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Samstag, 12. Mai 2018

Friedhofsgewächse

Es ist jedes Jahr dasselbe: Die Vergissmeinnicht haben die Tomatenkübel erobert und blühen sich die Seele aus dem Leib. Die Eisheiligen sind ihnen schnuppe, die Wohnlage an der Hauswand finden sie prima. Da ist guter Rat teuer, wenn die neue Generation Tomaten in die Töpfe einziehen soll. Die hübschen Hausbesetzer einfach kompostieren? Das geht ja nun wirklich nicht. Die Mauerbienen besuchen die Blüten so gern, dass man ihnen diese blaue Nahrungsquelle nicht wegnehmen will.


Wie gut, wenn man noch leere Tonschalen zur Hand hat. Die kann man kostenlos in den Entsorgungsbehältern auf dem Friedhof finden. Oft genug werden sie einfach weggeworfen, anstatt sie neu zu bepflanzen. Vielleicht kommen sie inklusive Grabgesteck daher und werden im Frühling unmodern. Egal, bei mir haben sie ein zweites Leben - ohne Friedhofsgwächse, dafür aber mit fröhlichen Vergissmeinnicht.
Ich habe sie einfach umgezogen, die neuen Tomaten können die alten Domizile wieder besiedeln und alle sind glücklich.


Die übrigen wohnen jetzt im Beet:


Auch dieser Tonblumenkasten stammt vom Friedhof und ließ sich auf dem Fahrradgepäckträger mitnehmen. Er ersetzt den kaputten, der über etliche Winter Risse bekommen hatte und altersschwach zerbröckelte. Die Erdbeeren fühlen sich wohl in ihm, trotz seines morbiden Werdegangs.


Weitere Recyclingstars sind die Kiefernzapfen aus dem Insektenhotel. Obwohl schon lange tot, entwickeln sie dennoch ein Eigenleben: Ziehen sich im nassen Zustand zusammen und öffnen sich bei Trockenheit wieder. Wenn man wissen möchte, ob es während einer Wochenendreise zuhause geregnet hat, stehen die Zapfen als umweltfreundliche Barometer bereit. Allerdings haben sie immer Verspätung und sind der Zeit ständig hinterher.


Im Null-Euro-Beet finden sich Pflanzenstecker aus alten Katzenfutterdosen und Bambusstäben. Die Namen sind mit Schlagbuchstaben gehämmert, die Löcher an den Ecken hat der Locher gestanzt - zwei davon gegenüber sorgen dafür, dass sich das Schild auf den Bambus fädeln lässt. Mit der Zickzackschere ist der Rand am Ende noch etwas adretter geworden.



Reine Deko ist diese Wellhornschnecke von der Nordsee. Daneben eine völlig kostenlose Knoblauchsrauke, die sich von selbst im Garten etabliert hat.


Und bald schließt sich der Kreis wieder: Die Vergissmeinnicht werden Samen produzieren, die sie wieder geschickt in den Tomatentöpfen platzieren werden. Dann ist es gut, im nächsten Jahr wieder eine geräumige Tonschale zur Hand zu haben.

Samstag, 6. Mai 2017

Logenplätze

Dieses Frühjahr fühle ich mich ständig beobachtet, wenn ich auf der Terrasse sitze. Hunderte Gesichter starren alle gleichzeitig auf mich herab von ihrem Logenplatz auf dem schneckensicheren Beistelltisch. Es wirkt wie eine gut besuchte Tribüne. Die auf den billigen Plätzen recken und strecken ihre Hälse, um auch einen Blick erhaschen zu können. Nur Beifall klatschen sie einfach nicht, die undankbare Bande.



Man möchte schon fast größenwahnsinnig werden bei soviel ungeteilter Aufmerksamkeit, doch tief im Inneren weiß ich natürlich, dass das Aufgebot der neugierigen Gesichter nicht mir gilt, sondern schlicht und einfach der Sonne. Gegen die kann ich nun mal nicht anstinken, so viele Kunststückchen ich auch aufführe oder mit Dünger wedle.

Das werte Publikum ist nämlich nichts anderes als ein Topf mit gelb-violetten Hornveilchen. Die habe ich im November geschenkt bekommen und seitdem blühen sie sich mit kurzer Unterbrechung durch die Winterpause die Seele aus dem Leib.


So sah der Topf im März aus - daneben stehen immer noch die Bellis, die auch nicht aufhören zu blühen:



Selbst im Dezember hatten die Hornveilchen noch geblüht und sich auch durch Frost nicht unterkriegen lassen:





Normal ist diese Pracht im Topf bei mir nicht. Ich kaufe nämlich freiwillig selten was zur Belustigung meiner leeren Blumentöpfe. Normal ist das hier: Kübel, in denen im letzten Jahr Chilis oder Tomaten standen, bekommen bis April ganz von selbst ein neues blühendes Kleid. Vergissmeinnicht überall und ohne etwas dafür zu tun!


Die kleinen Blumen versamen sich überall hin und erfreuen mich im Frühjahr ganz kostenlos.



Und hier ein Rätsel: Finde den Fehler:



Richtig: Ein Stängel vom Vergissmeinnicht hat sich einen Trick einfallen lassen, um vor lauter Hornveilchen-Invasion Beachtung zu finden: Nach Art eines vierblättrigen Kleeblattes hat es statt 5 gleich 6 Blütenblätter. Es waren auch mal Blüten mit 7 auf einen Streich zu sehen, die sind aber schon abgefallen. Einige Nachbarblüten sind jedoch wieder korrekt beblättert, seltsam. Aber lustig. Und so vergisst man das blaue Blümchen garantiert nicht.

Die Mauerbienen finden die Vergissmeinnicht jedenfalls attraktiver als die Hornveilchen. Vielleicht fühlen sie sich ja auch beobachtet, wer weiß...


Samstag, 30. April 2016

Party-Crasher

Bald brauchen meine noch jugendlichen Chilipflanzen größere Töpfe, sonst wird das nichts mit dem verschärften Essen Marke Eigenanbau. Da ich gemeinerweise die letztjährigen Schärfespender den Winter über auf der Terrasse ihrem Schicksal überlassen habe, welches es nicht gut mit ihnen gemeint hat, sehen die Töpfe nun so aus:



Die abgestorbenen Überreste der Chilis habe ich schon heraus geschnitten, damit ich kein permanent schlechtes Gewissen bekomme bei dem traurigen Anblick. Ich hätte sie auch überwintern können, aber beim letzten Versuch konnte ich im Wochen-Rhythmus die Blattläuse abduschen, die sich die Pflanzen als Souvenir von draußen mitgebracht hatten. Also gibt es ab sofort jedes Jahr neue Sprösslinge aus den Samen vom Vorjahr.

Nun bleibt Erde selten unbemerkt von der allseits bereiten Spontanvegetation. In meinem Garten sind es weniger Unkräuter als die Stars unter den selbst versamenden Pionieren. Vergissmeinnicht ist immer zur Stelle, wenn es darum geht, einen freien Logenplatz im Topf zu besetzen. Auch der zweijährige gelbe Schöterich, irgendein Erysimum-Hybride, pflanzt sich zuverlässig in sämtliche Kübel, wohingegen er im Garten verschwunden ist, weil er keine Wurzel in den Boden bekommt vor lauter Stauden.

Dieser weiße, quadratische Topf (vor Jahren vom Sperrmüll gerettet) beherbergte auch mal eine scharfe Chili, mittlerweile wurde er aber altersmilde und von einem anderen Küchenkraut, dem Schnittlauch, okkupiert:

Dazwischen turnt hier und da das Hainveilchen (Viola riviniana) herum, wie auch immer es in die höheren Gefilde der auf dem Tisch stehenden Töpfe gelangt ist. Vielleicht waren die Ameisen die Träger.

Die ganze Pracht ist ein Dilemma für bekennende Blackbox-Gärtner und Blütenfreunde. Die Kübel werden schließlich gebraucht und können sich den Luxus der Besiedlung durch Pott-Piraten nicht allzu lange leisten. Irgendwann werde ich die ganze Pracht ausquartieren müssen. Das macht aber nichts - im nächsten Jahr sind sie sowieso alle wieder da, und wer weiß, was diesmal mit von der Partie ist?

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Und was machen eigentlich die Bio-Tulpenzwiebeln, die ich von Natural Bulbs bekommen und auch als Preise für meinen Fotowettbewerb letztes Jahr ausloben durfte?



7 Tulpen 'Red Impression' und 7 Zwiebeln 'Beauty of Spring' waren in den Tütchen.  Jetzt zeigt sich, ob ich sie noch alle habe. Und tatsächlich: ich habe durchgezählt, es sind alle vollzählig erschienen. Die roten sind ein bisschen eher dran, die gelben rücken nach.

Schon die Knospen waren schick mit ihrem roten Kussmund.






Was man noch alles mit Tulpen (und Narzissen) machen kann, außer sie in Beete zu stecken, konnte ich neulich beim Spazierengehen entdecken: Die Wanne ist voll, und zwar mit Erde und Blumenzwiebeln, die ihr Vollbad sichtlich genießen. Eine tolle Recycling-Idee, wenn mal eine Badewanne übrig ist - am besten eine, die auf eigenen Füßen steht, so wie diese hier:


Montag, 26. Mai 2014

Anhängliches

Da denkt der Gärtner, die Pflanzen wären einzig und allein zu seinem Wohlgefallen da und könnten mal ganz froh sein, dass er sich um sie kümmert und sie überhaupt in seinem Garten duldet. Pustekuchen, denn sie sind so frei und nutzen uns aus, wo sie nur können - drehen den Spieß um und missbrauchen uns als günstige Mitfahrgelegenheit.

Das hundsgewöhnliche Vergissmeinnicht ist so ein Beispiel - wenn man ihm zu nahe kommt oder es sogar im verblühten Zustand jätet, gibt es sich nicht etwa geschlagen, sondern hängt sich einfach an den Gärtner dran. Zumindest, wenn man etwas Langärmeliges, möglichst Wolliges oder Aufgerautes trägt. Die klebrigen Samenkapseln bleiben haften, bis wir sie auf ein ordentliches Aussehen bedacht an anderer Stelle im Garten abschütteln. Das kommt dem immer auf Ausaat versessenen Myosotis ganz gelegen.

So ein Verhalten kennt man von Kletten und Kletten-Labkraut, aber man rechnet nicht damit, dass auch das Vergissmeinnicht dieses Kunststück beherrscht und den Gärtner für seine Zwecke einspannt.


Ein anderer Vertreter dieser tollkühnen Trittbrettfahrer ist der Odermennig (Agrimonia). Er blüht im Juli und hat danach den ganzen Sommer lang Zeit, sich an den Gärtner heran zu schmeißen. Da der Große Odermennig (Agrimonia procera) locker 1,5 m Höhe erreicht, kann er mit Leichtigkeit sämtliche Körperteile besetzen und sich sogar als Haarschmuck anbiedern. Meist bemerke ich seine anhänglichen Samenkapseln erst, wenn ich irgendwann mal wieder in den Spiegel schaue, um meine von der Gartenarbeit als solche nicht mehr erkennbare Frisur zu sortieren. Auch an Katzenfell kleben die aufsässigen Samenbehälter noch ganz ordentlich.


Wenn man sie absammelt und irgendwo in den Garten wirft, hat man bald viele neue Jungpflanzen. Für Guerilla-Gärtner ist dies die wohl kleinste Samenbombe der Welt.

Ganz schön clever von den Pflanzen, den Gärtner so für sich einzuspannen. Man merkt dann auch gleich, wo man hingehört - von wegen der Garten unterliegt dem Menschen. Das Grünzeug gibt sich nicht mit dieser Rollenverteilung zufrieden. Aber was wäre ein Garten ohne ein bisschen Anarchie?

Samstag, 15. Mai 2010

Himmelblau

Eine Farbe, mit der der Himmel sich gerade ein bisschen geizig zeigt.
Für solche trüben Tage sind die Rauhblattgewächse (Boraginaceae) wie geschaffen, die Stimmung aufzuhellen.
Viele zeigen himmelblaue Blüten, allen voran das allgegenwärtige zweijährige Vergissmeinnicht:



Hat man erstmal eine einzige Pflanze im Garten, sät sie sich bereitwillig aus und wird zum Bodendecker auf Zeit. Nach der Blüte kann man es rausreißen, es hat dann schon selbst für Nachwuchs gesorgt. Man glaubt gar nicht, an welchen möglichen und unmöglichen Stellen die Sämlinge überall auftauchen können. Da die Samenkapseln sehr anhänglich sind und ein bisschen kletten können, hilft auch der Gärtner nach, wenn er die Samen an seiner Kleidung herumschleppt und irgendwo abschüttelt. Natürlich kann man sich auch so zu einem himmelblauen Maigarten verhelfen, indem man die verblühten Pflanzen über allen Beeten ausschüttelt.

Ausdauernder ist das Kaukasus-Vergissmeinnicht - eine Staude für den Gehölzrand, die sich ebenfalls selbst verbreitet. Meine sind Geschenke des Nachbargartens, von wo sie freiwillig eingewandert sind. Einige Sämlinge habe ich an der Gartengrenze eingesammelt und in mein "Waldbeet" unterm Zierapfel gesetzt, wo sie wunderschön zum weißen Tränenden Herz passen.
Mittlerweile gibt es schöne Züchtungen, wie "Jack Frost" mit seinen silbrigen Blättern:


Ein Rauhblatt, das man selten in Gärten sieht, hat ebenfalls gerade seine Blütensterne geöffnet: Die Immergrüne Ochsenzunge (Pentaglottis sempervirens). Wie ein Kunstwesen aus Borretsch und Vergissmeinnicht sieht es aus - an den Borretsch erinnert die borstige  Kratzbürstigkeit, an das Vergissmeinnicht seine überdimensionalen Blüten.
Hier ist gerade eine von meinen Mauerbienen im Anflug (ja, gestern gab es tatsächlich ein paar Stunden Sonne!):


Dieses Rauhblatt ist ein echtes Rauhbein: Ausdauernd, wintergrün und sich selbst verbreitend.

Seine Blüten soll man essen können, ähnlich wie die des Borretsch, aber ausprobiert habe ich es noch nicht.