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Samstag, 12. April 2025

Nobel geht die Welt zugrunde

Günstig Gärtnern? Mit Kaiserkronen eigentlich unmöglich. Die Zwiebeln dieser imperialen Frühblüher gehören wirklich zu den teuersten überhaupt. Sogar, wenn man von besonderen Sorten absieht, die selbst so etwas wie Schneeglöckchen zur Luxusware werden lassen. Nein, es sollten stinknormale Kaiserkronen werden. Doch normal sind sie eben nicht. Sie lassen sich offenbar schwerer vermehren als andere Geophyten und sind daher nicht gerade Bückware im Gartencenter. Ein bisschen sparen kann man höchstens, wenn man Packungen mit mehreren Zwiebeln als bunte Mischung kauft und die Farbe keine Rolle spielt, denn in diesen Überraschungspaketen kann von Gelb bis Orange dann alles dabei sein.

Es gibt auch Sorten mit panaschiertem Laub, wie hier im Berggarten Hannover. Da möchte ich den Preis lieber gar nicht erst wissen.

Überhaupt wurden im Berggarten wohl keine Kosten und Mühen gescheut, denn es ist alles voll mit Kaiserkronen:

Es gibt sogar lilafarbene und welche mit unfassbar vielen Blüten, wohl durch eine Verbänderung entstanden.



Meine sind nur Feld-Wald-und-Wiesen-Kaiserkronen, falls man bei Ihrer Majestät überhaupt von so etwas sprechen kann. Und auch im Unterhalt sind die noblen Blumen mit der Krone aus Blüten und Blättern auf dem Kopf nicht günstig. Sie möchten viel Dünger haben und nur die besten Plätze im Garten.

Warum ich sie dann überhaupt haben wollte? Weil sie in dem Ruf stehen, aktiv im Untergrund gegen Wühlmäuse vorzugehen. Außerdem brauche ich dringend ein Bild von Lilienhähnchen mitsamt Larven und mit Kaiserkronen kann man sie locken.

Also habe ich die Investition letztes Jahr in Kauf genommen und drei Zwiebeln mit Überraschungsfarbe erstanden.

Nun ist das gar nicht so einfach, im Herbst Blumenzwiebeln zu setzen, wenn man nicht mehr weiß, wo schon welche schlafen. Und nun hat es nur eine Kaiserkrone wirklich auf einen relativ freien Platz geschafft. Daher ist sie groß und prächtig, die anderen klein und mickrig, eingezwängt zwischen Hasenglöckchenlaub.

Die eine große Pflanze ist jetzt natürlich orangefarben, die mickrigen gelb. Umgekehrt wäre schöner gewesen, aber bei Kaiserkronen ist ja jede Farbe eine Sensation.


Mit der Zeit senken sich die Knospen herab und färben sich noch leuchtender. Bei dem Bild oben stehen sie noch kreuz und quer, beim nächsten herrscht schon mehr Ordnung in ihren Reihen:



Die Löcher in den Blättern sind leider kein Fraß von Lilienhähnchen, sondern von Nacktschnecken. Die gehen leider an Fritillaria imperialis ran, war ja wieder klar.

Die eine haben sie komplett zu Klump gefressen, die andere, die so schön gelb blühen möchte, immerhin halbwegs heile gelassen, sie ist aber bestenfalls als Kaiserkrönchen zu bezeichnen. Das war jetzt sehr teures Schneckenfutter.


Die Pflanzen haben jetzt zur Blütezeit noch etwas organischen Dünger von mir bekommen. Hoffentlich bleiben die Diven dann wenigstens noch eine Saison, mit oder ohne Lilienhähnchen. Sonst wäre das ein teurer Spaß gewesen.

Samstag, 21. Dezember 2024

Weihnachtliche Erdarbeiten

In der Woche vor Weihnachten habe ich dieses Jahr etwas ganz und gar unweihnachtliches getan, und zwar habe ich - nicht mal mit dem Festtagsspaten - Blumenzwiebeln eingepflanzt. Da es so mild ist, geht das immer noch und die Händler haben auch immer noch Ware im Angebot, die sie vernichten müssen, wenn sie nicht verkauft werden. Ich gehe mal davon aus, dass sich die Verkäufer nicht an die Arbeit machen und die Restposten wieder unter die Erde bringen. Daher gibt es sie jetzt zum Schnäppchenpreis.

Oh, die Zwiebelige also, statt Christbaumkugeln aufzuhängen habe ich in gebückter Haltung Blumenzwiebeln verlegt - sehr zum Ärgernis der Regenwürmer. Aber als Weihnachtsschmuck eignen sie sich einfach nicht, da sind sie im Boden besser aufgehoben.

Meine 150 neuen Bio-Blumenzwiebeln habe ich nämlich am Sonntag geschenkt bekommen und mich sehr darüber gefreut, denn Narzissen habe ich nicht so viele und Elfen-Krokusse und Traubenhyazinthen kann man nie genug haben.

Man sieht hier auch gut, dass sie bis auf die Krokusse noch nicht ausgetrieben hatten - und bei den Krokussen ist es auch noch nicht schlimm und schon gar nicht zu spät zum Pflanzen. Da die Winter immer milder werden, wachsen die auch noch an.




Muscari aucheri 'White Magic' hatte ich sogar noch nie, das sind ganz edle kleine Träubchen.

Die Ware erst einmal auf dem frisch aufgeschütteten Mulchweg auszukippen war allerdings nicht die beste Idee - dort sind die Zwiebeln sehr gut getarnt.



"Es ist ein Krokus entsprungen" trifft aber hoffentlich nicht zu und ich habe wirklich alle unter die Erde gebracht, auch ohne dabei Weihnachtslieder zu singen oder Lamette im Haar zu haben.


Dann wünsche ich euch mit oder ohne Blumenzwiebeln Frohe Weihnachten!

Samstag, 27. April 2024

Hasenglöckchen - wunderschön oder Wahnsinn?

Hasenglöckchen - das sind die blauen Blümchen, die in englischen Wäldern und Parkanlagen blaue Blütenteppiche bilden und jeden vor Bewunderung niederknien lassen. Wobei ich glaube, dass so ein Anblick auch in England nicht allgegenwärtig ist und man nicht so oft niederknien muss. Irritierend ist dann, wenn man sowas zuhause nachpflanzen möchte, und die Synchronisation bzw. Übersetzung Blue Bells mit Glockenblumen übersetzt. Und dann steht man da und sucht verzweifelt die eine Glockenblume, die so verblüffend nach Hyazinthe aussieht und so verblüffend früh blüht.

Es sind keine Glockenblumen, sondern Hyacinthoides, also Hasenglöckchen. Sie stehen der Hyazinthe nah und sind Zwiebelblumen. Es gibt das heimische Atlantische Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta), und das eingeschleppte Spanische (Hyacinthoides hispanica). Meist bekommt man das Spanische. Und dann gibt es dummerweise auch noch einen Hybriden, denn die beiden sind nah miteinander verwandt und kreuzen sich munter: Hyacinthoides hispanica × Hyacinthoides non-scripta = Hyacinthoides ×massartiana.

Egal, welches Hasenglöckchen man im Garten hat: Es mag gern frische Böden im Halbschatten und lichten Schatten. Und es vermehrt sich gut, bildet reichlich Samen und sät sich selbst aus, ist also zum Verwildern geeignet. Das lässt es sich nicht zweimal sagen, und so tauchte neulich in einer Gartenzeitschrift auch die Frage auf, wie man die Biester eindämmen kann (wer es wissen möchte: Blätter immer wieder abschneiden, Samenstände sowieso, die Zwiebeln aber sitzen meist zu tief, um sie auszugraben).


Ich habe auch Hasenglöckchen im Garten und, ja, sie sind sehr raumgreifend. Das Laub ist massiv und braucht ordentlich Platz. Die Blüten sind aber einfach umwerfend und die Pflanze wird von Schnecken kaum beachtet - Hasenfüße sind sie jedenfalls nicht! Im Gegensatz zu Traubenhyazinthen, die ich einfach nicht zum Blühen kriege, lieben Hyacinthoides meinen Garten, vermehren sich und blühen üppig. Der lichte Schatten ist genau ihr Ding. Tatsächlich kommen sie vor allem im hinteren Teil vor, wo die beiden Apfelbäume stehen.

Sie begnügen sich auch nicht damit, Blue Bells zu sein, nein, ich habe welche in Rosa und Weiß. Die ersten waren Ableger, dann verliert es sich, ich kann nicht sagen, woher die vielen Farben stammen.

So entstehen bunte Bild, wenn die kleinen Zwiebelblumen mit dem großen Ego beieinander wachsen.







Neben Akeleiblättriger Wiesenraute



Die Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) passt mit ihren Pastelltönen gut dazu und auch das Einjährige Silberblatt oder Prärielilien (Camassia) sind prima.

Auch Zwerg-Herzblumen (Dicentra formosa) passen gut, wie hier im Rombergpark, Dortmund:



Ich möchte die robusten Glöckchen jedenfalls nicht missen!

Freitag, 16. Februar 2024

Schneeglöckchen- oder Schneckenliebe?

Warum mögen wir eigentlich Schneeglöckchen so gern? Warum bezahlen wir teilweise dreistellige Summen für ein Töpfchen mit einer besonderen Sorte? Und warum gibt es keine Märzenbecher-Manie sondern nur eine Galanthophilie? Warum gibt es Schneeglöckchenfeste, aber keine Märzenbecher-Messen oder eine Krokus-Kirmes? Anscheinend neigen eher Galanthus als Leucojum zur Sortenbildung, der Märzenbecher und andere Blumenzwiebeln auch sind vielleicht konservativer.




 

Ein Grund für die anhaltende Begeisterung für das Schneeglöckchen ist sicher sein selbstbewusstes Auftreten schon früh im Jahr bei völliger Anspruchslosigkeit. Galanthus gibt sich die Ehre, wenn wir Blüten am meisten brauchen. Fast jeder Garten schafft es, ein paar Schneeglöckchenzwiebeln zum Wachsen zu bringen, schnell werden die Horste größer. Der Märzenbecher blüht zwar genauso früh und wird sogar höher als das Kleine Schneeglöckchen, aber der vermehrt sich nicht so schnell.

Daher arbeite ich auch jedes Frühjahr wieder an einer geschlossenen Schneeglöckchendecke. Der winzige Vorgarten ist auch schon gut gefüllt, da gibt es nur noch Stehplätze. Im Garten hinterm Haus aber ist mehr Platz und da dauert es. Gleichzeitig vermehren sich dort die Elfen-Krokusse, und zwar noch rasanter als die Schneeglöckchen, weil sie sich versamen und nicht nur auf Brutzwiebeln setzen.

Nur leider gibt es da ein Problem. Obwohl ich mittlerweile viele kleine neue Tuffs mit Schneeglöckchen habe - aus dem Vorgarten entnommen oder im Park aufgesammelt, wenn sie bodenlos herumlagen - sieht man sie kaum. Das liegt daran, dass die meisten blütenlos sind. Aber nicht, weil sie blühfaul wären, sondern weil auch andere der Galanthophilie fröhnen: Die Schnecken. Sie fressen nur die Blüten, und leider schmecken ihnen Blütenblätter von Schneeglöckchen genauso gut wie die der Elfen-Krokusse und Märzenbecher - also auch hier kein gärtnerischer Selektionsvorteil für Leucojum.





Nur 'Flore Pleno' steht noch gut da. Zumindest die größeren Horste haben trotz ein paar angeknabberter und vollgeschleimter Blüten insgesamt wenig von ihrer Fernwirkung verloren.




So wird sich natürlich auch kein Schneeglöckchen versamen können, da die Blüten ohne Blütenblätter nicht bestäubt werden. Bei manchen wird immerhin nicht alles gefressen und man jetzt dank der Schnecken anatomische Studien der Blüten betreiben.



Noch ein Problem ist das viel zu milde Regenwetter: Die Elfen-Krokusse öffnen sich nur bei Wärme und trockenem Wetter, und wenn diese Tage so selten sind wie diesen Winter, haben die Schnecken ausreichend Lieblingswetter, um die Blüten zu löchern.



Manche Krokusblüten waren so zugeschleimt, dass sie sich nicht mal mehr öffnen konnten. Die habe ich alle in Handarbeit aufblühen lassen.

Eigentlich sollte es ein Hoch auf Helleborus-Arten geben, denn die meiden die Schnecken komplett. Leider machen die sich auch so breit im Beet, dass nichts anderes mehr reinpassen würde, wollte man den Garten damit ebenso vollpflanzen wie mit Schneeglöckchen. Das ist ja ein weiterer Punkt bei Galanthus: Es macht sich dünn und ist schon bald gar nicht mehr im Weg und tritt anderen Stauden nicht auf den Schlips. Bei Helleborus besteht schon eher Verdunklungsgefahr. Man kann ihnen ja nicht ganzjährig die Blätter abschneiden...



Habt ihr das Problem auch? Ich sehe viele Bilder von Schneeglöckchen, die topp in Schuss sind - wie macht ihr das? Im Park und im Botanischen Garten sind die Blüten auch nicht so angeknabbert wie meine. Ich musste schon Schneckenrazzia machen - im Februar!


Und so knüpfe ich weiter an den Schneeglöckchenteppichen, in der Hoffnung, dass es irgendwann zu viele Blüten für einen schleimigen Kahlfraß sind und die Schnecken sie einfach mal satt haben...


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Und während die Schneeglöckchen ihre Blütenblätter verlieren, wird jemand von euch heute etwas gewinnen, nämlich mein Buch "Lass wachsen!", das ich hier verlost habe.

Gewonnen hat: Marianne mit folgendem Kommentar:

Hallo Elke, meinen Glückwunsch zum neuen Buch! Das liest sich ja wieder sehr vielversprechend. In die Vorschau habe ich auch schon geblickt. Ich kann dazu nur sagen: Sie hat mich neugierig auf mehr gemacht. Dann versuche ich doch auch gleich mal mein Glück und hüpfe mit in den Lostopf hinein.
Lieben Gruß von Marianne


Schick mir deine Adresse und du bekommst mein Buch!

Samstag, 23. April 2022

Tulpen - Diven oder Dauerbrenner?

Die hohen Tulpen sind bei Insekten nicht sonderlich beliebt, eher aus Versehen plumpst mal eine Biene in ihren Schlund, obwohl die Blüten durchaus Pollen bieten, sich also schon bemühen. Sind die knalligen Barbieblumen mit den Stängeln bis zum Hals also nur als Schnittblumen wertvoll? Das lappige, schlabbrige Laub, das manchmal einfach nur faul im Beet herumliegt, nimmt ja auch nicht gerade wenig Platz weg.

Ich finde, auch im Naturgarten sind die hohen Tulpen nicht so ganz verkehrt, denn sie bringen in meinen Garten ein bisschen Glanz und Gloria ins wilde Ambiente aus heimischen Pflanzen, Falllaub und Totholz. Außerdem haben sie einen großen Vorteil: Als Steppenbewohner machen sie jede doofe Dürre tapfer mit und freuen sich sogar noch über sommerliche Trockenheit, künstliche Bewässerung ist ihnen ein Graus. Welche andere Gartenpflanze kann das von sich behaupten?

Tulpen haben nur ein Problem: Sie sind trotz ihrer Trockenheitstoleranz oft nicht ausdauernd. Je extravaganter die Sorte, umso eher muss man nachpflanzen oder Abschied nehmen. Oft bleiben nur die roten und gelben Sorten übrig - Knallfarben muss man also mögen oder in pastellige Vertreter investieren - immer und immer wieder.

Also: Diven oder Dauerbrenner?

Vor 7 Jahren im Herbst habe ich jeweils 7 Zwiebeln der Sorten 'Red Impression' und  'Beauty of Spring' in Bioqualität gepflanzt. Beide gehören zu den Darwin-Hybriden.


'Red Impression' ist wie der Name sagt knallrot mit der für Tulpen typischen schwarzen Seele im Blüteninneren:

 

Bei ihr ist es besonders schwer zu sagen, wie ausdauernd sie ist, denn ich hatte vor ihr auch schon Tulpen in dieser Farbe. Dieses Jahr sind es 9 Blüten.  'Beauty of Spring' jedoch ist gelb, aber mit einer ganz dezenten Pastellnote und rotem Einschlag. Die ist der Knaller ganz ohne Knallfarben und unverkennbar. Sie scheint daher sehr zuverlässig zu sein. Ich kann hier auch 9 Blüten zählen.

7 Blüten sind es also mindestens bei beiden Sorten jedes Frühjahr, wobei alte Fotodokumente beweisen, dass es an manchen Stellen auch mal deutlich mehr Blüten waren. Aber solange sie ihre Quote halten, bin ich zufrieden.

Sie werden bei mir mit Kompost und Falllaub gedüngt, sonst bekommen sie nur Luft und Liebe.

Die Signalfarben passen gut zu Goldlack und Primel. Die Stinkende Nieswurz übt sich derweil in vornehmer Blässe im Vergleich zu den Tulpen.



Die postgelbe Tulpe (im oberen Bild rechts am Rosenbogen) wurde vor zwei Jahren vom ehemaligen Grabeland nebenan gerettet, das mehrfach den Bagger gesehen hat und nun Kinder- und Jugendspielplatz ganz ohne Blumen ist. Sie hat noch keine Blüte ausgelassen, so dankbar ist sie.



 

Welches sind eure Lieblingstulpen, die jedes Jahr wiederkommen und ihr Geld wert sind?

Samstag, 22. Januar 2022

Der kindliche Garten

Was wolltet ihr früher werden, wenn ihr groß seid? Ich wäre gern Malerin geworden, später Tierforscherin, dann Fotografin. Feuerwehrfrau, Astronautin oder Ärztin wollte ich nie werden, und schon gar keine Kindergärtnerin. Und nun bin ich genau das - für den Garten! Entweder spiele ich Feuerwehr und muss gießen, wünsche die Schnecken zum Mond oder bin die Kindergärtnerin. Der Garten räumt nämlich wie ein kleines Kind nie sein Zimmer auf, überall liegen jetzt Blumenzwiebeln herum! Ich sollte ihn wirklich öfter ohne Regen ins Bett schicken. Ständig kann ich hinter dem Garten her räumen und ihn dazu ermahnen, die Blumenzwiebeln da zu lassen, wo sie hingehören, nämlich unter die Erde.

Selbst so eine riesige Allium-aflatunense-Zwiebel wurde an die Oberfläche befördert und ich musste sie wieder einbuddeln, schließlich hat sie schon längst Wurzeln getrieben und möchte gerade jetzt nicht die Bodenhaftung verlieren:


Auch die Schneeglöckchen lassen sich gerne gehen und kullern auf den Beeten herum. Oft sind es sicher die eifrigen Amseln, die auf der Suche nach Würmern kurzerhand mal eben die Zwiebeln umsortieren oder am Blattschopf aus der Erde ziehen.

 


Solche Gelegenheiten darf man sich keinesfalls entgehen lassen, denn es ist die Chance auf einen neuen Schneeglöckchenhorst, ganz ohne sich die Finger schmutzig zu machen oder die Nachbarpflanzen zu gefährden.

Diese winzige Zwiebel klebte sogar ziemlich weit oben an einem alten Herbstanemonen-Blatt, wie auch immer sie dahin gekommen ist:


Das hier könnten herumkullernde Zwiebeln von Allium paradoxum sein, der wächst jedenfalls verdächtig nah dran und spielt gern Murmeln mit seinen Nachkommen:

 



Viel ordentlicher sind da ja die Helleborus-Pflanzen. Die bleiben immer hübsch am Platz und stehen wie die Supernanny über all dem ungezogenen Zwiebelvolk. Das hier ist meine einzige Helleborus purpurascens, die immer besonders früh blüht und vorher sogar ganz penibel ihr Laub wegräumt, damit die schönen Blüten auch gesehen werden.

 

Na, wenigstens bei einigen Pflanzen ist also der Ordnungswahn doch vorhanden - und ich kann sein, was ich viel lieber bin als Kindergärtnerin: Fotografin!

Samstag, 8. Mai 2021

Tulpenfieber

Es gibt viele Wörter, die sich aus Blumennamen ableiten: Einen rosigen Teint haben oder einfach nur: Rosenrot, Veilchenblau, Lilienweiß, Fliederfarben oder Narzissengelb. Doch was ist eigentlich mit den Tulpen? Hier sind es eher Wörter, die nah am Wahnsinn und am Scheitern liegen, denen diese Pflanze ihren Namen verpassen konnte: Tulpenfieber, Tulpenkrise, Tulpenblase. Sind es nur die Wörter Bier- und Sekttulpe, die zwar alkoholisiert, aber nicht ganz so krisengeschüttelt daherkommen? Das Wort Tulpenrot gibt es nicht, dabei ist dies die Farbe, mit der wohl 60 % aller Tulpen aufwarten können, die nicht gelb sind. Oder weniger als ein Jahr im Garten. Die roten Tulpen sind es ohne Zweifel, die die Zeiten und den Gärtner überdauern können. Keine sind so langlebig wie sie. Die meisten dezent pastellfarbenen, grell gestreiften oder fast schwarz gefärbten beehren uns meist nicht so lange wie die roten.

 


Die Mehrheit in meinem Garten waren auch immer die roten Tulpen, bestehend aus namenlosen und der schönen 'Red Impression' - leider kann ich beide nicht mehr auseinander halten. Fast ebenbürtig ist die unfassbar zart gelb gefärbte 'Beauty of Spring' - und der Name ist Programm!





Beide Sorten habe ich 2015 gepflanzt und sie sind sogar mittlerweile mehr Blüten als ich damals Zwiebeln gepflanzt habe, sicher weiß ich das aber nur bei der gelben 'Beauty of Spring'.

Auch meine gefüllt blühenden rein violetten Tulpen sind sehr zäh und ausdauernd. Fast alle blühen jedes Jahr. Sie habe ich fast schon 10 Jahre.

Neu seit dem letzten Frühjahr ist eine postgelbe namenlose Tulpe, die ich vor einem Jahr aus dem ehemaligen Grabeland gerettet habe, bevor der Bagger kommen sollte und alles zu einem Spielplatz umbauen sollte. Der Bagger kam nicht und die Tulpen würden wohl dieses Jahr immer noch auf der Fläche blühen, aber es sind offenbar genauso wie die Pfingstrosen, die dort so prächtig wuchsen,  alle gerettet worden vor dem schweren Gerät, das nie kam.

Dass ich letztes Jahr komplett dem Tulpenwahn verfallen bin, zeigte sich auch bei meiner Rettungsaktion im Botanischen Garten, wo die Wechselflorbeete neu angelegt wurden und die Tulpen weichen mussten.

So sah das Beet vor der Rodung aus - alles tulpenbunt:


Und das war meine Ausbeute:


Ja, was machen diese Tulpen eigentlich, die ich im Mai 2020 mühsam mit Laub und viel Wasser zwischen die Stauden gedrückt habe? Rote waren jedenfalls keine dabei, trotzdem blühen einige der edlen Sorten jetzt zu meiner großen Freude.

Ein paar meiner Tulpenblüten erkenne ich zwar nicht mehr in meiner Beute, aber auf den Bildern oben aus dem Botanischen Garten finde ich einige wieder. Sie hatten wohl schon die Blütenblätter verloren, als ich sie ernten konnte.

Die erste, die erschienen ist und immer noch blüht, ist diese magentafarbene mit dem weißen Rand, die hier zwischen den roten Tulpen etwas aus der Reihe tanzt:

 



Gleich danach erschien ein ganz entzückendes Wesen, bei dem man gleich Appetit bekommt, denn es erinnert mich an Erdbeereis mit Sahne:


Und dann wäre da noch dieser weiße Flokati, auch eine hübsche Tulpe:


Es ist aber lang noch nicht Schluss, denn jetzt fängt eine ganz grazile Sorte an zu blühen, sie hat schlanke gelben Blüte mit Schuss in Rot:




Bisher blühen also wirklich nur Tulpen, die ich nicht mehr blühend aus dem Botanischen Garten mitgenommen habe. Was ist mit 'Black Hero', den rosafarbenen und den weiß-rosa gestreiften? Einige werden noch blühen, andere sind verschollen.

Trotzdem hat sich die Rettungsaktion jetzt schon gelohnt - mein Garten ist im Moment einfach nur tulpenbunt und wird es noch eine Weile bleiben!