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Mittwoch, 18. Mai 2011

Eisessen gegen das Vergessen

Ich kann mir keine Namen merken.
Das ist schlimm und oftmals allzu peinlich.
Wenn jemand Unbekanntes anruft und mir seinen Namen nennt, habe ich ihn auch schon vergessen.
Allerdings ist das wohl das falsche Wort, denn man kann ja nur etwas vergessen, was man schon einmal wusste, aber dazu kommt es erst gar nicht. Der Name rauscht einfach so durch, ohne sich auf dem Weg kurzzeitig festzusetzen. Das funktioniert nicht nur am Telefon ganz hervorragend, sondern auch wenn sich Menschen persönlich bei mir vorstellen.

Pflanzennamen kann ich mir dafür jederzeit gut merken.
Zu meinem Mann sage ich zum Beispiel Sätze wie: "Können wir auf dem Weg zum Supermarkt noch am Schrebergarten vorbeigehen, damit ich schauen kann, ob der Trachystemon, der durch den Zaun wächst, schon Samen angesetzt hat?"

Leider reagiert mein Umfeld in der Regel eher verstört auf solche Sätze. Auch karrierefördernd ist diese Fähigkeit nicht gerade - im Gegensatz zu der Gabe, sich Personennamen einprägen und bei Bedarf reproduzieren zu können.

Pflanzennamen zu kennen nützt jedoch wenig, wenn man nicht mehr weiß, in welchen Topf man nun welche Tomatensorte gesetzt hat, oder wessen Samen in den Anzuchtbehältnissen keimen.
Ganz verheerend ist es, wenn man sich nicht mal mehr erinnern kann, dass man überhaupt schon etwas in einen Kübel gesät hat - eine Doppelbelegung finden nicht alle Sämlinge gelungen.


Schöne Schildchen müssen also her!

Kostenlose mit Botschaft gibt es bei der Aktion "Sei kein Torfkopp" des BUND.
Wer sich dort zum toffreien Gärtnern bekennt, bekommt Pflanzenstecker zugeschickt, die man öffentlichkeitswirksam platzieren kann. Dass sie nur in torffreie Erde gesteckt werden, ist natürlich Ehrensache!


Eine andere günstige Möglichkeit sind Eisstiele und Pommesgabeln aus Holz - so kann man den kleinen Sünden noch das gewisse Extra abgewinnen.
Eisessen kann also durchaus sinnvoll sein - zur Not kann man das auch delegieren, an Kinder zum Beispiel.



Da diese Holzstücke aus Buchenholz und natürlich lebensmittelecht sind, gehören sie sowieso eher auf den Kompost als in den Restmüll, auf jeden Fall aber in den Garten!
Etwaige Schokoladenreste lutscht die Spülmaschine vorher gerne ab.

Mit wasserfester Farbe beschriftet zeigen die Stecker lange, wer wo wächst - auch nach Jahren sehen sie noch gut aus - Hartholz eben:


Eisstiele nehmen die Farbe besser an, dafür kann man die Pommesgabeln sogar zum Pikieren verwenden!

Exemplare mit Brandzeichen sind eine Herausforderung - entweder man findet eine kennzeichnungspflichtige Pflanze mit dem Beinamen "Magnum" (Ornithogalum magnum vielleicht?) oder man dreht den Stiel einfach um.


Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt - wenn es hart auf hart kommt, kann man mit den Eisstielen auch lustige Nacktschneckenkatapulte basteln oder freie Plätze im Beet markieren, denn die nächste Blumenzwiebelpflanzaktion kommt bestimmt.

Gibt es denn etwas Schöneres als Eisessen im und auch für den Garten?

Samstag, 6. November 2010

Vom Winde verweht

Na toll - kaum sieht man seinen Garten nach einer langen Arbeitswoche endlich mal wieder bei Tageslicht (wenn auch ein schummriges, als würde die Dämmerung auf Mittags vorverlegt werden), ist die ganze Pracht dahin.


Der große, universelle Laubbläser, der die letzten Tage ordentlich über Ostwestfalen wütete, hat ganze Arbeit geleistet und der schönen Herbstfärbung der Bäume mal ganz fix ein Ende bereitet.
Zugegeben, der sprichwörtliche goldene Oktober ist laut Kalender vorbei, aber muss man deswegen schon Anfang November Tabula Rasa machen und die Bäume ausziehen?
Am Boden macht sich das Laub zwar auch ganz hübsch, aber der Blick nach oben sieht schon etwas fad aus.


Und wer darf die ganze Misere nun auffegen? Ich natürlich. Alles muss man alleine machen - das schäbige Sturmtief mit dem großen Geltungsdrang hat ja schon unter großem Geheule das Weite gesucht.

Ich würde die ganze Pracht auch wirklich gerne wegharken, wenn es denn mal aufhören würde zu regnen.
Also muss der Rasen sich wohl noch ein bisschen gedulden (Archivbild, heute noch keine Sonne gesehen):


Mit dem herrlichen Herbstlaub kann man seinem Garten nämlich großartige Sachen antun.
Die Blätter von Apfel und Kirsche lasse ich einfach auf den Beeten liegen - die sind im Frühling verschwunden. Das meiste Apfellaub darf der Zierapfel als Winterdecke auf seinem Wurzelraum selbst behalten - vom pH-Wert ist das so mild, dass es nicht schadet. Wäre ja auch eigentlich seltsam, wenn der Apfel allergisch auf sein eigenes Machwerk wäre...

Schwieriger ist da schon das Blattwerk der Hasel. Im Frühling sind die verhältnismäßig großen Blätter noch in voller Ausdehnung vorhanden und behindern die Schneeglöckchen beim Austrieb - wie Gewichtheber müssen sie diese ungehörige Bedeckung von sich weisen.
Spätestens, wenn die ersten Spitzen der Zwiebelblumen zu sehen sind, erbarme ich mich und harke die Haselflatschen aus dem Beet.
Wenn man keinen Häcksler hat, kann man sich preisgünstig mit dem Rasenmäher behelfen: Das Laub flächig auf dem Rasen ausbreiten und ein paar Mal großzügig mit dem Mäher drüberfahren.
Aufpassen, dass keine Äste mit herausgeharkt wurden, an denen sich das Gerät verschlucken könnte.
Diese Laubfragmente können die Schneeglöckchen dann zurückhaben, von denen können sie nicht mehr erdrückt werden und auch die Zersetzung der Blätter geht dann rasanter.



Wer eine schön versteckte Schmuddelecke im Garten hat, kann sich an der Tütenkompostierung von Herbstlaub versuchen: Möglichst pladdernasses Laub in Müllbeutel stecken, oben zuknoten oder -binden und Löcher in den Sack pieksen. Das Ganze dann irgendwo in Ruhe reifen lassen. Die Zersetzung von Laub übernehmen nämlich hauptsächlich Pilze und die mögen es gern schön nass. Außerdem brauchen sie länger als bei der Wurmkompostierung.
Spätestens nach einem Jahr sollte man feinsten Laubkompost haben, der besonders gut für Moorbeete geeignet ist und Torf vermeiden hilft.

Das Herbstlaub ist also nicht nur lästig, aber trotzdem wäre es natürlich sehr schön gewesen, wenn die Bäume es noch ein bisschen behalten hätten. Aber als Wonnemonat war der November ja noch nie bekannt, leider.