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Samstag, 17. April 2021

Getestet: Klimaneutrale Blumenerde

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Wie bekommt man Blumenerde für den Garten, wenn selbiger klein ist, völlig frei von Maulwurfshügeln und bis zum Anschlag so voll mit Pflanzen, dass es sich verbietet, einfach irgendwo ein Loch zu graben, um daraus Erde zum Selbstmischen zu gewinnen? Große Gärten können sicher die ein oder andere Schmuddelecke beherbergen, schön versteckt hinter dekorativen Zäunen, sodass eigene Erde in einer Schubkarre gemischt werden kann. Meiner hat zwar auch Schmuddelecken, aber in denen wächst immer irgendwas oder es ist keine Erde zugänglich. Draußen versuche ich schon mit allen Tricks, die Erde in den Kübeln möglichst lange taufrisch und für die Pflanzen akzeptabel zu halten. Jedes Frühjahr bekommen sie eine Schicht Kompost, zusätzlich möchte ich ihnen diesmal noch Mykorrhiza spendieren, wenn die Tomaten in die Erde vom letzten Jahr einziehen.


Doch ich habe auch noch Zimmerpflanzen. Spätestens hier würde die eigene Bodengewinnung aus dem Garten zu wenig Material liefern. Außerdem möchte ich den armen Regenwürmern und anderen Tieren nicht zumuten, mit mir zusammen im Wohnzimmer das Fernsehprogramm zu erleiden, von dem oft austrocknenden Wurzelballen und dem fehlendem Auslauf mal ganz zu schweigen.

Also greife ich doch jedes Jahr wieder zu einem Sack Blumenerde - alles bis 45 Liter lässt sich übrigens auch hervorragend und unfallfrei auf dem Fahrradgepäckträger transportieren! Natürlich soll das Substrat torffrei sein, das ist auch mittlerweile kein Problem mehr. Die zweite Randbedingung, nämlich ohne Plastiksack ist schon schwieriger zu erfüllen. Daher habe ich mich gefreut, dass ich dieses Jahr eine neue torffreie Erde testen darf, nämlich die BiO Gemüse- und Kräutererde von TerraBrill. Hier ist der Plastiksack schon mal zu 50 % aus Altplastik und zu 100% recyclingfähig. Noch ein Pluspunkt: Das Substrat ist organisch aufgedüngt, also frei von Mineraldünger. Der Dünger wird langsam abgegeben, je kälter es ist, umso länger dauert es, es empfiehlt sich für Starkzehrer eine Nachdüngung nach etwa 4 Wochen.


Die Erde ist als klimaneutral zertifiziert nach dem Prinzip „from cradle to customer“. Das heißt, dass alle Emissionen kompensiert werden, die durch die Rohstoffe, die Produktion, die Frachten und allgemein im Unternehmen durch diese Erden entstehen. Konkret wird ein Aufforstungsprojekt im Harz mit heimischen Baumarten unterstützt.

Doch was ist drin im Sack? Zunächst war ich erschreckt, denn man konnte einen deutlichen Geruch nach Nadelholzrinde feststellen. Und mit so einer Erde habe ich schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht, mir sind einige Pflanzen darin eingegangen. Als ich die Tüte geöffnet hatte, war ich beruhigt: Keine riesigen Rindenstücke, alles wirkt locker und fluffig. Enthalten sind Kompost, Holzfasern, Kokosfasern (ein Abfallprodukt) und Kiefernrinde, daher also der Geruch nach Nadelholz.



 

Mittlerweile wachsen bei mir Tomaten, Sämlinge von Blasenstrauch, Pfirsichblättriger Glockenblume, Wolligem Hahnenfuß und Lathyrus niger seit einigen Wochen in diesem Substrat und scheinen ganz zufrieden zu sein.

Der Wollige Hahnenfuß ist schon gewachsen, wenn man ihn mit dem Foto darüber vergleicht:





Es ist auch im Haus kein Trauermückenschwarm aufgetaucht. Das Wasserspeichervermögen ist in Ordnung. Ich kann bisher also nichts negatives über diese Erde berichten. Man muss sich allerdings im Klaren darüber sein, dass die Firma Brill-Substrate auch torfhaltige Erden im Angebot hat. Wer konsequent Firmen unterstützen möchte, die ausschließlich torffreie Substrate herstellen, wird woanders suchen müssen. Die sind dann aber oft auch nicht klimaneutral produziert.

Der Nachteil an so einem großen Sack Blumenerde um diese Zeit ist, dass ich ständig irgendwas aussäe und Ableger eintopfe, solange bis alle freien Töpfe einen Bewohner haben und ich ständig aufpassen muss, dass mir keiner vertrocknet. Und das in einem Jahr, wo wieder keine einzige Tauschbörse stattfinden darf...

Samstag, 27. März 2021

Aussaaterde aus dem Untergrund

Wenn der Maulwurf seine Hügel aufwirft, wirft das bei den Gärtnern gleichzeitg Fragen auf. Bei den meisten wird sie lauten: "Muss das sein?" Dabei schädigt der Maulwurf als eines der wenigen unterirdischen Pelztiere noch nicht mal die Pflanzen, sondern muss sich höchstens vorwerfen lassen, den Rasen zu verunstalten oder im Gemüsebeet Wurzeln freizulegen oder Sämlinge umzuwühlen.


 

Anderswo steht zu lesen, die Erde der Maulwurfshügel sei eine fantastische Aussaaterde und womöglich noch frei von Samen, da sie schließlich von so weit unten kommt. Nun, wer schon einmal Beete tiefer umgegraben hat, wird wissen, dass da einiges an Keimlingen zu Tage kommt, deren Samen ganz unten geschlummert haben. Ich wollte es aber selbst wissen und habe mir ein bisschen Maulwurfshügelerde geholt.

Was man dem Maulwurf ja lassen muss: Locker und feinkrümelig, das kann er. An der Erde kann man erstmal nicht meckern. Statt einem großen Klumpen festgebackenem Zeug schüppt die Schaufel Erde zusammen, die auch aus der Tüte kommen könnte. Macht auf den ersten Blick einen sehr professionellen Eindruck. Und ein Profi ist der Maulwurf ja schließlich.

Während Kokosquelltabs wie Convenience-Food beim Aussäen sind, braucht die Maulwurfserde natürlich einen Behälter, oder man presst sie mit der Erdpresse. Ich habe mir für die Tomaten Paperpots gerollt und sie mit der Erde aus dem Untergrund gefüllt.


Da fiel schon auf: Das Substrat ist sehr lehmig. Während die Kokoserde locker krümelig ist, ist die Maulwurfserde schwer und pappt bei ein bisschen Druck gleich zusammen. Brauchen die Tomatensamen Hammer und Meißel zum Keimen? Die sind schließlich nicht gerade die kräftigsten. 

Den dicken Samen vom Blasenstrauch traue ich da schon mehr Kraft beim Gewichtheben zu. Die habe ich einmal in Mauwurfserde gesät und einmal in ausgelutsche normale torffreie Blumenerde. Welche Erde macht das Rennen und wird es Unterschiede bei den Pflanzenarten geben? Und wie viele blinde Passagiere werden keimen?

Tatsächlich gibt es Unterschiede, sehr gravierende sogar. In der Maulwurfserde sind deutlich weniger erwünschte Samen aufgegangen, dafür aber mehr Überraschungsgäste gekeimt.

Unten: Maulwurfserde


Links: alte Blumenerde, rechts: Maulwurfserde




In der Disziplin Blasenstrauch hat die Mannschaft "Alte Blumenerde" gewonnen. Es sind hier 6 Keimlinge erschienen, in der Maulwurfserde nur 2 und ein zerquetschter, der nur angedeutet hat zu keimen.

Nur Masse statt Klasse? Wie sehen die Wurzeln aus? Auch hier hat die alte Blumenerde die Wurzel vorn, wie die Pflanze rechts beweist, auch der Keimling selbst sieht im Vergleich kräftiger aus:

 

Bei den Tomaten ist es ähnlich gelaufen. Die Sämlinge in Kokoserde sind größer und zahlreicher als die in der Maulwurfserde, wo außerdem Gras und andere Wiesenbewohner erschienen sind (ich bin gespannt, wer sie sind!).

Links Maulwurfserde, rechts Kokosquelltopf

 

Kokosquelltopf, gut entwickelte Tomatenpflänzchen


Maulwurfserde: wenige mickrige Tomaten, mehr Beifang


Man muss Maulwurfserde wohl mit Perlite oder Sand auflockern, damit es gute Aussaaterde wird - was natürlich auch auf den Boden ankommt, in dem der Maulwurf wohnt. Beifang kann es immer geben. Vielleicht war die fette Erde auch zu nährstoffreich.

Es geht aber auch noch viel schlimmer. Eine ganz schlechte Aussaaterde ist Kaffeesatz. Darin kann man zwar gern lesen, aber nicht säen. Hier geht rein gar nichts auf. Dabei sehen die wie Eishockeypucks zusammengepressten Tresterreste aus dem Vollautomaten so schön geeignet aus, als müsste man sie nur als Dreikeksehoch stapeln und fertig ist der Aussaattopf. Was man bei dem, Versuch aber auf jeden Fall züchten wird, ist Schimmel.



Bei mir funktioniert Kokossubstrat immer noch am besten als Aussaaterde, außerdem habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, alte Blumenerde vom letzten Jahr zu zerkrümeln und darin zu säen. Nährstoffe sind in beiden Fällen kaum welche drin, dafür ist das Substrat luftig und krümelig. Hier haben sich bis jetzt noch die meisten Keimlinge wohl gefühlt. Man muss nur rechtzeitig nachdüngen oder umtopfen in Blumenerde.

Wie sind eure Erfahrungen mit selbstgemachter Aussaaterde?

Samstag, 28. November 2020

Der Schwarm

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packung! Habe ich nämlich nicht gemacht und jetzt habe ich den Salat. Dabei stand es noch nicht mal im Kleingedruckten, sondern ganz dick drauf. Aber eben erst in der dritten Zeile. In den ersten beiden war nämlich "Universalerde torffrei" zu lesen.

Toll, so eine universelle Erde, habe ich mir da gedacht und gleich mal angefangen, die Zimmerpflanzen umzutopfen. Der Rhipsalis pilocarpa war seiner Hängeampel schon lange entwachsen und hat eine neue, größere bekommen. Und er durfte mit seinem nagelneuen Untersatz dann auch gleich mal ins Arbeitszimmer umziehen, wo ein vertrauenerweckender Haken an der Zimmerdecke angeschraubt ist. Die aufgetragene alte Ampel hat sein kleiner Bruder bekommen, und zwar der Mistelkaktus Rhipsalis baccifera subsp. horrida. Der hängt jetzt im Wohnzimmer.


Desweiteren brauchte Dracaena surculosa mehr Wurzelraum sowie eine der Kaffeepflanzen. Der zimmerälteste Kaffeestrauch hat nur eine Kopfdüngung mit der Erde bekommen. 


 

Da der Ficus elastica auch mal mehr als 8 Blätter haben sollte, bekam der gleich einen richtig geräumigen Topf. Und dann war da noch die Chili-/Paprika-Pflanze, die plötzlich in einem der Töpfe erschienen war und nun eben drinnen überwintern darf. Der Samen war wohl im Sommer mit Gießwasser aufgefangen in der Küche in die Erde gelangt und hatte gleich die Gunst der Stunde genutzt.

 


Die Amaryllis ist auch mit neuem Substrat bedacht worden und hat nach monatelangem Entzug mal wieder einen Schluck Wasser bekommen.

Und kurz nachdem die ganze Mannschaft so schön in ihrer unverbrauchten toffreien Erde hockte, verdunkelte sich plötzlich der Himmel. Im Wohnzimmer. Hunderte Trauermücken erschienen auf der Bildfläche, der Fensterscheibe und dem Computerbildschirm. Einige nahmen sich morgens in der Kaffeetasse gleich wieder das Leben, die meisten nervten durch ihre bloße Anwesenheit.

Wenn man sie mit dem Makro fotografiert, sieht man, dass sie gar nicht so schwarz sind, wie sie von weitem aussehen. Die dicken sind Weibchen, die dünnen mit den Zangen am Hinterleib die Männchen.




Der Schwarm wuchs jedenfalls. Ich hatte schon einen lesen Verdacht, wo sie wohl herkamen. Das lag doch wohl nicht an der Blumenerde, die war schließlich ein Markenprodukt gewesen? Einen entscheidenden Hinweis lieferte der Kaktus im Arbeitszimmer. Auch hier erscheinen plötzlich Trauermücken, aber in überschaubarer Anzahl. Dort gab es ja auch nur einen einzigen Topf mit frischer Erde, im Wohnzimmer, wo der Schwarm tobte, dagegen viele.

Irgendwann war's mir zu viel und ich habe den Staubsauger geholt. In durchaus waghalsiger Manier bin ich auf dem Sofa balanciert, um die Mücken an der Scheibe und an der Zimmerecke über der Stehlampe zu erwischen. Gelbtafeln nehme ich nicht mehr, seitdem sich mal eine Springspinne (im Innenraum!) darauf angeklebt hatte. Beim ungeschickten Hantieren mit dem Staubsaugerrohr ist dummerweise die Chilipflanze angesaugt worden. Die sieht jetzt etwas durchgekaut aus, ist nun aber auf jeden Fall sauber.

 

Trotz mehrfachen Saugens ist wieder ein Schwarm erschienen. Grund genug, doch noch mal die Blumenerdepackung anzuschauen. Und da stand es: Für alle Garten- und Balkonpflanzen. Aha. Zimmerpflanzen sind wohl eigenes Risiko. Der Rest wurde dann mal draußen in einen Kübel mit ziemlich zusammengesackter Erde verklappt. Und auch dort waren sofort Trauermücken auf der Oberfläche zu sehen. Sowas ist mir auch noch nie passiert, dabei habe ich schon öfter irgendeine torffreie Erde für die Zimmerpflanzen genommen.


Bei torffreier Erde mit hohem Holzanteil kann man auch Pilze im Substrat finden, die den Pflanzen aber nicht schaden. Dies hier ist der Gelbe Faltenschirmling (Leucocoprinus birnbaumii), ein tropischer Pilz, der hierzulande nur unter Glas oder in geheizten Innenräumen wächst.

 


Immerhin tritt dieser leuchtend gelbe Pilz nicht im Schwarm auf und stürzt sich auch nicht in heißen Kaffee - er bevorzugt den Kaffee als Pflanze, aber nur als Mitbewohner. Jetzt muss ich die Topferde zur Eindämmung der Trauermücken wohl möglichst lange möglichst trocken halten. Bis der Schwarm verschwindet... Und danach gibt es nur noch gepresste Kokoserde. Die braucht auch keinen Plastiksack...

Samstag, 21. Oktober 2017

Erdgeschichte

Das Teuerste am Gemüseanbau in Gefäßen ist die Erde. Zumindest, wenn sie nicht erst aus dem Moor und dann aus dem Supermarkt kommt. Dort gibt es nämlich Säcke zu kaufen, die verboten billig sind. Torf ist dort immer drin, Qualität eher weniger. Ich nehme torffreie Blumenerde für meine Tomaten. Und das ist richtig teuer. So teuer, dass ich im nächsten Frühjahr - solange bleiben die Töpfe stehen und dienen als Anzuchtgefäße für Feldsalat und Vergissmeinnicht - immer nur widerwillig ans Wegwerfen denke.


Aber was soll man mit der ausgelutschten Erde machen? Die Tomaten waren gründlich und haben nicht mehr viel Nährstoffe belassen. Doch torffreie Erde ist durch grobe Bestandteile viel strukturstabiler als herkömmliche, riecht auch nach einem Jahr nicht muffig und ist vor allem innen gar nicht durchwurzelt! Die Tomatenpflanzen ziehen es vor, am Rand lang zu wachsen, in der Topfmitte sieht die Erde dagegen oft noch aus wie am ersten Tag.


Also mache ich mittlerweile Trennkost statt Eintopf mit dem alten Kübelinhalt. Die durchwurzelten Außenbezirke zerbrösle ich und nutze sie zum Mulchen. Besonders die Buchsbaumhecke im Vorgarten bekommt immer ihren Anteil, da ihre Wurzeln nach dem Winter gern blankziehen.

Alles, was schön locker ist, kann man prima als Anzuchterde benutzen. Aber taugt das auch für den weiteren Lebensweg der angezogenen Pflanzen? Dieses Jahr habe ich experimentiert und eine mit alter Zeltplane ausgeschlagene Holzkiste mit der ausgelutschten Erde gefüllt. Den Behälter habe ich auf dem Wochenmarkt bei einem Tomatenhändler geschenkt bekommen.

Dann habe ich Kapuzinerkressesamen ausgesät, die auch schnell gekeimt sind. Viel Substrat ist das in der Kiste ja nicht, also habe ich den Pflanzen später immer mal was vom aufgedüngten Tomatengießwasser spendiert. Der BIO-Tomatendünger wird doch die Kapuzinerkresse nicht beleidigen, habe ich mir gedacht.

Und siehe da: Die kesse Kresse benimmt sich gar nicht kapriziös, sondern wächst und gedeiht, blüht hübsch und rankt elegant aus der Holzkiste heraus.



Die im Topf, die nagelneue Blumenerde bekommen haben, stehen sonniger und sahen anfangs vielleicht ein bisschen weniger wirr aus, lassen gegenüber denen in der Holzklasse aber mittlerweile stark nach (Flüssigdünger hatten sie auch).


Das mache ich jetzt immer so. Es lebe die alte Blumenerde!

Montag, 14. April 2014

Erdrotation

Man soll nicht mit dem Essen spielen. Richtig so. Nach dem Essen allerdings kann man machen, was man will. Ich für meinen Teil spiele am liebsten mit den Tomatentöpfen - nach dem Verspeisen der Früchte und Roden der Strünke im Herbst. Dann stehen die Kübel mit Erde, aber ohne Tomatenpflanzen, den lieben langen Winter hindurch auf der Terrasse herum und langweilen sich. Mir ist es dann ähnlich öde zumute.

Also habe ich mir mittlerweile eine grandiose, spaßige Beschäftigung für die kalte Jahreszeit ausgedacht: Ich säe, stecke und pflanze alles, was nicht niet- und nagelfest ist, in diese Töpfe. Dazu kommt allerhand Spontanvegetation, die immer auf geheimen Wegen dort hingelangt und auskeimt, was wiederum eine spannende Sache ist.

Durch diese Erdrotation hat die ganze Blumenerde in den Kübeln noch eine Verwendung und kann sich nützlich machen, bevor im April oder Mai die nächste Charge Tomaten gepflanzt werden muss und das Substrat ausgewechselt wird. Günstig ist dieser Nebenjob der Töpfe außerdem noch. Denn obwohl immer wieder geunkt wird, dass Topfsubstrat seine Struktur und überhaupt seine ganze Identität verliert, wenn es von letztem Jahr stammt oder auch nur einen Keimling beherbergt hat, kann man beruhigt darin aussäen, pflanzen und herumprobieren. So schlimm ist das alles nicht, denn toffreie Erde ist aufgrund der unverrotteten Holzfasern deutlich strukturstabiler als konventionelle (siehe auch hier).

Letztes Jahr habe ich einen Ast der Jostabeere zerschnitten und die Teilstücke tief in die alten Tomatenbehältnisse gesteckt. Das Experiment sieht sehr gelungen aus - die Zweige treiben aus und alle sind glücklich. Geht das vielleicht auch mit Johannisbeeren? Auch dafür ist noch ein Platz in der Topf-Phalanx frei.

Dazu kamen noch Samen vom Feldsalat, der mittlerweile in meinem Garten etabliert ist und sich selbst vermehrt, so dass ich ohne Zukauf weiterer Saat auskomme. In den Tomatentöpfen sind leckere kleine Salatköpfe gewachsen, die dazu den ganzen Winter lang alle Zeit der Welt hatten.

Aber noch nicht genug der Experimente - ich möchte auch noch herausfinden, ob schon völlig verholzte, aber noch mit Blättern behaftete Stängel von Moschusmalven bewurzeln (links im nächsten Bild). Und das Ergebnis sieht bis jetzt äußerst vielvesprechend aus!

Dann wäre da noch die bunte Frühlings-Pflanzengesellschaft aus zweijährigem Schöterich (Erysimum) und Vergissmeinnicht, die sich ganz ohne mein Zutun eingefunden hat, obwohl die Erde nicht nur von gestern ist, sondern sogar schon etliche Jahre alt (rechts im Bild):

Dieser unbekannte Sämling, der in Windeseile zu einer großen Pflanze herangewachsen ist, keimte wohl heimlich im Winter. Ich bin mir gar nicht sicher, in welche Richtung ich nach seinem Namen suchen muss - Karde oder Kompasslattich? Ich werde ihn wohl blühen lassen müssen, tendiere aber eher zum Lattich, da sich die Pflanze mittlerweile bis an die Zähne bewaffnet hat mit roten Stacheln.

Man sieht - diese Form der Erdrotation ist unglaublich spannend und viel besser, als die Tomatentöpfe schon im Herbst in den Komposter zu verklappen. Das Substrat gehört nach einer Saison noch lange nicht zum alten Eisen. Und schließlich braucht doch jeder Gärtner etwas zum Spielen, und wenn es nur alte Blumenerde ist!

Mittwoch, 10. Juli 2013

Das Gutschein-Paradoxon


Jeder Hobbygärtner kennt es sicher: Das Gutschein-Paradoxon. Auch unter dem Namen Kaufrausch-Kalamität bekannt, bezeichnet es den geistigen Zustand von Personen, die mit einem wie auch immer gearteten geldwerten Vorteil bewaffnet ein Gartencenter betreten. Äußere Anzeichen sind ein irrer Blick und das hastige Hin-und-Her-Rennen mit dem Einkaufswagen, um nur kein Objekt der Begierde zu verpassen. Zu diesem Syndrom gehört auch der sofortige Verlust der Grundrechenarten. Der Patient neigt dazu, vor allem die simplen Gesetze der Addition und Multiplikation unverzüglich zu vergessen. 

So kommt es dann, dass im Vollbesitz eines Gutscheins stets ein jeder Betrag ab- statt aufgerundet wird, vor allem bei Schwellenpreisen, so dass dieser raffinierte Schachzug des Einzelhandels seine psychologische Wirkung zeigt. Aus 1,99 Euro wird dann ganz schnell 1,00 Euro, vier mal 1,99 sind also schlappe 4 Euro (Herr Adam Riese würde sich im Grabe umdrehen) - und weiter geht's im Fieberwahn, denn nichts ist schöner, als das Geld anderer Leute auszugeben.


Wer dann am Ende nur das doppelte bezahlen muss, hat noch einmal Glück gehabt. Natürlich war dann in unserer Wahrnehmung alles umsonst, denn wer könnte noch genau beziffern, was von den Waren von dem Gutschein bezahlt wurde und was nicht? So hat man immer noch ein gutes Gefühl. Auch das ist ein Charakteristikum des Gutschein-Paradoxons.
In Gartencentern ist dieser Gemütszustand ein besonders tückisches Problem. Es gibt schließlich so viele Kleinigkeiten zu kaufen. Da gibt es verschiedenste vermeintlich nützliche Gartengeräte, zu jeder Jahreszeit Blumenzwiebeln und Sämereien, sowie zu allem Überfluss auch noch Topfpflanzen bis zum Horizont. Und alles so schön bunt hier. Wer will da noch standhaft bleiben?


Wenn man ein neues Beet oder gar einen ganzen Garten mit Leben füllen muss, hat man es gut und kann beruhigt aus dem Vollen schöpfen. Wenn die winzige Anlage aber schon an Völlegefühl leidet, kann so ein Kaufrausch für die Pflanzen sehr unbequem werden. Kaufe ich mir zum Beispiel ein neues Tränendes Herz, gibt es am Ende bei den schon vorhandenen Pflanzen - und bei mir sowieso - nur ein blutendes. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass die Ausdehnung meines Gartens in der Erinnerung stets proportional zur Entfernung von ihm steigt - also bilde ich mir immer ein, ich würde noch massenhaft freie Pflanzplätze von der Größe eines mittleren Marktplatzes haben. 


Um mir und meinen Stauden also viel Kummer zu ersparen, habe ich mit den Jahren ein paar Strategien zur Vermeidung von pflanzlichen Spontankäufen entwickelt, für die ich eigentlich keinen Platz mehr habe. Zum einen reise ich mit dem Fahrrad an, dann kann man nicht so viel mitnehmen.
Außerdem halte ich mir immer vor Augen, dass so ein Gutschein nicht sofort das Zeitliche segnet, wenn er nicht komplett ausgegeben wird. Mittlerweile kann ich mir so etwas gut einteilen, denn was ich vor allem brauche, ist torffreie Blumenerde, und das immer wieder. Die ist nicht so billig wie die böse herkömmliche, aber durch Gutscheine wird der Gemüseanbau im Topf zum wahrhaft kostenlosen Vergnügen. Ein 20-Liter-Sack passt übrigens prima und unfallfrei auf den Fahrradgepäckträger!

 
Viel lieber kaufe ich sowieso auf Pflanzenbörsen, Sammler- und Staudenmärkten, wo es mehr Raritäten gibt als im Baumarkt um die Ecke. Für seltene Stauden, die man auf einem schönen Ausflug gekauft hat, tut man einfach alles und reißt sich ein Bein für sie aus. Oder einen Frauenmantel. Für diese Veranstaltungen gibt es leider selten Gutscheine. Sonst wären wir Gärtner aber auch wirklich hoffnungslos verloren - das Gutschein-Paradoxon lässt grüßen...

Montag, 8. April 2013

Messerscharf

Das hier ist das wohl verkannteste Gartenwerkzeug der Neuzeit:

Das mag daran liegen, dass der natürliche Lebensraum dieses Gerätes eher in einer Küche zu finden ist als an der frischen Luft. Die Rede ist vom guten alten Brotmesser. Wenn dieses zum zahnlosen Tiger geworden ist, und das Schneiden von knackigen Krusten nicht mehr so von der Hand geht, kann es seine zweite Karriere im Garten starten. Dazu braucht es keinen dreifach gehärteten Damaszener-Stahl, die einfache Ausführung tut es auch. Denn schwaches Wurzelwerk schafft es immer noch wie sonst keiner - was ihm auf den Laib geschneidert ist, funktioniert auch draußen.

Viele Frühlingsaufgaben kann man mit ihm bewältigen: Einer der Anwendungsfälle ist das Teilen von Stauden. Hat man die erst einmal mit dem Spaten ausgehoben, macht das Messer aus einem Wurzelballen viele.

Das klappt auch bei krautig wachsenden Zimmerpflanzen, wie beim Spathiphyllum. Jetzt im Frühjahr ist Zeit für eine Inspektion: Wenn das Einblatt trotz richtiger Bewässerung (nicht zu viel und nicht zu wenig) welk aussieht und die Erde muffig riecht, sollte neues Substrat her, und zwar schnell. Wenn man gar keinen größeren Topf mehr hat, um es wieder glücklich zu machen, muss es sich zum Wohle der Schönheit unter's Messer legen. Ein Viertel des Ballens wieder mit neuer Erde zurück in den alten Topf und alles wird gut. Die anderen drei Teile kann man verschenken oder anderweitig eintopfen.

Die meisten Zwiebel- und Knollenpflanzen allerdings leben nicht so gern auf Messers Schneide. Hier ist eher Handarbeit beim Teilen gefragt.

Wer ganz neugierig ist, kann auch mal Sensemann spielen und nachschauen, wie so ein alter Wurzelballen vom letzten Jahr von innen aussieht. Die Erde der alten Tomatentöpfe oder anderer Gemüseanbauten bietet sich dafür an. Schnell mit einem scharfen Schnitt entzwei und man wird sehen, dass die Wurzeln immer an der Wand lang gewachsen sind. Jetzt kann man den Ballen von innen ausnehmen wie eine Weihnachtsgans und das wenig durchwurzelte Innere auflockern und als Anzuchterde verwenden. Aus Gründen der Hygiene allerdings nicht mehr bei derselben Pflanzenfamilie, die bereits darin gewachsen ist. Sommerblumen oder Stauden vorziehen kann man aber auch in dem alten, gut abgemagerten Gemüsesubstrat. Der Rest kann in den Kompost.

Bevor man den Töpfen so zu Leibe rückt, ist zunächst noch Schichtwechsel angesagt: Man kann jetzt noch etwaigen Aufwuchs entfernen. Meine Tomatentöpfe werden immer gern von Vergissmeinnicht besiedelt, wo auch immer die Samen hergekommen sind. Da die Vertreter im Beet diesen Winter offenbar gelitten haben, bin ich froh über den an der Hauswand unverfroren überwinterten Nachwuchs. Also einfach die oberste Schicht des Topfes abgetragen - ihr ahnt es schon: Hier kommt wieder das Messer zum Einsatz. Jetzt noch schnell in kleinere Portionen reißen und ab ins Beet. So kann der Frühling doch noch sein blaues Wunder erleben. Und das Brotmesser ist reif für die Wäsche und hat sich eine Pause verdient. Bis zum nächsten Jahr.

Samstag, 11. Juni 2011

Erdkunde - Teil II

Hatte ich doch letztes Jahr bei meinem Test torffreier Erden eine Variante unterschlagen, weil ich Kosten und Mühen gescheut hatte, nämlich Floragard.
Und da ich das nicht so unvollständig auf sich beruhen lassen konnte, habe ich mich beim Mein Schöner Garten-Freundeskreis für eine Testpackung frei Haus beworben. Völlig uneigennützig natürlich.

Hat auch geklappt und jetzt muss ich hoffen, dass der Postbote noch mit mir redet, nachdem er mir einen elendig schweren Karton mit einem 40-Liter-Sack Blumenerde vor die Tür stellen musste.
Auch Frau Katze empfand die übergroße Verpackung als nicht gesellschaftsfähig und furchteinflößend groß.

Mich hat das Geschenk sehr gefreut, denn so habe ich nicht nur die Blamage gespart, 40 Liter auf dem Fahrradgepäckträger zu balancieren, ohne zum Verkehrshindernis zu werden (ein Ding der Unmöglichkeit), sondern auch noch 10 Euro!

So ganz kostenlos ist das natürlich nicht, denn man muss sich mit einem Testbericht revangieren. Dann mal los.

Negativ aufgefallen ist erst mal die Packungsbeilage, das Floragard-Journal. Torffreie Blumenerde scheint nur ein Nischenprodukt zu sein, um auch den umweltbewussten Kunden auf seine Seite zu ziehen, denn ansonsten wimmelt das Sortiment nicht nur von Torfprodukten im ganz großen Stil, sondern bietet zu allem Überfluss auch noch reine Torfblöcke als Baumaterial! Das gibt selbstredend Abzüge in der B-Note, denn überzeugen kann das Engagement der Firma Floragard in Sachen Moorschutz so nicht.

Das Produkt selbst ist so, wie torffreie Erde sein soll - fällt nicht durch üble Gerüche auf, enthält keine allzu groben Holzstücke, ist feinkrümelig und hat eine schöne dunkle Farbe, die beim Abtrocknen in Schokobraun übergeht. Das könnte an den Braunkohlebestandteilen liegen, denn die Erde anthält Xylit, ein Produkt des Braunkohletagebaus.



Bei längerer Inbetriebnahme überzieht so manches Holzstück eine weiße Verpilzung, was wohl nicht zu vermeiden ist. Kleine Hütchenpilze wie bei anderen torffreien Produkten habe ich bisher nicht beobachtet, das kann aber durchaus auch Monate dauern, denn gut Pilz will Weile haben.

Die Wasserhaltekapazität ist gut, die Erde wird nicht steinhart, wenn sie austrocknet.

Und was sagen die Pflanzen dazu?
Sowohl vorgezogene Tomaten als auch Keimlinge sind hochzufrieden und zeigen keine Schwäche.
Die Tomaten wurden nach dem letzten Frost Mitte April in diese Erde verfrachtet und es geht ihnen immer noch prächtig.



Alles wächst und gedeiht prima.




Kapuzinerkresse, Möhren, Radieschen und Rucola mussten direkt in der Erde keimen, was kein Problem war, das Basilikum keimte erst in torfhaltiger Erde (meine Mutter hatte mir leider so einen politisch inkorrekten Topf mitgebracht), wo es schwächelte. Jetzt geht es ihm besser.

Insgesamt macht die Erde einen qualitativ guten Eindruck.
Der Preis isr natürlich höher als bei Billigerden, aber um die 10 Euro für ein 40-Liter-Gebinde ist gerade noch an der Schmerzgrenze. Viel teurer darf's aber auch nicht werden.

Bleibt nur das Xylit. Der BUND sieht das als problematisch an. Sollte es sich dabei wirklich nur um ein Abfallprodukt beim Braunkohleabbau handeln, könnte ich damit leben. Landschaftszerstörung extra für Blumenerde wäre allerdings genauso verwerflich wie der Rückgang der Moore durch den Torfabbau.

Aber wenn es sonst verbrannt würde, kann man Xylit besser in Blumenerde verstecken - die Moore freuen sich.