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Samstag, 30. April 2016

Party-Crasher

Bald brauchen meine noch jugendlichen Chilipflanzen größere Töpfe, sonst wird das nichts mit dem verschärften Essen Marke Eigenanbau. Da ich gemeinerweise die letztjährigen Schärfespender den Winter über auf der Terrasse ihrem Schicksal überlassen habe, welches es nicht gut mit ihnen gemeint hat, sehen die Töpfe nun so aus:



Die abgestorbenen Überreste der Chilis habe ich schon heraus geschnitten, damit ich kein permanent schlechtes Gewissen bekomme bei dem traurigen Anblick. Ich hätte sie auch überwintern können, aber beim letzten Versuch konnte ich im Wochen-Rhythmus die Blattläuse abduschen, die sich die Pflanzen als Souvenir von draußen mitgebracht hatten. Also gibt es ab sofort jedes Jahr neue Sprösslinge aus den Samen vom Vorjahr.

Nun bleibt Erde selten unbemerkt von der allseits bereiten Spontanvegetation. In meinem Garten sind es weniger Unkräuter als die Stars unter den selbst versamenden Pionieren. Vergissmeinnicht ist immer zur Stelle, wenn es darum geht, einen freien Logenplatz im Topf zu besetzen. Auch der zweijährige gelbe Schöterich, irgendein Erysimum-Hybride, pflanzt sich zuverlässig in sämtliche Kübel, wohingegen er im Garten verschwunden ist, weil er keine Wurzel in den Boden bekommt vor lauter Stauden.

Dieser weiße, quadratische Topf (vor Jahren vom Sperrmüll gerettet) beherbergte auch mal eine scharfe Chili, mittlerweile wurde er aber altersmilde und von einem anderen Küchenkraut, dem Schnittlauch, okkupiert:

Dazwischen turnt hier und da das Hainveilchen (Viola riviniana) herum, wie auch immer es in die höheren Gefilde der auf dem Tisch stehenden Töpfe gelangt ist. Vielleicht waren die Ameisen die Träger.

Die ganze Pracht ist ein Dilemma für bekennende Blackbox-Gärtner und Blütenfreunde. Die Kübel werden schließlich gebraucht und können sich den Luxus der Besiedlung durch Pott-Piraten nicht allzu lange leisten. Irgendwann werde ich die ganze Pracht ausquartieren müssen. Das macht aber nichts - im nächsten Jahr sind sie sowieso alle wieder da, und wer weiß, was diesmal mit von der Partie ist?

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Und was machen eigentlich die Bio-Tulpenzwiebeln, die ich von Natural Bulbs bekommen und auch als Preise für meinen Fotowettbewerb letztes Jahr ausloben durfte?



7 Tulpen 'Red Impression' und 7 Zwiebeln 'Beauty of Spring' waren in den Tütchen.  Jetzt zeigt sich, ob ich sie noch alle habe. Und tatsächlich: ich habe durchgezählt, es sind alle vollzählig erschienen. Die roten sind ein bisschen eher dran, die gelben rücken nach.

Schon die Knospen waren schick mit ihrem roten Kussmund.






Was man noch alles mit Tulpen (und Narzissen) machen kann, außer sie in Beete zu stecken, konnte ich neulich beim Spazierengehen entdecken: Die Wanne ist voll, und zwar mit Erde und Blumenzwiebeln, die ihr Vollbad sichtlich genießen. Eine tolle Recycling-Idee, wenn mal eine Badewanne übrig ist - am besten eine, die auf eigenen Füßen steht, so wie diese hier:


Samstag, 7. Juni 2014

Mind the gap, please

Selten habe ich einem Buch so entgegengefiebert wie diesem. Schon als die Vorankündigung erschien, war die Vorfreude groß. Und nun ist es da: Schwarz, breit, stark bebildert: "Blackbox Gardening" von Jonas Reif und Christian Kress, mit Fotos von Jürgen Becker.

Hinter diesem Titel, für den es so recht keinen deutschen Begriff gibt ("Lass dich überraschen"?), wird ein neuer Ansatz beschrieben, Gärten zu gestalten, beziehungsweise gestalten zu lassen, nämlich von den Hauptpersonen, den Pflanzen selbst. Sich versamende Pflanzen sind die Akteure, einmal gepflanzt oder ausgesät, sorgen sie für immer neue Bilder, die uns überraschen und staunen lassen. Das ist nicht nur spannend, sondern auch viel günstiger als ein komplett bepflanztes Staudenbeet.

Für so ein spontanes Spektakel braucht man nicht nur die Initialzündung in Form von Gründerpflanzen oder Samen, sondern auch einen freien Platz im Garten. So etwas habe ich nicht, aber wer wird denn gleich schwarzsehen? Stattdessen praktiziere ich das Blackbox-Gardening schon seit Jahren im normalen Blumenbeet, ohne den Begriff dafür zu kennen, und zwar mit Akeleien, Wald-Scheinmohn, Jakobsleitern, Braunem Storchschnabel oder Fingerhut (stehen alle im Buch).

Mein Garten hat ja immer seinen eigenen Kopf und würde gern noch folgende Blackbox-Pflanzen hinzufügen, die im Buch nicht vorkamen: Wald-Ziest (Stachys sylvatica), Pentaglottis und Geranium nodosum.




Wie das Alles im großen Stil aussehen kann, zeigen die großartigen Bilder von Jürgen Becker aus verschiedenen Gärten. Oft ist das ganze Areal mit sich versamenden Pflanzen gestaltet, manchmal säen sich die Stauden einfach in Mauerritzen, Wege oder Fugen. Dazu noch die Bilder von amerikanischen Blumenwiesen, wie sie in der Natur vorkommen. Sowas kennt man ja hierzulande gar nicht.

Diese Beispiele machen Lust, es auch einmal so zu versuchen. Eine Anleitung für ein Kalk-Splitt-Beet gibt es gleich dazu.


Im hinteren Teil des Buches finden sich die Akteure im Portrait nach Lebensbereichen geordnet. Darunter nicht nur altbekannte Arten, sondern auch für mich echte Neuvorstellungen, wie Himalaya-Silge oder Wechselständiger Kronbart - allein die Namen sind schon verheißungsvoll.

Meine Vorfreude war also durchaus berechtigt, das Buch hat mir sehr gut gefallen. Endlich mal ein Werk, das über den Einsteigerlevel hinausgeht. Auch die ökologischen Grundlagen der Besiedlungsstrategien waren äußerst interessant zu lesen. Der Schreibstil ist ebenfalls gelungen, nicht ohne Witz hier und da, aber dankenswerterweise inklusive ein paar Fremdwörtern.

Ein Buch also für experimentierfreudige Gärtner, die keine durchgeplanten Beete mögen, sondern sich gerne überraschen lassen. Und ein Buch für die Natur und gegen sterile Hausgärten. Es lebe die Anarchie!