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Samstag, 1. Oktober 2022

Der Elefant im Vorgarten

Es ist kein Elefant im Raum, aber ein Elefant im Vorgarten. Der eher wie ein grünes Zebra aussieht. Ich habe nämlich etwas sehr größenwahnsinniges gewagt und eine Mariendistel in das kleine Beet vor der Haustür gepflanzt. Die habe ich von Marion geschenkt bekommen, weil die im Juli noch recht kleine Distel im Topf als unverkäuflich galt. Nun, wenn ich mir das so anschaue, dann verkauft sich die Pflanze aber doch ausnehmend gut.

Jeden Tag freue ich mich über den erfrischenden Anblick der gesprenkelten Blätter im Vorgarten, die sich immer breiter machen.



 

Anfangs wuchs hier mal Frauenmantel an der Beetkante. Der wurde immer mehr von der Herbstanemone bedrängt, bis er verschwand. Jetzt verschwindet Anemone hupehensis immer mehr, blüht kaum noch und wirkt insgesamt angeschlagen. Also habe ich es gewagt, die Mariendistel in die vorderste Reihe zu setzen, wo sich eine Lücke auftat.




Das erfüllt noch einen ganz banalen Zweck: Da die Reihe Steine, die ans Beet grenzt, nicht einbetoniert ist, neigt sie zum Ins-Beet-Kippen. Und damit ich die wankelmütigen Steine nicht noch mehr an den Rand des Abgrundes befördere, hilft jetzt die Distel aus. Sie ist so wehrhaft, dass man sich ihr nur mit hochgeschnürtem, festen Schuhwerk nähert. Durch Socken kommen die Pikser mühelos durch. Ich halte also Abstand, wie das geht haben wir schließlich alle in den letzten zwei Jahren gelernt.

Hinter der Mariendistel steht ein Steckling einer Bartblume, den ich auch von Marion habe, die ihn selbst vermehrt hat. Der sollte sich jetzt mit Wachsen beeilen, denn die Konkurrenz, aka Distel, schläft nicht.


Wo sich die Mariendistel so gut macht im nur halbschattigen Vorgarten, bereue ich es fast, den wahren Elefanten nicht dorthin gepflanzt zu haben: Die Eselsdistel. Aber die wäre spätestens zur Blütezeit wohl doch zu groß.

Samstag, 15. Juni 2013

Steinreiche Spornblume

So langsam verstehe ich, warum die Spornblume (Centranthus ruber) genau gegenüber der Rose de Resht ihre blühenden Zelte aufgeschlagen hat. Sie hat sich dort selbst angesiedelt, und das war gar kein Zufall, da steckt der große Plan dahinter, die Welt erröten zu lassen. Zumindest meinen Hauseingang. Ist doch schön, wenn die Stauden mitdenken und bei der Gartenplanung behilflich sind. Das tun ja viele Pflanzen, die sich selbst aussäen, aber die gute Centranthus geht sogar noch einen Schritt weiter und sucht sich von ganz alleine eine Stelle, wo sie einen Partner findet, der nicht nur zur selben Zeit, sondern zu allem Überfluss auch noch in der derselben Farbe blüht. Ich selbst hätte es nicht besser planen können, vor allem, weil ich natürlich im Leben nicht auf die Idee gekommen wäre, die Staude einfach in pure Steine zu setzen, ohne Erde weit und breit. In der Kieselsteinrinne der Dachtraufe fühlt sie sich aber so richtig sauwohl, also darf sie da bleiben.


Ich komme bald nur noch mit der Machete zur Haustür, weil Signora Spornblume sich so breit macht, aber es sei ihr gegönnt. Denn dieses Jahr hat sie sich mit der edlen Rose auf der anderen Seite des Weges scheinbar abgesprochen - beide blühen um die Wette, so dass es eine wahre Freude ist, nach Hause zu kommen. 

Das Empfangskomitee in Rot macht sich zwar äußerst wichtig und stellt sich gerne in den Weg, aber die letzten Meter waren noch nie so unterhaltsam. Finde ich zumindest. Briefträger und Zeitungsbote aber werden vor allem die breite Staude sicher sehr verfluchen, wenn sie keine Schlangenmenschen sind. Vielleicht verpassen sie ihr sogar einen Tritt, wenn keiner hinschaut, aber das ist mir egal. Da müssen sie durch. Denn nie hätte ich es für möglich gehalten, dass Centranthus zu so einem beeindruckenden Busch heranwachsen könnte, so ganz ohne Substrat an den Wurzeln.



Ein paar Meter weiter macht es ihr eine Akelei nach, auch da werde ich schauen, ob sie zur Blüte kommen wird.

Pflanzen, die sich von Berufswegen stark durch Samen verbreiten, werden immer mal wieder an Stellen keimen, wo die Bedingungen nicht optimal sind. In meinem Garten sind die schon froh, wenn sie einen Platz finden, an dem noch niemand anderes seine Wurzeln in Erde räkelt. Man kann die Sämlinge einfach wieder entfernen und an besserer Stellen setzen, oder - wenn sich einfach keine findet - abwarten, was passieren wird. So kann man ungeahnte Erkenntnisse gewinnen - lassen sich womöglich immer wieder abgeschriebene Standortansprüche widerlegen? Sind die Stauden vielleicht gar nicht so wehleidig?

Im Falle der Spornblume lassen sich auch andere Experimente durchführen, etwa: Wie schmal darf ein Weg sein, bevor er den Namen nicht mehr verdient? Oder wie tolerant sind Briefträger, wenn sie von einer Pflanze angefallen werden? Egal, wie das Ergebnis ausfallen wird, meine Centranthus hat sich den außergewöhnlichen Standort verdient!

Mittwoch, 23. Juni 2010

Tauschobjekt der Begierde

Und ich dachte, auf einer Pflanzentauschbörse könnte man höchstens Maiglöckchen gegen Goldfelberich tauschen. Oder Echten gegen Falschen Mehltau, je nach Großwetterlage. Ich hätte mich nicht mehr irren können...
Ich war im September zum ersten Mal auf unserer hiesigen Veranstaltung bei wunderschönem Herbstwetter, im Gepäck überzählige Goldlauch-Zwiebeln, Walderdbeeren und Wiesenstorchschnabel - alles staatlich geprüfte Wucherer.
Fachsimpeleien, Tee und Kekse gab es gratis. Was dagegen dort gar nicht gern gesehen wurde, waren Leute, die mit leeren Händen kommen, noch nicht mal Kekse mitbringen und sich ihre Gartengrundausstattung erschleichen wollen.

Weil ich früh dort war, konnte ich mir gleich ein (karmesinrotes) Sahnehäubchen ertauschen - einen Ausläufer von Rose de Resht, der sagenumwobenen persischen Rose, die erst in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts nach Europa kam, aber trotzdem oft zu den historischen Rosen gestellt wird.
Meistens wird sie den Damaszener-Rosen zugeschlagen, Herr Austin sieht sie dagegen lieber bei den Portlandrosen.
Macht aber nichts - in den Portland-Rosen fließt Damaszener-Blut. Irgendwie sind die alten Rosen ja alle um drei Ecken verschwägert.
Sie ist öfterblühend, zierlich und sensationell duftend - perfekt für kleine Gärten.
Nicht-veredelte Rosen, die auf eigenen Wurzeln stehen, teilen sich eine Eigenschaft mit den Wildrosen: Sie bilden Ausläufer. Das trifft man oft bei historischen Rosen an, dadurch sind sie sogar langlebiger als gepfropfte Sorten.
Es gibt keine Unterlage, die Wildlinge treiben könnte, und die Ausläufer kann man weiterverschenken, wenn sie lästig werden.

Die Platzfrage war zuhause schnell geklärt: Die Pendulina-Rose im Vorgarten musste weichen - ich hatte sie sowieso schon dreifach gepflanzt. Tat mir zwar leid, aber was tut man nicht alles für eine Persische Prinzessin. Manchnal muss man eben hart sein. Weil ihre Hoheit so klein bleibt, kann sie den Vorgarten auch nicht dominieren - was ihre Vorgängerin schon in einer Saison geschafft hatte.

Dieses Jahr blüht der Zwerg schon! Kleine, stark gefüllte Blüten:



Damit ich ihren Duft genießen kann, ohne vor ihr nieder zu knien, mich waghalsig halb über das Beet zu beugen und mich somit zum Gespött der Nachbarn zu machen (ich unternehme diese akrobatischen Verrenkungen nur, wenn keiner zuschaut!), muss Madame allerdings noch wachsen, damit mir diese Peinlichkeiten in Zukunft erspart bleiben.
Aber wenn man schon so eine Berühmtheit im Vorgarten beherbergt, deren Duft einer der besten sein soll, den die Rosenwelt zu bieten hat, macht man sich doch gerne auch mal zum Affen.