Samstag, 27. März 2021

Aussaaterde aus dem Untergrund

Wenn der Maulwurf seine Hügel aufwirft, wirft das bei den Gärtnern gleichzeitg Fragen auf. Bei den meisten wird sie lauten: "Muss das sein?" Dabei schädigt der Maulwurf als eines der wenigen unterirdischen Pelztiere noch nicht mal die Pflanzen, sondern muss sich höchstens vorwerfen lassen, den Rasen zu verunstalten oder im Gemüsebeet Wurzeln freizulegen oder Sämlinge umzuwühlen.


 

Anderswo steht zu lesen, die Erde der Maulwurfshügel sei eine fantastische Aussaaterde und womöglich noch frei von Samen, da sie schließlich von so weit unten kommt. Nun, wer schon einmal Beete tiefer umgegraben hat, wird wissen, dass da einiges an Keimlingen zu Tage kommt, deren Samen ganz unten geschlummert haben. Ich wollte es aber selbst wissen und habe mir ein bisschen Maulwurfshügelerde geholt.

Was man dem Maulwurf ja lassen muss: Locker und feinkrümelig, das kann er. An der Erde kann man erstmal nicht meckern. Statt einem großen Klumpen festgebackenem Zeug schüppt die Schaufel Erde zusammen, die auch aus der Tüte kommen könnte. Macht auf den ersten Blick einen sehr professionellen Eindruck. Und ein Profi ist der Maulwurf ja schließlich.

Während Kokosquelltabs wie Convenience-Food beim Aussäen sind, braucht die Maulwurfserde natürlich einen Behälter, oder man presst sie mit der Erdpresse. Ich habe mir für die Tomaten Paperpots gerollt und sie mit der Erde aus dem Untergrund gefüllt.


Da fiel schon auf: Das Substrat ist sehr lehmig. Während die Kokoserde locker krümelig ist, ist die Maulwurfserde schwer und pappt bei ein bisschen Druck gleich zusammen. Brauchen die Tomatensamen Hammer und Meißel zum Keimen? Die sind schließlich nicht gerade die kräftigsten. 

Den dicken Samen vom Blasenstrauch traue ich da schon mehr Kraft beim Gewichtheben zu. Die habe ich einmal in Mauwurfserde gesät und einmal in ausgelutsche normale torffreie Blumenerde. Welche Erde macht das Rennen und wird es Unterschiede bei den Pflanzenarten geben? Und wie viele blinde Passagiere werden keimen?

Tatsächlich gibt es Unterschiede, sehr gravierende sogar. In der Maulwurfserde sind deutlich weniger erwünschte Samen aufgegangen, dafür aber mehr Überraschungsgäste gekeimt.

Unten: Maulwurfserde


Links: alte Blumenerde, rechts: Maulwurfserde




In der Disziplin Blasenstrauch hat die Mannschaft "Alte Blumenerde" gewonnen. Es sind hier 6 Keimlinge erschienen, in der Maulwurfserde nur 2 und ein zerquetschter, der nur angedeutet hat zu keimen.

Nur Masse statt Klasse? Wie sehen die Wurzeln aus? Auch hier hat die alte Blumenerde die Wurzel vorn, wie die Pflanze rechts beweist, auch der Keimling selbst sieht im Vergleich kräftiger aus:

 

Bei den Tomaten ist es ähnlich gelaufen. Die Sämlinge in Kokoserde sind größer und zahlreicher als die in der Maulwurfserde, wo außerdem Gras und andere Wiesenbewohner erschienen sind (ich bin gespannt, wer sie sind!).

Links Maulwurfserde, rechts Kokosquelltopf

 

Kokosquelltopf, gut entwickelte Tomatenpflänzchen


Maulwurfserde: wenige mickrige Tomaten, mehr Beifang


Man muss Maulwurfserde wohl mit Perlite oder Sand auflockern, damit es gute Aussaaterde wird - was natürlich auch auf den Boden ankommt, in dem der Maulwurf wohnt. Beifang kann es immer geben. Vielleicht war die fette Erde auch zu nährstoffreich.

Es geht aber auch noch viel schlimmer. Eine ganz schlechte Aussaaterde ist Kaffeesatz. Darin kann man zwar gern lesen, aber nicht säen. Hier geht rein gar nichts auf. Dabei sehen die wie Eishockeypucks zusammengepressten Tresterreste aus dem Vollautomaten so schön geeignet aus, als müsste man sie nur als Dreikeksehoch stapeln und fertig ist der Aussaattopf. Was man bei dem, Versuch aber auf jeden Fall züchten wird, ist Schimmel.



Bei mir funktioniert Kokossubstrat immer noch am besten als Aussaaterde, außerdem habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, alte Blumenerde vom letzten Jahr zu zerkrümeln und darin zu säen. Nährstoffe sind in beiden Fällen kaum welche drin, dafür ist das Substrat luftig und krümelig. Hier haben sich bis jetzt noch die meisten Keimlinge wohl gefühlt. Man muss nur rechtzeitig nachdüngen oder umtopfen in Blumenerde.

Wie sind eure Erfahrungen mit selbstgemachter Aussaaterde?

Kommentare:

  1. Da wandle ich nun seit 45 Jahren über dieses Erde und bin noch nie auf die Idee gekommen, Maulwurfshügel abzutragen... und dabei hast du ja recht, Profis sind das.
    Ich nehme Kokossubstrat für alles und fahre ganz gut damit. Nur die Nadelbämuchen aus dem wald mickern, aber den fehlt vielleicht auch ihr berühmtes Pilznetzwerk. Als Anzuchterde sind kokosfasern eh gut, finde ich - da schimmelt nix, mieft nix und die Pflänzchen wachsen auch prima. Über Kaffeesatz hab ich Lob als Dünger gehört, aber da wir Filterkaffee aufbrühen, ist mir die Sauerei zu groß, um das mal auszuprobieren. ;-) Und dann heißt es ja auch von so ungefähr allem außer Tomaten, dass man es niemals düngen soll.
    LG
    Centi

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    1. Sorry für die vielen Fehler, ich hab die falsche Brille auf!

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    2. Moin aus dem Norden, Maulwurfshaufen sind so unterschiedlich in ihren Erden, je nach dem Untergrund. Ich käme nie auf die Idee in schwerem Boden wie Lehmerde Pflanzen anzuziehen. So verwendete man auch schon dafür früher die Erde von einer moorigen Wiese und sendete sue etwas. Gärtner dämpfen immer ihre Anzuchterde um Schädlinge zu minimieren. Also mein Fazit nicht so gelungen Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
      Meine Mutter nahm Maulwurfserde von einer Wiese mit super Humus für ihre Topfpflanzen. Und die wurde genau auf Würmer durchsucht. Da gab es keine Blumenerde zu kaufen. Lg von Frauke

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    3. Wenn man Erde dämpft, tötet man auch die nützlichen Mikroorganismen ab. Schädlinge sind auch kein Problem gewesen bei meinem Versuch. Klar vergleicht man da Äpfel mit Birnen, aber es hätte auch sein können, dass die Pflanzen in der Maulwurfserde besser wachsen, denn Gräser bilden Mykorrhiza, und da der Haufen von einer Grasfläche stammt, hätte die Mykorrhiza den Pflanzen gut tun können und sie wären besser gewachsen als in der sterilen Erde. Versuch macht kluch.

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  2. Bei dem Thema kann ich gar nicht mitschreiben, da ich so gut wie gar nicht aussäe. Gehört hatte ich nur, dass sich Maulwurfserde super eignet, doch dein Versuch zeigt da ein anderes Ergebnis.
    Meine gekauften vorgezogenen Salatpflanzen hatte ich letztes Jahr in gute Garten/Blumenerde gesetzt, aber vielleicht gibt es da auch einen Tipp für die optimale Erde???
    Lieben Gruß und ein feines Wochenende, Marita

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  3. Hallo Frau Schwarzer, ich habe mal eine Frage zum Kaffeesatz. Irgendwo hatte ich gelesen, daß man KS unter den Rhododendron streuen soll, wenn der kränkelt. Bei mir hat es geholfen - oder kann das Einbildung gewesen sein - wie bei einem Placebo - und der Strauch hat sich von selbst erholt? LG Gundula

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    1. Das kann gut sein, dass es geholfen hat, denn der pH-Wert von Kaffeesatz geht in den sauren Bereich, das mögen Rhododendren ja gern.
      Viele Grüße
      Elke Schwarzer

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  4. Liebe Elke,
    Ich hatte noch Aussaaterde vom letzten Jahr- gekaufte. Da ich im letzten Jahr die Invasion der Trauermücke hatte, habe ich die Erde dieses Jahr gedämpft und bisher ist alles gut gekommen. Spätestens wenn sie größer werden, kommen die Pflänzchen ja in andere Erde. Aber immerhin bin ich bisher von diesen lästigen Fliegeviechern verschont.
    Einen Maulwurf hatte ich bisher im Garten nicht. Da ich eine flächig verlegte Erdwärmeheizung habe, könnte ich mir vorstellen, dass er das nicht sehr attraktiv findet. Da wir ja eher Sandboden haben, könnte ein Maulwurf wahrscheinlich gute Aussaaterde herstellen.
    Liebe Grüße
    Steffi

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  5. wie schön dass wieder die zeit da ist um zu säen ! danke für die tipps :)
    liebe grüsse
    mo

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  6. Hallo Elke,
    Ich habe ja auch in Maulwurferde, allerdings bei mir gemischt mit Steinmehl und gesiebten sehr reifen Kompost gesät und pikiert. Die Paprika stehen da, kräftig wie nie. Allerdings mussten sie sich erst von der sterilen Aussaaterde an die hochlebendige neue Erde gewöhnen. Aber jetzt läufts. Die Tomaten habe ich gleich darin gesät, wie meine Gemüse auch. Da ist es noch zu früh um was zu sagen. Bei mir sieht es auch herrlich bunt aus in den Töpfchen. Durch den Kompost keimen viele Blackboxgardening-Stauden. 2 Katzenminzen habe ich gleich pikiert und brauche sie für den neuen Gartenteil Ich freu mich, müssen die Jungpflanzen doch nicht allein und isoliert da stehen. In den Beeten reden alles von Mischkultur. WArum ist die gut? weil sich Pflanzen auch beeinflussen, voneinander profitieren, gerade auch von Un-Kräutern. Also bin lass ich die in den Töpfche stehen udn wenn sie zu groß werden reisse ich sie aus. Dann verrotten sie gleich an Ort und Stelle. Kreisläufe schaffen eben.

    Viel Spass beim weiteren Testen und uns darüber berichten wünscht der Achim

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  7. Liebe Elke,
    vielen Dank für diesen Versuch!
    Ich dachte immer, Maulwurfserde sei eine gute Anzuchterde, konnte das aber nie ausprobieren, da in meinem alten Garten die Maulwürfe anscheinend durch Generationen von Kleingärtnern ausgemerzt worden sind: dort gab es nie einen einzigen Maulwurfshügel!
    Im neuen Garten gibt es die, Gottseidank, aber die Hügel bestehen fast nur aus Sand. Die kann ich in Zukunft gut zum Abmagern der Erde benutzen, als Ausaaternde werde ich die wohl eher nicht verwenden.
    Bisher habe ich immer gute Ergebnisse mit den Kokoserde-Briketts eines namenhaften Herstellers mir "N" gemacht ;-)
    Herzliche Grüße,
    Gesa

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  8. Hallo, das mit der Maulwurfserde wird tatsächlich in vielen alten Gartenbüchern empfohlen, allerdings immer als Mischung mit Sand und reifem Kompost. Ist ja auch tolle Erde, fertig fein zerkrümelt. Das würde man beim selbst Ausgraben gar nicht so hinkriegen. Die Kokoserde finde ich für manche Sachen auch gut, ist aber kein Vergleich, weil die schnell auslaugt. Mir gefällt der Versuch gut und ich danke für den Bericht.

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