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Freitag, 16. Februar 2024

Schneeglöckchen- oder Schneckenliebe?

Warum mögen wir eigentlich Schneeglöckchen so gern? Warum bezahlen wir teilweise dreistellige Summen für ein Töpfchen mit einer besonderen Sorte? Und warum gibt es keine Märzenbecher-Manie sondern nur eine Galanthophilie? Warum gibt es Schneeglöckchenfeste, aber keine Märzenbecher-Messen oder eine Krokus-Kirmes? Anscheinend neigen eher Galanthus als Leucojum zur Sortenbildung, der Märzenbecher und andere Blumenzwiebeln auch sind vielleicht konservativer.




 

Ein Grund für die anhaltende Begeisterung für das Schneeglöckchen ist sicher sein selbstbewusstes Auftreten schon früh im Jahr bei völliger Anspruchslosigkeit. Galanthus gibt sich die Ehre, wenn wir Blüten am meisten brauchen. Fast jeder Garten schafft es, ein paar Schneeglöckchenzwiebeln zum Wachsen zu bringen, schnell werden die Horste größer. Der Märzenbecher blüht zwar genauso früh und wird sogar höher als das Kleine Schneeglöckchen, aber der vermehrt sich nicht so schnell.

Daher arbeite ich auch jedes Frühjahr wieder an einer geschlossenen Schneeglöckchendecke. Der winzige Vorgarten ist auch schon gut gefüllt, da gibt es nur noch Stehplätze. Im Garten hinterm Haus aber ist mehr Platz und da dauert es. Gleichzeitig vermehren sich dort die Elfen-Krokusse, und zwar noch rasanter als die Schneeglöckchen, weil sie sich versamen und nicht nur auf Brutzwiebeln setzen.

Nur leider gibt es da ein Problem. Obwohl ich mittlerweile viele kleine neue Tuffs mit Schneeglöckchen habe - aus dem Vorgarten entnommen oder im Park aufgesammelt, wenn sie bodenlos herumlagen - sieht man sie kaum. Das liegt daran, dass die meisten blütenlos sind. Aber nicht, weil sie blühfaul wären, sondern weil auch andere der Galanthophilie fröhnen: Die Schnecken. Sie fressen nur die Blüten, und leider schmecken ihnen Blütenblätter von Schneeglöckchen genauso gut wie die der Elfen-Krokusse und Märzenbecher - also auch hier kein gärtnerischer Selektionsvorteil für Leucojum.





Nur 'Flore Pleno' steht noch gut da. Zumindest die größeren Horste haben trotz ein paar angeknabberter und vollgeschleimter Blüten insgesamt wenig von ihrer Fernwirkung verloren.




So wird sich natürlich auch kein Schneeglöckchen versamen können, da die Blüten ohne Blütenblätter nicht bestäubt werden. Bei manchen wird immerhin nicht alles gefressen und man jetzt dank der Schnecken anatomische Studien der Blüten betreiben.



Noch ein Problem ist das viel zu milde Regenwetter: Die Elfen-Krokusse öffnen sich nur bei Wärme und trockenem Wetter, und wenn diese Tage so selten sind wie diesen Winter, haben die Schnecken ausreichend Lieblingswetter, um die Blüten zu löchern.



Manche Krokusblüten waren so zugeschleimt, dass sie sich nicht mal mehr öffnen konnten. Die habe ich alle in Handarbeit aufblühen lassen.

Eigentlich sollte es ein Hoch auf Helleborus-Arten geben, denn die meiden die Schnecken komplett. Leider machen die sich auch so breit im Beet, dass nichts anderes mehr reinpassen würde, wollte man den Garten damit ebenso vollpflanzen wie mit Schneeglöckchen. Das ist ja ein weiterer Punkt bei Galanthus: Es macht sich dünn und ist schon bald gar nicht mehr im Weg und tritt anderen Stauden nicht auf den Schlips. Bei Helleborus besteht schon eher Verdunklungsgefahr. Man kann ihnen ja nicht ganzjährig die Blätter abschneiden...



Habt ihr das Problem auch? Ich sehe viele Bilder von Schneeglöckchen, die topp in Schuss sind - wie macht ihr das? Im Park und im Botanischen Garten sind die Blüten auch nicht so angeknabbert wie meine. Ich musste schon Schneckenrazzia machen - im Februar!


Und so knüpfe ich weiter an den Schneeglöckchenteppichen, in der Hoffnung, dass es irgendwann zu viele Blüten für einen schleimigen Kahlfraß sind und die Schnecken sie einfach mal satt haben...


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Und während die Schneeglöckchen ihre Blütenblätter verlieren, wird jemand von euch heute etwas gewinnen, nämlich mein Buch "Lass wachsen!", das ich hier verlost habe.

Gewonnen hat: Marianne mit folgendem Kommentar:

Hallo Elke, meinen Glückwunsch zum neuen Buch! Das liest sich ja wieder sehr vielversprechend. In die Vorschau habe ich auch schon geblickt. Ich kann dazu nur sagen: Sie hat mich neugierig auf mehr gemacht. Dann versuche ich doch auch gleich mal mein Glück und hüpfe mit in den Lostopf hinein.
Lieben Gruß von Marianne


Schick mir deine Adresse und du bekommst mein Buch!

Samstag, 7. Januar 2023

Neues Jahr, neue Pflanzen?

Es ist 2023, das Schnapszahljahr ist also vorbei. Vorbei ist es auch mit so einigen Pflanzen in meinem Garten, die bis zu der eisigen Woche im Dezember noch halbwegs gut aussahen. Da könnte man fast meinen, dass sie die Schnapszahl allzu wörtlich genommen haben und mal nicht an ihrem Frostschutz gearbeitet haben.

Die schöne Mariendistel, die noch im November so prächtig und riesig aussah, ist ganz schnell zu Matsche geworden, inklusive ihrer Wurzel.

 


Die ist so hinüber, dass sich nicht mal ein Foto lohnt, denn das würde nur eine freie Stelle im Beet zeigen. Die Nachtkerze daneben ist aber noch fit und freut sich, dass die ausladende Nachbarin weg ist.

Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich, denn eigentlich sollen Mariendisteln winterhart sein. Man findet zwar im Netz als erstes eine Angabe, sie wäre nur bis -7 Grad frosthart (die dann auch gern zitiert wird), aber an anderen Stellen (die nicht zitiert werden), heißt es entweder nur winterhart oder: USDA-Zone 7. Welche Sieben hätten's denn gern?

Die Zone 7 wird jedenfalls mit -17 bis -12 °C angegeben und kälter war es auch nicht:

USDA-Zonen
Zone von °C bis °C bis °F
1a −51,1 °C −48,3 °C −55 °F
1b −48,3 °C −45,6 °C −50 °F
2a −45,5 °C −42,8 °C −45 °F
2b −42,7 °C −40,0 °C −40 °F
3a −39,9 °C −37,3 °C −35 °F
3b −37,2 °C −34,5 °C −30 °F
4a −34,4 °C −31,7 °C −25 °F
4b −31,6 °C −28,9 °C −20 °F
5a −28,8 °C −26,2 °C −15 °F
5b −26,1 °C −23,4 °C −10 °F
6a −23,3 °C −20,5 °C −5 °F
6b −20,4 °C −17,8 °C 0 °F
7a −17,7 °C −15,0 °C +5 °F
7b −14,9 °C −12,3 °C +10 °F


USDA-Zonen
Zone von °C bis °C bis °F
8a −12,2 °C −9,5 °C +15 °F
8b −9,4 °C −6,7 °C +20 °F
9a −6,6 °C −3,9 °C +25 °F
9b −3,8 °C −1,2 °C +30 °F
10a −1,1 °C +1,6 °C +35 °F
10b +1,7 °C +4,4 °C +40 °F
11a +4,5 °C +7,2 °C +45 °F
11b +7,2 °C +10,0 °C +50 °F
12a +10,0 °C +12,8 °C +55 °F
12b +12,8 °C +15,6 °C +60 °F
13a +15,6 °C +18,3 °C +65 °F
13b +18,3 °C +21,1 °C +70 °F








Meine Mariendistel war aber wohl der Ansicht, dass das mit den -7 °C ihrer Meinung nach doch ernstzunehmen ist und hat sich danach gerichtet. Gut drainiert ist der Boden an der Stelle, aber vielleicht stand die Pflanze zu lange im Topf und konnte nicht tief genug wurzeln. Schon bei ganz läppischen Frostgraden vorher hatte sie schon ein paar Blätter verloren, die schwarz wurden.

Bei meinem Palmkohl wiederum hatte ich fest damit gerechnet, dass er nicht überleben wird, denn er stand zwar an der Hauswand, aber war im Kübel doch sehr exponiert. Ich hatte ihn vorsichtshalber zum Geist werden lassen und ihm eine weiße Papiertüte übergestülpt. Das scheint geholfen zu haben.


 

Der Rosmarin im Beet wiederum hat es der Mariendistel nachgemacht und ist vor lauter Ärger über den Frost ganz schwarz geworden, während der der Nachbarn im aufgeständerten Metallhochbeet noch lebt. Manchmal fühlt man sich auch veräppelt.

Zum Glück aber leben die Lenzrosen noch und haben schon dank der seit Silvester viel zu milden Temperaturen nun den Frühling eingeläutet und das ist bei denen wörtlich zu nehmen, denn die Blüten schauen gern wie Glöckchen nach unten.

Besonders über meine Helleborus purpurascens freue ich mich, die immer zuverlässig im Winter blüht.


Auch die Stinkende Nieswurz ist bisher davon gekommen und blüht schon wieder.

 

Das hier ist ein ganz neues Experiment und ich hoffe, dass die Pflanze anwächst. Als neulich alles tiefgefroren war, hatten wohl Fußgänger oder Hunde die Randbepflanzung im Botanischen Garten abgetreten oder abgewetzt. Bei der Kälte brechen manche Pflanzen wie Glas. Diese haltlose Breitblatt-Segge (so der Arbeitstitel, bitte korrigieren, wenn ich falsch liege) habe ich also vom Gehweg aufgehoben und eingepflanzt. Mal schauen, ob sie anwurzelt.


 

Da leider bei dem warmen Neujahrswetter auch einige Insekten schlüpfen mussten, die eigentlich noch Winterstarre halten sollten, wie Wespenköniginnen und Admirale, ist es immer gut, wenn man auch zu dieser Zeit etwas anzubieten hat.

Hier eine an Silvester viel zu früh aufgewachte Königin der Deutschen Wespe:


 

Bei mir ist es die Duft-Heckenkirsche (Lonicera x purpusii), die zwar in der Mauser war und fast alle Blätter verloren hat, aber den Winter zuverlässig durchblüht und Nektar und Pollen bereitstellen kann, wenn Not am Mann oder wie hier an der Wespenfrau ist.




Für die Rotkehlchen ist auch noch was da, nämlich die Früchte von Euonymus japonicus, während die vom Pfaffenhütchen ihre Farbe schon eingebüßt haben.




Naja, man soll den Winter noch nicht vor dem Februar loben, wer weiß, was da noch alles an Frost nach diesem Möchtergern-Frühling kommen wird...

Samstag, 11. April 2020

Sagt mal, wo kommt ihr denn her?

Für mich gibt es nichts Schlimmeres als diese nahezu leeren, lediglich mit glotzäugigen, kopflastigen Stiefmütterchen und puscheligen Bellis spärlich bepflanzten Beete. Diese dem deutschen Reinheitsgebot der Bepflanzungsregeln entsprechenden Gärten (60 % Erde muss immer zu sehen sein, sonst ist die bürgerliche Ordnung schwer gestört) verpassen doch so einiges. Schließlich ist es - zumindest für mich - immer sehr aufregend zu sehen, wer neben den geladenen Gästen noch so alles im Garten auf der Bildfläche erscheint. Und da kann man sich oft gehörig wundern.

Passend zu Ostern ist zum Beispiel die Frühlings-Braunwurz (Scrophularia vernalis) mit ihren eierförmigen Blüten mal wieder mit von der Partie. Und das ist ein fulminantes Comeback nach einigen Jahren völliger Abwesenheit. Wo war sie nur all die Jahre? Auf was hat sie gewartet? Brauchte sie mal wieder Beifall?




Die hat wirklich Allüren, aber nun ist sie gleich an mehreren Stellen von ganz alleine wieder aufgetaucht und kann sich sogar gegen das allumfassende Bärlauchregime behaupten.

Besonders stolz bin ich auch auf diese palmenartig beblätterte Kandidatin, die sich selbst beworben hat: Was ich zunächst als Arbeitshypothese für ein Lenzrosenbaby hielt, entpuppt sich nun doch zweifelsohne als Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus). Ihre kindlich runden Blätter hatten mich erst verwirrt.



Nun wächst dieses Prachtexemplar, deren Mutterpflanze letztes Jahr verstorben ist, mal wieder im Rasen, der dadurch erneut ein Stück ins Abseits gedrängt wurde. Aber wer könnte diesem Goldstück schon widerstehen?

Und die alte Helleborus-Dame, die ihre Samen hier einige Meter von sich entfernt zum Keinem gebracht hat, hat ihrerseits für eine Zitterpartie bei einer viel kleineren Staude gesorgt. Diese zierliche, elfengleiche Zahnwurz, vermutlich ist es die Fieder-Zahnwurz (Cardamine heptaphylla), wuchs jahrelang direkt unter der Stinkenden Nieswurz und hat es verblüffenderweise überlebt. Vielleicht hat der große Stinker sie auch nur beschützend unter seine Fittiche genommen.


Jetzt bin ich natürlich sehr bemüht um sie und ernte den Bärlauch bevorzugt aus ihrem Dunstkreis weg. Einmal mehr Bärlauchpesto zum Abendessen zugunsten der kleinen Zahnwurz kann doch nicht schaden.

Und nun taucht in einem Tomatenkübel, auf den ich im Februar Kompost geworfen hatte, noch ein Helleborus-Knirps auf, wieder ein Stinkendes Nieswürzchen? Die kann da natürlich nicht bleiben, aber ich werde sie diesmal weit weg von der Zahnwurz pflanzen.


Überhaupt ist es immer eine gute Idee, Kompost irgendwohin zu schmeißen und mal zu schauen, wer an der Überraschungsparty alles so teilnimmt. Das ist eine großartige Beschäftigung, solange die Tomatentöpfe noch brachliegen und arbeitslos sind. Da keimt das Who-is-who der feinen Gartengesellschaft und man darf raten, ob man seine Pappenheimer alle noch an ihren Keimblättern erkennen an. Das meiste ist aber Knoblauchsrauke, und das nicht zu knapp. Ist aber lecker.


Die Tulpen sind auch wieder da. Dank des Blogs weiß ich aber, dass bei den gelben eine fehlt, was schade ist.



Der Rauling (Trachystemon orientalis) hat sich vermehrt, das hier sind seine haarigen Sämlinge:



So sieht er aus, wenn er groß ist (hinten wächst Iris):



Zuguterletzt zeige ich euch noch das Präsent aus Dennenlohe, ein Bienenhotel. Damit es nicht so schnell nass wird, habe ich es mit einer Getränkedose bedacht. Das Blech der Dose passt gerade so auf das Dach, passt wie angegossen.


Die erste Mauerbiene ist auch schon eingezogen. Ist ja auch sehr luxuriös, so eine Wohnung im Erstbezug, da muss man nicht erst die Brutröhre putzen wie die Nachmieter der älteren Nisthilfen.


Und jetzt wünsche ich euch Frohe Ostern!