Letzten Samstag war ich in Braunschweig. Dort kommt man ohne umzusteigen von Bielefeld aus mit dem Zug hin, was ich immer mal ausprobieren wollte, aber nie getan habe. Jetzt aber rein in den Regionalexpress und rein ins Vergnügen! Ich muss zugeben, dass ich zu Braunschweig bisher keine Meinung hatte, meine Kenntnisse beschränkten sich auf das Attribut: "hat einen Botanischen Garten", was für mich immer ein Qualitätsmerkmal ist.
Erstmal hat es aber noch geregnet und es war danach etwas trübe, trotzdem waren mehrere Pflanzen solche Ausnahmeerscheinungen, dass sie gleich fröhlich gemacht haben.
Das hier ist zum Beispiel die gigantomanische Krim-Pfingstrose Paeonia mascula supsp. triternata - die Hummeln waren begeistert. So ein riesiges Gewächs mit unfassbar großen Blüten!
Dann gleich die nächste Sensation: Flauschige Fallschirme neben stachliger Nieswurz und Winterlingen! Die sehen schon ohne Blüte so bizarr und dekorativ aus und erinnern ein wenig an zerschlissene Schirme mit Charme - ganz ohne Hagel. Das ist der Feuerkolben oder Kobralilie (Arisaema candidissimum) - bei dem Namen darf man auch aussehen wie ein grünes Spinnennetz aus Transsylvanien.
Gegenüber ein uralter, mehrstämmiger Feigenbaum, unterpflanzt mit einem hübschen Beinwell:
So langsam hatte ich das Gefühl, dass Braunschweig am Mittelmeer liegen muss und nicht an der Oker - wie sonst kann man diese exotischen Baumriesen erklären?
Diese Kornelkirsche muss auch uralt sein:
Hinter Eibenhecken wachsen Blumen und Gemüse - mit meterhohen Kohlpflanzen:
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| Im Hintergrund die Äste der Feige |
Moderne Kunst unter Kamelien - man trägt Gartenschlauch locker um die Hüfte. Oder so.
Wie bei mir im Garten, nur dass ich keinen Bachlauf im Bärlauchdschungel habe. Bei mir blüht er auch noch gar nicht und hier steht er schon in Vollblüte.
Weiter geht es mit seltenen Gehölzen, wie dieser Dolden-Johannisbeere (Ribes fasciculatum) aus Ostasien mit Frühlings-Seidenbiene:
Eine alte Buche mit Stützstrumpf - oder ist es ein Sonnenschutz?
Schachspielen mit Sempervivum? Es gab auch einen Sempvervivum-Wasserfall.
Eine riesige Poncirus trifoliatus, die dem Feigenbaum in nichts nachsteht. Ich kenne die eher als gerade mal hüfthohen Stacheldraht.
Im Amerika-Areal bezauberte die Oregon-Stachelbeere (Ribes divaricatum) mit weißen, fuchsienähnlichen Blüten. Die Frühlings-Pelzbiene passt mit ihrem Rüssel genau hinein und hat sich Nektar geholt.
Dann gab es im Alpinum am Felsen-Steinkraut noch seltene Wildbienen zu bestaunen: Die Weiße Köhler-Sandbiene (Andrena nigrospina), die gar nicht so weiß ist wie der Name verspricht, und die Rotbeinige Furchenbiene (Halictus rubicundus).
Der Botanische Garten Braunschweig hat auch noch einen Erweiterungsteil. Beide liegen an der Oker und wirken für Niedersachsen verblüffend mediterran. Am Blauregen, der gegenüber vom Botanischen Garten an einer warmen Hauswand schon voll in Blüte stand, flogen sogar etliche Holzbienen! Ich möchte auf jeden Fall noch mal hin, um zu sehen, wie der Feuerkolben blüht! Der Rest der Stadt ist auch sehenswert - Braunschweig, die alte Hanse, hat mich extrem positiv überrascht.



































Waaas? Braunschweig hat einen Botanischen Garten? Ich habe fünf Jahre nur 8 Minuten zu Fuß von dort gewohnt und wusste nichts davon. Naja, damals habe ich mich noch nicht für Pflanzen interessiert. Da muss ich noch mal hin.
AntwortenLöschenDanke für die tollen Bilder, Elke. Die geschredderten Fallschirme wären auch noch etwas für unseren Garten.
Viele Grüße
Susanna