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Samstag, 29. März 2025

Kompost als Spiegel der Gesellschaft

Kompost als Spiegel der Gesellschaft - was will sie denn jetzt schon wieder damit sagen? Ist die Gesellschaft etwa komplett verrottet und müffelt bisweilen? Nein, ich will damit sagen, dass ich immer viel über die Menschheit als Ganzes und über mich dabei lerne, wie ich den Komposter befülle, der so ein vermaledeiter Thermokomposter ist. Und der wird im Inneren immer gern zu feucht, nach außen aber gibt er sich blickdicht. Und genau hier beginnen die Probleme. 

Jedes Jahr, wenn ich wieder mühsam den fertigen Kompost entnommen habe und mit Ästen, Efeuranken und Ähnlichem gerungen habe, die völlig überraschend wieder nicht verrottet sind, nehme ich mir wie immer vor:

  • keine Efeuranken mehr in den Kompost
  • auch keine Äste von Kletterspindeln oder anderen Pflanzen mit ledrigen Blättern
  • schon gar keine Halme vom Bambus
  • überhaupt keine Äste
  • wirklich gar keine Äste
  • nun ist mal Schluss mit Ästen

Und wie klappt das dann? Gar nicht. Wieder stopfe ich Efeutriebe in den Behälter. Denn: Aus den Augen, aus dem Sinn. Wo ein offener Komposter mahnend bis anklagend seinen Inhalt offen preisgibt, schluckt meiner alles und macht auch alles ungesehen, aber nicht ungeschehen.

Daher kommen auch viele Probleme der Menschheit: Wir wählen oft die schnelle Lösung, wenn wir die Konsequenzen nicht sehen können oder sehen wollen. Und lernfähig sind wir anscheinend sowieso nicht, aller Evolution zum Trotz. Aber Bequemlichkeit siegt dann eben oft, die schnelle Lösung muss her, auch wenn sie langfristig nicht taugt. Das gilt leider auch bei Umweltfragen, die wir nicht gelöst bekommen, weil wir dazu unser Verhalten anpassen müssten.

Und so ist mein Komposter eine halbwegs passable Parabel auf das Verhalten der (Wegwerf-)Gesellschaft. Immerhin kommt doch irgendwann was Brauchbares raus, wenn man nur lange genug wartet und die leidigen Äste immer wieder zurückwirft, was man anderem Müll ja nicht sagen kann.

Ein anderes Problem sind die vielen Eierschalen im Kompost. Während das leere Frühstücksei noch einmal schnell mit der Hand zerdrückt wird, bevor es in den Behälter kommt, macht man das bei roh aufgeschlagenen Eiern nur noch widerwillig bis überhaupt nicht. Und so finde ich immer Unmengen von eiförmigen Eierschalen wieder, die fast noch für den Osterstrauch taugen würden (Gammel-Edition). Hier kann man einige ganze Eierschalen sehen (die Folie dagegen, die ich hier hineinwerfe, ist wirklich verrottet):

Und so verteile ich die Eierschalen dann mit dem Kompost im Garten und zerdrücke sie dann wenigstens noch schnell. Mit Handschuhen.

Als ich neulich aus dem Fenster sah, war ich dann aber doch ganz begeistert über diese Vorgehen: Eine Gruppe Spatzenmädchen hatte sich um so ein zerdrücktes Ei versammelt und knabberte die Schale. Den Kalk können sie gut für die eigene Eiproduktion gebrauchen. Auch Meisen nutzen so eine Quelle gern.

Wenn doch nur auch die Efeuranken im Kompost einen Abnehmer finden würden....

 

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Und bei der Verlosung hat gewonnen: Bea mit dem Kommentar

 

Moin,

herzlichen Glückwunsch !!!!! Du hast es verdient mit deinem Blog, einfach herrlich lesenswert...und als alter Gartenliebhaber....sehr lesenswert.

Herzliche Frühlingsgrüße Bea

 

Schick mir deine Adresse und du bekommst das Buch zugeschickt!

 

Samstag, 9. November 2024

Wie Kompost nichts wird

Der Wald hat's gut, der wirft einfach alles, was er nicht mehr braucht, auf den Waldboden und irgendwann wird wieder Erde draus. Ob Laub, Früchte, Nadeln oder Totholz, irgendwie kann sich alles mit der Zeit wieder so verwandeln, dass es von den Bodenpartikeln nicht mehr zu unterscheiden ist. Der Wald hat aber auch eines, das wir nicht haben: Geduld. Der kann Jahre darauf warten, dass ein Stück Baum wieder zu etwas Bröseligem zerfällt, indem Wurzeln wurzeln können. Wir dagegen hätten gern sofort aus den Gartenabfällen Kompost gemacht, aber ein bisschen plötzlich! Dafür schaffen wir uns Thermokomposter an, die auch Tempokomposter heißen könnten, so sehr versprechen sie im Gegensatz zur offenen Rotte, dass aus dem ganzen Klumpatsch etwas Braunes, Krümeliges wird, gern auch homogen und fein wie Blumenerde aus der Tüte. Gut riechen soll es nebenbei auch noch.

Doch auch die schnellen Brüter können keine Wunder vollbringen. Ob nach einem Jahr wirklich so etwas wie Erde dabei rauspurzelt, hängt eher von den inneren Werten ab als vom Drumherum.



Hier also ein paar Regeln, damit aus den Gartenabfällen alles wird, bis hin zur Ursuppe, aber mit Sicherheit kein Kompost, oder wenn doch, dann nur mit einigen Jahren Wartezeit.

Das Rezept zu Keinkompost geht so:

  • Ganze Äste auf den Komposthaufen stapeln, möglichst dick und lang. Jetzt hat man einige Jahre nicht mehr viel zu tun, da sich um das ganze harte Lignin im Holz die Pilze kümmern. Und die haben alle Zeit der Welt, denn so ein Ast hat's in sich. Besser sind gehäckselte Zweige - und selbst, wenn die nicht verrotten sollten, stören die kleinen Stücke kaum bei der Verwendung als Mulch.


  • Kiloweise Rasenschnitt in den Thermokomposter kippen. Das sieht so hübsch grün und fluffig aus, nett garniert mit Gänseblümchenblüten. Was soll daran verwerflich sein? In Wahrheit ist das ein Garant für große Hitze und großen Gestank, da sich um diese weichen, stickstoffhaltigen Teile Bakterien kümmern. Und weil das Ganze so feucht ist, legen die richtig los. Dabei entsteht schnell eine grüne, stinkende Pampe, die dank der raschen Umsetzung so heiß wird, dass die Kompostwürmer fliehen müssen. Besser ist angetrockneter Rasenschnitt oder alles gut gemischt mit holzigeren Bestandteilen.

  • Massenhaft Efeutriebe in den Komposter geben. Die sind wie Gummi und halten ewig, wurzeln oft sogar weiter und kommen seitlich aus dem Komposter wieder raus. Sie sollten lieber kleingeschnitten werden.

  • Zu viel Gemüse oder Obst einwerfen. Das lockt gern Ratten an, daher wenigstens für einen gut abgesicherten Komposter sorgen, der unten mit einem Gitter abgesichert ist. Da Gemüse eher feucht und nährstoffreich ist, sollte es in Massen mit holzigen Materialien gemischt werden.

  • Verpackungen auf den Kompost geben, die kompostierbar sein sollten. Meist meint dies, dass sie in den großen Kompostieranlagen gut verrotten, weil dort höhere Temperaturen erreicht werden. Nur Folien und Schalen mit dem Hinweis heimkompostierbar haben eine Chance auf Nimmerwiedersehen.
  • Den Komposter auf einer versiegelten Fläche aufstellen. Dann wandern kaum Kompostwürmer ein und man muss sie zu ihrem Glück zwingen. Zu viel Schnellkomposterpulver vergrault Würmer durch Hitzeentwicklung, da es Bakterienstämme enthält (siehe Grasschnitt).



Fallen euch noch weitere Kompost-Malheure ein?


Samstag, 1. Mai 2021

Whirlpool für Mikroben

/*Werbung, Produkttest */ 

Eine Wellness-Oase für Mikroorganismen? Wozu soll das denn bitte gut sein? Sind Bakterien und Co denn überhaupt für irgendwas gut außer für Schlagzeilen? Doch man muss unterscheiden, denn unter den Bakterien gibt es nicht nur die Fäulnis-Fans, Krankheitserreger und andere Gammler, sondern eben auch die freundliche Fraktion, die gut für den Garten ist. Manche dieser braven Bazillen bilden eine Symbiose mit Pflanzen, andere sorgen dafür, dass im Boden Zellulose abgebaut wird, woraus wiederum Pflanzennährstoffe entstehen, und ganz nebenbei sind sie das Parfum des Gartens: Sie geben dem Erdboden seinen schönen erdigen Geruch, den wir als angenehm empfinden. Und diesen netten, duftenden Mikroorganismen habe ich einen Whirlpool mit Vollpension eingerichtet.


 

Ich habe nämlich Komposttee hergestellt, aber nicht aus Teebeuteln, sondern aus getrocknetem Wurmhumus unter ständiger Luftzufuhr, denn dieser enthält Unmengen der nützlichen Bodenorganismen. Wurmhumus ist übrigens nur ein eleganter Euphemismus für Wurmkot, klingt aber doch gleich viel besser, oder? Er wird in Regenwasser eingeweicht und dabei wird das Wasser die ganze Zeit, etwa 24 h lang, gut belüftet, damit anaerobe Fäulnisbakterien keine Chance haben, wir wollen ja die guten, aeroben Bakterien züchten.

 


Im Wurmkot befinden sich viele dieser guten Mikroorganismen, denn sie lebten einmal im Darm des Wurms und halfen ihm bei der Verdauung. Zum Beispiel lebt im Darm des Kompostwurms Eisenia foetida der Heubazillus, Bacillus subtilis, ein ganz fantastisches Bakterium, das aufbauenden Stoffwechsel im Boden fördert, die Stresstoleranz der Pflanzen stärkt, Pilzbefall und Fäulnisprozesse reduziert - ein echter Wunderheiler unter den Bakterien also. Das funktioniert aber nur, wenn es genug Mitstreiter im Boden finden kann - und genau diese Mehrheit wollen wir mit dem Komposttee erreichen.


Damit die netten Einzeller aber auch gewillt sind, den gemütlichen Humus zu verlassen, braucht es einen leckeren Lockstoff. Dazu nimmt man Melasse, ein klebrig süßer Zuckersirup, der als Bakterienfutter dient. Sobald die Bakterien erstmal angefangen haben, sich zu vermehren, erscheinen auch Protozoen und nützliche Nematoden im Komposttee. Auch sie spielen eine wichtige Rolle im Nahrungsnetz des Bodens und werden von anderen Tieren gefressen.

Das Brauset zum Herstellen von Komposttee wurde mir freundlicherweise von Wurmwelten zur Verfügung gestellt. Es enthält eine Aquarienpumpe, 200 ml Melasse (genügend für 150 Liter Komposttee), 250 g Aktivator-Mischung (Bentonit, Urgesteinsmehl, Algenkalk, Pflanzenkohle), 10 L frischen Wurmhumus, 2 Luftsteine, 2 m Luftschlauch plus Verbindungsstück, Vlies und eine Klammer zum Befestigen des Wurmhumus-Vlies-Päckchens am Eimer. Der Metalleimer ist nicht im Paket enthalten, auch die ganz zufällig farblich perfekt passende Wäscheklammer nicht.


 

Erst muss man ein bisschen basteln und die Luftsteine mit Schlauchstücken verbinden, anschließend wird das lange Schlauchstück an die Pumpe angeschlossen. Die Luftsteine wirft man ins Regenwasser (15 Liter werden empfohlen, dazu braucht man einen 20-Liter-Eimer mit Reserve, wenn sich Schaum bildet) und jetzt darf die Pumpe lossprudeln. Melasse und Aktivator werden hinzugegeben, anschließend packt man die benötigte Menge Wurmhumus in das Vlies ein und klemmt das Päckchen mit der Klammer so an den Eimerrand, dass der Wurmhumus unter Wasser ist.


 


 

Nach 24 h Sprudeln bei Raumtemperatur ist der Tee fertig. Bis dahin wummert und plätzschert die Pumpe vor sich hin. Man sollte in dieser Zeit nicht allzu dringend aufs Klo müssen, außerdem habe ich mich mehrfach beim Betreten des Raumes gewundert, woher das ungewohnte Geräusch kommt. Die kleine Pumpe ist aber recht leise und arbeitet unermüdlich durch, auch wenn man schläft. Nur wenn man sie aus Versehen wie einen Käfer auf den Rücken wirft, wird sie laut und beschwert sich, weil sie dann nicht mehr auf ihren gedämpften Füßchen steht.

Ist der Tee fertig, wird er sofort mit der Gießkanne im Garten auf den Boden ausgebracht. Es ist nicht schlimm, wenn man damit das Laub der Pflanzen benetzt, im Gegenteil. Man kann den Komposttee auch nicht überdosieren, hierbei gilt endlich mal: Viel hilft viel - eine Regel, die bei Mineraldünger grundverkehrt wäre.



 

Im Gegensatz zu normalem Dünger merkt man aber nicht schon am nächsten Tag, dass der Rasen oder die Pflanzen besser wachsen. Die Wirkung von Komposttee setzt später, aber dafür nachhaltig ein, nichts für Ungeduldige also.

Der Tee riecht übrigens sehr appetitlich, dank der Melasse sogar nach leckerer Limonade. Er färbt sich bräunlich und schäumt zum Ende hin. Das ist alles gut und normal. Wenn er nicht stinkt, ist der Tee ein voller Erfolg und man hat nur die netten Bakterien vermehrt.



 

Mit dem nassen Wurmhumus aus dem Ansatz kann man später übrigens noch prima mulchen. Und wenn der Vorrat aus dem Brauset aufgebraucht ist, eignet sich auch der eigene Kompost zum Ansetzen des Tees.


Ich wollte es aber noch genauer wissen und habe nachgeschaut, was denn wirklich im Komposttee so alles herumschwirrt. Am Anfang, zwischendurch und am Ende habe ich eine Petrischale voll Tee abgezapft und unter dem Binokular geschaut, ob ich darin Leben finden kann. Die Bakterien konnte ich bei der Vergrößerung nicht erkennen, aber es gibt ja gute haarige Indikatoren, dass welche da sind: Wimpertierchen! Diese kleinen, flinken Protozoen filtern Bakterien aus dem Wasser und erscheinen rasch auf der Bildfläche, wenn ihre Nahrung sich vermehrt hat. Und tatsächlich konnte ich zu Anfang keinerlei Tierchen feststellen. Je länger der Tee aber vor sich hin braute, umso mehr Bewegung kam hinein vor lauter umherflitzenden Wimpertierchen und sogar ein paar wirklich winzige Nematoden habe ich gefunden (die sich wiederum von den Wimpertierchen ernähren).


 

Das Brauset funktioniert also und bekommt von mir eine klare Empfehlung.

Jetzt hatte ich nur ein Dilemma: Diese kleinen wuseligen Protozoen sollte ich jetzt einfach auf den Gartenboden gießen? Würden sie sich dort wohlfühlen? Da sie aber aus dem trockenen Wurmhumus stammen, muss ich darauf vertrauen, dass sie in der Erde überleben werden.


Dieses Tierchen ist nicht aus dem Komposttee, sondern aus einem Ansatz im Garten, der aus Grasschnitt und Laub besteht. Er kann über Wasser gehen und sieht aus wie ein Schlumpf: Ein blauer Springschwanz (Collembola):


  

 

Samstag, 6. März 2021

Spaß mit Kompost

Kompost ist eine fantastische Sache. Er erhöht die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens, bringt Mikroorganismen ein, die das Bodenleben bereichern, und ist alles in allem eine gute Möglichkeit, die Biotonne abzuschaffen und alles, was im Garten oder in der Küche anfällt, zu Gold zu machen. Und dabei stinkt er auch gar nicht.


Es ist zwar immer eine schweißtreibende Angelegenheit, das schwarze Gold aus dem Komposter zu schürfen und im Garten zu verteilen, aber es hat auch durchaus einigen Unterhaltungswert. Zum Beispiel finden sich immer Mäuseschlafsäcke im Komposter, die erstaunlich trocken sind. Da aber in unserer Region das Hanta-Virus vorkommt, das über aufgewirbelten Mäusekot übertragen wird, bin ich seit letztem Jahr dazu übergegangen, den Kompost nur noch mit Staubschutzmaske zu ernten, was für unfreiwillige Zuschauer aus der Nachbarschaft wiederum für Unterhaltung sorgt. Was Masketragen angeht, war ich also der Trendsetter letztes Jahr. Sieht zwar doof aus und alle werden denken, ich bin komplett wahnsinnig geworden, aber Hanta muss wirklich nicht sein.


Doch nicht nur, was im Komposter zu finden ist, ist unterhaltsam (diesmal war es ein Schlüsselanhänger), auch was während des Verteilens und auch danach mit dem voller Stolz verstreuten Kompost passiert, ist jedes Mal wieder so nett, dass die Arbeit ständig unterbrochen werden muss.

Das Rotkehlchen hat sich nämlich zum versierten Kompostspezialisten in meinem Garten gemausert, es ist das Maskottchen des Kompostgärtnerns. Es kennt die Anzeichen ganz genau, wann es bald losgeht, und ist zur Stelle, sobald der Komposter geöffnet wird.


Auch, wenn es gerade noch so hingebungsvoll singt wie hier, kommt es doch ganz schnell in den Garten, sobald dort gearbeitet wird: 


 


Wenn ich mit einem gefüllten Eimer im Garten herumwandere, um den Kompost zu verteilen, steht der Komposter sperrangelweit offen. Unbeaufsichtigt ist er dann natürlich nicht, denn sofort hockt das Rotkehlchen mittendrin und sucht nach Asseln oder Kompostwürmern, die nicht schnell genug flüchten.




Ist alles verteilt, kann ich den Komposter wieder zusammenbauen. Während der Zeit steht der letzte gefüllte Eimer im Garten, denn er ist für die Kübel reserviert. Natürlich nutzt das Rotkehlchen auch hier die Gunst der Stunde und schaut vom Eimerrand aus, was denn der Inhalt so hergibt.


Nachdem die ganze Aktion beendet ist, ist natürlich noch lange nicht Schluss. Jetzt kann - zusammen mit der Amsel, die sich jetzt auch in den Garten traut - der ganze verteilte Kompost genauer untersucht werden.

Hier hat das Rotkehlchen eine Fliegenmade gefunden.


Würmer werden entweder in schnabelgerechte Stücke zerteilt oder einmal in der Mitte in bewährter Origamitechnik gefaltet und im Ganzen verschluckt.


Immerhin lässt das Rotkehlchen die Kompostklumpen an Ort und Stelle, was man von der Amsel, dem alten Messie, nicht behaupten kann, die räumt alles mühsam drapierte auf die Terrasse, den Rasen oder den Weg im Vorgarten. Einmal am Tag muss alles im Garten einmal gewendet werden, als würde sie den Regenwürmern die Bettdecke aufschütteln.



Egal, so viel Spaß macht das Kompostverteilen doch nur in gefiederter Gesellschaft!

Samstag, 6. Februar 2021

Der Garten als Klimaheld?

Mit dem Bisschen Garten, das ich mein eigen nenne, wäre es vermessen, wenn ich mich als Landwirt bezeichnen würde, obwohl ich Land habe und darauf Pflanzen und Tiere bewirte. Manchmal baue ich sogar Gemüse an.


 

Warum bespreche ich hier also das Buch "Regenerative Landwirtschaft" von Dietmar Näser, erscheinen im Ulmer-Verlag


 

Bin ich jetzt größenwahnsinnig geworden und meine, mit den ganze Großen mitschwimmen zu können? Was mich an dem Buch gereizt hat, war der Untertitel: Bodenleben und Pflanzenstoffwechsel verstehen. Jepp, das will ich! Seit einiger Zeit interessiere ich mich sehr für das Leben unter meinen Füßen, unter meinen Pflanzen und unter dem Kompost, den ich jedes Jahr auf meinen Beeten verteile. Gleichzeitig hilft dieses Buch, die Landwirtschaft zu verstehen: Was läuft oft falsch in der Wirtschaftsweise und wie macht man es richtig? Durch regenerative Landwirtschaft speichern Böden nämlich so viel CO₂, dass angenommen wird, dass man durch die richtige Bewirtschaftung den Klimawandel aufhalten könnte. Auch spart man Pestizide und erzeugt gesündere Lebensmittel, die voll sind mit sekundären Pflanzenstoffen, aber weniger ungesundes Nitrat enthalten.


 

Am Anfang des Buchs stellt der Autor dar, wie man dem Boden ansehen kann, wie es um ihn bestellt ist - und wie man die Ergebnisse aus der Bodenprobe interpretiert. Dann folgt die Technik. Das ist durchaus unterhaltsam geschrieben: "Achslasten, die [...] auf der Straße verboten sind, werden mit der modernen Erntetechnik heute in allen Kulturen erreicht. Die Straße ist gepflastert, Ihr Acker ist es nach der Ernte oft auch." Daher müssen die durch die Maschinen zu Beton zusammengefahrenen Böden wieder gelockert werden, sonst kommen die Pflanzenwurzeln nicht mehr durch. Auch sollte man warten, bis die Temperaturen frühlingshaft geworden sind, denn dann sind die Bodenorganismen aktiv, und der Boden verkraftet das Bewirtschaften viel besser.


 

Auch die weiteren Maßnahmen, toten Boden wiederzubeleben, können im Garten hilfreich sein: Komposttee lässt sich im kleineren Rahmen auch Zuhause herstellen und auf die Beete ausbringen.

Es wird erklärt, wie sich Pflanzen ernähren - und wie man den Boden so ernährt, dass die Pflanzen sich aus ihm selbst versorgen können. So werden sie widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen und Trockenheit. Das wollen wir Gärtner doch auch!

Dann wird auf die einzelnen Gruppen der Bodenlebewesen eingegangen. Für Gärtner sind diese Kapitel ein Schatz an Informationen. Mykorrhiza-Pilze liefern den Pflanzen Wasser und Nährstoffe, im Gegenzug bieten die Pflanzenwurzeln ihnen Zucker über die Exsudate. Pilze mögen keine intensive Bodenbearbeitung - ein Grund, im Garten auf das Umgraben zu verzichten. Mykorrhiza-Pilze findet man nicht an den Wurzeln von Kohlgewächsen, daher wird das Bodenleben in diesen Kulturen mit einer Untersaat aus Kleegras gefördert, denn Gräser bilden gern eine Symbiose mit Pilzen. Auch wieder etwas, das man im Garten beherzigen kann: Auslaugende Kulturen wie Kohl werden mit Gräsern zusammen bodenfreundlich, der Trend zu Ziergräsern im Staudenbeet fördert ebenso den Humusaufbau und die Bodengesundheit.

Mischkultur fördert die Pflanzen also in erster Linie unterirdisch, denn jede Pflanzenart tut sich mit bestimmten Bodenlebenwesen zusammen, seien es Bakterien oder Pilze, so wird der Boden artenreich und widerstandsfähig.


Man lernt in diesem Buch erstaunliche Dinge aus der aktuellen Forschung. Wer hätte gedacht, dass Bakterien, denen man keine große Intelligenzleistung zugetraut hätte, sich zu unseren Gunsten steuern lassen und sogar wissen wie viele von ihrer Art vor Ort sind? Opportunistische Bakterien, die mehrere Stoffwechselwege zur Verfügung haben, lassen sich davon überzeugen, einen Stoffwechselweg unserer Wahl einzuschlagen, wenn wir ihnen nur das richtige Milieu bieten.

Was ich aus dem Buch mitgenommen habe:

  • Den Gartenboden im Winter am besten nicht betreten, und wenn, dann mit einem Brett unter den Füßen. Im Frühjahr ist er durch das erwachte Bodenleben elastischer und verträgt den Fußtritt besser.
  • Mischkultur dreht sich nicht nur um das Vertreiben von Blattläusen, sondern um die Förderung des Bodenlebens.
  • "Unkräuter" treten auf, wenn das Bodenleben gestört ist oder abbauenden Stoffwechsel betreibt. Der Stoffwechsel von Unkräutern ist hocheffizient, es sind häufig Pionierpflanzen, die auf schlechten Böden eine hohe Nährstoffaufnahme schaffen. Diese Arten reparieren gerade den schlechten, mikrobiell toten Boden. Anstatt sich um das Beseitigen der störenden Pflanzen zu kümmern, kümmert man sich um den Boden, dann verschwinden die Unkräuter von allein.
  • Den Gartenboden nicht umgraben. das stört besonders die Bodenpilze, die als Mykorrhiza den Pflanzen helfen, Wasser und Nährstoffe zu bekommen.
  • Ein aktives Bodennahrungsnetz hilft den Pflanzen, Trockenheit zu überstehen und macht sie widerstandsfähig gegen Schädlingsbefall und pathogene Pilze. Auch wird so Unkraut unterdrückt.
  • Boden sollte nicht lange unbedeckt bleiben. Nicht so wie in manchen Gärten, wo man standardmäßig nur braunen Boden sieht und ein paar Pflanzen darin wie auf dem Präsentierteller. Dort werden Unkräuter die Sache in die Hand nehmen, die man besser nicht mit Herbiziden behandeln sollte, denn....
  • ...Glyphosat hemmt die Humusbildung und schädigt die Bodenlebewesen. Als hätten wir es nicht schon immer geahnt...



 

Mein Fazit: Auch Gartenbesitzer können aus diesem Buch viel lernen. Und sei es nur, den Boden in Ruhe zu lassen und die regenerative Landwirtschaft zu unterstützen, zum Beispiel durch den Kauf von Bio-Lebensmitteln, wobei das Prinzip auch schon oft im konventionellen Anbau betrieben wird, denn zum Klimaretten reichen die Flächen der Biobauern (noch) nicht. Und die Landwirte, die ihre Böden beleben und sie so zu großen CO₂-Speichern machen, sind die wahren Ackerhelden!

Samstag, 23. Januar 2021

Nicht nachmachen!

Neulich las ich in einem aus dem Englischen übersetzten Buch, dass dazu geraten wird, den Inhalt des Staubsaugerbeutels zu kompostieren. Wenn ich an die Staubsaugerbeute eines ganz normalen Haushalts denke, befällt mich bei so einem Rat das kalte Grausen. Hat man nicht gerade den Rasen oder die Terrasse absaugt (was hoffentlich niemand tut), werden sich in einem durchschnittlichen Staubsaugerbeutel allerlei Kunststofffasern befinden, die feinstes Mikroplastik ergeben, mal absehen von allerhand anderem unappetitlichen Beifang. Mein Staubsaugerbeutel darf daher weiterhin sein Ende im Restmüll finden.

 

 

Ein anderer Rat, den ich neulich las, ließ mich auch grübeln: Regenwürmer im Wurmkomposter? Diese schlanken Tiere, die wir aus dem Garten kennen, sehen wir meistens nur, wenn sie von einer Amsel aus dem Boden gezogen werden, nach einem Regenschauer mitleiderreigend auf dem Gehweg herumliegen, oder wenn wir ein Loch graben. Regenwürmer bewohnen senkrechte Röhren, in die sie ihre Nahrung hineinziehen. Sie sind daher sehr konservativ und mögen die ganze Unruhe in der Wurmkiste nicht so gern. Kompostwürmer dagegen sehe ich jedes Mal, wenn ich den Deckel des Komposters öffne, sie sind kreuz und quer unterwegs, sehr mobil und sehr gefräßig. Sie sind die Laufkundschaft im Kompost und daher die bessere Wahl für die Wurmkiste.


Der nachfolgende Tipp ist nun auf meinem Mist gewachsen, doch ich muss trotzdem vorab eine Warnung aussprechen: Macht das nicht zuhause nach! Nur, wenn der Wetterdienst eures Vertrauens dieses auch bedingungslos verdient hat, wird das im Folgenden besprochene Kunststück ohne Schaden an Mensch und Material über die Bühne gehen!

Es geht um die Regentonne, die meist spätestens im November geleert wird und dann nutzlos mit leerem Bauch herumsteht und Platz wegnimmt. Seitdem die Winter immer milder werden, bin ich waghalsiger geworden und lasse sie solange voll, bis tagelanger strenger Frost vorhergesagt wird. Denn meine Regentonne steht direkt an der Hauswand, wo es nie so kalt wird wie auf freiem Feld. Ein paar Grade unter Null hält sie auch aus, denn die riesige Wassermasse in ihrem Inneren braucht bei solchen Temperaturen ewig, bis sie zum soliden Eisblock erstarrt ist und die Tonne sprengen könnte. Diesen Winter wurde es noch nie so akut, dass ich sie hätte leeren müssen.

Vereiste Regentonne und zwei versenkte, frostgeschützte in einem Schrebergarten

 

Der Vorteil dieses Roulette-Spiels liegt auf der Hand: Ist der März mal wieder völlig ohne Regen und der April erst recht, ist meine Tonne schon voll. Außerdem kann ich dann möglichst lange die Zimmerpflanzen mit Regenwasser verwöhnen.

Man muss dem Wetterdienst aber vertrauen, um das Wagnis einzugehen! Angekündigte -2 Grad dürfen nicht plötzlich in reale -12 Grad ausarten.

Diesen Winter steht meine Regentonne also noch randvoll da mit dem Wasser von letztem Jahr. Und so kam es, dass ich eine sagenhafte Entdeckung machen durfte: Die größte Schneeflocke der Welt! Ach was, gleich drei Stück waren es, die am Sonntag mittag auf der Wasseroberfläche herumschwammen und aussahen wie eisige Kunstwerke. Der Deckel auf der Tonne wird den Eiskristallen eine hübsche, ungestörte Atmosphäre bereitet haben, ohne Wellenbewegungen, die dem Stern einen Zacken hätten abbrechen können.






Vorsichtig habe ich die Kristalle aus dem Wasser gehoben und versucht, so an die Pflanzen anzulehnen, dass ich sie fotografieren konnte. Da war Eile geboten, damit sie nicht schmelzen. Viel nachjustieren war nicht drin, dann sind sie schnell zerbrochen.

Und so freue mich unbändig, dass ich des Wahnsinns fette Beute bin und die Tonne immer noch voll habe! Aber wie gesagt: Macht das nicht zuhause nach!

Samstag, 11. April 2020

Sagt mal, wo kommt ihr denn her?

Für mich gibt es nichts Schlimmeres als diese nahezu leeren, lediglich mit glotzäugigen, kopflastigen Stiefmütterchen und puscheligen Bellis spärlich bepflanzten Beete. Diese dem deutschen Reinheitsgebot der Bepflanzungsregeln entsprechenden Gärten (60 % Erde muss immer zu sehen sein, sonst ist die bürgerliche Ordnung schwer gestört) verpassen doch so einiges. Schließlich ist es - zumindest für mich - immer sehr aufregend zu sehen, wer neben den geladenen Gästen noch so alles im Garten auf der Bildfläche erscheint. Und da kann man sich oft gehörig wundern.

Passend zu Ostern ist zum Beispiel die Frühlings-Braunwurz (Scrophularia vernalis) mit ihren eierförmigen Blüten mal wieder mit von der Partie. Und das ist ein fulminantes Comeback nach einigen Jahren völliger Abwesenheit. Wo war sie nur all die Jahre? Auf was hat sie gewartet? Brauchte sie mal wieder Beifall?




Die hat wirklich Allüren, aber nun ist sie gleich an mehreren Stellen von ganz alleine wieder aufgetaucht und kann sich sogar gegen das allumfassende Bärlauchregime behaupten.

Besonders stolz bin ich auch auf diese palmenartig beblätterte Kandidatin, die sich selbst beworben hat: Was ich zunächst als Arbeitshypothese für ein Lenzrosenbaby hielt, entpuppt sich nun doch zweifelsohne als Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus). Ihre kindlich runden Blätter hatten mich erst verwirrt.



Nun wächst dieses Prachtexemplar, deren Mutterpflanze letztes Jahr verstorben ist, mal wieder im Rasen, der dadurch erneut ein Stück ins Abseits gedrängt wurde. Aber wer könnte diesem Goldstück schon widerstehen?

Und die alte Helleborus-Dame, die ihre Samen hier einige Meter von sich entfernt zum Keinem gebracht hat, hat ihrerseits für eine Zitterpartie bei einer viel kleineren Staude gesorgt. Diese zierliche, elfengleiche Zahnwurz, vermutlich ist es die Fieder-Zahnwurz (Cardamine heptaphylla), wuchs jahrelang direkt unter der Stinkenden Nieswurz und hat es verblüffenderweise überlebt. Vielleicht hat der große Stinker sie auch nur beschützend unter seine Fittiche genommen.


Jetzt bin ich natürlich sehr bemüht um sie und ernte den Bärlauch bevorzugt aus ihrem Dunstkreis weg. Einmal mehr Bärlauchpesto zum Abendessen zugunsten der kleinen Zahnwurz kann doch nicht schaden.

Und nun taucht in einem Tomatenkübel, auf den ich im Februar Kompost geworfen hatte, noch ein Helleborus-Knirps auf, wieder ein Stinkendes Nieswürzchen? Die kann da natürlich nicht bleiben, aber ich werde sie diesmal weit weg von der Zahnwurz pflanzen.


Überhaupt ist es immer eine gute Idee, Kompost irgendwohin zu schmeißen und mal zu schauen, wer an der Überraschungsparty alles so teilnimmt. Das ist eine großartige Beschäftigung, solange die Tomatentöpfe noch brachliegen und arbeitslos sind. Da keimt das Who-is-who der feinen Gartengesellschaft und man darf raten, ob man seine Pappenheimer alle noch an ihren Keimblättern erkennen an. Das meiste ist aber Knoblauchsrauke, und das nicht zu knapp. Ist aber lecker.


Die Tulpen sind auch wieder da. Dank des Blogs weiß ich aber, dass bei den gelben eine fehlt, was schade ist.



Der Rauling (Trachystemon orientalis) hat sich vermehrt, das hier sind seine haarigen Sämlinge:



So sieht er aus, wenn er groß ist (hinten wächst Iris):



Zuguterletzt zeige ich euch noch das Präsent aus Dennenlohe, ein Bienenhotel. Damit es nicht so schnell nass wird, habe ich es mit einer Getränkedose bedacht. Das Blech der Dose passt gerade so auf das Dach, passt wie angegossen.


Die erste Mauerbiene ist auch schon eingezogen. Ist ja auch sehr luxuriös, so eine Wohnung im Erstbezug, da muss man nicht erst die Brutröhre putzen wie die Nachmieter der älteren Nisthilfen.


Und jetzt wünsche ich euch Frohe Ostern!