilb nicht der Schrecken einer jeden Gardine? Niemand möchte doch ernsthaft irgendwas etwas Vergilbtes in Haus oder Garten haben. Wenn schon, dann doch wenigstens Goldweiderich, denn das sind die Blüten: Goldgilb, äh: -gelb.
- Chinesische Bleiwurz (Ceratostigma plumbaginoides): Bleibt die mit dem Namen nicht wie Blei im Regal liegen? Warum heißt die überhaupt so? Das soll einerseits daher kommen, dass man früher dachte, die Pflanze würde gegen Bleivergiftungen helfen, laut anderen Quellen färbt der Wurzelsaft die Haut bleigrau, was eher ungesund aussieht. Kann man die Pflanze nicht einfach Blauwurz nennen wegen der blauen Blüten?
- Witwenblume (Knautia): Was wie wir oben gesehen haben eher ein passender Name für den Braunen Storchschnabel wäre, trifft hier eine besonders lebensfrohe Blume nicht besonders gut. Wenn schon, dann doch bitte Lustige Witwe oder Schmetterlings-Rüsche.
- Miesmäulchen (Chelone obliqua): Der Name kommt vom immerwährend schlechtgelaunten Gesicht der einzelnen Blüten. Zum Glück gibt es schon einen besseren Namen und ich muss mir keinen ausdenken: Schlangenkopf!
- Bartnelke (Dianthus barbatus): Der Name hat doch wohl langsam einen Bart... Damit die schöne, einfach zu ziehende Nelke endlich mal von ihrem verstaubten Image runterkommt, braucht sie dringend einen neuen Rufnamen. Auf Englisch heißt sie Sweet William, was nicht so richtig weiterhilft. Nach europäischerm Votum, denn so befinden es einhellig die Italiener, Franzosen und Spanier, müsste sie Poetennelke heißen.