Posts mit dem Label Töpfe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Töpfe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 27. Mai 2023

Siegertypen

Geht es nur mir so oder denkt ihr auch, es droht schon wieder eine Dürre? Nach dem Elend der letzten Jahre kann ich Sonne im Mai gar nicht mehr richtig genießen, weil ich immer Angst habe, dass es so schnell keinen Regen mehr gibt. Ich bin völlig pladder-paranoid, so lautet das Fachwort. Manche nennen es auch plemplem.

Wie gut, dass es Pflanzen gibt, die einem in jeder Situation, ob feucht-fröhlich oder nervig trocken, Freude bereiten. Mit Sedum kann man nichts verkehrt machen. Und diese Sukkulenten sind sich auch nicht zu fein, in Dingen vom Dachboden oder in Trödel zu residieren. Sie brauchen nicht viel Erde und nicht viel Wasser. Was sie aber wollen, ist viel Wasserabzug, wenn es mal zu nass wird. Daher kann man Tonscherben oder was man gerade an Trümmern übrig hat, unten in den Topf legen. Sie lassen sich gekonnt über den Topfrand hängen und können so auch etwas ramponierte Gefäße schön kaschieren. Besonders die Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre) oder Tripmadam ist hierbei gut zu gebrauchen. Auch Sempervivum und Mauerpfeffer lassen sich einsetzen.

Hier eine kleine Kollektion von der Bodensee-Insel-Reichenau, wo ich ganz besonders viele Arrangements mit Sukkulenten gefunden habe. So sehen Sieger aus!







 

Auf der Landesgartenschau Balingen gab es das größere Kaliber in Form einer Trockenmauer. Auch dort schmiegt sich Sedum in jede Ritze und trumpft in der prallen Sonne richtig auf. Sie sind Fugen-Finder und Nischen-Nutzer.








Sukkulenten sind wie geschaffen für trockene Plätze - von denen es ja immer mehr zu geben scheint.

Samstag, 11. Januar 2020

Es kommt nicht auf die Größe an

Bald ist sie wieder da, die Jahreszeit, in der alle Gartenbesitzer etwas Neues pflanzen wollen oder Abgängiges ersetzen müssen. Die Gartencenter jedenfalls sind zur Stelle, vermutlich eher überpünktlich und mit vorgetriebenen Pflanzen, die wir wintergeplagten Gartenmenschen in den Einkaufswagen wuchten, als gäb's kein Morgen mehr.


Die Märkte tun das aber nicht aus purer Menschenfreundlichkeit, sondern weil sie Geld verdienen wollen, logisch. Da die meisten Kunden Augenmenschen sind, die sich nach dem Winter von üppigen Blüten über prallem Laub blenden lassen, liegt das Augenmerk der Gartencenter auf verhätschelten Gewächshausinsassen. Die wenigsten würden einem kleinen Töpfchen mit einer winzigen Blattrosette den Vorzug geben, wenn nebenan die gleiche Art im größeren Kübel steht und ihrer Zeit blütentechnisch um Wochen oder gar Monaten voraus ist.

Aber lohnt es, die frühreife Blütenshow zu kaufen? Und welches Topfvolumen ist besser? Kommt es wirklich auf die Größe an?


Die aufgeputschte Gewächshausware ist immer ein Wagnis. Die Mimöschen haben vermutlich noch nie echtes Sonnenlicht gesehen und sich auch keine unterkühlte Knospe geholt. Eine kalte Nacht noch und das pflanzliche Weichei ist im Freiland hinüber.


Ein anderer Aspekt ist, dass viele Gartencenterstauden während der Anzucht regelrecht verwöhnt wurden. Dünger und Wasser bekamen sie dank gutem Zimmerservice rund um die Uhr direkt an die Wurzel geliefert. Das hat sie faul gemacht. In ein gutes Wurzelsystem zu investieren, hat sich nie gelohnt. Stattdessen wurde alles in üppige Blüten gesteckt, denn das Prassen schadete ja nie.

Gerade Pflanzen, die naturgemäß eine Pfahlwurzel entwickeln, können dies im Topf oft nicht oder schludern absichtlich, weil Wasser und Nährstoffe auch ohne gut erreichbar sind. Hier geht's oft rund statt in die Tiefe.



Torfhaltige Erde ist sowieso die Regel - ein Substrat also, das sich sehr vom normalen Gartenboden unterscheidet. In den Garten ausgepflanzt, ist das ein Kulturschock, eine post-horticulturale Belastungsstörung geradezu. Manche Stauden weigern sich beharrlich, ihre verwöhnten Wurzeln in die nährstoffärmere und so ganz andere Gartenerde zu stecken. Trockenstress vertragen sie gar nicht, den sind sie ja nicht gewohnt. Noch nach Jahren kümmerlichen Wuchses kann man den Wurzelballen oft ganz leicht herausziehen - er hat immer noch die ursprüngliche Topfform.

Damit das nicht passiert, ist es besser, kleinere Töpfe zu kaufen. Sie gewöhnen sich besser ein, ihr Wurzelsystem passt noch eher in den Container. Die Anzucht aus Samen ist noch besser, denn wir gehen viel schludriger mit Dünger um als die Pflanzenproduzenten, was die Pflanze eigenständig auf Nahrungssuche gehen lässt.



Große Kübelinsassen brauchen als erstes eine Wurzelbehandlung: Möglichst viel von der alten Erde sollte ausgeklopft oder abgespült werden und die Wurzeln gelockert. Nach dem Einpflanzen ist gründliches Gießen mit der Kanne angesagt, um Lufteinschlüsse zu entfernen.

Obwohl es gerade im Frühjahr sehr schwer fällt - kleine Pflanzen von guten Staudengärtnern sind nachhaltiger als das große Blendwerk aus dem Gartencenter. Wenn man nur widerstehen könnte, denn das Auge kauft ja mit...

Samstag, 30. April 2016

Party-Crasher

Bald brauchen meine noch jugendlichen Chilipflanzen größere Töpfe, sonst wird das nichts mit dem verschärften Essen Marke Eigenanbau. Da ich gemeinerweise die letztjährigen Schärfespender den Winter über auf der Terrasse ihrem Schicksal überlassen habe, welches es nicht gut mit ihnen gemeint hat, sehen die Töpfe nun so aus:



Die abgestorbenen Überreste der Chilis habe ich schon heraus geschnitten, damit ich kein permanent schlechtes Gewissen bekomme bei dem traurigen Anblick. Ich hätte sie auch überwintern können, aber beim letzten Versuch konnte ich im Wochen-Rhythmus die Blattläuse abduschen, die sich die Pflanzen als Souvenir von draußen mitgebracht hatten. Also gibt es ab sofort jedes Jahr neue Sprösslinge aus den Samen vom Vorjahr.

Nun bleibt Erde selten unbemerkt von der allseits bereiten Spontanvegetation. In meinem Garten sind es weniger Unkräuter als die Stars unter den selbst versamenden Pionieren. Vergissmeinnicht ist immer zur Stelle, wenn es darum geht, einen freien Logenplatz im Topf zu besetzen. Auch der zweijährige gelbe Schöterich, irgendein Erysimum-Hybride, pflanzt sich zuverlässig in sämtliche Kübel, wohingegen er im Garten verschwunden ist, weil er keine Wurzel in den Boden bekommt vor lauter Stauden.

Dieser weiße, quadratische Topf (vor Jahren vom Sperrmüll gerettet) beherbergte auch mal eine scharfe Chili, mittlerweile wurde er aber altersmilde und von einem anderen Küchenkraut, dem Schnittlauch, okkupiert:

Dazwischen turnt hier und da das Hainveilchen (Viola riviniana) herum, wie auch immer es in die höheren Gefilde der auf dem Tisch stehenden Töpfe gelangt ist. Vielleicht waren die Ameisen die Träger.

Die ganze Pracht ist ein Dilemma für bekennende Blackbox-Gärtner und Blütenfreunde. Die Kübel werden schließlich gebraucht und können sich den Luxus der Besiedlung durch Pott-Piraten nicht allzu lange leisten. Irgendwann werde ich die ganze Pracht ausquartieren müssen. Das macht aber nichts - im nächsten Jahr sind sie sowieso alle wieder da, und wer weiß, was diesmal mit von der Partie ist?

___________________________________________________

Und was machen eigentlich die Bio-Tulpenzwiebeln, die ich von Natural Bulbs bekommen und auch als Preise für meinen Fotowettbewerb letztes Jahr ausloben durfte?



7 Tulpen 'Red Impression' und 7 Zwiebeln 'Beauty of Spring' waren in den Tütchen.  Jetzt zeigt sich, ob ich sie noch alle habe. Und tatsächlich: ich habe durchgezählt, es sind alle vollzählig erschienen. Die roten sind ein bisschen eher dran, die gelben rücken nach.

Schon die Knospen waren schick mit ihrem roten Kussmund.






Was man noch alles mit Tulpen (und Narzissen) machen kann, außer sie in Beete zu stecken, konnte ich neulich beim Spazierengehen entdecken: Die Wanne ist voll, und zwar mit Erde und Blumenzwiebeln, die ihr Vollbad sichtlich genießen. Eine tolle Recycling-Idee, wenn mal eine Badewanne übrig ist - am besten eine, die auf eigenen Füßen steht, so wie diese hier:


Samstag, 12. Dezember 2015

R.I.P., Tom Bohnen

Vor kurzem verstarb völlig unerwartet "Tom Bohnen". Sein Alter kann nur geschätzt werden, das hat er nie so richtig preisgegeben, da war er eitel. Ich kannte ihn neun Jahre lang, also wird er mindestens zehn Jahre alt gewesen sein. Meine Zeit mit ihm war geprägt durch sein leises, unaufdringliches Wesen. Er war kein Säufer und hat sich nie in den Vordergrund gespielt. Er wurde in aller Stille in der Kompostieranlage Gütersloh beigesetzt. Tom Bohnen war kein geringerer als mein treuer alter Kaffeestrauch, den ich 2006 im Palmengarten Frankfurt geschenkt bekam.

Er hatte diese rätselhafte Krankheit, bei der von heute auf morgen plötzlich alle Blätter herabhängen und mit oder ohne Wasser nichts mehr werden. Das war's dann. Das Laub fällt auch nicht etwa herbstlich ab, es bleibt einfach als Mahnmal hängen und sieht schlimm aus. Vermutlich hat er sich einen Wurzelpilz zugezogen durch so manche zu großzügige Wassergabe. Ich bin untröstlich und noch dazu selber schuld. Das wird bei seinem inzwischen vierjährigen Nachkommen hoffentlich nicht passieren, der auch schon nicht mehr ganz grün hinter den Ohren ist, seine Rinde zumindest sieht schon ehrwürdig gealtert aus:

Toms letzte Beeren konnte ich natürlich nicht wegwerfen und habe die Kaffeebohnen ausgesät.



In einem kleinen Zimmergewächshaus auf der sonnigen Sommerfensterbank im Wohnzimmer ging das Keimen für Kaffeeverhältnisse in atemberaubender Geschwindigkeit vonstatten: Kaum wartete man vier Wochen, waren die Sämlinge auch schon da.
Und nun stehe ich da mit der großen Kinderschar. Ich kann sie jetzt nicht einfach in verantwortunglose Hände abgeben, dazu sind sie zu wertvoll. Und gute Kaffeetanten sind schwer zu finden. Also habe ich erst einmal umgetopft, kommt Zeit, kommt Besitzer.

Soll es ein Geschenk werden, lassen sich gerade bei Nutzpflanzen sinngemäße Behältnisse finden. Eine selbgstgezogene Zitrone in eine Zitruspresse zu pflanzen oder eine Chili in einen Feuerlöscher wird vielleicht etwas schwierig, aber gerade beim Kaffee klappt das hervorragend. Hier sind gebrauchte Papp-Kaffeebecher ganz witzig. Eigentlich versuche ich die Einwegbehälter zu meiden wie der Teufel das Weihwasser, aber manchmal werde ich auch schwach. Auf diesem steht drauf, was drin ist: 100% arabica. Stimmt, so heißt er, der Kaffee: Coffea arabica, habe die Ehre.


Auch diese Probedöschen, die einmal geröstete und damit zuverlässig abgetötete Kaffeebohnen enthielten, sind eine nette Ummantelung für kleine Keimlinge, die den Besitzer wechseln sollen - nach dem Motto Phönix aus der Asche:



Als Geburtstagsgeschenk habe ich einen Porzellan-Kaffeefilter bepflanzt, denn er hat unten praktische Ablauflöcher. Eine Untertasse dazu und nichts kann mehr auslaufen. Auch ein Übergießen ist bei dieser Variante eher unwahrscheinlich, da dies schnell in einer Überschwemmung endet:


Ein Kaffeekind werde ich aber behalten, als Erinnerung an Tom Bohnen und weil man nie weiß, wann sie welken...

Samstag, 29. August 2015

Feigenblatt

Heute brauche ich ein Feigenblatt, denn ich habe etwas zu verbergen: Unschöne Plastiktöpfe.

Ich hatte ja schon einmal erwähnt, dass große Übertöpfe irgendwann alle besetzt sind. Für temporäre Pflanzenexperimente lohnt auch das Anschaffen eines neuen Kübels nicht immer. Warum ich überhaupt Pflanzen in Einzelhaft unterbringe und sie mit engen Verhältnissen quäle, wo ich doch auch einen Garten habe? Weil diese Garten schon von bis zum Stehkragen voll ist und von Stauden annektiert wird. Die Nacktschnecken schaffen es außerdem eher nicht bis in die Töpfe hinauf, vor allem nicht in die, die in luftiger Höhe auf dem Terrassen-Beistelltisch stehen.

Auch andere erhöhte Plätze sind so sicher wie stilsicher - hier Arrangements mit Totholz, die ich beim Spazierengehen entdeckt habe:



Ein Kunststoffcontainer aber hat von Natur aus leider nicht das gewisse Etwas, ob mit oder ohne Nacktschnecken. Da will sich einfach keine Patina entwickeln. Einen geräumigen Topf brachte mir meine Mutter frei Haus mit, bis zum Rand gefüllt mit Bartnelkensämlingen - die reinste Massenpflanzenhaltung. Die sind nun alle im Null-Euro-Beet gelandet und haben mittlerweile deutlich mehr Platz um sich herum.

Der leere große Container kam aber wie gerufen, um einen privilegierten Erdbeerspinat-Sämling darin einzuquartieren.

Zum Verschönern habe ich mir ein knallrotes Gummiband geschnappt, das in etwa die Farbe der Erdbeerspinat-Früchte hat. Das allein macht aber noch keinen tollen Topf. Ich habe also noch Weinblätter unter das Band gesteckt, in Ermangelung an Feigenblättern, die sicher länger halten würden. Dazu kamen noch in bemitleidenswerter Weise abgefallene Süßkirschenblätter in vorzeitigen Herbstfarben - Gummifluss sei Dank!

Bei Regenwetter hält so ein Röckchen eine Weile, lässt sich notfalls aber bei einem kurzfristig angekündigten Besuch noch schnell kurz vor knapp improvisieren. Und schon sieht der kaschierte Kübel ein bisschen besser aus. Zusätzlicher Nutzen: Der schwarze Topf überhitzt nicht so schnell bei heißem Sommerwetter.

Die Erdbeerspinat-Früchte sind übrigens ausgesprochen dekorativ und noch dazu essbar. Sie schmecken wenig fruchtig, sind aber sehr saftig. Und sie passen zum roten Gummiband...

Samstag, 24. Januar 2015

Top­f-Fa­vo­rit

Im Winter, wenn kein störendes Grün draußen vom Anblick der warmen Seite des Wohnzimmerfensters ablenkt, sieht man erst das ganze Ausmaß des Gedränges: Meine Zimmerpflanzen-Zwangswohngemeinschaft ist die reinste Ellbogengesellschaft. Die Aloe vera versucht mit ihren bewaffneten Krakenarmen die Pfefferminzgeranie von der Fensterbank zu schubsen, diese wiederum bemüht sich nach Kräften, die kleineren Nachbarn mit ihren Stinkeblättern zum Verduften zu bringen. Das Brutblatt schließlich arbeitet eher auf subversive Art an der Weltherrschaft, indem es seine Kindel in jeden erreichbaren Blumentopf fallen lässt.

Und zwischen all den grünen Verdrängungswettbewerbern erblickt man des Öfteren ein schwarzes Raubtier auf einem Kissen, das so manche zu übermütige Pflanzen durch gnadenloses Zerbeißen in die Schranken weist und so punktuell für die Wiederherstellung des biologischen Gleichgewichts sorgt.

Doch der Mikrokosmos Fensterbank droht trotz Katzenschützenhilfe des Öfteren aus dem Lot zu geraten. Pflanzen, die sich nicht teilen lassen oder mit Hilfe von Kindeln nicht immer wieder bei Null anfangen können, brauchen früher oder später einen größeren Topf, da hilft auch keine Diät. Das ist dann wie in einer großen Familie, wo die älteren Kinder ihre abgetragenen Kleidungsstücke an die kleineren nach unten weiterreichen, nur dass hier nicht geschmollt wird, wenn das Grünzeug einen gebrauchten Topf anziehen soll.


Das System funktioniert eine Weile lang recht gut, bis irgendwann zu viele Pflanzen auf einmal aus ihrer Topfgröße herausgewachsen sind. Zum einen können die vielen großen Kübel gar nicht mehr alle zusammen auf der Fensterbank stehen, zum anderen ist bald ein Durchmesser überschritten, der noch komfortabel auf den Sims passen würde, ohne in Scherben zu enden.

Auch gibt es gern mal einen Engpass im heimischen Warenlager ab einem bestimmten Topfvolumen, gerade für schon fortgeschrittene Insassen.

Zum Glück schmeißt aber meine Mutter nie was weg - und man staunt, wie modern die jahrzehntelang völlig inakzeptabel gewesenen Töpfe nun wieder aussehen, kaum wartet man mal 30-40 Jahre. Ich konnte mir also aus ihrem Fundus etwas aussuchen und mitnehmen - das heißt Geld gespart und Umwelt geschont.

Dieser hier hat es als Topf-Favorit in die Endauswahl geschafft - ein relativ leichter, großer Übertopf im modischen Zebralook, der sogar aus den 50er Jahren stammen könnte. Etwas angeschlagen ist er an manchen Stellen, aber sowas verzeiht man bei dem Alter und nennt es Patina. Der Sansevierie stand er schon richtig gut, ich habe ihn dann aber doch der Ufo-Pflanze (Pilea peperomioides) - mit Spathiphyllum zur Untermiete - angezogen.


Das Platzproblem wird dadurch gelöst, dass dieser oder ein anderer Topf samt Bewohnern mit ins Büro kommt, damit er zuhause nicht etwa mit der Aloe vera um den Platz an der Sonne konkurrieren muss. Da der Zebratopf aber so gut zum Raubtier passt, darf er vielleicht sogar bleiben, mal sehen.

Schön, wenn ein Gang in den Keller die Ellbogengesellschaft ein bisschen entspannter macht!

Donnerstag, 8. Mai 2014

Original und Fälschung

Ich habe mich mal im Kunstfälschen geübt und im Garten eine Szene aus einem Buch nachgespielt, mit Originalcharakteren, aber nicht an Originalschauplätzen. Das Buch ist schon älter und nicht mehr erhältlich, gefällt mir aber immer noch sehr. "Inspirationen für den Topfgarten" heißt es - in wechselnden Abständen blättere ich es nochmals durch und bewundere die Arrangements in Kübeln, Trögen und Kästen. Dabei ist ein Bild, das mich ganz besonders inspiriert hat. Es ist ein eher bescheiden daher kommendes von einer der ersten Füllseiten, wo die Fotos noch ohne Beipackzettel auskommen müssen. Genauso ein Kleinod wie dort abgebildet wollte ich auch haben auf meiner Terrasse! 

Anderen Leuten im Garten etwas nachzumachen hat bei mir wirklich Seltenheitswert, das möchte ich betonen. Ich schaffe es nämlich nie, Pflanzpläne nach Anleitung und mit Einkaufszettel exakt nachzupflanzen. Zu sehr gärtnert bei mir Freund Zufall und ich kann ihm nie etwas abschlagen.

Dieses kleine Arrangement aber schien einfach - alles was man brauchte, waren ein steinerner Trog, nicht allzu groß, ein paar Sempervivum-Rosetten und eine Prise Zimbelkraut (Cymbalaria muralis). Der Kübel mit der Hauswurz war seit Langem da, der Rest schon schwieriger zu beschaffen, dabei berankt das Zimbelkraut altes Mauerwerk vielerorts in Massen. Aber man will an so altehrwürdigem Gestein ja auch nicht gierig herumfummeln.

Schließlich war er aber wieder da, der Freund Zufall - an einer dieser Mauern war ein Pflänzchen zu Boden gegangen und meine Chance gekommen.

Das Zimbelkräutchen war zwar winzig und ziemlich lädiert, ließ sich aber bereitwillig aufpäppeln - erst im Wasserglas und schließlich in einem eigenen Töpfchen, wo ich es eine Weile unter besondere Beobachtung stellte. Zwar war es nun von der Senkrechten in die Waagerechte gekommen, aber das machte ihm nichts aus, da war es flexibel.

Und dann war der große Tag gekommen - das zarte Zimbelkraut konnte mit dem dicken Sempervivum vergesellschaftet werden. Das sah doch perfekt aus! Und diese äußerst komplizierte Komposition hatte ich ganz alleine und nur aus der Erinnerung nachgepflanzt! Sollte ich etwa doch den Ansatz eines fotografischen Gedächtnisses haben? Ich war schwer beeindruckt.




Zumindest, bis ich mal wieder das Buch zur Hand nahm und meine Fälschung mit dem Original verglich: Herrje - da hatte ich wohl wieder mal Tomaten auf den Augen gehabt - ich hatte es ja ganz falsch gepflanzt!



Im Buch kommt das Zimbelkraut mit ganz zarten Greifärmchen von links ins Bild und schmeißt sich lässig an den Kübelbewohner heran, das Sempervivum bewohnt den Topf folglich aber ganz allein. Wo Cymbalaria wächst, wird nie geklärt auf diesem Foto - es ist wie die Frau ohne Unterleib. Sollten die beiden also doch gar keine so guten Nachbarn sein?

Da sieht man es mal wieder: Wer Pflanzkombinationen nachmacht oder fälscht oder nachgemachte oder gefälschte auf die Terrasse setzt und zur Anschauung bringt, wird mit Zimbelkrautjäten nicht unter zwei Tagen bestraft.
Ach, egal, diese ganz neue Interpretation probieren wir jetzt mal längerfristig aus - das deklarieren wir als gärtnerische Freiheit. Ich habe ja schon erwähnt, dass ich eigentlich kein Freund davon bin, Gartenpläne einfach nachzupflanzen..

Montag, 14. April 2014

Erdrotation

Man soll nicht mit dem Essen spielen. Richtig so. Nach dem Essen allerdings kann man machen, was man will. Ich für meinen Teil spiele am liebsten mit den Tomatentöpfen - nach dem Verspeisen der Früchte und Roden der Strünke im Herbst. Dann stehen die Kübel mit Erde, aber ohne Tomatenpflanzen, den lieben langen Winter hindurch auf der Terrasse herum und langweilen sich. Mir ist es dann ähnlich öde zumute.

Also habe ich mir mittlerweile eine grandiose, spaßige Beschäftigung für die kalte Jahreszeit ausgedacht: Ich säe, stecke und pflanze alles, was nicht niet- und nagelfest ist, in diese Töpfe. Dazu kommt allerhand Spontanvegetation, die immer auf geheimen Wegen dort hingelangt und auskeimt, was wiederum eine spannende Sache ist.

Durch diese Erdrotation hat die ganze Blumenerde in den Kübeln noch eine Verwendung und kann sich nützlich machen, bevor im April oder Mai die nächste Charge Tomaten gepflanzt werden muss und das Substrat ausgewechselt wird. Günstig ist dieser Nebenjob der Töpfe außerdem noch. Denn obwohl immer wieder geunkt wird, dass Topfsubstrat seine Struktur und überhaupt seine ganze Identität verliert, wenn es von letztem Jahr stammt oder auch nur einen Keimling beherbergt hat, kann man beruhigt darin aussäen, pflanzen und herumprobieren. So schlimm ist das alles nicht, denn toffreie Erde ist aufgrund der unverrotteten Holzfasern deutlich strukturstabiler als konventionelle (siehe auch hier).

Letztes Jahr habe ich einen Ast der Jostabeere zerschnitten und die Teilstücke tief in die alten Tomatenbehältnisse gesteckt. Das Experiment sieht sehr gelungen aus - die Zweige treiben aus und alle sind glücklich. Geht das vielleicht auch mit Johannisbeeren? Auch dafür ist noch ein Platz in der Topf-Phalanx frei.

Dazu kamen noch Samen vom Feldsalat, der mittlerweile in meinem Garten etabliert ist und sich selbst vermehrt, so dass ich ohne Zukauf weiterer Saat auskomme. In den Tomatentöpfen sind leckere kleine Salatköpfe gewachsen, die dazu den ganzen Winter lang alle Zeit der Welt hatten.

Aber noch nicht genug der Experimente - ich möchte auch noch herausfinden, ob schon völlig verholzte, aber noch mit Blättern behaftete Stängel von Moschusmalven bewurzeln (links im nächsten Bild). Und das Ergebnis sieht bis jetzt äußerst vielvesprechend aus!

Dann wäre da noch die bunte Frühlings-Pflanzengesellschaft aus zweijährigem Schöterich (Erysimum) und Vergissmeinnicht, die sich ganz ohne mein Zutun eingefunden hat, obwohl die Erde nicht nur von gestern ist, sondern sogar schon etliche Jahre alt (rechts im Bild):

Dieser unbekannte Sämling, der in Windeseile zu einer großen Pflanze herangewachsen ist, keimte wohl heimlich im Winter. Ich bin mir gar nicht sicher, in welche Richtung ich nach seinem Namen suchen muss - Karde oder Kompasslattich? Ich werde ihn wohl blühen lassen müssen, tendiere aber eher zum Lattich, da sich die Pflanze mittlerweile bis an die Zähne bewaffnet hat mit roten Stacheln.

Man sieht - diese Form der Erdrotation ist unglaublich spannend und viel besser, als die Tomatentöpfe schon im Herbst in den Komposter zu verklappen. Das Substrat gehört nach einer Saison noch lange nicht zum alten Eisen. Und schließlich braucht doch jeder Gärtner etwas zum Spielen, und wenn es nur alte Blumenerde ist!

Freitag, 17. Januar 2014

Warum eigentlich?

Ich werde oft gefragt, warum denn bloß ausgerechnet "günstig gärtnern" als Thema? Na gut, nicht so oft, aber manchmal. Also, einmal bestimmt.

Falls ihr euch das auch fragt: Die Antwort ist nicht so einfach. Ich gärtnere ja gar nicht auf Teufel komm raus nach der Geiz-ist-geil-Mentalität. Wo es auf Qualität ankommt, bin ich gerne bereit, etwas mehr auszugeben. Das Geld, das ich alljährlich in toffreie Blumenerde, Holzbeton-Nistkästen und herrlich nach Kuhweide riechenden, organischen Rasendünger investiere, übersteigt bei Weitem das Bruttoinlandsprodukt einer beliebigen Bananenrepublik. Auf der anderen Seite macht es mir aber einfach Spaß, Dinge wiederzuverwerten und Schätze zu suchen.

Pflanzen vermehre ich mittlerweile viel lieber selbst oder tausche sie mit Nachbarn, als den Kaufrausch im Gartencenter zu erleiden. Das macht nicht nur richtig viel Freude, das hat auch jede Menge fabelhafter Vorteile:

  • Grünzeug aus eigener Zucht wächst einem buchstäblich ans Herz. Man reißt sich ein Bein dafür aus, dass es ihm gut geht, verteidigt es mit Zähnen und Klauen gegen allerhand Unbilden. Für Baumarktware habe ich das selten getan - es sei denn, es hat sich um eine botanische Elendsgestalt aus dem Ramsch-Regal gehandelt, die ohne mich gestorben wäre.




  • Nichts ist schöner, als zu sehen, was aus einem unscheinbaren Samenkorn werden kann. Eines lernt man ganz schnell: Es kommt nicht auf die Größe an! Die dicksten Körner brauchen mitunter am längsten. Besonders Samen aus fleischigen Früchten wecken den Ehrgeiz: Schaffen sie die Keimung, ohne jemals einen Vogelmagen von innen gesehen zu haben?

  • Ich erzähle gern Geschichten zu meinen Pflanzen, falls sie jemand hören will. Kommt selten vor, aber manchmal finde ich ein ahnungsloses Opfer. Es ist nämlich viel schöner, wenn ich zum Besten geben kann, dass diese Staude aus dem Garten meiner Mutter stammt, jene am Bahndamm aufgelesen wurde, eine wieder andere von der netten Nachbarin stammt. Ganz auserwählte Exemplare stammen von ganz weit her, sind Urlaubsmitbringsel in Form von ehemaligen Palmensamen, oder wurden mir von Blog-Freundinnen zugeschickt. Das klingt doch viel besser als ein schnödes: "Die ist aus dem Supermarkt, Regal Südseite, Palette 3".

  • Tauschen mit Nachbarn bringt robustere, an das heimische Klima angepasste Pflanzen, im Gegensatz zu in Fernost vermehrter, vermeintlicher Schnäppchenware aus dem Discounter. Was dabei herauskommt, wenn es immer billiger sein muss, zeigen die vielen neuen Plagen, die über unsere Gartenpflanzen hereinbrechen: Dort der Buchsbaumpilz, hier ein neuer Fraß-Schädling - die Globalisierung lässt grüßen. Besser, man kauft die Seuchen erst gar nicht. Hier ein Beispiel - Buchsbaum-Ring in meinem Garten: Vorher - nachher: Mit und ohne Buchsbaumpilz




 
  • Baumarktpflanzen sind häufig bis zum Stehkragen voll mit Hochmoortorf im Kunststofftopf. Wer torffrei und möglichst ohne immer neues Plastik gärtnern möchte, kommt um selbst vermehrte Pflanzen in Substrat und Topf aus eigener Wahl meist nicht herum. Die über den Zaun gereichten brauchen weder noch. Bei veredelten Gehölzen ist das schon schwieriger, weil ich das selbst nicht hinbekomme. Ich bin daher immer gerne bereit, wurzelnackte Gehölze aus einer Baumschule oder guten Versandgärtnerei zu kaufen. Fairerweise muss ich gestehen, dass ich es auch nicht immer schaffe, ohne böse Rohstoffe auszukommen, und gerade bei Obstgehölzen auch schon getopfte Ware mitgenommen habe.



So, jetzt wisst ihr, warum "günstig gärtnern". Und nun entschuldigt mich, ich muss nach meinen Palmensämlingen schauen.