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Samstag, 7. Januar 2023

Neues Jahr, neue Pflanzen?

Es ist 2023, das Schnapszahljahr ist also vorbei. Vorbei ist es auch mit so einigen Pflanzen in meinem Garten, die bis zu der eisigen Woche im Dezember noch halbwegs gut aussahen. Da könnte man fast meinen, dass sie die Schnapszahl allzu wörtlich genommen haben und mal nicht an ihrem Frostschutz gearbeitet haben.

Die schöne Mariendistel, die noch im November so prächtig und riesig aussah, ist ganz schnell zu Matsche geworden, inklusive ihrer Wurzel.

 


Die ist so hinüber, dass sich nicht mal ein Foto lohnt, denn das würde nur eine freie Stelle im Beet zeigen. Die Nachtkerze daneben ist aber noch fit und freut sich, dass die ausladende Nachbarin weg ist.

Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich, denn eigentlich sollen Mariendisteln winterhart sein. Man findet zwar im Netz als erstes eine Angabe, sie wäre nur bis -7 Grad frosthart (die dann auch gern zitiert wird), aber an anderen Stellen (die nicht zitiert werden), heißt es entweder nur winterhart oder: USDA-Zone 7. Welche Sieben hätten's denn gern?

Die Zone 7 wird jedenfalls mit -17 bis -12 °C angegeben und kälter war es auch nicht:

USDA-Zonen
Zone von °C bis °C bis °F
1a −51,1 °C −48,3 °C −55 °F
1b −48,3 °C −45,6 °C −50 °F
2a −45,5 °C −42,8 °C −45 °F
2b −42,7 °C −40,0 °C −40 °F
3a −39,9 °C −37,3 °C −35 °F
3b −37,2 °C −34,5 °C −30 °F
4a −34,4 °C −31,7 °C −25 °F
4b −31,6 °C −28,9 °C −20 °F
5a −28,8 °C −26,2 °C −15 °F
5b −26,1 °C −23,4 °C −10 °F
6a −23,3 °C −20,5 °C −5 °F
6b −20,4 °C −17,8 °C 0 °F
7a −17,7 °C −15,0 °C +5 °F
7b −14,9 °C −12,3 °C +10 °F


USDA-Zonen
Zone von °C bis °C bis °F
8a −12,2 °C −9,5 °C +15 °F
8b −9,4 °C −6,7 °C +20 °F
9a −6,6 °C −3,9 °C +25 °F
9b −3,8 °C −1,2 °C +30 °F
10a −1,1 °C +1,6 °C +35 °F
10b +1,7 °C +4,4 °C +40 °F
11a +4,5 °C +7,2 °C +45 °F
11b +7,2 °C +10,0 °C +50 °F
12a +10,0 °C +12,8 °C +55 °F
12b +12,8 °C +15,6 °C +60 °F
13a +15,6 °C +18,3 °C +65 °F
13b +18,3 °C +21,1 °C +70 °F








Meine Mariendistel war aber wohl der Ansicht, dass das mit den -7 °C ihrer Meinung nach doch ernstzunehmen ist und hat sich danach gerichtet. Gut drainiert ist der Boden an der Stelle, aber vielleicht stand die Pflanze zu lange im Topf und konnte nicht tief genug wurzeln. Schon bei ganz läppischen Frostgraden vorher hatte sie schon ein paar Blätter verloren, die schwarz wurden.

Bei meinem Palmkohl wiederum hatte ich fest damit gerechnet, dass er nicht überleben wird, denn er stand zwar an der Hauswand, aber war im Kübel doch sehr exponiert. Ich hatte ihn vorsichtshalber zum Geist werden lassen und ihm eine weiße Papiertüte übergestülpt. Das scheint geholfen zu haben.


 

Der Rosmarin im Beet wiederum hat es der Mariendistel nachgemacht und ist vor lauter Ärger über den Frost ganz schwarz geworden, während der der Nachbarn im aufgeständerten Metallhochbeet noch lebt. Manchmal fühlt man sich auch veräppelt.

Zum Glück aber leben die Lenzrosen noch und haben schon dank der seit Silvester viel zu milden Temperaturen nun den Frühling eingeläutet und das ist bei denen wörtlich zu nehmen, denn die Blüten schauen gern wie Glöckchen nach unten.

Besonders über meine Helleborus purpurascens freue ich mich, die immer zuverlässig im Winter blüht.


Auch die Stinkende Nieswurz ist bisher davon gekommen und blüht schon wieder.

 

Das hier ist ein ganz neues Experiment und ich hoffe, dass die Pflanze anwächst. Als neulich alles tiefgefroren war, hatten wohl Fußgänger oder Hunde die Randbepflanzung im Botanischen Garten abgetreten oder abgewetzt. Bei der Kälte brechen manche Pflanzen wie Glas. Diese haltlose Breitblatt-Segge (so der Arbeitstitel, bitte korrigieren, wenn ich falsch liege) habe ich also vom Gehweg aufgehoben und eingepflanzt. Mal schauen, ob sie anwurzelt.


 

Da leider bei dem warmen Neujahrswetter auch einige Insekten schlüpfen mussten, die eigentlich noch Winterstarre halten sollten, wie Wespenköniginnen und Admirale, ist es immer gut, wenn man auch zu dieser Zeit etwas anzubieten hat.

Hier eine an Silvester viel zu früh aufgewachte Königin der Deutschen Wespe:


 

Bei mir ist es die Duft-Heckenkirsche (Lonicera x purpusii), die zwar in der Mauser war und fast alle Blätter verloren hat, aber den Winter zuverlässig durchblüht und Nektar und Pollen bereitstellen kann, wenn Not am Mann oder wie hier an der Wespenfrau ist.




Für die Rotkehlchen ist auch noch was da, nämlich die Früchte von Euonymus japonicus, während die vom Pfaffenhütchen ihre Farbe schon eingebüßt haben.




Naja, man soll den Winter noch nicht vor dem Februar loben, wer weiß, was da noch alles an Frost nach diesem Möchtergern-Frühling kommen wird...

Samstag, 1. Oktober 2022

Der Elefant im Vorgarten

Es ist kein Elefant im Raum, aber ein Elefant im Vorgarten. Der eher wie ein grünes Zebra aussieht. Ich habe nämlich etwas sehr größenwahnsinniges gewagt und eine Mariendistel in das kleine Beet vor der Haustür gepflanzt. Die habe ich von Marion geschenkt bekommen, weil die im Juli noch recht kleine Distel im Topf als unverkäuflich galt. Nun, wenn ich mir das so anschaue, dann verkauft sich die Pflanze aber doch ausnehmend gut.

Jeden Tag freue ich mich über den erfrischenden Anblick der gesprenkelten Blätter im Vorgarten, die sich immer breiter machen.



 

Anfangs wuchs hier mal Frauenmantel an der Beetkante. Der wurde immer mehr von der Herbstanemone bedrängt, bis er verschwand. Jetzt verschwindet Anemone hupehensis immer mehr, blüht kaum noch und wirkt insgesamt angeschlagen. Also habe ich es gewagt, die Mariendistel in die vorderste Reihe zu setzen, wo sich eine Lücke auftat.




Das erfüllt noch einen ganz banalen Zweck: Da die Reihe Steine, die ans Beet grenzt, nicht einbetoniert ist, neigt sie zum Ins-Beet-Kippen. Und damit ich die wankelmütigen Steine nicht noch mehr an den Rand des Abgrundes befördere, hilft jetzt die Distel aus. Sie ist so wehrhaft, dass man sich ihr nur mit hochgeschnürtem, festen Schuhwerk nähert. Durch Socken kommen die Pikser mühelos durch. Ich halte also Abstand, wie das geht haben wir schließlich alle in den letzten zwei Jahren gelernt.

Hinter der Mariendistel steht ein Steckling einer Bartblume, den ich auch von Marion habe, die ihn selbst vermehrt hat. Der sollte sich jetzt mit Wachsen beeilen, denn die Konkurrenz, aka Distel, schläft nicht.


Wo sich die Mariendistel so gut macht im nur halbschattigen Vorgarten, bereue ich es fast, den wahren Elefanten nicht dorthin gepflanzt zu haben: Die Eselsdistel. Aber die wäre spätestens zur Blütezeit wohl doch zu groß.

Samstag, 16. Januar 2016

Die Distel darf das

Sie ist die Zicke unter den Pflanzen, das Fräulein-rühr-mich-nicht-an des Grünzeugs. Jeden Annäherungsversuch unterbindet sie mit einer gekonnten Stichprobe ihrer Wehrhaftigkeit. Die meisten Weidetiere meiden sie, verzichten gern auf das Prickeln auf der Zunge. Auch wir Gärtner lieben sie nicht gerade, dabei bekommen wir ihre Samen oft kostenlos eingeflogen, aber mehr als uns lieb wäre: Auf offenem Boden kann sie lästig werden, in dichtbewachsenen Staudenbeeten hat sie aber nicht den Hauch einer Chance. Trotzdem macht es uns die Distel schwer, sie ins Herz zu schließen.
Dabei können die Pflanzen durchaus hübsch sein, die Blüten wie Puderquasten in leuchtendem Lila. Hummeln besuchen sie gern. Distelfinken mampfen die Samen, Raupen fressen sich trotz Bewaffnung durch das Laub.


Die Nickende Distel (Carduus nutans) ist eine besonders hübsche Art mit bescheiden geneigten Köpfen und vom Aussehen her durchaus gartenwürdig. Sonnige, trockene Plätze mag sie gern. Mit dem Sprung über den Gartenzaun täte man ihr einen großen Gefallen, denn ihre Bestände sind rückläufig.



Wer erst einmal testen möchte, ob er mit der kratzbürstigen Art der Disteln im Garten zurechtkommt, der sollte es zunächst mit der zweijährigen Mariendistel (Silybum marianum) probieren. Sie lässt sich leicht aus Samen ziehen und besticht durch weiß gezeichnetes Laub, das den Winter über die Beete schmückt. Ihre violetten Blütenköpfe sind besonders imposant. Die Samen werden von Sumpfmeisen gern geplündert, da sie fettreich und groß sind.

Ebenfalls zweijährig ist die Eselsdistel (Onopordum acanthium) - sie ist groß wie ein Esel und grau wie ein Esel. Mit ihrer mannshohen Gestalt ist die graue Eminenz eine Ausnahmeerscheinung im Pflanzenreich und macht als Solitär soviel her wie ein Kandelaber-Kaktus. Durch ihre herausragende Größe hat sie besonders viele Rasierpinsel-Blüten.

Langlebiger ist die Purpur-Kratzdistel (Cirsium rivulare 'Atropurpureum), eine sterile Züchtung der feuchte Plätze liebenden Wildart. Mit wehrhaften Sämlingen, die sich überall breit machen, ist bei dieser Auslese also nicht zu rechnen.

Ähnlich und besonders edel, aber nicht heimisch sondern aus Japan, ist Cirsium japonicum. Die Staude ist von hoher Gestalt mit weinroten Blüten, die von Hummeln geliebt werden - und auch wohl von Blattläusen.



Im Null-Euro-Beet hat mich dieses Jahr die Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare) beehrt. Obwohl sie meine Avancen mit bösen Stichen quittiert hat, habe ich ihr den Platz von Herzen gegönnt - zu schön waren ihre rosa Bürstenköpfe.

Ja, Disteln sind Diven, aber das sind Katzen auch mitunter, und die mögen wir schließlich. Wir sollten öfter Platz schaffen in unseren Gärten für die Femme Fatale unter den Pflanzen - man muss sie ja nicht gleich kuscheln wollen.

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Zum Abschluss noch eine Buchbesprechung zu "Mach mir den Garten, Liebling!: (K)ein Landlust-Roman" von Ellen Berg, erscheinen 2015 im Aufbau-Verlag.


Die Handlung: Luisa lebt nur für ihre Arbeit, für anderes hat sie keine Zeit. Ihre Tante, die in Italien weilt, hat ihr zwar ihren Schrebergarten anvertraut, doch Luisa hat ihn lieber einem Auftragsgärtner zur Pflege überlassen. Doch nun kommt ihre Tante zu Besuch und der Garten sieht aus wie ein Friedhof. In der Firma gibt es einen neuen Chef und Luisa muss um den Erhalt ihres Arbeitsplatzes und den ihrer Mitarbeiter kämpfen. Sie fängt an, den Garten wieder auf Vordermann zu bringen, lernt das Gärtnern zu schätzen und verliebt sich auch noch. Dazu gibt es einige Intrigen zu bewältigen.

Die Art und Weise, wie der Garten gerettet wird, ist nicht alltäglich. Es wird sich des Crowdfundings bedient und mit virtueller Währung bezahlt. 

Das Ganze ist kurzweilig geschrieben und ich habe das Buch in einem Rutsch weggelesen. Viele Passagen, vor allem des Büroalltags, waren witzig erzählt. Die Szenen mit dem Garten haben mich weniger überzeugt. Warum zum Beispiel die Buchsbäume als Friedhofsgewächse bezeichnet werden und weg sollen, passt nicht zum aktuellen Buchstrend, zumal sich die Pflanze jedem Gartenstil unterordnen kann. Und warum gibt es gleichzeitig Magnolienblüten und Tomaten?

Im Grunde war es eine lustige, leichte Lektüre, aber zum Gärtnern hatte ich mir mehr Kompost-Slapstick und mehr Handfestes erhofft.

Sonntag, 28. September 2014

Das Null-Euro-Beet

Im Frühjahr habe ich mit ein paar Nachbarn zusammen außerhalb meines Gartens ein neues Beet angelegt, das dank großzügiger Spenden einiger einschlägig bekannter Wucherpflanzen (ausläufertreibende Wildrosen, Seifenkraut und Ranunkelstrauch) sowie milder Gaben von Kollegen und Nachbarn (Johannisbeere, Holunder, Astern, Johanniskraut, Storchschnäbel) schnell kostenfrei seine Erstausstattung erhielt. Hinzu kamen meinerseits ein paar Stecklingsversuche (Jostabeere) und Sämlinge (Eberesche, Pfaffenhütchen), die die Vögel in meinen Garten gepflanzt hatten.

So wirkte das immer noch recht kahl, aber zum Glück habe ich letztes Jahr aus Helgas Garten eine Überraschungssamen-Mischung bekommen und aus dem Kleinen Horrorgarten eine Samenspende in Form von Duftwicken, einjährigem Rittersporn und Marrokanischem Leinkraut. Dazu noch die Dahlien und Gladiolen aus dem Testpaket und schon war für zukünftige Sommertage gut vorgesorgt, obwohl die Samen von mir am unglücksseligen Karfreitag ausgebracht wurden.

Nun konnte die Party beginnen! Aus dem bunt gemischten Samentütchen erschienen Cosmeen, Phacelia, Ringelblume, blauer Lein und herrlicher Mohn (von den Sträuchern ist auf den Bildern nichts zu sehen, sie wurden von dem bunten Treiben völlig an die Wand gespielt). Das Leinkraut blüht zu dieser Stunde immer noch und ist die Wucht in Tüten - wie kann eine einzige Art nur in so vielen verschiedenen Farben blühen?





Auch einige wilde Partycrasher mogelten sich unter die geladenen Gäste - weil sie aber so gut gekleidet waren, ließ ich sie gewähren. Eine besondere Show war die Schafgarbe, die trotz umgeklappter Grasnarbe einfach wieder an die Oberfläche trieb und fantastische Dinge mit den Dahlien anstellte - sie gab dem großen Beet ein Thema.



Auch Erdrauch, Sandmohn, Hirtentäschel und Margeriten setzten sich selbst auf die Gästeliste.




Ich hatte einen Heidenspaß, jeden Tag nach dem Beet zu schauen, um Neuigkeiten zu entdecken. Einmal konnte ich blattlausjagende Grabwespen bei der Arbeit an der Mariendistel beobachten, dann wieder fand ich zwei Raupen vom Nachtkerzen-Schwärmer, die die gelben Gäste vertilgten.


Kurz: Leere Beete sind anfangs wunderbar leicht und kostengünstig zu bepflanzen, indem man Blumensamen auf die noch sonnenverwöhnten Flecken ausbringt. Ein paar spontane, wilde Gäste dazu und die Party ist perfekt. Später, wenn das Ensemble schattiger wird, ist es nicht mehr so einfach, Sommerblumen zwischen die Stauden und Sträucher zu bekommen. Und ich als unverbesserlicher Staudenjunkie werde nicht ewig Platz vorhalten können für die euphorischen Einjährigen, die Dahlien und Gladiolen.



Dennoch: Die Samen für das nächste Jahr sind gesammelt, zur Not wird einfach noch mehr Rasen abgestochen! Sonst wäre ich wohl ein schlechter Gastgeber...