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Samstag, 28. März 2026

Das Schnecken-Barometer

Habt ihr dieses Jahr auch so wenig Schneckenschäden wie schon lange nicht mehr? Ach, eigentlich wie noch nie! So ein gesittetes Verhalten habe ich im Frühjahr noch nie beobachten können. Ich hatte tatsächlich Schneeglöckchen mit Blüten, sogar die Narzissen sind gelb und nicht uniform grün, der Schneeglanz ist von weitem zu sehen und nicht nur, wenn man mit der Lupe davor hockt und die Blütenblattstummel sucht, die die Biester übrig gelassen haben. Große Narzissenblüten stehen aufrecht, weil sie nicht durch das Kampfgewicht einer Nacktschnecke in ihrer Tröte gen Boden gezogen wurden.


Zum Vergleich: So sah der Schneeglanz 2022 aus, die schöne Sternchenblüte war nur eine zurechtgestutzte blaue Röhre:


Klar gibt es auch jetzt mal irgendwo Löcher, aber keine Pflanze sieht lebensbedrohlich geschädigt aus, so wie sonst immer. 


(Die Narzissen und die Kisselprimeln auf dem Bild sind übrigens nicht gekauft, sondern vom Friedhofsmüll gerettet. Die Primel hat so eine schöne Farbe und ist schon uralt. Sie hat sich ausgebreitet, jetzt sind es schon eher drei Pflanzen. Rechts der Gemüseampfer ist aus Samen gezogen.)

Die Kaiserkronen sehen völlig unversehrt aus. Und das Wunder ist: Selbst die, die die Schleimer letztes Jahr zu Klump gefressen haben, sind wieder ausgetrieben. Sie sind zwar kleiner als die einzige, die geblüht hatte im Frühjahr 2025, aber immerhin. Das hätte ich von den teuren Diven nun wirklich nicht gedacht. 


Kurzum: Ein denkwürdiges Frühjahr bei sogar oft schneckenfreundlichem Wetter. Jetzt könnte man sich natürlich auf die Schulter klopfen und sagen: Da habe ich wohl jetzt die Nützlinge soweit, dass sie mir jeden Wunsch von den Augen ablesen und die Stielaugenmeute in Schach halten. Oder ich könnte es auf den trockenen Sommer und das trockene Frühjahr 2025 schieben. Doch wenn ich recht zurückdenke, hat ein trockener Sommer die Herrschaften in meinem Garten noch nie so nachhaltig beeindruckt, dass sie die Schneeglöckchenblüten mal nicht gefressen hätten.

Sogar die Blüten des Sibirischen Blausterns sehen spitzenmäßig aus, genauso wie das Lungenkraut:

Gehäuseschnecken finde ich allerorten, aber die sind klein und die haben bei mir Narrenfreiheit.


Ich habe ja den Verdacht, dass es an dem Winter lag, der bei uns deutlich mehr Schneetage und Frost hatte als die davor. Das in Kombination mit dem trockenen letzten Jahr hat den Bestand der Spanischen Wegschnecke vielleicht mal auf ein Normalmaß schrumpfen lassen. Nur die harten kommen in den Garten und so: Frost ist das Kryptonit der Superschnecken und Schurkenschleimer. 

Dieses Frühjahr macht Freude - ich habe sogar ganz viele Sämlinge vom Einjährigen Silberblatt. Die werden sonst auch gern im Keim erstickt. Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass ich den Garten mal alleine lassen kann, ohne dass meine grünen Lieblinge danach weg wären.

Anfang Dezember waren die Mittelmeer-Ackerschnecken noch bestens gelaunt und schon in Weihnachtsstimmung - hier bei der Paarung, die Liebespfeile sind schon im Anschlag:


Für einige meiner Wunschpflanzen kommt die plötzliche Schneckenfreiheit leider zu spät. Vielleicht würde die Schwarznessel dieses Jahr noch leben, wenn ich sie im letzten Herbst gepflanzt hätte und nicht Jahre vorher. 

Wie sieht es bei euch aus?

Samstag, 5. April 2025

Narzissen: Mysterium oder Massenware?

Narzissen sind Massenware, vor allem zu Ostern. In meinem Garten sind sie es leider nicht. Ich pflanze und pflanze, rette weggeworfene Narzissenballen mit meistens der Sorte 'Tête à Tête' vom Friedhof und habe dann, wenn es gut läuft, im nächsten Frühjahr schöne gelbe Batzen im Garten. Aber eigentlich träume ich auch von einer Narzissenwiese oder einem Narzissenwald, wie man sie oft an alten Gehöften sieht.



Doch lange halten die Diven bei mir immer nicht, sonst gäbe es im Garten wohl nur noch Stehplätze, wenn jede der geretteten 'Tête à Tête's noch da wäre. Ich habe auch Pflanzen, die jedes Jahr zuverlässig wiederkommen, aber nur mit Blättern. Blüten wollen sie nicht rausrücken. 

Nur eine hohe Narzisse dankt mir ihre Rettung und blüht wirklich jeden Frühling. Mit genau einer Riesenblüte, die immer zuverlässig von mir wegschaut, als würde sie einen Fluchtweg aus dem Garten suchen, wo Narzissen anscheinend so sehr gequält werden, dass sie das gelbe Handtuch werfen. 


Was läuft da schief? Nun, zum einen die Schnecken, die sich gern auf die Blüten stürzen, bis es so aussieht, als wären die Narzissen verschwunden, dabei sind sie nur einfach grün, weil alles Gelbe gefressen wurde. Oft warten sie nicht mal, bis die Knospe richtig aus dem Boden ist, und vernichten sie schon zuverlässig. Auch in meiner ausdauernden Flaggschiff-Narzisse mit der einen großen Blüte habe ich schon Nacktschnecken oben aus dem Gelben rausgepult, schwindelfrei sind die Biester ja.



Und dann liest man ja immer, dass Narzissen im Gegensatz zu Tulpen einen feuchten oder frischen, nährstoffreichen Boden wollen, der nie austrocknen darf. Und wie zum Hohn wächst seit ein paar (auch trockenen Jahren) eine Narzisse im Gemeinschaftsbeet unter den Kugelahorn-Bäumen und blüht immer üppig. Sie stammt mit Sicherheit von so einem Ostertopf aus dem Gartencenter.

Also, wenn da der Boden nicht sowas von vollständig austrocknet, dann weiß ich es nicht. Niemand schneidet die sich entwickelnden Samen heraus oder düngt die Pflanze. Im Gegenteil: Unter den Ahornen ist es eher staubtrocken und die Bäume saugen mit ihren flachen Wurzeln alles an Nährstoffen weg, was sie kriegen können.

Anscheinend hat diese Narzisse die Pflegeanleitungen für ihre Gattung nicht gelesen. Hoffentlich tut sie es auch nicht. Ich werde es ihr jedenfalls nicht unter die gelbe Nase reiben.

Narzissen sind Massenware und Mysterium gleichermaßen, oder?


... und jetzt ist es ohnehin so trocken, dass die Schnecken Pause haben. Regen wäre mir aber doch lieber.

Samstag, 21. Dezember 2024

Weihnachtliche Erdarbeiten

In der Woche vor Weihnachten habe ich dieses Jahr etwas ganz und gar unweihnachtliches getan, und zwar habe ich - nicht mal mit dem Festtagsspaten - Blumenzwiebeln eingepflanzt. Da es so mild ist, geht das immer noch und die Händler haben auch immer noch Ware im Angebot, die sie vernichten müssen, wenn sie nicht verkauft werden. Ich gehe mal davon aus, dass sich die Verkäufer nicht an die Arbeit machen und die Restposten wieder unter die Erde bringen. Daher gibt es sie jetzt zum Schnäppchenpreis.

Oh, die Zwiebelige also, statt Christbaumkugeln aufzuhängen habe ich in gebückter Haltung Blumenzwiebeln verlegt - sehr zum Ärgernis der Regenwürmer. Aber als Weihnachtsschmuck eignen sie sich einfach nicht, da sind sie im Boden besser aufgehoben.

Meine 150 neuen Bio-Blumenzwiebeln habe ich nämlich am Sonntag geschenkt bekommen und mich sehr darüber gefreut, denn Narzissen habe ich nicht so viele und Elfen-Krokusse und Traubenhyazinthen kann man nie genug haben.

Man sieht hier auch gut, dass sie bis auf die Krokusse noch nicht ausgetrieben hatten - und bei den Krokussen ist es auch noch nicht schlimm und schon gar nicht zu spät zum Pflanzen. Da die Winter immer milder werden, wachsen die auch noch an.




Muscari aucheri 'White Magic' hatte ich sogar noch nie, das sind ganz edle kleine Träubchen.

Die Ware erst einmal auf dem frisch aufgeschütteten Mulchweg auszukippen war allerdings nicht die beste Idee - dort sind die Zwiebeln sehr gut getarnt.



"Es ist ein Krokus entsprungen" trifft aber hoffentlich nicht zu und ich habe wirklich alle unter die Erde gebracht, auch ohne dabei Weihnachtslieder zu singen oder Lamette im Haar zu haben.


Dann wünsche ich euch mit oder ohne Blumenzwiebeln Frohe Weihnachten!

Samstag, 11. Juni 2022

Abschneiden oder dranlassen?

Es ist einer der vielen mysteriösen Mythen, über die man in der Gartenliteratur so stolpert: Man soll die Samenansätze von Tulpen und Narzissen bloß unverzüglich abschneiden, bevor die Zwiebelblume von dem Stress der Nachwuchsförderung völlig erschlafft am Boden liegt. Die Fortpflanzung darf ihnen auf gar keinen Fall erlaubt werden. Wobei Krokusse, Scillas und die anderen kleinen Blümchen aber völlige Narrenfreiheit haben. Und die verausgaben sich nicht, die vermehren sich wie wild. Nur den Großen unter den Blumenzwiebeln soll es bei Strafe verboten sein, Samen anzusetzen? Ausnahme: Zierlauch! Dessen Samenstände sehen ja ganz hübsch aus. Sollte hier der Hase im Pfeffer liegen, ist es am Ende die reine Optik?


Während man Zweijährige wie den Fingerhut auch tatsächlich durch Abschneiden der Samenstände davon überzeugen kann, noch ein weiteres Jahr im Garten zu bleiben, und noch eins und noch eins, hört man bei Stauden ansonsten ja nichts von derartigen Prozeduren, nur bei Tulpen und Narzissen wird dieses Kastrieren empfohlen. Dabei sind sie sowieso oft wahre Diven, die nicht in jedem Jahr blühen möchten, Samenbildung hin oder her.

Ich habe diese Plackerei auch brav jahrelang mitgemacht und bin mühsam mit der Schere hinter jeder Narzisse und Tulpe hergerannt. Dann habe ich es einfach mal gelassen und wollte mal sehen, ob dann die Welt untergeht. Narzissen können tatsächlich super Samen bilden, die richtig große Klunker sind. Die werde ich einfach mal aussäen, sie sollen Dunkel- und Kaltkeimer sein. Auch Zierlauch keimt erst im nächsten Frühjahr.



 


Bei den Tulpen ist es noch weniger ersichtlich, warum man sie abschneiden soll, denn meistens entsteht statt einer Samenkapsel etwas verschrumpelt rosinenartiges. Die meisten Blüten werden offenbar gar nicht erst bestäubt und die Pflanze lässt sie von sich aus verkümmern. Aber dann sah ich diese Tulpe, links zum Vergleich eine unverkennbar unbefruchtete:


 

Ein Kawenzmann von Samenkapsel! Hier erwarte ich ähnlich große Samen wie bei der Narzisse. Und die werden dann auch ausgesät, so! Anarchie im Garten!