Neulich bin ich über die grüne Grenze ins Nicht-EU-Ausland gelaufen. Am Bodensee ist das recht einfach, man kann komfortabel jede Menge Ausland erreichen. Es gab schöne Blumenwiesen, einen kleinen Nutztierzoo und einen Aussichtsturm. Es gab aber auch einen Park, bei dem gerade der Wechselflor gewechselt wurde. Wechselflor, das sind diese armen Gewächse, die ihren Lebenszyklus nicht abschließen dürfen, weil sie in den Müll kommen, sobald auch nur die erste Blüte welkt. Stiefmütterchen sind die Klassiker im Wechselflorbeet, wo sie auch entsprechend stiefmütterlich behandelt werden. In diesem Fall handelte es sich aber um blaue Vergissmeinnicht und orangefarbenen Schöterich. Es könnte die Sorte 'Orange Glow' sein.
Und der war schon in großen Teilen herausgezogen und in Eimern gesammelt worden, wo alle Pflanzen vor sich hin trockneten. Schöterich kann aber mehrjährig sein, und wenn nicht, besteht die Chance, dass er sich aussamt. Ein Gärtner war gerade nicht zu sehen. Ich konnte nicht widerstehen und habe einen Schöterich mitgenommen. Eine Spur von orangefarbenen Blütenblättern hinterlassend bin ich noch eine Runde durch die Blumenwiesen gegangen, damit der Schöterich auch mal sieht, wie gut Pflanzen es haben können, und dann wieder zurück nach Deutschland.
Interpol hat bisher vergeblich versucht, den goldenen Schöterich wiederzufinden, trotz der Blütenblattspur.
Die Pflanze ist dann mit nach Mittelfranken gekommen, wo sie feierlich an ihren neuen Besitzer übergeben wurde, der ihr hoffentlich ein artgerechtes sonniges Leben bieten kann. In meinem Garten wäre es zu schattig und bis nach Hause wäre vermutlich kein einziges Blütenblatt mehr dran gewesen.
Also: Stauden statt Wechselflor, finden auch die Bodenlebewesen!










