Jeder kennt sie, diese perfekt arrangierten Terrassen- und Balkonszenen aus den Gartenzeitschriften. Viele lieben sie, bei mir sind sie dagegen fast schon ein gefürchteter Anblick, zeigen sie doch ganz schonungslos den Gegensatz zu meiner Gartenwelt. In den Magazinen sieht man immer perfekt Blühendes in feinen Pastellfarben, oder auch mal Ton in Ton, je nach Jahreszeit - immer jedoch in Hochglanzqualität und stets ohne Fehl und Tadel. Auf meiner Terrasse aber stehen Töpfe, in denen letzte Saison Gemüse wuchs und nun eine muntere Schar frecher Pionierpflanzen - von der Akelei über den Feldsalat bis zum Schnittlauch und Oregano ist in meinen Kübeln immer alles vertreten, was sich gekonnt selbst aussäen kann. Ich bringe es nie über's Herz, diese kleinen Schätze heimatlos zu machen, also wird es auch nie etwas mit dem Blütenrausch vorm Wohnzimmerfenster. Bald ist sowieso der Blick versperrt durch üppiges Tomatengrün, dann sehe ich das Elend wenigstens nicht mehr. Zu meiner Ehrenrettung schreitet immerhin eine lustige Sonnenblume von zwergenhaftem Wuchs ein, die so tut, als würde hier ganz fabelhaft im Topf gegärtnert. Ich kann nur leider nichts dafür, sie war ein Geschenk.
Wenn also der Inhalt der Kübel schon keinen Schönheitspreis gewinnt, dann doch wenigstens die Töpfe selbst. Also habe ich mir dieses Jahr einiges an Recyclingbehältern angelacht, Hauptsache bunt sollten sie sein.
Der Klassiker schlechthin ist diese olle Olivenöldose. Die Idee ist ja nicht neu. Ich wollte das schon immer mal nachmachen, allein das schmucke Behältnis fehlte bis vor Kurzem. Das Motiv ist zwar etwas befremdlich (warum bitteschön gießt die Dame auf dem Bild denn bloß das ganze Olivenöl hinfort, während der Mann arbeitet?), aber trotzdem hübsch anzusehen. Nun steht Basilikum darin.
Genauso wie in der "I love Robins"-Verpackung aus England. Die ist schließlich so dekorativ, dass ich sie einfach noch mal in den Mittelpunkt rücken musste.
Um das Trio abzurunden, musste am Ende noch eine knallgelbe M&Ms-Tüte herhalten und sich schmutzig machen. In diesem fröhlichen Gelb wächst das Basilikum komischerweise am allerbesten - kein Wunder, schließlich habe ich den Inhalt auch mit Liebe aufgegessen. Auch die Schnecken haben sich an dieses grell-bunte Behältnis bezeichnenderweise noch nicht heran getraut, obwohl sie ansonsten stets sehr bemüht waren, jedes Basilikum dem Erdboden gleich zu machen.
Wer also seine wuchernde, nicht-blühende Terrasse oder den Balkon kaschieren möchte, der mag vielleicht auch zu so lustigen Verpackungen greifen. Material gibt es genug, Hauptsache schön bunt - schließlich ist Sommer, da darf man sich ruhig im Farbton vergreifen. Das Grünzeug wirkt dann gleich nicht mehr so langweilig. Die Gartenzeitschriften empfinde ich zwar immer noch als Provokation, aber nun kann ich mich beruhigt zurück lehnen - meine Terrasse ist jetzt bunt, basta!
