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Samstag, 16. Mai 2026

Zimmerpflanzen-Umtopf-Marathon

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Meine Zimmerpflanzen haben jetzt einen offiziellen Sponsor! Für dieses Jahr zumindest wurden sie untenrum eingekleidet von Patzer Erden. Ich habe 3 mal 18 Liter torffreie Zimmerpflanzenerde bekommen.

Der Paketbote war nicht gerade begeistert, und wenn ich Glück habe, hält sich auch die Begeisterung der Trauermücken in Grenzen, denn das Datenblatt zu der Erde liest sich schon mal sehr gut:

Gebrauchsfertige, besonders lockere, gut durchlüftete Erde mit einem hohen Anteil an Naturton, der für eine sehr gute Wasser- und Nährstoffspeicherung sowie -verteilung sorgt. Für gesundes Wurzelwachstum und eine schnell abtrocknende Oberfläche. Enthält Vorratsdünger und alle, für das Pflanzenwachstum notwendigen Nährstoffe. • enthält viel Naturton - als Wasser- & Nährstoffspeicher • strukturstabil & gut abtrocknend an der Oberfläche • ideal für Innenräume, wenig anziehend für Trauermücken.

Bestandteile sind: Naturton, Holzfaser, Blähton, Lava, Bims.

Ich kann bestätigen, dass die Oberfläche wirklich gut abtrocknet. Die Erde ist dank der mineralischen Bestandteile schwer, gut also für kopflastige Pflanzen. Die wird daher auch weniger in sich zusammen fallen als Produkte nur aus organischen Materialien. Denn das war bei manchen meiner Zimmerpflanzen ein großes Problem: Nach ein paar Monaten war das Substrat so in sich zusammen gefallen, dass bei hohen Töpfen zwischen Topfrand und Erde bestimmt 20 cm Platz war. Wenn ich es mir recht überlege habe ich meinen Gewächsen noch nie richtige Zimmerpflanzenerde gegönnt, sondern immer nur irgendeine torffreie Blumenerde genommen.

Nach diesem Umtopfmarathon habe ich jetzt auch wirklich einiges gelernt:

  • Während die meisten Pflanzen nur locker in der alten Erde saßen und man ganz viel altes Substrat ausklopfen und abbröseln konnte, bis fast nur noch die Wurzeln übrig waren, hielt der Geldbaum sehr an der Erde fest. Der Wurzelballen war wie Beton. Da konnte ich nur ganz wenig frische Erde zugeben - beim nächsten Mal muss doch ein größerer Topf her.
  • Scherben als vermeintliche Dränage unten einzubauen ist Unsinn. Oft hatten das Rhizom sich die Tonteile einverleibt, war drum herum gewachsen und die Wurzeln befanden sich statt der Scherben am Topfboden, die sie kurzerhand hochgezogen hatten. So ist das keine Dränage, sondern einfach nur ein Hindernis. Als ich die Dinger entfernt hatte, war wieder mehr Platz für frische Erde.
  • Dünne Plastiktöpfe für Sansevierien bekommt man nur noch mit der Kneifzange runter, denn das starke Rhizom verformt einfach alles und kann auch Ton sprengen. Wenn man den Bogenhanf aber immer rechtzeitig teilt, passiert dem Tontopf nichts, während Kunststoff so verformt wird, dass er sich nicht mehr einfach abziehen lässt.
  • Selbstbewässerungstöpfe klingen praktisch, man bekommt die Pflanze aber irgendwann nicht mehr heraus, weil die Wurzeln durch das Gitter über dem Reservoir wachsen und sich festkrallen. Außerdem eignet sich so ein Topf nicht für die Terrasse, weil der Topf keinen Ablauf hat und bei Regen voll läuft.

Meine große Kaffeepflanze war ein ganz besonderes Problem - zum einen sitzt sie in besagtem Selbstbewässerungstopf, und da sitzt sie fest, zum anderem hat sie immer eine Laubschicht auf dem Substrat, in dem die Oegoconia-Motten leben. Die sind irgendwann unbemerkt ins Wohnzimmer geflogen und wohnten fortan in der Laubschicht. Sie fressen nichts anderes als die alten Blätter, die der Kaffeestrauch abwirft. Also musste das alte Laub erstmal beiseite gelegt werden, bevor ich dem Kaffee eine Kopfdüngung aus frischem Substrat verpassen konnte - dann alles wieder retour, und dabei aufpassen, dass keine Raupe verloren geht oder unter der neuen Erde begraben wird (ich weiß, jeder andere hätte sie einfach vor die Tür gesetzt, aber ich mag die kleinen Kerle mit ihren gepunkteten Flügeln...).


Auch hier war das Erdniveau ziemlich abgesackt:



Der kleine Kaffee hier rechts musste zusätzlich noch von sich selbst in den Topf gesäten Dorstenias befreit werden:



Das Spathyphyllum war dagegen pflegeleicht. Die alte Erde ließ sich sehr gut abschütteln. Bei der Gelegenheit konnte ich auch die winzige Zamioculcas aus dem Wurzelballen herausoperieren. Irgendwann hatte ich mal ein abgebrochenes Blatt in die Erde gesteckt, denn so kann man Zamioculcas vermehren. Nur dass die Kleine ziemlich unter der größeren Nachbarin zu leiden hatte und extrem langsam wuchs - von wegen Glücksfeder.... Jetzt hat sie ihren eigenen Topf bekommen.



Die kleine Glücksfeder mit ihrer lustigen Speicherwurzel hat jetzt ein Einzelzimmer mit neuer Erde gegen Trauermücken:







Das Spathyphyllum sah nach dem Umtopfen gleich viel glücklicher aus - und ich auch! Mein mittelgroßer Kaffee hat sogar gleich angefangen zu blühen! Danke an Patzer für diese tolle Erde!

Samstag, 17. April 2021

Getestet: Klimaneutrale Blumenerde

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Wie bekommt man Blumenerde für den Garten, wenn selbiger klein ist, völlig frei von Maulwurfshügeln und bis zum Anschlag so voll mit Pflanzen, dass es sich verbietet, einfach irgendwo ein Loch zu graben, um daraus Erde zum Selbstmischen zu gewinnen? Große Gärten können sicher die ein oder andere Schmuddelecke beherbergen, schön versteckt hinter dekorativen Zäunen, sodass eigene Erde in einer Schubkarre gemischt werden kann. Meiner hat zwar auch Schmuddelecken, aber in denen wächst immer irgendwas oder es ist keine Erde zugänglich. Draußen versuche ich schon mit allen Tricks, die Erde in den Kübeln möglichst lange taufrisch und für die Pflanzen akzeptabel zu halten. Jedes Frühjahr bekommen sie eine Schicht Kompost, zusätzlich möchte ich ihnen diesmal noch Mykorrhiza spendieren, wenn die Tomaten in die Erde vom letzten Jahr einziehen.


Doch ich habe auch noch Zimmerpflanzen. Spätestens hier würde die eigene Bodengewinnung aus dem Garten zu wenig Material liefern. Außerdem möchte ich den armen Regenwürmern und anderen Tieren nicht zumuten, mit mir zusammen im Wohnzimmer das Fernsehprogramm zu erleiden, von dem oft austrocknenden Wurzelballen und dem fehlendem Auslauf mal ganz zu schweigen.

Also greife ich doch jedes Jahr wieder zu einem Sack Blumenerde - alles bis 45 Liter lässt sich übrigens auch hervorragend und unfallfrei auf dem Fahrradgepäckträger transportieren! Natürlich soll das Substrat torffrei sein, das ist auch mittlerweile kein Problem mehr. Die zweite Randbedingung, nämlich ohne Plastiksack ist schon schwieriger zu erfüllen. Daher habe ich mich gefreut, dass ich dieses Jahr eine neue torffreie Erde testen darf, nämlich die BiO Gemüse- und Kräutererde von TerraBrill. Hier ist der Plastiksack schon mal zu 50 % aus Altplastik und zu 100% recyclingfähig. Noch ein Pluspunkt: Das Substrat ist organisch aufgedüngt, also frei von Mineraldünger. Der Dünger wird langsam abgegeben, je kälter es ist, umso länger dauert es, es empfiehlt sich für Starkzehrer eine Nachdüngung nach etwa 4 Wochen.


Die Erde ist als klimaneutral zertifiziert nach dem Prinzip „from cradle to customer“. Das heißt, dass alle Emissionen kompensiert werden, die durch die Rohstoffe, die Produktion, die Frachten und allgemein im Unternehmen durch diese Erden entstehen. Konkret wird ein Aufforstungsprojekt im Harz mit heimischen Baumarten unterstützt.

Doch was ist drin im Sack? Zunächst war ich erschreckt, denn man konnte einen deutlichen Geruch nach Nadelholzrinde feststellen. Und mit so einer Erde habe ich schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht, mir sind einige Pflanzen darin eingegangen. Als ich die Tüte geöffnet hatte, war ich beruhigt: Keine riesigen Rindenstücke, alles wirkt locker und fluffig. Enthalten sind Kompost, Holzfasern, Kokosfasern (ein Abfallprodukt) und Kiefernrinde, daher also der Geruch nach Nadelholz.



 

Mittlerweile wachsen bei mir Tomaten, Sämlinge von Blasenstrauch, Pfirsichblättriger Glockenblume, Wolligem Hahnenfuß und Lathyrus niger seit einigen Wochen in diesem Substrat und scheinen ganz zufrieden zu sein.

Der Wollige Hahnenfuß ist schon gewachsen, wenn man ihn mit dem Foto darüber vergleicht:





Es ist auch im Haus kein Trauermückenschwarm aufgetaucht. Das Wasserspeichervermögen ist in Ordnung. Ich kann bisher also nichts negatives über diese Erde berichten. Man muss sich allerdings im Klaren darüber sein, dass die Firma Brill-Substrate auch torfhaltige Erden im Angebot hat. Wer konsequent Firmen unterstützen möchte, die ausschließlich torffreie Substrate herstellen, wird woanders suchen müssen. Die sind dann aber oft auch nicht klimaneutral produziert.

Der Nachteil an so einem großen Sack Blumenerde um diese Zeit ist, dass ich ständig irgendwas aussäe und Ableger eintopfe, solange bis alle freien Töpfe einen Bewohner haben und ich ständig aufpassen muss, dass mir keiner vertrocknet. Und das in einem Jahr, wo wieder keine einzige Tauschbörse stattfinden darf...

Samstag, 21. Oktober 2017

Erdgeschichte

Das Teuerste am Gemüseanbau in Gefäßen ist die Erde. Zumindest, wenn sie nicht erst aus dem Moor und dann aus dem Supermarkt kommt. Dort gibt es nämlich Säcke zu kaufen, die verboten billig sind. Torf ist dort immer drin, Qualität eher weniger. Ich nehme torffreie Blumenerde für meine Tomaten. Und das ist richtig teuer. So teuer, dass ich im nächsten Frühjahr - solange bleiben die Töpfe stehen und dienen als Anzuchtgefäße für Feldsalat und Vergissmeinnicht - immer nur widerwillig ans Wegwerfen denke.


Aber was soll man mit der ausgelutschten Erde machen? Die Tomaten waren gründlich und haben nicht mehr viel Nährstoffe belassen. Doch torffreie Erde ist durch grobe Bestandteile viel strukturstabiler als herkömmliche, riecht auch nach einem Jahr nicht muffig und ist vor allem innen gar nicht durchwurzelt! Die Tomatenpflanzen ziehen es vor, am Rand lang zu wachsen, in der Topfmitte sieht die Erde dagegen oft noch aus wie am ersten Tag.


Also mache ich mittlerweile Trennkost statt Eintopf mit dem alten Kübelinhalt. Die durchwurzelten Außenbezirke zerbrösle ich und nutze sie zum Mulchen. Besonders die Buchsbaumhecke im Vorgarten bekommt immer ihren Anteil, da ihre Wurzeln nach dem Winter gern blankziehen.

Alles, was schön locker ist, kann man prima als Anzuchterde benutzen. Aber taugt das auch für den weiteren Lebensweg der angezogenen Pflanzen? Dieses Jahr habe ich experimentiert und eine mit alter Zeltplane ausgeschlagene Holzkiste mit der ausgelutschten Erde gefüllt. Den Behälter habe ich auf dem Wochenmarkt bei einem Tomatenhändler geschenkt bekommen.

Dann habe ich Kapuzinerkressesamen ausgesät, die auch schnell gekeimt sind. Viel Substrat ist das in der Kiste ja nicht, also habe ich den Pflanzen später immer mal was vom aufgedüngten Tomatengießwasser spendiert. Der BIO-Tomatendünger wird doch die Kapuzinerkresse nicht beleidigen, habe ich mir gedacht.

Und siehe da: Die kesse Kresse benimmt sich gar nicht kapriziös, sondern wächst und gedeiht, blüht hübsch und rankt elegant aus der Holzkiste heraus.



Die im Topf, die nagelneue Blumenerde bekommen haben, stehen sonniger und sahen anfangs vielleicht ein bisschen weniger wirr aus, lassen gegenüber denen in der Holzklasse aber mittlerweile stark nach (Flüssigdünger hatten sie auch).


Das mache ich jetzt immer so. Es lebe die alte Blumenerde!

Samstag, 11. Juni 2011

Erdkunde - Teil II

Hatte ich doch letztes Jahr bei meinem Test torffreier Erden eine Variante unterschlagen, weil ich Kosten und Mühen gescheut hatte, nämlich Floragard.
Und da ich das nicht so unvollständig auf sich beruhen lassen konnte, habe ich mich beim Mein Schöner Garten-Freundeskreis für eine Testpackung frei Haus beworben. Völlig uneigennützig natürlich.

Hat auch geklappt und jetzt muss ich hoffen, dass der Postbote noch mit mir redet, nachdem er mir einen elendig schweren Karton mit einem 40-Liter-Sack Blumenerde vor die Tür stellen musste.
Auch Frau Katze empfand die übergroße Verpackung als nicht gesellschaftsfähig und furchteinflößend groß.

Mich hat das Geschenk sehr gefreut, denn so habe ich nicht nur die Blamage gespart, 40 Liter auf dem Fahrradgepäckträger zu balancieren, ohne zum Verkehrshindernis zu werden (ein Ding der Unmöglichkeit), sondern auch noch 10 Euro!

So ganz kostenlos ist das natürlich nicht, denn man muss sich mit einem Testbericht revangieren. Dann mal los.

Negativ aufgefallen ist erst mal die Packungsbeilage, das Floragard-Journal. Torffreie Blumenerde scheint nur ein Nischenprodukt zu sein, um auch den umweltbewussten Kunden auf seine Seite zu ziehen, denn ansonsten wimmelt das Sortiment nicht nur von Torfprodukten im ganz großen Stil, sondern bietet zu allem Überfluss auch noch reine Torfblöcke als Baumaterial! Das gibt selbstredend Abzüge in der B-Note, denn überzeugen kann das Engagement der Firma Floragard in Sachen Moorschutz so nicht.

Das Produkt selbst ist so, wie torffreie Erde sein soll - fällt nicht durch üble Gerüche auf, enthält keine allzu groben Holzstücke, ist feinkrümelig und hat eine schöne dunkle Farbe, die beim Abtrocknen in Schokobraun übergeht. Das könnte an den Braunkohlebestandteilen liegen, denn die Erde anthält Xylit, ein Produkt des Braunkohletagebaus.



Bei längerer Inbetriebnahme überzieht so manches Holzstück eine weiße Verpilzung, was wohl nicht zu vermeiden ist. Kleine Hütchenpilze wie bei anderen torffreien Produkten habe ich bisher nicht beobachtet, das kann aber durchaus auch Monate dauern, denn gut Pilz will Weile haben.

Die Wasserhaltekapazität ist gut, die Erde wird nicht steinhart, wenn sie austrocknet.

Und was sagen die Pflanzen dazu?
Sowohl vorgezogene Tomaten als auch Keimlinge sind hochzufrieden und zeigen keine Schwäche.
Die Tomaten wurden nach dem letzten Frost Mitte April in diese Erde verfrachtet und es geht ihnen immer noch prächtig.



Alles wächst und gedeiht prima.




Kapuzinerkresse, Möhren, Radieschen und Rucola mussten direkt in der Erde keimen, was kein Problem war, das Basilikum keimte erst in torfhaltiger Erde (meine Mutter hatte mir leider so einen politisch inkorrekten Topf mitgebracht), wo es schwächelte. Jetzt geht es ihm besser.

Insgesamt macht die Erde einen qualitativ guten Eindruck.
Der Preis isr natürlich höher als bei Billigerden, aber um die 10 Euro für ein 40-Liter-Gebinde ist gerade noch an der Schmerzgrenze. Viel teurer darf's aber auch nicht werden.

Bleibt nur das Xylit. Der BUND sieht das als problematisch an. Sollte es sich dabei wirklich nur um ein Abfallprodukt beim Braunkohleabbau handeln, könnte ich damit leben. Landschaftszerstörung extra für Blumenerde wäre allerdings genauso verwerflich wie der Rückgang der Moore durch den Torfabbau.

Aber wenn es sonst verbrannt würde, kann man Xylit besser in Blumenerde verstecken - die Moore freuen sich.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Eisessen gegen das Vergessen

Ich kann mir keine Namen merken.
Das ist schlimm und oftmals allzu peinlich.
Wenn jemand Unbekanntes anruft und mir seinen Namen nennt, habe ich ihn auch schon vergessen.
Allerdings ist das wohl das falsche Wort, denn man kann ja nur etwas vergessen, was man schon einmal wusste, aber dazu kommt es erst gar nicht. Der Name rauscht einfach so durch, ohne sich auf dem Weg kurzzeitig festzusetzen. Das funktioniert nicht nur am Telefon ganz hervorragend, sondern auch wenn sich Menschen persönlich bei mir vorstellen.

Pflanzennamen kann ich mir dafür jederzeit gut merken.
Zu meinem Mann sage ich zum Beispiel Sätze wie: "Können wir auf dem Weg zum Supermarkt noch am Schrebergarten vorbeigehen, damit ich schauen kann, ob der Trachystemon, der durch den Zaun wächst, schon Samen angesetzt hat?"

Leider reagiert mein Umfeld in der Regel eher verstört auf solche Sätze. Auch karrierefördernd ist diese Fähigkeit nicht gerade - im Gegensatz zu der Gabe, sich Personennamen einprägen und bei Bedarf reproduzieren zu können.

Pflanzennamen zu kennen nützt jedoch wenig, wenn man nicht mehr weiß, in welchen Topf man nun welche Tomatensorte gesetzt hat, oder wessen Samen in den Anzuchtbehältnissen keimen.
Ganz verheerend ist es, wenn man sich nicht mal mehr erinnern kann, dass man überhaupt schon etwas in einen Kübel gesät hat - eine Doppelbelegung finden nicht alle Sämlinge gelungen.


Schöne Schildchen müssen also her!

Kostenlose mit Botschaft gibt es bei der Aktion "Sei kein Torfkopp" des BUND.
Wer sich dort zum toffreien Gärtnern bekennt, bekommt Pflanzenstecker zugeschickt, die man öffentlichkeitswirksam platzieren kann. Dass sie nur in torffreie Erde gesteckt werden, ist natürlich Ehrensache!


Eine andere günstige Möglichkeit sind Eisstiele und Pommesgabeln aus Holz - so kann man den kleinen Sünden noch das gewisse Extra abgewinnen.
Eisessen kann also durchaus sinnvoll sein - zur Not kann man das auch delegieren, an Kinder zum Beispiel.



Da diese Holzstücke aus Buchenholz und natürlich lebensmittelecht sind, gehören sie sowieso eher auf den Kompost als in den Restmüll, auf jeden Fall aber in den Garten!
Etwaige Schokoladenreste lutscht die Spülmaschine vorher gerne ab.

Mit wasserfester Farbe beschriftet zeigen die Stecker lange, wer wo wächst - auch nach Jahren sehen sie noch gut aus - Hartholz eben:


Eisstiele nehmen die Farbe besser an, dafür kann man die Pommesgabeln sogar zum Pikieren verwenden!

Exemplare mit Brandzeichen sind eine Herausforderung - entweder man findet eine kennzeichnungspflichtige Pflanze mit dem Beinamen "Magnum" (Ornithogalum magnum vielleicht?) oder man dreht den Stiel einfach um.


Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt - wenn es hart auf hart kommt, kann man mit den Eisstielen auch lustige Nacktschneckenkatapulte basteln oder freie Plätze im Beet markieren, denn die nächste Blumenzwiebelpflanzaktion kommt bestimmt.

Gibt es denn etwas Schöneres als Eisessen im und auch für den Garten?

Samstag, 19. Juni 2010

Erdkunde

Torffreie Blumenerde ist manchmal schwieriger zu finden als Spekulatius im Juni.
Wenn ich in den Baumärkten keine sehe, frage ich nach. Zum einen, weil ich Tomaten auf den Augen haben könnte, zum anderen, um meinen Bedarf anzukündigen. Oft genug muss man sich dann allerdings anhören, ohne Torf geht es doch nicht, die Pflanzen wachsen nur in Torf, Torf gibt es doch genug und ist so billig, usw. usw.
Dabei ist Torf zwar wirklich unglaublich billig (weil z.B. in Lettland noch riesige Moorflächen existieren, während Moore bei uns schon ein seltener Lebensraum sind - Torfstecherei sei Dank), auf der anderen Seite aber auch unglaublich nährstoffarm. Ohne Zusätze wächst darin kaum etwas. Der pH-Wert ist im sauren Bereich, außerdem neigt Torf dazu, Wasser zu speichern und dann erstmal für sich zu behalten - die Pflanze muss darben. Ist er dann erstmal so richtig trockengefallen, kann man ihn nur schwer zur erneuten Aufnahme von Wasser überreden. Die Pflanze muss wieder darben.
Es ist ein weit verbreiterer Irrtum, dass Rhododendron und Azaleen nur durch Wagenladungen voll Torf am Leben erhalten werden können. Sauren Boden erreicht man genausogut mit einer Packung Rindenmulch (Mulchen danken Rhododendren als Waldpflanzen sowieso) oder Laubstreu von Eiche oder anderen Bäumen mit eher saurem Laub.

Warum ist das Zeug also so beliebt? Ein 20-Liter Sack Blumenerde, dem der Torf zu den Ohren wieder herauskommt, kostet so um einen Euro - dann aber inklusive einem ganzen Zoo an Trauermücken.
Torf ist eben leider immer noch zu billig.
Eine Eigenschaft, die torffreie Blumenerde nicht mitbringt. Aber egal - weil ich meine Begegnung mit Ziegenmelkern im Uchter Moor an einem warmen Sommerabend nie vergessen werde, bezahl ich bis zu einer gewissen Schmerzgrenze alles.
Das eigentliche Problem ist, dass torffreie Blumenerde im Handel so selten zu finden ist wie Moore in der Landschaft.
Zugegeben, diese handlichen Briketts aus Kokosfasern gibt es in der Tat ziemlich oft zu kaufen, allerdings reagierten viele meiner Pflanzen einigermaßen beleidigt auf das Angebot, also musste richtige Erde her.

Dieses Jahr war dann plötzlich alles anders. In fast jedem Baumarkt in meiner Nähe gab es torffreie Blumenerde.

Weil 20-Liter-Säcke so gut auf's Rad passen, habe ich mich nur auf diese Packungsgröße eingelassen.
Hier mein Testbericht:

Floragard torffreie Blumenerde, gefunden bei Hornbach:
Bei aller Liebe, aber 7,49 Euro für 20 Liter waren mir dann doch zu teuer und ich habe mir erlaubt, den Test gleich an dieser Stelle abzubrechen.
Außerdem meint der BUND zu dieser Erde:
"Diese Erde enthält Xylit. Dieser Zusatzstoff ist ein Nebenprodukt beim Braunkohleabbau. Dieser fügt der
Natur genau wie der Torfabbau große Schäden zu."

Plantania Blumenerde torffrei, gefunden bei Obi:
Kostenpunkt: 4,49 Euro
Der 20-Liter-Sack war sehr schwer, was an den vielen unverrotteten hölzernen Bestandteilen liegt.
Meine Pflanzen machen in der Erde einen guten Eindruck, allerdings verhärtet sie sehr stark, wenn sie austrocknet. Das Substrat zeigt nach ein paar Wochen Verpilzung - kein Schimmel, sondern richtige kleine Lamellenpilze. Obwohl es reizvoll erscheint, ein komplettes Zucchini-Pilz-Gericht im selben Topf zu ziehen, ist die Erde aufgrund der Pilzkulturen nicht so gut für die Wohnzimmerfensterbank geeignet. Das könnte Fragen zur häuslichen Hygiene aufwerfen.
Im Hochbeet könnte ich mir das Substrat aber sehr gut vorstellen - der geringe Verrottungsgrad wird Regenwürmer en masse anziehen.

Toom BauMarkt "Schöner Garten" Bio-Blumenerde
20 Liter kosten 3,99 Euro.
Die Erde ist sehr leicht und feinkrümelig, wirkt fast wie Torferde.
Keine groben unverrotteten Bestandteile, also auch keine Pilzzucht.

Verfügbare Nährstoffe:
pH - Wert (CaCl2): 6,5 2
Salzgehalt (H20): 2,0 g/l
Stickstoff N: 200 mg/l
Phosphat P2O6 : 200 mg/l
Kalium K2O: 650 mg/l

Weil das Substrat auf den ersten Blick so einen guten Eindruck machte, habe ich der Erde gleich eine Aussaat anvertraut, mit der ich sonst nie Glück hatte: Basilikum! Das Tütchen war ein Werbegeschenk, wäre also kein großer Verlust gewesen, falls es nicht klappt.
Klappt aber, und zwar völlig problemlos.


Auch meine Tomaten zeigen keine Anzeichen von Schwäche.

Diese Blumenerde ist daher mein Preisleistungssieger.

Und bald gibt es wieder Pesto Genovese!