Manchmal müssen die Nachbarn auch denken, ich hätte nicht mehr alle Nadeln an der Tanne. Erst fegt die Irre von nebenan feinsäuberlich das Apfellaub vom Rasen, nur um wenige Minuten später mit einem Eimer voller Ahornblätter anzurücken und diese weiträumig auf dem frisch geharkten Gras zu verteilen. Was soll das?
Dann kommt sie tatsächlich mit ihrem komischen unmotorisierten Minirasenmäher und fährt damit kreuz und quer über die gelben Baumblätter, bis der Rasen aussieht, als wäre ein ganzer Ahorn darauf explodiert. Als wäre das noch nicht genug, fotografiert sie diese Gartenabfälle am Ende sogar noch.
Wieder hat die Harke ihren Einsatz, die Schredderteile wandern zurück in den Eimer, wo sie doch gerade erst hergekommen sind. Hat die etwa nichts besseres zu tun? Klingt alles ziemlich sinnlos, oder?
Nun, auch wenn die Nachbarn dumm gucken, ich hatte tatsächlich einen ausgeklügelten Plan bei all dem vordergründigen Irrsinn. Die Blätter von den Kugel-Ahornbäumen, die in der Siedlung stehen und immer großzügig die Wege mit Laub eindecken, sind doch viel zu schade zum Wegwerfen, andererseits aber auch sehr flächendeckend. Sie verrotten eher langsam, was in kleinen Beeten spätestens im Frühjahr Probleme macht, wenn die Flatschen dann immer noch die Stauden unter sich begraben.
Also dachte ich mir, die häcksel ich doch mal. Als Versuchsballon habe ich einen Eimer voll Laub gesammelt, auf dem Rasen verteilt und bin mit dem Rasenmäher kreuz und quer darüber gefahren. Wenn man die Schicht nicht zu dick macht, verschluckt sich das Gerät auch nicht und zerkleinert brav die Blätter.
Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Nun also alles wieder zusammengeharkt und zurück in den Eimer. Die kleinen Fragmente, die jetzt noch auf dem Rasen liegen, werden sich die Regenwürmer schon reinziehen.
Die Laubstücke sind besser als Mulch geeignet als im Ganzen, aber man kann noch mehr damit machen: Zur Herstellung von Laubkompost braucht man eine Plastiktüte, da hier für die Arbeit der Pilze ein feuchtwarmes Milieu herrscht. Im Geräteschrank fand ich eine transparente Kunststoffhülle, in der schon mal ein Kokosbrikett eingeweicht wurde. Die Laubmenge passte genau hinein. Die Öffnung habe ich gefaltet und das Ganze mit einem Gummiband fixiert. Am Ende habe ich noch rundherum Löcher in die Tüte gestochen, damit Luft, Pilzsporen und Regen hinein können.
Das Experiment steht nun versteckt an der Terrasse, wo es ruhig nass werden darf. Den Winter über machen die Pilze nun hoffentlich ihre Arbeit und verwandeln die Blätter in schönen Laubkompost, der als Mulch und Bodenverbesserer auf die Beete verteilt wird. Als Beigabe ist noch Rasenschnitt mit hinein gewandert, der als Stickstoffquelle dienen kann.
Aber das Ergebnis werden die Nachbarn nicht sehen und schon gar nicht mit den Taten der Wahnsinnigen von nebenan in Verbindung bringen...
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PS: Für diesen Beitrag wurde kein Schneeglöckchen verletzt. Die Rede ist von den zwei Zwiebelchen auf dem ersten Bild. Ich hatte sie im Vorbeigehen im Vorgarten aus der Erde schauen sehen und sie mit in den Eimer gelegt. Sie sind nicht unter den Mäher gekommen, sondern wurden sofort hinten im Garten wieder eingepflanzt.












