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Samstag, 11. Januar 2020

Es kommt nicht auf die Größe an

Bald ist sie wieder da, die Jahreszeit, in der alle Gartenbesitzer etwas Neues pflanzen wollen oder Abgängiges ersetzen müssen. Die Gartencenter jedenfalls sind zur Stelle, vermutlich eher überpünktlich und mit vorgetriebenen Pflanzen, die wir wintergeplagten Gartenmenschen in den Einkaufswagen wuchten, als gäb's kein Morgen mehr.


Die Märkte tun das aber nicht aus purer Menschenfreundlichkeit, sondern weil sie Geld verdienen wollen, logisch. Da die meisten Kunden Augenmenschen sind, die sich nach dem Winter von üppigen Blüten über prallem Laub blenden lassen, liegt das Augenmerk der Gartencenter auf verhätschelten Gewächshausinsassen. Die wenigsten würden einem kleinen Töpfchen mit einer winzigen Blattrosette den Vorzug geben, wenn nebenan die gleiche Art im größeren Kübel steht und ihrer Zeit blütentechnisch um Wochen oder gar Monaten voraus ist.

Aber lohnt es, die frühreife Blütenshow zu kaufen? Und welches Topfvolumen ist besser? Kommt es wirklich auf die Größe an?


Die aufgeputschte Gewächshausware ist immer ein Wagnis. Die Mimöschen haben vermutlich noch nie echtes Sonnenlicht gesehen und sich auch keine unterkühlte Knospe geholt. Eine kalte Nacht noch und das pflanzliche Weichei ist im Freiland hinüber.


Ein anderer Aspekt ist, dass viele Gartencenterstauden während der Anzucht regelrecht verwöhnt wurden. Dünger und Wasser bekamen sie dank gutem Zimmerservice rund um die Uhr direkt an die Wurzel geliefert. Das hat sie faul gemacht. In ein gutes Wurzelsystem zu investieren, hat sich nie gelohnt. Stattdessen wurde alles in üppige Blüten gesteckt, denn das Prassen schadete ja nie.

Gerade Pflanzen, die naturgemäß eine Pfahlwurzel entwickeln, können dies im Topf oft nicht oder schludern absichtlich, weil Wasser und Nährstoffe auch ohne gut erreichbar sind. Hier geht's oft rund statt in die Tiefe.



Torfhaltige Erde ist sowieso die Regel - ein Substrat also, das sich sehr vom normalen Gartenboden unterscheidet. In den Garten ausgepflanzt, ist das ein Kulturschock, eine post-horticulturale Belastungsstörung geradezu. Manche Stauden weigern sich beharrlich, ihre verwöhnten Wurzeln in die nährstoffärmere und so ganz andere Gartenerde zu stecken. Trockenstress vertragen sie gar nicht, den sind sie ja nicht gewohnt. Noch nach Jahren kümmerlichen Wuchses kann man den Wurzelballen oft ganz leicht herausziehen - er hat immer noch die ursprüngliche Topfform.

Damit das nicht passiert, ist es besser, kleinere Töpfe zu kaufen. Sie gewöhnen sich besser ein, ihr Wurzelsystem passt noch eher in den Container. Die Anzucht aus Samen ist noch besser, denn wir gehen viel schludriger mit Dünger um als die Pflanzenproduzenten, was die Pflanze eigenständig auf Nahrungssuche gehen lässt.



Große Kübelinsassen brauchen als erstes eine Wurzelbehandlung: Möglichst viel von der alten Erde sollte ausgeklopft oder abgespült werden und die Wurzeln gelockert. Nach dem Einpflanzen ist gründliches Gießen mit der Kanne angesagt, um Lufteinschlüsse zu entfernen.

Obwohl es gerade im Frühjahr sehr schwer fällt - kleine Pflanzen von guten Staudengärtnern sind nachhaltiger als das große Blendwerk aus dem Gartencenter. Wenn man nur widerstehen könnte, denn das Auge kauft ja mit...

Sonntag, 1. Dezember 2013

Gärtnerlatein

Man sollte ja meinen, dass der sämtliche Lebensgeister raubende Lateinunterricht in der Schule damals irgendeinen bleibenden Eindruck hinterlassen hätte und sich beim Gärtnern ein klein wenig nützlich machen könnte. Leider ist der einzige vollständige Satz, den ich noch im Schlafe und grammatikalisch korrekt wiedergeben kann, dieses hübsche Bonmot: "Rhenus fluvius est" - der Rhein ist ein Fluss. Das muss so ungefähr in der ersten Lateinstunde dran gewesen sein. Da war ich noch überzeugt, dass ich was für's Leben lerne. Dem aufmerksamen Leser wird jedoch nicht entgangen sein, dass man diesen Satz drehen und wenden kann, wie man möchte - es lässt sich aus keinem der enthaltenen Wörter irgendeine Sinnhaftigkeit für den Gartenalltag ableiten.

Nun ist laut einem internationalen Abkommen aber jede Pflanze gefälligst auf Lateinisch anzusprechen, denn so weiß jeder, was gemeint ist, ob er nun am Rhein oder am Nil gärtnert. Dummerweise haben sich seit jeher auch immer ein paar griechische Wörter dort eingeschlichen. Hinzukommen lustige Verballhornungen des Namens des Entdeckers einer Pflanze - man denke nur an Tulipa bakeri, die nach dem einschlägig bekannten Pflanzensammler George Percival Baker benannt wurde. "Bakeri" ist also schon mal kein Latein und die ganze Plackerei in der Schule hat mal wieder nicht so viel genützt.

Immerhin mit der Kenntnis von ein paar Adjektiven, insbesondere mit Wörtern für Farben, kann man sich halbwegs durchschlagen: Alba kennzeichnet stets eine weiße Blume, Nigra meint schwarz und Aurea hat was mit Gold zu tun und ist damit sofort auf der Liste der begehrten Stauden ganz nach oben gerutscht. Das hilft sowohl bei Art- als auch bei Sortennamen und meist ist Verlass auf diese Nomenklatur.



Händler, die etwas auf sich halten, werden sich also stets bemühen, den vollständigen lateinischen Namen für ihre Ware herzubeten, wenn es gut läuft auch noch mit Sortenbezeichnung.

Grundsätzlich misstrauen sollte man Versandgärtnereien, die kein bisschen Latein können und das auch in ihren Katalogen zur Schau stellen. So viel Platz, um den genauen wissenschaftlichen Namen der Ware abzudrucken, sollte schon sein. Das geht aber immer noch schlimmer - auch die deutsche Bezeichnung kann frei erfunden sein.


Ich bin einmal über den Namen "Bauernstaude" gestolpert. Das Bild ließ auf einen Beinwell schließen, aber das klingt offenbar zu profan. Ein anderer Artikel war mit "Bienenpflanze" betitelt. Mehr war nicht zu erfahren, auch das dürftige Foto bot Interpretationsspielraum. Es darf vermutet werden, dass es sich um ein Raublattgewächs gehandelt hat, möglicherweise war es die Gemeine Ochsenzunge (Anchusa officinalis). Bienenpflanze klingt natürlich viel besser und man kann dem Kunden praktischerweise eigentlich jede Boraginacee unter diesem Namen unterjubeln, es wäre noch nicht einmal gelogen.



Dennoch sollte man Händlern mit einem gewissen Hang zum Gärtnerlatein und mit allzu viel Fantasie mit ebenso viel Vorsicht begegnen, denn wer sich bei den Katalogen nicht um Genauigkeit bemüht, spart vielleicht auch anderswo. Wenn das gute Stück Staude, das man gekauft hat, dann allzu schnell sein Gartenleben aushaucht, wird man kaum Informationen finden können, wie man es beim nächsten Mal besser machen kann. Wie auch, ohne genaue Artbezeichnung.

  
Gute Versandgärtner erkennt man dagegen an ihrem tadellos geführten und gut recherchierten Auftritt, sei es als Katalog oder online. Ein bisschen Latein macht dabei immer einen guten Eindruck - solange es nur bei den Pflanzennamen Anwendung findet.

Auch wenn ich in der Schule also doch wenig Gärtnerlatein gelernt habe - ich traue keinem Händler, der keinen Wert auf botanische Bezeichnungen legt, denn so kann man am Ende viel Geld sparen.

Mittwoch, 25. September 2013

Fehlkäufe

Jeder kennt sie, jeder fürchtet sie: Fehlkäufe. Vor allem bei Kleidung ist das Phänomen bekannt: Was im Laden ganz fabelhaft und schmeichelnd aussah, entpuppt sich zuhause als untragbar - entweder, weil die Gelegenheit, das schicke Abendkleid auszuführen, doch nie kam, oder weil der eigene Spiegel ganz andere Ansichten hat als der im Kaufhaus.

Auch im Garten kann uns ein Fehlkauf ereilen, hierbei sind die Folgen jedoch ganz unterschiedlich und man kann verschiedene Typen des fälschlichen Einkaufs unterscheiden:

Typ 1: Der Anhängliche

Hierbei handelt es sich um Pflanzen, die uns im ersten Jahr glauben lassen, wir hätten den besten grünen Daumen, den die Welt je gesehen hat. Später streben die Neuzugänge allerdings die Weltherrschaft an und bringen uns zur Verzweiflung. Oft kommt uns die Idee zu so einer Pflanze beim Betrachten von Gartenbüchern, vor allem Bildbänden. Uns gefällt das Foto, es hat aber leider nicht viel erklärenden Text abbekommen. Und natürlich sehen wir weder die Wurzelsperre, denn die ist nicht mit auf dem Bild, noch die Anstrengungen des Gärtners. So war es bei mir mit dem Hopfen - im Buch wuchs er zahm an einem Obelisken, bei mir klettert er mittlerweile meterhoch in Nachbars Thujahecke und erwürgt nebenbei meine Stauden und Sträucher. Auch auf die diversen Felberiche muss man gut achtgeben - im Bild Lysimachia ciliata 'Firecracker' und Lysimachia clethroides.



Typ 2: Der biologisch Abbaubare

Diese Art von Fehlkauf ist der am ähnlichsten, die wir schon vom Kleiderkauf kennen: Auf den ersten Blick ganz hübsch, passt die neue Pflanze aber gar nicht zum Standort, woraufhin unser Garten den Neuzugang langsam aber sicher in der Versenkung verschwinden lässt. Im Gegensatz zur nie getragenen Bluse ist diese Variante immerhin vollständig biologisch abbaubar. Mir ist dies schon mit mehreren Sonnenhüten geglückt, die mein Garten unter Mithilfe etablierter Stauden zu Tode verschattet hat. Auch eine falsche Farbe kann ein Grund sein, in diesem Fall muss man die Pflanze meistens selbst kompostieren (bringe ich sowieso nicht über's Herz).


Typ 3: Der Trojaner

Dieser Typ Fehlkauf ist mit Abstand der frustrierendste und oft auch der mit den höchsten Kosten. Er könnte auch Suizid-Fehlkauf heißen, denn bei dieser Variante bringen sich die neu erworbenen Pflanzen mit quälender Langsamkeit selbst um, da sie schon beim Kauf voll sind mit äußerst effizienten Plagen. Dieses Dahinsiechen kann Jahre dauern und bringt den Gärtner an den Rand des Aufgebens. Hostas kann zum Beispiel der Virus X anhaften. Das allerbeste Beispiel für diese Art Fehlkauf aber ist der Buchsbaum. Mit ihm kann man den passenden Pilz gleich dazu erwerben. Der ist kostenlos dabei, rafft jedoch oft genug ganze teure Hecken dahin. Kennzeichnend ist, dass der Parasit erst so richtig in Erscheinung tritt, wenn die Bäumchen bereits im Garten stehen, dann aber plötzlich und ohne Zeit zu verlieren.


Heilmittel

Typ 1 der Fehlkäufe lässt sich nur mit Wissen verhindern. Falls das Internet nichts hergibt (der Pflanzenname plus "wuchern" in der Suchmaschine sind ein erster Anfang), helfen Gartenforen weiter, denn dort gibt es meistens jemanden, der schon Erfahrungen mit einer Pflanze gemacht hat. Erlebnisse werden dort gern plastisch und emotional geschildert, was immer eine größere abschreckende Wirkung hat als ein schnöder Fachtext. Wenn man sich nicht anmelden möchte, um seine Frage vorzubringen, reicht oft schon die Suchfunktion. Selbstverständlich kann man dort auch seine Leiden mit einer wuchernden Pflanze anderen wortreich mitteilen.

Gegen Typ 2 ist nun wirklich kein Kraut gewachsen - genauso wenig wie beim Kleidungsfehlkauf, daher muss man wohl mit ihm leben. Wirksam ist nur das komplette Meiden von Gartencentern und Pflanzenbörsen.

Typ 3 lässt sich am besten mit eigenen Pflanzen bekämpfen - statt zu kaufen, kann man Buchs auch aus Stecklingen vermehren. Das ist zwar langwieriger, aber gesünder. Wenn man noch keinen eigenen Buchs hat, kann vielleicht der Nachbar mit hoffentlich pilzfreiem Schnittgut aushelfen.


Alles in allem werden viele Gärtner sagen, dass so ein Kaufrausch - mit oder ohne Fehlermeldung - auch ganz gehörig Spaß machen kann. Bei aller Freude gilt es dann Typ 3 möglichst gänzlich zu vermeiden. Denn nichts trübt den Gartenspaß so sehr wie ein alles dahinraffender Trojaner.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Das Gutschein-Paradoxon


Jeder Hobbygärtner kennt es sicher: Das Gutschein-Paradoxon. Auch unter dem Namen Kaufrausch-Kalamität bekannt, bezeichnet es den geistigen Zustand von Personen, die mit einem wie auch immer gearteten geldwerten Vorteil bewaffnet ein Gartencenter betreten. Äußere Anzeichen sind ein irrer Blick und das hastige Hin-und-Her-Rennen mit dem Einkaufswagen, um nur kein Objekt der Begierde zu verpassen. Zu diesem Syndrom gehört auch der sofortige Verlust der Grundrechenarten. Der Patient neigt dazu, vor allem die simplen Gesetze der Addition und Multiplikation unverzüglich zu vergessen. 

So kommt es dann, dass im Vollbesitz eines Gutscheins stets ein jeder Betrag ab- statt aufgerundet wird, vor allem bei Schwellenpreisen, so dass dieser raffinierte Schachzug des Einzelhandels seine psychologische Wirkung zeigt. Aus 1,99 Euro wird dann ganz schnell 1,00 Euro, vier mal 1,99 sind also schlappe 4 Euro (Herr Adam Riese würde sich im Grabe umdrehen) - und weiter geht's im Fieberwahn, denn nichts ist schöner, als das Geld anderer Leute auszugeben.


Wer dann am Ende nur das doppelte bezahlen muss, hat noch einmal Glück gehabt. Natürlich war dann in unserer Wahrnehmung alles umsonst, denn wer könnte noch genau beziffern, was von den Waren von dem Gutschein bezahlt wurde und was nicht? So hat man immer noch ein gutes Gefühl. Auch das ist ein Charakteristikum des Gutschein-Paradoxons.
In Gartencentern ist dieser Gemütszustand ein besonders tückisches Problem. Es gibt schließlich so viele Kleinigkeiten zu kaufen. Da gibt es verschiedenste vermeintlich nützliche Gartengeräte, zu jeder Jahreszeit Blumenzwiebeln und Sämereien, sowie zu allem Überfluss auch noch Topfpflanzen bis zum Horizont. Und alles so schön bunt hier. Wer will da noch standhaft bleiben?


Wenn man ein neues Beet oder gar einen ganzen Garten mit Leben füllen muss, hat man es gut und kann beruhigt aus dem Vollen schöpfen. Wenn die winzige Anlage aber schon an Völlegefühl leidet, kann so ein Kaufrausch für die Pflanzen sehr unbequem werden. Kaufe ich mir zum Beispiel ein neues Tränendes Herz, gibt es am Ende bei den schon vorhandenen Pflanzen - und bei mir sowieso - nur ein blutendes. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass die Ausdehnung meines Gartens in der Erinnerung stets proportional zur Entfernung von ihm steigt - also bilde ich mir immer ein, ich würde noch massenhaft freie Pflanzplätze von der Größe eines mittleren Marktplatzes haben. 


Um mir und meinen Stauden also viel Kummer zu ersparen, habe ich mit den Jahren ein paar Strategien zur Vermeidung von pflanzlichen Spontankäufen entwickelt, für die ich eigentlich keinen Platz mehr habe. Zum einen reise ich mit dem Fahrrad an, dann kann man nicht so viel mitnehmen.
Außerdem halte ich mir immer vor Augen, dass so ein Gutschein nicht sofort das Zeitliche segnet, wenn er nicht komplett ausgegeben wird. Mittlerweile kann ich mir so etwas gut einteilen, denn was ich vor allem brauche, ist torffreie Blumenerde, und das immer wieder. Die ist nicht so billig wie die böse herkömmliche, aber durch Gutscheine wird der Gemüseanbau im Topf zum wahrhaft kostenlosen Vergnügen. Ein 20-Liter-Sack passt übrigens prima und unfallfrei auf den Fahrradgepäckträger!

 
Viel lieber kaufe ich sowieso auf Pflanzenbörsen, Sammler- und Staudenmärkten, wo es mehr Raritäten gibt als im Baumarkt um die Ecke. Für seltene Stauden, die man auf einem schönen Ausflug gekauft hat, tut man einfach alles und reißt sich ein Bein für sie aus. Oder einen Frauenmantel. Für diese Veranstaltungen gibt es leider selten Gutscheine. Sonst wären wir Gärtner aber auch wirklich hoffnungslos verloren - das Gutschein-Paradoxon lässt grüßen...

Dienstag, 1. Juni 2010

Überleben im Gartencenter

Hand auf's Herz: Wer kennt ihn nicht, den Kaufrausch im Gartencenter? Eigentlich wollte man nur gerade mal schnell ein Tütchen Rucola-Samen kaufen, Kostenpunkt noch nicht mal ein Euro. Oder nur mal kurz schauen, wo der Hammer hängt und was er kostet. Oder eine Tüte Blumenerde - ist ja nützlich und man braucht nun mal jetzt neue, sonst kommen die Tomatensämlinge nicht in die Erde und man verpasst das schöne Wetter, das ihnen einen guten Start ermöglichen wird.
Soweit, so gut, alle guten Vorsätze werden noch mal vor Betreten der heiligen Hallen in Erinnerung gerufen.
Aber dann.... Beim Anblick all der schönen getopften Sommerblumen, Raritäten wie panaschiertem Salbei oder Stauden, die man schon immer mal haben wollte, geht einem die Contenance schneller verloren, als man "Rose" sagen kann.

Dann erblickt man zu allem Überfluss auch noch das magische Wort "Reduziert" am nächsten Regal!
Wer kann da schon widerstehen?


Zuhause kommt dann das jähe Erwachen aus dem Gartencenterkoma: Eigentlich hat man doch gar keinen Platz mehr!
Ganz perfide ist das im zeitigen Frühjahr - der Gärtner lechzt sowieso nach Grün und ist dem Kaufrausch noch viel rapider erlegen, aber der Garten liegt noch halb im Winterschlaf und man erblickt überall vermeintlich freie Plätze im Beet! Natürlich passt doch da noch die neu erstandene Christrose hin?
Den Anblick just dieser Stelle im Sommer (der Ausdruck "Grüne Hölle" wäre hier passend) hat man bereits geflissentlich vergessen. Man kann sich nicht alles merken. Schon beim Pflanzen der Staude wird einem dann doch etwas mulmig zumute. Sollte es auch, denn der Tod durch Verschatten lauert im Untergrund - schon in ein paar Wochen wird der Frauenmantel aus der Winterruhe erwacht sein und dem Neuankömmling zeigen, was 'ne Harke, pardon: ein Blatt ist. Alchemilla kennt da keinen Spaß.

Ein paar Tricks gibt es aber doch, wie man den Schaden einigermaßen in Grenzen halten kann:

Tipp 1: Am besten jemanden mitnehmen, der einem ins Gewissen redet. Ehemänner eignen sich ganz hervorragend für diese Aufgabe. Die wollen sowieso eigentlich nur in die Werkzeugabteilung, und das bitte plötzlich. Da haben sie dann ihren ganz eigenen Kaufrausch, aber wenigstens wir sind dann nicht schuld am Kollaps des Bankkontos.

Tipp 2: Mit dem Rad zum Gartencenter/Baumarkt fahren. Ist sowieso gesünder, falls man nicht gerade an einer vierspurigen Straße langradeln muss. Einen Parkplatz findet man sofort, direkt am Eingang. Wenn man sich die Ausmaße von Gepäckträger und Rucksack immer wieder plastisch ins Gedächtnis zurückruft, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Und nicht mogeln - die Seitenpacktaschen vom letzten Radurlaub bleiben selbstverständlich daheim - man möchte ja schließlich bei der nächsten Tour keine Erdkrümel in der Wäsche haben.
Wird es doch ein bisschen mehr als gedacht, sollte man es sportlich nehmen. Mit dem Auto einkaufen kann ja jeder, aber nichts erfüllt einen so mit Stolz wie der erfolgreiche Tranport eines Sacks Blumenerde auf dem Fahrradgepäckträger! Es geht, ich habe es ausprobiert! 20-Liter-Säcke sind ein Kindergeburtstag.
Alternativ funkioniert der Trick natürlich auch mit Bus&Bahn - da fehlt dann auch noch der Gepäckträger.
Ganz Mutige gehen gleich zu Fuß.
Es sei an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt vor Freunden mit Minibussen!

Tipp 3: Wenn der Kaufrausch sich partout nicht vermeiden lassen will, sollte man ihm besser antizyklisch nachgeben. Pflanzen, die gerade frisch und blühend hereingekommen sind, sind erstmal teuer. Werden die Bestände dann langsam reduziert, reduziert sich meistens auch der Preis. Am besten geht das zu fortgeschrittener Jahreszeit - ab Oktober kriegen die Händler Panik und halbieren die Preise von Gehölzen und Stauden, bevor sie am Ende alles wegwerfen müssen.
Ebenso fällt der Preis mit der Anzahl der Blüten. Ist die Blühsaison einer Pflanze vorbei, bekommt man sie fast hinterhergeschmissen. So konnte ich dieses Jahr schon eine Christrose für noch nicht mal 30 Cent statt 2,99 Euro ergattern (was dann geschah, siehe oben)!

Vor allem Tipp 2 funktioniert übrigens ganz besonders gut bei Gartenfestivals jeglicher Couleur!



Man hat eine schöne Radtour und gleichzeitig vermeidet man den Pleitegeier mangels Stauraum.
Es sei denn, die Händler liefern neuerdings auch schon frei Haus, dann hat man den Salat....

Wie man den Kaufrausch im Internet verhindert, steht freilich auf einem anderen Blatt.