Samstag, 20. März 2021

Hortikultur im Homeoffice

Homeoffice ist toll. Ich sehe meinen Garten den ganzen Tag, 8 Stunden lang, und das die ganze Woche. Normalerweise sehe ich ihn im Winter sonst nur am Wochenende, weil ich dann im Dunklen zur Arbeit fahre und und im noch Dunkleren zurückkomme. Jetzt kann ich zur Arbeit gehen. Es ist nie glatt oder nass auf dem Weg ins Büro, da kann ich ganz sicher sein. Ich sehe den Garten aber nicht nur dauernd, ich sehe ihn auch von oben, denn das Arbeitszimmer ist im ersten Stock.

 

Das ist nicht immer schön, denn bei dieser ungewohnten Übersicht den ganzen Tag lang fallen die Mängel in ganzer Pracht auf. Schon zur ersten Kaffeepause stört es, dass der selbstgeschredderte Mulch manchmal eher wie ein Ast aussieht und es auch ist. Ein bisschen homogener wäre das Zeug augenfreundlicher. Und woher kommt diese kahle Stelle da hinten, warum wächst da nichts? Auch das Treiben der Rötelmäuse, die arbeitsam durch die Beet huschen und vermutlich so manche Blumenzwiebel oder Staude verputzen, sieht man von oben viel besser. Das ist kein seltenes Ereignis, da wird überaus viel gehuscht.

 

Wie entspannend ist dann doch das Wochenende. Da sitze ich eher auf dem Sofa herum oder begegne dem Garten mehr auf Augenhöhe, anstatt ihn nur aus der Vogelperspektive kritisch zu beurteilen.




 

Vom Sofa aus sieht etwas wohlgeordnet aus. Ich sehe die Krokusse, die aufgrund der niedrigen Perspektive eher wie ein Blütenmeer als wie ein Flickenteppich aussehen, und nehme die Blümchen generell eher wahr als den ungleichmäßigen Astschnitt, der überall herumliegt und versucht, Mulch zu sein.



 

Es fällt nicht auf, dass die hölzerne Beetbegrenzung etwas unrund ist, von hier unten ist sie perfekt und hölzern.



 

Und dann gehe ich doch in der Mittagspause hin und zerfleddere die Äste, die mich beim Blick von oben gestört haben, oder rücke die Beetbegrenzung zurecht.

 

Korsische Nieswurz neben Helleborus purpurascens


Und es wird nicht mehr lange dauern, dann haben die Stauden das Regiment übernommen und werden den ganzen Mulch überwachsen haben. Und dann schaue ich im Homeoffice kritisch auf das ganze Gewachse und sehe, was dringend zurecht gestutzt gehört. Hoffentlich ist dann bald Feierabend, damit ich nachhelfen kann.

Was für ein Stress im Homeoffice. Das geht Sebastian Lehmann anders, der muss erst von Berlin nach Mecklenburg Vorpommern fahren, um in seine Datsche zu kommen. Die hat er mit seiner Freundin gekauft.  Nach der Kindheit in der Kleinstadt wollte er mal das WAHRE Leben kennenlernen, Berlin schien die passende Wahl dafür zu sein. Mittlerweile ist er älter und möchte ein bisschen weniger WAHRES Leben, sondern lieber seine Ruhe. Der Garten auf dem Land scheint die Rettung zu sein.

Doch erst mal muss der Bungalow renoviert werden, um darin zu übernachten. In seinem Buch "Das hatte ich mir grüner vorgestellt: Mein erstes Jahr im Garten" erzählt er davon, was dabei alles schief ging. 


 

Denn zunächst fällt auf, dass es in der Datsche kaum Mobilfunk-Empfang gibt - ist so viel Stille gut oder beunruhigend? Das auf dem Boden des Bungalows verlegte Klickparkett klickt zwar ganz hervorragend, schnellt aber bei jedem Tritt auf das eine Ende am anderen wieder hoch - der Boden ist nicht eben, wer hätte das gedacht? Gartennachbar Heinz natürlich, und der ist auch fest davon überzeugt, dass das Dach ebenfalls dringend ganz neu gemacht werden muss.

Und so schaffen Sebastian und seine Freundin im ersten Jahr nicht viel. Die meisten Pflanzen vertrocknen im mecklenburgischen Sommer gleich wieder, dafür lernen sie mit Wespen im Gartenschuppen zu leben - und mit Eulen im Garten und den kauzigen Gartennachbarn.

Man lernt in diesem Buch vielleicht nicht viel über's Gärtnern, aber ich fand's witzig und streckenweise sehr philosophisch und gesellschaftkritisch. Auf jeden Fall sehr unterhaltsam!

Kommentare:

  1. Guten Morgen Elke,
    die Vorteile des Homeoffice liegen klar auf der Hand, doch hast du die Nachteile auch sehr witzig beschrieben. Da geht es mir mit Halbtagsjob und komprimierter Arbeitszeit in der Woche ganz gut, okay der Arbeitsweg von 30km im Winter ist auch nicht ohne. ;-) Das vorgestellte Buch hört sich gut an...zum Schmunzeln und sicher mit gutem Unterhaltungswert zu den Arbeiten an Haus und Garten. Deine Gartenbilder machen Freude und so wünsche ich dir ein schönes Wochenende - lieben Gruß, Marita

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  2. Moin liebe Elke danke für deine Aussicht, Gartenblicke und den Buchtipp liebe Grüße von Frauke

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  3. Hallo Elke,
    ja, das mit dem Homeoffice im ersten Stock mit Blick auf den Garten kenne ich. Was mich dabei momentan am meisten stört, ist, dass es draußen aussieht wie Frühling und 20°C. Aber weh man kommt raus. Eisiger Ostwind, der einen nach 2 Minuten freiwillig wieder ins Büro treibt. Brrrr! Ich hoffe, das ändert sich bald.
    Viele Grüße
    Claudia

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    1. Hallo Claudia,
      jaaaa, das kenne ich auch! Gleich mal einen Kaffee draußen in der Sonne trinken? Netter Versuch, viel zu eisig.
      VG
      Elke

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  4. Also - ehrlich gesagt, ich find deinen Garten auch von oben toll. Aber ich sehe ja auch nur ein Foto und gucke nicht den ganzen Tag drauf. Und Rötelmäuse, ach jöh... ich würde die vermutlich anfüttern und ihnen kleine Mäusehäuser bauen. :-)
    Das Buch klingt auch nett. Ich mag Leute, die amüsant über weniger erfolgreiche Momente und sowas schreiben. Man neigt ja selber immer dazu, nur die hübschen Fotos und die erfolgreichen Anpflanzungen etc. zu zeigen. Also, ich zumindest.
    LG
    Centi

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  5. Liebe Elke,
    Manchmal ist es schwierig, sich zu konzentrieren, wenn man die ganze Zeit den Garten sehen kann. Das kenne ich und man hat plötzlich auch tausend Dinge, die man ja noch kurz machen könnte...
    Ein Glück ist jetzt Wochenende!
    Liebe Grüße
    Steffi

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  6. Ich finde die Vogelperspektive auf deinen Garten sehr inspirierend! Da lebt nocht nur die MAus, da lebt ganz viel, das ist so schön!
    Was mir auffällt: du hast an jedem baum einen Nistkasten?? Ich habe versatnde, dass da 10m Abstand sein müssen?? Nicht?? Dann hätte ich noch eine Menge Platz für Nistkästen
    Herzlichst
    yase

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    1. Ich habe am Zierapfel zwei Nistkästen. Das hatte ich versucht, als der Kleiber in den einen reinschaute und nicht durfte, weil die Kohlmeise fuchsteufelswild wurde. Also einen zweiten reingehängt und der Kleiber wollte nicht mehr. Seitdem steht fest: Die Kohlmeise verteidigt den ganzen Baum und ich kann es nicht empfehlen, zwei in einen Baum zu hängen.
      VG
      Elke

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  7. When the sun does shine, hard to resist nipping out, just for a bit, to do That ...

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  8. Hallo Elke,
    diese Vogelperspektive in den Garten habe ich bei meiner Heimarbeit auch. Naja, halt wenn ich die Bügelwäsche mache, dann schaue ich auch aus dem 2. STock hinunter und sehe..... Und wie du kann ich nur sagen, was ich sehe ist nicht immer das ,was ich sehen will. Jetzt allerings sehe ich du Heerschar an Vöglein in, unter, um und auf dem Futtehaus. Das ist eine tolle Aussicht.

    Viele Spass weiterhin bei den Gartenbeobachtungen wünscht der Achim

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  9. Liebe Elke,
    ist das nun gut oder schlecht wenn man ständig einen Blick auf seinen Garten werfen kann? Ich denke die Vorteile überwiegen, deine Augen starren nicht nur so auf den Bildschirm (??) und weisse Blätter, ein Schwenk und du bist im grünem Paradies, dass dir ganz alleine gehört. Ideen entstehen und können sogar sofort erledigt werden, ist doch toll. Mir gefällt dein Garten sehr, Naturgärten zeigen sich fast jedes Jahr anders, wo heute dies stand, ist plötzlich eine kahle Stelle und man kann Neues ausprobieren, Bewährtes weiter führen. Was das Buch anbelangt, es macht neugierig.
    Liebe Sonntagsgrüße
    Edith

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